Besondere Vergabeformen helfen uns schneller zu werden.

© Matthias Meurer
Torsten Leesmeister und Marion Osthoff leiten das Team des ersten Schulbaumaßnahmenpakets

Um beim Schulbau noch schneller zu werden, gehen wir neue Wege. Der Rat hat mit dem "Maßnahmenpaket Schulbau" ein Sonderprogramm beschlossen und danach noch erweitert. Mit diesem realisieren wir 22 Neubauten, Erweiterungen, Interimsbauten und Generalinstandsetzungen an 11 Schulstandorten mit  General- oder Totalunternehmen. Bis zum Jahr 2023 sollen sämtliche Maßnahmen im ersten von zwei Sonderprogrammen fertiggestellt sein. Der prognostizierte Kostenorientierungswert für die Realisierung der 22 Bauvorhaben liegt bei mehr als 520 Millionen Euro. Mit diesem Geld können wir rund 9.000 dringend benötigte Schulplätze sichern oder neu schaffen, was uns extrem motiviert und auch stolz macht. Wir sind Bauherrin der Verfahren, Vorarbeiterin bei der Planung, Kontrollinstanz und Eigentümerin der Objekte, wenn sie fertiggestellt sind und tragen danach die Betreiberverantwortung. 

Hinter den modernen Projekten stecken allein im ersten Programm mit General- und Totalunternehmer nicht weniger als 1.000 miteinander verbundene Gesichter, 975 Ansprech- und Vertragspartner*innen und 11 Projektleitungen. Sie waren selbst Schüler*innen. Sie sind Väter und Mütter. Schwestern und Brüder. Tanten und Onkels. Und zum Glück für Köln auch lngenieur*innen und Architekt*innen. Sie haben zuvor die Grundlagen ermittelt, haben Flächenbedarfe festgelegt, alle relevanten Daten zusammengetragen. Sie haben Bau- und Planungsrecht geklärt. Und die höchst komplexen Vergaben juristisch vorbereitet. Sie halten alle Fäden zusammen. Denn: Menschen machen Schulen – für Menschen. In diesem Video sprechen die 11 sowie die beiden Teamleitungen erstmals öffentlich über die besonderen Herausforderungen an ihrem jeweiligen Schulstandort, die jüngsten Meilensteine und nächsten Schritte auf ihrem ambitionierten Weg. 

Was sind General- und Totalunternehmer?

Generalunternehmen nehmen uns sämtliche Bauleistungen ab, Totalunternehmen noch dazu die meisten der Planungsleistungen. Unsere Vorarbeiten und unsere enge Begleitung waren und sind dennoch enorm. Der Vorteil liegt mehr darin, dass wir uns ab einer bestimmten Leistungsphase auf unsere Kernaufgaben konzentrieren können. Vor allem aber bleiben privaten General- oder Totalunternehmen zeitlich sehr aufwändige und terminlich wie kostenriskante Vergaben nach Einzelgewerken erspart, anders als uns als öffentliche Auftraggeberin. 

Aufgrund der seit Jahren äußerst angespannten Lage im Bausektor und des Fachkräftemangels ist Hochbau insbesondere für öffentliche Auftraggeber*innen immer herausfordernder. Da helfen uns solche besonderen Vergabeformen mit privaten Unternehmen, Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit vorausgesetzt. Das heißt aber nicht, dass wir mit dem Projekt nichts mehr zu tun hätten. Wir erbringen umfassende Vorarbeiten in der Planung und bereiten die höchst komplexen Vergaben juristisch und baufachlich vor.

Mit Beginn der Bauausführung überwachen wir diese, um die gewünschte Kosten- und Terminsicherheit zu erzielen. Wir übernehmen das Controlling der Leistungen, sondieren den Markt, bereiten Ausschreibungen vor, regeln alles Vertragliche, ermitteln die Grundlagen und koordinieren fortlaufend ämterübergreifend bis zur Fertigstellung und darüber hinaus. Wir bleiben immer Herrin des Verfahrens sowie Eigentümerin der Objekte und geben unsere Verantwortung nie ab. 

