Archäologische Forschungsergebnisse und Funde aus Köln 2025

Fast 400 Millionen Jahre alte Riffbewohner, luxuriöse römische Glaskunst, die liebevolle Bestattung des Knaben Neutus und ein ultramarinblaues Wunder – all dies und vieles mehr erwartet Besucher*innen der neuen Ausstellung "Archäologie im Rheinland 2025" vom 2. Februar bis 22. März 2026 im LVR-Landesmuseum in Bonn. Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland präsentiert in seinem archäologischen und paläontologischen Jahresrückblick einmal mehr aktuelle Funde und erste Forschungsergebnisse. Die Schau bietet faszinierende Einblicke in die Vergangenheit des Rheinlandes von der Erdgeschichte bis in die Moderne und zeugt vom reichen kulturellen Erbe "unter unseren Füßen".  

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit dem LVR-Landesmuseum Bonn, dem LVR-Archäologischen Park Xanten, den Römerthermen Zülpich-Museum der Badekultur, dem Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln, dem MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, den Universitäten Köln und Bonn, der Stadtarchäologie Duisburg sowie Grabungsfirmen und privaten Leihgebern.

© Römisch-Germanisches Museum Köln/A. Kass
Neuzeitliche Gebäudereste des Maarhofs mit der im 19. Jahrhundert eingerichteten Rübenkrautfabrik während der Freilegung

Stadtkerngrabungen und Industrialisierung einer mittelalterlichen Hofanlage

Die Bodendenkmalpflege der Stadt Köln führte im vergangenen Jahr zahlreiche archäologische Maßnahmen durch. Zwei große Ausgrabungen im historischen Stadtkern und eine Untersuchung in einem ehemaligen Gehöft in Köln-Braunsfeld lieferten besondere Erkenntnisse zur antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadtgeschichte.  

Spätantike Bauwerke über dem Hafen des römischen Köln

In der Kölner Innenstadt begannen Ausgrabungen der Bodendenkmalpflege der Stadt Köln im Baufeld für die Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud. In frührömischer Zeit lag das Areal im Bereich einer als Hafen genutzten Rheinnebenrinne. Diese trennte eine Insel von der auf einer Geländeerhebung am Ufer gelegenen Siedlung. Ab dem 2. Jahrhundert füllte man die verlandende Rinne künstlich auf. Unter einer teils hochmittelalterlichen Wohnbebauung kamen bei der Ausgrabung mächtige Mauern spätrömischer Bauwerke zum Vorschein. Man errichtete sie auf der Verfüllung der Hafenrinne, nachdem man den Baugrund stellenweise durch das Einrammen angespitzter Holzpfähle stabilisiert hatte. Die Anlage lag terrassenartig im ansteigenden Gelände und könnte mit der Erschließung der neu gewonnenen Fläche der ehemaligen Rinne vom Stadtplateau aus in Verbindung gestanden haben.

Von Kriegsschutt bedeckt

Eine von der Bodendenkmalpflege der Stadt Köln am Heumarkt begonnene Ausgrabung führte tief in die Stadtgeschichte von Köln. Auf einem zuletzt nur teilweise bebauten Grundstück legte man Reste eines Stadtquartiers frei, das im Zweiten Weltkrieg bei schweren Bombardierungen im Sommer 1943 zerstört und von Kriegsschutt überdeckt wurde. Es geht auf die Anlage des Heumarkts im 10. Jahrhundert zurück. Bei der Freilegung der Keller wurden die massiven Kriegseinwirkungen auf einen seit dem Mittelalter gewachsenen Baubestand sichtbar.

Funde aus dem Kriegsschutt gewähren schlaglichtartig Einblicke in Leben und Arbeit der früheren Bewohner*innen, deren Namen und Berufe sich teils aus Adressbüchern erschließen lassen. Ein Königswinterer Backofen belegt eine Bäckerei, weitere Funde weisen auf einen Schuster und eine Gastwirtschaft hin. Aus den Haushalten stammen zahlreiche Alltagsgegenstände. Besonders aufschlussreich ist ein Kellerlager mit Glasflaschen mehrerer in den frühen 1940er Jahren in Deutschland um Marktanteile konkurrierender -Produzenten, darunter Coca-Cola, Afri-Cola und Sinalco. Die Ausgrabung erbrachte auch Baureste der vorausgehenden mittelalterlichen Besiedlung, darunter Weberzunfthäuser, die im 14. Jahrhundert abgebrochen wurden. Die gehobene Ausstattung dieser Bauten bestätigt der Nachweis einer Heißluftheizung. Diese Heizungen waren im Hochmittelalter äußerst selten und sind bisher fast ausschließlich aus Burgen und Klöstern bekannt.

Milch und Rübenkraut

Auf dem ehemaligen Maarhof in Köln-Braunsfeld untersuchte die Bodendenkmalpflege der Stadt Köln die Entwicklung eines Gutshofs, der eine bedeutende Rolle für den 1888 nach Köln eingemeindeten Stadtteil spielte. Der Hof wurde erstmals 1493 schriftlich erwähnt. Im 19. Jahrhundert richtete die letzte Besitzerfamilie dort eine Rübenkrautfabrik als Nebenerwerb zur Milchviehhaltung ein. Die Baureste der Fabrik erlauben es, technische Anlagen und Produktionsschritte der Rübenkrautherstellung nachzuvollziehen. Eine Besonderheit ist die Ausstattung mit dampfbetriebenen Maschinen und zugehörigem Kesselhaus. Diese Technik ist für Nebenerwerbsbetriebe des 19. Jahrhunderts ungewöhnlich und sonst vor allem aus den ab 1900 entstehenden Großbetrieben bekannt.  

Weitere Informationen: Archäologie im Rheinland 2025 - Landesmuseum Bonn

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit