Vom Ex-Museum in einen nachhaltigen Neubau

Wo einmal eine abbruchreife Realschule stand, zieht nun eine bemerkenswerte Architektur die Blicke auf sich: Nach einem Entwurf des Büros Molestina Architekten haben wir für die Oberstufe der Integrierten Gesamtschule Innenstadt ein auffälliges Objekt verwirklicht. Ein markantes gestalterisches Element sind seine imposanten Tonnendächer, die außen wie Wellen und innen im obersten Geschoss wie Gewölbedecken wirken. Auch die Laubengänge sind markant. Sie dienen der Verbindung und auch als Fluchtwege. Die Fassade schmückt ein Fliesenmosaik von Laura García Blanco und Juan Pablo Molestina. Das Mosaik greift die Bänderstruktur und Öffnungen der Fassade auf, und stellt die Lage des Objekts mit dem nahen Rhein abstrakt dar. 

© Michael Bause/Stadt Köln
Laubengänge auf der Hinterseite des Gebäudes

Das neue Schulgebäude bietet 5.592 Quadratmeter Bruttogeschossfläche Platz für die Umsetzung neuester pädagogischer Raum- und Unterrichtskonzepte. Gelernt wird in sogenannten Clustern, also Raumgruppen, die mit den angebundenen Kommunikations- und Küchenbereichen sowohl dem differenzierten Lernen als auch der Erholung und der Begegnung dienen. Zudem wurde eine Zweifachturnhalle in den Bau integriert.  

In der Planung und Ausführung haben wir besonders darauf geachtet, dass die Errichtung und Gestaltung besonders klimaschonend und energieeffizient sind. Unsere Vorgabe war, das Gebäude in Anlehnung an die Passivhausbauweise zu errichten.  

Bei der technischen Gebäudeausrüstung haben wir auf verschiedene Aspekte Wert gelegt, wie auf die Nutzung von Fernwärme, Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung, optimierte Gebäudeautomation, abgestimmte Konzepte zur Nutzung der solaren Einträge im Winter und an die Außentemperatur gekoppelte Sonnenschutzeinrichtungen oder auch auf Wärmerückgewinnung über die Lüftungsanlagen. Damit wird der Energieverbrauch auch in der Nutzung minimiert, was nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt.

Zuvor hatten wir das ehemalige Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring so umgebaut und modernisiert, dass es der Oberstufe als mehr als ungewöhnliches Ausweichquartier dienen konnte. Es kann nun den jüngeren Jahrgängen der Gesamtschule als Interim dienen, bis ihr Gebäude saniert ist. Danach wird der geschichtsträchtige Bau weiteren Schulen als Übergangsdomizil dienen. Sehen Sie die besonderen Herausforderung dieses ganz und gar nicht alltäglichen Auftrags im Video:

© Martina Goyert
Treppenhaus im Verwaltungstrakt mit Oberlichtern

Aus Ausstellungsräumen wurden Klassenräume 

Trotz der vielen Herausforderungen war der Umbau des ehemaligen Museums zu einem Schulgebäude aufgrund mangelnder anderer Grundstücksflächen in dieser Innenstadtlage alternativlos und immer noch die wirtschaftlichste Lösung. Der Neubau für das Oberstufenzentrum nach einem Entwurf des Büros Molestina Architekten wurde nachhaltig geplant und errichtet. Er ist innen wie außen ein Hingucker. Und wir haben ein wichtiges Baudenkmal so für kommende Generationen gerettet. Aus Ausstellungsräumen wurden hochmodernen Klassenräume und Verwaltungsbereiche. Die denkmalgeschützte Fassade und das ebenfalls unter Schutz stehende Treppenhaus wurden aufwändig restauriert. Damit wurde das gesamte Baudenkmal auf modernsten Baustandard gebracht. 

Das Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise als Spielstätte der Kammerspiele Köln genutzt. Dazu wurde 1948 unter anderem im ersten Obergeschoss des Mittelbaus eine Drehbühne eingebaut sowie zur Verdunkelung des Saals die sieben Fensteröffnungen verschlossen und fassadenseitig mit Werken von Otto Helmut Gerster (1907 bis 1982) dekoriert. Im März 2020 wurden die sogenannten Sgraffitos des Künstlers Otto Helmut Gerster nach der Demontage von Tuffsteinplatten in der Fassade entdeckt. Sgraffitos sind Wandkunstwerke, bei denen verschiedenfarbige Putzschichten übereinandergelegt werden. 

Die Sgraffitos zeigen auf die Kammerspiele bezogene Motive: drei figürliche Darstellungen mit Symbolgestalten aus dem klassischen Drama, dem Tanz und der Komödie sowie Theaterstilleben. Auf die Fassade aufgebracht wurden sie sehr wahrscheinlich unter der Mitwirkung Studierender von Gerster, der von 1947 bis 1972 als Professor der Klasse für Wandmalerei und figürliche Komposition an den Kölner Werkschulen in der Nachbarschaft tätig war. Von Otto Helmut Gerster gibt es nur noch wenige erhaltene Kunstwerke. Insofern sind die Darstellungen auch aus kunsthistorischer Sicht ein sehr wertvolles Dokument für das Schaffen des Künstlers. Die alte, neu entdeckte Wandkunst wurde fachgerecht wie behutsam in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege der Stadt sowie des LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland untersucht.