Grund- und Förderschule in Poll

Die Grundsteine für gleich zwei Schulbauvorhaben haben wir in Poll auf einem Grundstück an der Siegburger Straße gelegt. Der erste galt der Förderschule für geistige Entwicklung, die hier erweitert wird. Der zweite für die Außenstelle der Janusz-Korczak-Grundschule Am Altenberger Kreuz, für die er auf demselben Grundschule eine Außenstelle plant und errichtet.  Mit beiden Projekten sichern wir 100 Schulplätze und schaffen 200 zusätzliche. Beide Schulbauten werden durch einen Totalunternehmer realisiert, der der Stadt den größten Teil der Planungsleistungen sowie sämtliche Bauaufgaben abnimmt. 

Bei der Grundsteinlegung wurden in die Rohbauten zwei so genannte Zeitkapseln in symbolischen Grundsteinmauern eingesetzt. Sie sind gefüllt mit einem Bauplan, Tagespresse, einem Satz Euromünzen, einem "Kölner Pfennig", wie er im 10. Jahrhundert Zahlungsmittel war, sowie Beigaben der Schulgemeinde. Später werden diese einen Platz im Gebäude erhalten, der mit dem Jahr der Grundsteinlegung gekennzeichnet wird. Die Zeremonie erfolgte entsprechend der Corona-Schutzvorkehrungen in kleinem Kreis.

Beide Schulbauten sollen bis zum Schuljahr 2022/2023 fertiggestellt sein. Die Fundamente und Bodenplatten sind teilweise gegossen. Die Wände und Decken werden bis zum 4. Quartal 2020 erstellt. Die baudichte Hülle mit allen Fassadenbestandteilen soll im 1. Quartal 2021 soweit geschlossen sein, dass der Innenausbau mit Installierung der technischen Gebäudeausstattung beginnen kann. Die Fertigstellung und Übergabe der Gebäude zur Nutzung wird im 2. Quartal 2022 erfolgen. Die Außenanlagen werden danach bis zum 4. Quartal 2022 neu gestaltet.

© Timm Bourry
Sogar der grüne Plüsch-Drache trägt Mundschutz. Lena Ebert, achte Jahre, und Janne Wiesehöfer, neun Jahre, begrüßen Oberbürgermeisterin Henriette Reker.
© Timm Bourry
Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Felix Sibs mit seinen Lehrern Daniel Lietz und Klaus Schmidt von der Förderschule beim Befüllen der Zeitkapsel.
© Timm Bourry
Der Grundstein für die Förderschule und der für die Grundschule nebeneinander und die Beteiligten der Zeremonie dazwischen

Hildegard-von-Bingen-Gymnasium

Richtfest mit Kindheitserinnerungen

In Köln-Sülz errichten wir an der Leybergstraße einen Erweiterungsbau mit integrierter Dreifachturnhalle für das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium. Im September 2020, nur zehn Monate nach der Grundsteinlegung, konnte das Richtfest begangen werden. Architektin Susanne Gross erinnerte sich dabei an ihre Schulzeit, an der sie auch Schülerin an dieser Schule war. Mit Densi Poikayil, Projektleiterin bei der Gebäudewirtschaft und ebenfalls studierte Architektin, ist sie damit schon die zweite Projektbeteiligte, die ehemalige Schülerin der Schule ist. Wenn das kein gutes Omen bedeutet. 

© MBN Bau AG/David Meyer
Jeder Stahlträger ist bis zu 15 Meter lang und bis zu 64 Tonnen schwer

Spektakulärster Höhepunkt bisher war der "Anflug" von 15 bis zu 34 Meter langen sowie bis zu 64 Tonnen schweren Stahlverbundträgern, die die Statik des Neubaus sicherstellen. Ende April 2020 wurden sie per Kran in das Baufeld eingebracht. Seitdem wächst die Erweiterung in die Höhe. Bald gießen wir die letzte Geschossdecke. Die Erweiterung wird die errichteten Modulbauten vor Ort ersetzen, die vorübergehend der Zügigkeitserhöhung von 3 auf 4 Züge in der Sekundarstufe I sowie von 5 auf 6 in der Sekundarstufe II mit zusätzlichen 195 Schulplätzen dienten. Damit ist die Zahl der Schüler*innen auf 1.000 angestiegen. Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus wird die bestehende Turnhalle zum Ganztagsbereich umgenutzt. Die Schule wird in klimaschonender Passivhausbauweise errichtet.

Königin-Luise-Gymnasium

Neubauen und Sanieren von Bestand unter Denkmalschutz

Mit Hochdruck arbeiten wir auch an der Erweiterung des Königin-Luise-Gymnasiums am Standort Alte Wallgasse und Palmstraße in der Kölner Innenstadt. Das Interimsgebäude auf dem Schulgelände ist bereits fertig, so dass die alte Schulbaracke an der Ecke zur Palmstraße abgebrochen werden kann. An ihrer Stelle wird im dritten Quartal 2020 beginnend ein Neubau errichtet. Fertigstellen wollen wir diesen im ersten Quartal 2022. Sobald der Neubau dann in Betrieb ist, folgt die Generalsanierung des denkmalgeschützten Altbaus als dritte von drei Maßnahmen im Projekt. Diese wird dann geschätzt 15 Monate dauern, so dass auch hier 2023 alles fertiggestellt sein sollte. Um Platz für den Baubetrieb zu bekommen, mussten neun Bäume gefällt werden. Dafür werden wir später mindestens 14 neue pflanzen. 22 Bäume konnten erhalten werden. Auch den Spielplatz erstellen wir nach Abschluss der Arbeiten am alten Standort und in gleicher Größe hochwertig neu. Der Schulneubau wird besonders klimaschonend nach den hohen Energiestandards der Passivhausqualität gebaut. Darüber hinaus statten wir das Gebäude mit einer Photovoltaikanlage aus.  

© Hahn Helten Architektur / loomn architektur visualisierung
© Hahn Helten Architektur / loomn architektur visualisierung
© Hahn Helten Architektur / loomn architektur visualisierung

Integrierte Gesamtschule Innenstadt am Standort Severinswall

Sehen Sie die besonderen Herausforderung bei Planung und Bau im Video:

Die Übergangsschule im alten Museum

© Ponnie Images
Innenansicht eines künftigen Klassenraums

Am Standort Severinswall müssen wir ein bestehendes Schulgebäude abbrechen, um an seiner Stelle einen Neubau errichten zu können. Der Baubeginn ist erfolgt. Der Neubau wird der Oberstufe der Integrierten Gesamtschule Innenstadt dienen. Bis der Neubau fertig ist, starten die Oberstufenschüler*innen in direkter Nachbarschaft. Das Interims-Gebäude aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts am Ubierring beherbergte bis 2008 das Rautenstrauch-Joest-Museum. Um bald als Interim-Schule für die Dauer des Neubaus dienen zu können, müssen wir es erst nutzbar machen. Eine besonders spannende Aufgabe für unser Planungsteam, das aus vielen stadtinternen aber auch externen Projektbeteiligten besteht. 

Der Neubau am Severinswall 

Unter anderem muss ein Durchbruch geschaffen werden, der zum Schulhof der alten Schule führt, die derzeit abgerissen wird. Die Klassenräume entstehen in bisherigen Ausstellungsräumen zu Themen der Völkerkunde sowie im Kammerspielsaal mit Drehbühne. Hinzu kommen hier weitere Herausforderungen, wie die Lage des Schulgrundstückes in einem Hochwassergebiet sowie besondere Fragen des Denkmalschutzes. Fassade und Treppenhaus des ehemaligen Museums stehen unter Schutz. Im Untergrund gibt es mit Überresten der römischen Stadtmauer Bodendenkmäler, auf die wir Rücksicht nehmen wollen und müssen. 

© Molestina Architekten
So soll das neue Oberstufenzentrum am Severinswall mal von innen aussehen

Trotzdem war der Standort aufgrund mangelnder anderer Grundstücksflächen in dieser Innenstadtlage alternativlos und wir realisieren hier immer noch die wirtschaftlichste Lösung. Der Neubau für das Oberstufenzentrum nach einem Entwurf des Büros Molestina Architekten wird nicht nur modern und nachhaltig geplant und errichtet. Er wird außen wie innen ein Hingucker werden, der sich trotzdem in die umliegende Bebauung gut einfügen wird. Und für das alte Museum, egal wie das Gebäude nach der Interimszeit als Schule genutzt werden wird, haben wir einen großen Beitrag zu seinem Erhalt sowie seiner Modernisierung geleistet. 

Damit ist dieses Vorhaben heute schon ein ganz besonderes Projekt unter unseren vielen Schulbauprojekten. Der Neubau soll bis zum dritten Quartal 2022 fertiggestellt sein.

Ernst-Moritz-Arndt-Schule am Standort Sürther Straße

Im November 2019 haben wir damit begonnen, die Ernst-Moritz-Arndt-Schule, die sich derzeit an der Mainstraße mit der Grüngürtelschule einen Standort teilen muss, im Sürther Feld neu zu bauen. Mit der Fertigstellung der fünfzügigen Grundschule mit Zweifachturnhalle erhöht sich die Zahl der Schulplätze von aktuell 276 auf dann rund 500. Sobald sie die Mainstraße verlassen hat, wird der dann dort frei werdende Raum der benachbarten Grüngürtelschule zugeschlagen, die damit von drei auf vier Züge wachsen kann. 

Grundsteinlegung für den Neubau

Am Standort Sürther Feld fand am 29. Mai 2020 die Grundsteinlegung mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Mike Homann Bezirksbürgermeister Stadtbezirk Rodenkirchen, Peter Appeltrath Polier der Firma Züblin, Sandra Kißmann Abteilungsleiterin Bauprojektmanagement I in der Gebäudewirtschaft, Eduard Manz Oberbauleiter der Firma Züblin, Anne Lena Ritter Leiterin des Amtes für Schulentwicklung und Ute Kochsiek Schulleiterin Ernst-Moritz-Arndt-Schule (von links) statt. 

 

© DREI ARCHITEKTEN
Planskizze

Das Schulgebäude wird aus drei Bauteilen bestehen. Gebäudetrakt A wird dreigeschossig, B und C zweigeschossig. Die dreiflügelige Anlage des Schulhauses bildet mit der Sporthalle einen Vorplatz entlang der Magistrale und zwei unterschiedlich gestaltete Pausenhöfe, die durch Erdwälle vom Verkehr der Straße abgeschirmt werden. Im Westen des Baugrundes nahe der Sürther Straße entsteht die barrierefreie Sporthalle mit Hausmeisterwohnung und schließt damit an der Seite die Gesamtanlage ab.

Die Fundamente und Bodenplatten sind gegossen, die ersten Wände der Unterkellerung sowie der Sporthalle stehen bereits. Die Decken werden bis zum 4. Quartal 2020 erstellt.

 

© Stadt Köln
© Stadt Köln
© Stadt Köln

Die baudichte Hülle mit allen Fassadenbestandteilen soll im 1. Quartal 2021 soweit geschlossen sein, dass der Innenausbau mit Installierung der Technischen Gebäudeausstattung  beginnen kann. Zuletzt werden die Außenanlagen gestaltet. Die Fertigstellung und Übergabe des Gebäudes zur Nutzung  ist im 1. Quartal 2022 geplant.