Besondere Vergabeformen helfen uns schneller zu werden.

© Matthias Meurer
Torsten Leesmeister und Marion Weiler, Projektleitung des Sonderprogramms bei der Gebäudewirtschaft

Um beim Schulbau noch schneller zu werden, gehen wir neue Wege. Der Rat hat mit dem "Maßnahmenpaket Schulbau" ein Sonderprogramm beschlossen und danach noch erweitert. Mit diesem realisieren wir 22 Neubauten, Erweiterungen, Interimsbauten und Generalinstandsetzungen an 11 Schulstandorten mit  General- oder Totalunternehmern. Bis zum Jahr 2023 sollen sämtliche Maßnahmen des Sonderprogramms fertiggestellt sein. Der im Juli 2019 prognostizierte Kostenorientierungswert für die Realisierung der 22 Bauvorhaben lag bei rund 520 Millionen Euro. Mit diesem Geld können wir rund 9000 dringend benötigte Schulplätze sichern oder neu schaffen, was uns extrem motiviert und auch stolz macht. 

 

Was sind General- und Totalunternehmer?

Generalunternehmen nehmen uns sämtliche Bauleistungen ab, Totalunternehmen noch dazu die meisten der Planungsleistungen. Unsere Vorarbeiten und unsere enge Begleitung waren und sind dennoch enorm. Der Vorteil liegt mehr darin, dass wir uns ab einer bestimmten Leistungsphase auf unsere Kernaufgaben konzentrieren können. Vor allem aber bleiben privaten Partnerinnen und Partnern zeitlich sehr aufwändige und terminlich wie kostenriskante Vergaben nach Einzelgewerken erspart, anders als uns als öffentliche Auftraggeberin. 

Aufgrund der seit Jahren äußerst angespannten Lage im Bausektor und des Fachkräftemangels ist Hochbau insbesondere für öffentliche Auftraggeberinnen wie uns immer herausfordernder. Da helfen uns solche besonderen Vergabeformen mit privaten Partnerinnen und Partnern, Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit vorausgesetzt. Das heißt aber nicht, dass wir mit dem Projekt nichts mehr zu tun hätten. Wir erbringen umfassende Vorarbeiten in der Planung und bereiten die höchst komplexen Vergaben juristisch und baufachlich vor.

Mit Beginn der Bauausführung überwachen wir diese, um die gewünschte Kosten- und Terminsicherheit zu erzielen. Wir übernehmen das Controlling der Leistungen, sondieren den Markt, bereiten Ausschreibungen vor, regeln alles Vertragliche, ermitteln die Grundlagen und koordinieren fortlaufend ämterübergreifend bis zur Fertigstellung und darüber hinaus. Wir bleiben immer Herrin des Verfahrens sowie Eigentümerin der Objekte und geben unsere Verantwortung nie ab. 

Der Standort Alte Wallgasse

Neubauen und Sanieren von Bestand unter Denkmalschutz

Mit Hochdruck arbeiten wir auch an der Erweiterung des Königin-Luise-Gymnasiums am Standort Alte Wallgasse und Palmstraße in der Kölner Innenstadt. Das Interimsgebäude auf dem Schulgelände ist bereits fertig, so dass die alte Schulbaracke an der Ecke zur Palmstraße abgebrochen werden kann. An ihrer Stelle wird im dritten Quartal 2020 beginnend ein Neubau errichtet. Fertigstellen wollen wir diesen im ersten Quartal 2022. Sobald der Neubau dann in Betrieb ist, folgt die Generalsanierung des denkmalgeschützten Altbaus als dritte von drei Maßnahmen im Projekt. Diese wird dann geschätzt 15 Monate dauern, so dass auch hier 2023 alles fertiggestellt sein sollte. Um Platz für den Baubetrieb zu bekommen, mussten neun Bäume gefällt werden. Dafür werden wir später mindestens 14 neue pflanzen. 22 Bäume konnten erhalten werden. Auch den Spielplatz erstellen wir nach Abschluss der Arbeiten am alten Standort und in gleicher Größe hochwertig neu. Der Schulneubau wird besonders klimaschonend nach den hohen Energiestandards der Passivhausqualität gebaut. Darüber hinaus statten wir das Gebäude mit einer Photovoltaikanlage aus.  

