Preisverleihung mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Rathaus

© Stadt Köln/Stephan Dorsch
v.l.n.r Preisträgerin Christiane Lehmann, Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Die Stadt Köln hat am Donnerstag, 23. Mai 2024, zum dritten Mal den Else-Falk-Preis für herausragendes Engagement von Frauen bei der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie Mädchen und Jungen in Köln im Historischen Rathaus verliehen. Preisträgerin des Else-Falk-Preises 2024 ist Christiane Lehmann, die von einer 16-köpfigen Jury ausgewählt wurde.

Seit fast 27 Jahren arbeitet Christiane Lehmann im Handwerkerinnenhaus (HWH), davon 16 Jahre (2000 bis 2016) zusätzlich als ehrenamtliche Vorstandsfrau. Bis heute engagiert sie sich in der Lobbyarbeit – zum einen für Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, bessere Lebensbedingungen und Rechte von Mädchen, zum anderen für die Arbeit mit Mädchen im Handwerkerinnenhaus.

Neben 5.000 Euro Preisgeld erhält die Preisträgerin eine Trophäe, die in Kooperation mit der ecosign/Akademie für Gestaltung in Köln entstand. Die Trophäe verbindet die Genderthematik mit nachhaltigem Design und gibt die Bedeutung des Frauenpreises in Ästhetik und Philosophie wieder.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker:

Vorbilder wie Else Falk inspirierten Frauen, selbst politisch aktiv zu werden und sich für Gleichstellung einzusetzen. Und das ist und bleibt notwendig! So wie das Frauenwahlrecht von 1918 zwar Fortschritt, aber keine Gleichstellung hervorbrachte, so verhält es sich auch mit Artikel 3 unseres Grundgesetzes. Heute, am 75. Jahrestag der Verkündung, komme ich noch einmal auf das Grundgesetz zurück: Der Parlamentarische Rat bestand aus 61 Männern und nur vier Frauen. Und diesen Frauen gelang ein Kunststück: Sie setzen den Artikel 3 gegen große Widerstände durch – und damit die ebenso schlichte wie umfassende Formel ‚Frauen und Männer sind gleichberechtigt‘. Das ist weiterhin programmatisch zu verstehen. Noch immer arbeiten wir daran, dieses Versprechen unserer Verfassung einzulösen. Der Gender-Gap besteht fort – in so vielen Bereichen von Wirtschaft, Handwerk, Gesellschaft, Medizin, bei Care-Arbeit, in den Familien, am Arbeitsplatz – und nicht zuletzt in der Politik: in den Parlamenten, Stadträten und Spitzenpositionen insbesondere in den Kommunen. Es ist an uns Frauen, Rollenklischees endlich zu überwinden. Liebe Frauen, bleiben wir engagiert, machen wir auf unser Recht auf Parität aufmerksam, lassen wir uns von Rückschlägen nicht aufhalten, sondern begreifen wir sie als zusätzliche Motivation.

Die Preisträgerin Christiane Lehmann hat maßgeblich den Ausbau und Erfolg des Handwerkerinnenhauses vorangetrieben. Gleich zu Beginn ihrer Arbeit als Vorständin konnte sie das "Mädchenprojekt Zukunft" aus der unsicheren Projektförderung in eine verlässliche Förderung von Stadt Köln und Land NRW überführen. Darüber hinaus akquirierte sie im Lauf der Jahrzehnte immer wieder neue Fördertöpfe und Finanzquellen, um den Mädchenbereich dauerhaft und stabil zu finanzieren.

Eine Verstetigung der Arbeit mit Mädchen sowie verlässliche Angebote für Kooperationspartner*innen wie Schulen, Jugendeinrichtungen etc. wurde damit erst möglich. Ein wichtiges Anliegen ist Christiane Lehmann, einen Beitrag zu einer Gesellschaft zu leisten, in der Mädchen und Frauen frei von tradierten Rollenerwartungen selbstbewusst und selbstbestimmt ihre Lebens- und Berufsperspektiven entwickeln und leben können. Deshalb setzt sie ihre Energie dafür ein, die Angebote für Mädchen stetig zu erweitern und das Handwerkerinnenhaus zu einem Ort zu machen, an dem Mädchen in ihrer Vielfalt wahrgenommen, gestärkt und unterstützt werden.

Als Tischlerin und Sozialarbeiterin stärkt sie mit ihren sowohl handwerklichen als auch sozialintegrierenden Kompetenzen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl der Mädchen. Einer ihrer Schwerpunkte in der Mädchenarbeit ist die Prävention von Schulverweigerung in verschiedenen Projekten wie beispielsweise im Berufsorientierungsprojekt "Holly Wood". Hier werden Mädchen ab der Klasse 5 an handwerkliches Arbeiten heranführt. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Erweiterung des Berufswahlspektrums um die Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk.

Dies gelingt ihr bei Mädchen, die in unterschiedlichen Lebenslagen aufgrund von familiären, schulischen oder persönlichen Schwierigkeiten drohen, den Schulbesuch zu beenden und keinen Schulabschluss zu erreichen. Somit unterstützt Christiane Lehmann Mädchen bei der Erlangung eines Schulabschlusses und einer gleichberechtigten Teilhabe in der Gesellschaft Im Laufe der vielen Jahre baute Christiane Lehmann ein dichtes Netzwerk von Unterstützer*innen für die Arbeit des HWH und die Interessen von Mädchen auf. Das HWHs ist aus Köln nicht mehr wegzudenken und hat sich als feste Institution für Mädchenarbeit in Köln etabliert.

Auch auf politischer Ebene ist Christiane Lehmann aktiv. Im Jugendhilfeausschuss (bis 2019) sowie in politischen Arbeitskreisen auf Stadt- und Landesebene setzt sie sich seit über 20 Jahren erfolgreich für die Sichtbarkeit der Belange von Mädchen ein und macht auf Defizite aufmerksam.

In diesem Jahr haben sich 15 Frauen für den Else-Falk-Preis beworben oder wurden von Dritten vorgeschlagen. Zulassungskriterium war das Engagement in der Frauen- und Mädchenförderung oder der Einsatz für frauenspezifische Themen im politischen oder kulturellen Bereich, in der Stadtentwicklung, der freien Wirtschaft oder der Wissenschaft und Forschung. Mit der Auslobung des Preises bekennt sich die Stadt Köln neben der Unterzeichnung der Europäischen Charta der Gleichstellung nochmals deutlich zum Grundsatz der Gleichstellung von Frauen und Männern.

Weitere Informationen zum Else-Falk-Preis Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit