Die Übergangsschule im alten Museum

© Stadt Köln
Innenansicht eines Klassenraums

Am Standort Severinswall mussten wir ein bestehendes Schulgebäude abbrechen, um an seiner Stelle einen Neubau für die Oberstufe der Integrierten Gesamtschule Innenstadt errichten zu können. Bis der Neubau fertig ist, wird die Oberstufe in direkter Nachbarschaft unterrichtet. Das Interims-Gebäude aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts am Ubierring beherbergte bis 2008 das Rautenstrauch-Joest-Museum. Seit Dezember 2020 dient es nun als wahrscheinlich schönste Interims-Schule Kölns für die Dauer des Neubaus. Nach dem Auszug der jetzigen Schule in ihren Neubau auf der Rückseite kann der von uns aufwändig sanierte und restaurierte sowie geschichtsträchtige Bau weiteren Schulen als Übergangsdomizil dienen.

Sehen Sie die besonderen Herausforderung im Video:

© Martina Goyert
Treppenhaus im Verwaltungstrakt mit Oberlichtern

Aus Ausstellungsräumen wurden Klassenräume 

Trotz der vielen Herausforderungen war der Umbau des ehemaligen Museums zu einem Schulgebäude aufgrund mangelnder anderer Grundstücksflächen in dieser Innenstadtlage alternativlos und immer noch die wirtschaftlichste Lösung. Der Neubau für das Oberstufenzentrum nach einem Entwurf des Büros Molestina Architekten wurde nachhaltig geplant und errichtet. Er ist nun innen wie außen ein Hingucker. Und wir haben ein wichtiges Baudenkmal so für kommende Generationen gerettet. Aus Ausstellungsräumen wurden hochmodernen Klassenräume und Verwaltungsbereiche. Die denkmalgeschützte Fassade und das ebenfalls unter Schutz stehende Treppenhaus wurden aufwändig restauriert. Damit wurde das gesamte Baudenkmal auf modernsten Baustandard gebracht. 

Das Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise als Spielstätte der Kammerspiele Köln genutzt. Dazu wurde 1948 unter anderem im ersten Obergeschoss des Mittelbaus eine Drehbühne eingebaut sowie zur Verdunkelung des Saals die sieben Fensteröffnungen verschlossen und fassadenseitig mit Werken von Otto Helmut Gerster (1907 bis 1982) dekoriert. Im März 2020 wurden die sogenannten Sgraffitos des Künstlers Otto Helmut Gerster nach der Demontage von Tuffsteinplatten in der Fassade entdeckt. Sgraffitos sind Wandkunstwerke, bei denen verschiedenfarbige Putzschichten übereinandergelegt werden. 

Die Sgraffitos zeigen auf die Kammerspiele bezogene Motive: drei figürliche Darstellungen mit Symbolgestalten aus dem klassischen Drama, dem Tanz und der Komödie sowie Theaterstilleben. Auf die Fassade aufgebracht wurden sie sehr wahrscheinlich unter der Mitwirkung Studierender von Gerster, der von 1947 bis 1972 als Professor der Klasse für Wandmalerei und figürliche Komposition an den Kölner Werkschulen in der Nachbarschaft tätig war. Von Otto Helmut Gerster gibt es nur noch wenige erhaltene Kunstwerke. Insofern sind die Darstellungen auch aus kunsthistorischer Sicht ein sehr wertvolles Dokument für das Schaffen des Künstlers. Die alte, neu entdeckte Wandkunst wurde fachgerecht wie behutsam in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege der Stadt sowie des LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland untersucht.