© Hahn Helten Architektur / loomn architektur visualisierung
© Hahn Helten Architektur / loomn architektur visualisierung
© Hahn Helten Architektur / loomn architektur visualisierung

Der Standort Severinswall

Die Übergangsschule im alten Museum

Am Standort Severinswall müssen wir ein bestehendes Schulgebäude abbrechen, um an seiner Stelle einen Neubau errichten zu können. Dieser wird der Oberstufe der Integrierten Gesamtschule Innenstadt dienen. Bis der Neubau fertig ist, starten die Oberstufenschülerinnen und -schüler in direkter Nachbarschaft. Das Interims-Gebäude aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts am Ubierring beherbergte bis 2008 das Rautenstrauch-Joest-Museum. Um bald als Interim-Schule für die Dauer des Neubaus dienen zu können, müssen wir es erst nutzbar machen.

Eine besonders spannende Aufgabe für unser Planungsteam, das aus vielen stadtinternen aber auch externen Projektbeteiligten besteht. Baubeginn soll im Sommer 2020 sein.

© Molestina Architekten
Außenansicht des Neubaus für die Schule am Severinswall

Der Neubau am Severinswall 

Unter anderem muss ein Durchbruch geschaffen werden, der zum Schulhof der alten Schule führt, die derzeit abgerissen wird. Die Klassenräume entstehen in bisherigen Ausstellungsräumen zu Themen der Völkerkunde sowie im Kammerspielsaal mit Drehbühne. Hinzu kommen hier weitere Herausforderungen, wie die Lage des Schulgrundstückes in einem Hochwassergebiet sowie besondere Fragen des Denkmalschutzes. Fassade und Treppenhaus des ehemaligen Museums stehen unter Schutz. Im Untergrund gibt es mit Überresten der römischen Stadtmauer Bodendenkmäler, auf die wir Rücksicht nehmen wollen und müssen. 

Trotzdem war der Standort aufgrund mangelnder anderer Grundstücksflächen in dieser Innenstadtlage alternativlos und wir realisieren hier immer noch die wirtschaftlichste Lösung. Der Neubau für das Oberstufenzentrum nach einem Entwurf des Büros Molestina Architekten wird nicht nur modern und nachhaltig geplant und errichtet. Er wird außen wie innen ein Hingucker werden, der sich trotzdem in die umliegende Bebauung gut einfügen wird. Und für das alte Museum, egal wie das Gebäude nach der Interimszeit als Schule genutzt werden wird, haben wir einen großen Beitrag zu seinem Erhalt sowie seiner Modernisierung geleistet. 

Damit ist dieses Vorhaben heute schon ein ganz besonderes Projekt unter unseren vielen Schulbauprojekten. Der Neubau soll bis zum dritten Quartal 2022 fertiggestellt sein.

Sehen Sie die besonderen Herausforderung bei Planung und Bau im Video:

Der Standort Sürther Straße

Im November 2019 haben wir damit begonnen, die Ernst-Moritz-Arndt-Schule, die sich derzeit an der Mainstraße mit der Grüngürtelschule einen Standort teilen muss, im Sürther Feld neu zu bauen. Mit der Fertigstellung der fünfzügigen Grundschule mit Zweifachturnhalle erhöht sich die Zahl der Schulplätze von aktuell 276 auf dann rund 500. Sobald sie die Mainstraße verlassen hat, wird der dann dort frei werdende Raum der benachbarten Grüngürtelschule zugeschlagen, die damit von drei auf vier Züge wachsen kann. 

Grundsteinlegung für den Neubau

Am Standort Sürther Feld fand am 29. Mai 2020 die Grundsteinlegung mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Mike Homann Bezirksbürgermeister Stadtbezirk Rodenkirchen, Peter Appeltrath Polier der Firma Züblin, Sandra Kißmann Abteilungsleiterin Bauprojektmanagement I in der Gebäudewirtschaft, Eduard Manz Oberbauleiter der Firma Züblin, Anne Lena Ritter Leiterin des Amtes für Schulentwicklung und Ute Kochsiek Schulleiterin Ernst-Moritz-Arndt-Schule (von links) statt. 

 

© DREI ARCHITEKTEN
Planskizze

Das Schulgebäude wird aus drei Bauteilen bestehen. Gebäudetrakt A wird dreigeschossig, B und C zweigeschossig. Die dreiflügelige Anlage des Schulhauses bildet mit der Sporthalle einen Vorplatz entlang der Magistrale und zwei unterschiedlich gestaltete Pausenhöfe, die durch Erdwälle vom Verkehr der Straße abgeschirmt werden. Im Westen des Baugrundes nahe der Sürther Straße entsteht die barrierefreie Sporthalle mit Hausmeisterwohnung und schließt damit an der Seite die Gesamtanlage ab.

Die Fundamente und Bodenplatten sind gegossen, die ersten Wände der Unterkellerung sowie der Sporthalle stehen bereits. Die Decken werden bis zum 4. Quartal 2020 erstellt.

 

© Stadt Köln
© Stadt Köln
© Stadt Köln

Die baudichte Hülle mit allen Fassadenbestandteilen soll im 1. Quartal 2021 soweit geschlossen sein, dass der Innenausbau mit Installierung der Technischen Gebäudeausstattung  beginnen kann. Zuletzt werden die Außenanlagen gestaltet. Die Fertigstellung und Übergabe des Gebäudes zur Nutzung  ist im 1. Quartal 2022 geplant.

Das Grußwort der Architekten

Liebe Schulgemeinde, 

auf einem leeren Acker eine Schule zu entwerfen, ist gar nicht so einfach wie man vielleicht denkt. Denn es gibt kaum Randbedingungen, die man berücksichtigen muss. Es lassen sich keine Bezüge zu vorhandenen Bebauungen herstellen oder Konzepte aus landschaftlichen Besonderheiten ableiten. Die Freiheit ist grenzenlos. So was es für uns auch beim Sürther Feld. Wir Architekten mussten allein aus dem vorgegebenen Raumprogramm und den vielen funktionalen Bezügen zwischen den Räumen und den Raumgruppen ein komplexes Gebäude entwickeln, dass alle komplexen Anforderungen erfüllt und zugleich ein gut proportioniertes Gesamtensemble bildet - sowohl im Innenraum als auch in der äußeren Gestaltung. Dies scheint uns vor acht Jahren, im europaweiten Architektenwettbewerb, ganz gut gelungen zu sein, denn unserem Entwurf wurde von der Jury der erste Preis zugesprochen. Bald danach übertrug uns die Stadtverwaltung die gesamte weitere Planung: unserem Büro Drei Architekten aus Stuttgart. Wir heißen so, weil vor langer Zeit drei junge Architekten in einer Wohngemeinschaft zusammen saßen, und beschlossen ein gemeinsames Büro zu gründen. Heute sind wir 30 Architekten, aber wir können ja nicht jedes Jahr den Namen wechseln. Nach unserer Beauftragung haben wir dann immer wieder mal mit langen Pausen dazwischen die Planung an geänderte Anforderungen angepasst. Mal wurde die Schule größer, mal wurde sie etwas kleiner, bis die Stadtverwaltung vor etwa zwei Jahren die optimale Größe für die Schule gefunden hatte. Dann ging es richtig schnell. Unter Zeitdruck entwickelten wir mit vielen Fachingenieuren die Ausführungspläne und die Beschreibung für die einzelnen Bauarbeiten, damit die Stadt für einen weiteren Wettbewerb zwischen Baufirmen dem Anbieter mit dem günstigsten Angebot, der Firma Züblin, den Auftrag zur Ausführung erteilen konnte. Jetzt wird also aus Plänen Realität. Gerne hätte ich hier meinen Partner Harald Konsek und die vier fleißigen Mitarbeiterinnen ins Bild geholt, die zusammen das Projekt in allen Details geplant haben. Aber die meisten von uns arbeiten zurzeit wegen Corona im Homeoffice. Wenn wir deshalb nicht zur Grundsteinlegung kommen konnten, so hoffen wir doch vielleicht beim Richtfest dabei sein zu können. Auf jeden Fall aber in zwei Jahren zur Einweihung, wenn die Corona-Zeit hoffentlich vorbei ist. Allen Arbeiterinnen und Arbeitern am Bau wünschen wir ein gutes und vor allen Dingen unfallfreies Wirken bei Wind und bei Wetter. Und Ihnen, liebe Schulgemeinde, noch ein Quäntchen Geduld, bis Sie in zwei Jahren eine schöne, neue Schule beziehen können.  

Sebastian Haffner, Büro Drei Architekten