Oberbürgermeisterin Reker unterzeichnet Vereinbarung zur Eigentumsübertragung

Die Stadt Köln überträgt die Eigentumsrechte an 92 historischen Benin-Hofkunstwerken, die aus einer britischen Invasion 1897 stammen und sich heute in der Sammlung des Rautenstrauch-Joest-Museums (RJM) befinden, an die Bundesrepublik Nigeria. Dies hatte der Rat der Stadt Köln in seiner Sitzung am Donnerstag, 8. Dezember 2022, beschlossen.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat am heutigen Donnerstag, 15. Dezember 2022, gemeinsam mit Prof. Abba Isa Tijani, Generaldirektor der "National Commission for Museums and Monuments" Nigerias, eine Vereinbarung zur Eigentumsübertragung unterzeichnet. Damit ist die Übertragung juristisch vollzogen.

Drei Werke sollen auf Wunsch der nigerianischen Partner noch im Dezember, weitere 52 Werke sukzessive ab 2023 an Nigeria zurückgeführt werden und 37 der Kunstwerke zunächst für zehn Jahre als Leihgaben im Kölner Museum verbleiben.

Es handelt sich um 92 Benin-Hofkunstwerke, die 1897 von der britischen Armee aus dem Königspalast des Königreichs Benin, das im heutigen Nigeria liegt, geraubt wurden. Die britische Armee nahm den Palast ein, plünderte ihn und brannte ihn schließlich nieder. Bereits ab  Sommer 1897 wurden die geraubten Hofkunstwerke schrittweise in europäischen Auktionshäusern versteigert oder blieben im Privatbesitz der Teilnehmer der Invasion, die sie später auch auf dem Kunstmarkt verkauften. Die 92 Hofkunstwerke des RJM gelangten über Ankäufe und Schenkungen zwischen 1899 und 1967 in die Kölner Museumssammlung.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker:

Ich bin den Vertreter*innen der Bundesrepublik Nigeria sehr dankbar für das vertrauensvolle Miteinander der letzten Monate. Dies ist angesichts der vielfachen und bis heute nachwirkenden Verletzungen im Zuge der europäischen Kolonisierungen nicht selbstverständlich. Sicher bin ich mir, dass die Rückgaben und die in Köln verbleibenden Leihgaben der Beginn einer zukunftsweisenden Kooperation zwischen dem Kölner und den nigerianischen Museen sein werden, durch die sich ein ganz neuer und weiterführender Zugang zu den Kunstwerken und der Kultur Nigerias insgesamt ergibt.

Die Eigentumsrückübertragung ist das Ergebnis von intensiven Verhandlungen mit nigerianischen Vertreter*innen, die seit 2021 unter Federführung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland sowie der Staatsministerin des Bundes für Kultur und Medien geführt worden sind. Das RJM als Museum mit der viertgrößten Sammlung von Benin-Hofkunstwerken in Deutschland hat diesen Prozess ebenso intensiv begleitet wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Museum am Rothenbaum Hamburg und das Lindenmuseum in Stuttgart.

Kulturdezernent Stefan Charles:

Durch die intensive Zusammenarbeit Deutscher Museen, dem Auswärtigen Amt und der Staatsministerin für Kultur und Medien ist es gelungen, diesen historischen Schritt vorzubereiten. Für das RJM und die Stadt Köln steht aber nicht das Ende der Verhandlungen, sondern vielmehr der Beginn einer spannenden Zusammenarbeit mit den nigerianischen Museen im Vordergrund.

Professor Abba Isa Tijani:

Ich freue mich über die Entscheidung des deutschen Staates, die geraubten Benin-Bronzen an Nigeria zurückzugeben, und bin froh, dass Köln das Richtige getan hat, indem es die Entscheidung zur Rückführung der Bronzen bestätigt hat.

Nach mehr als 125 Jahren ist es endlich Wirklichkeit geworden und Nigeria wird wieder Eigentümer seiner wichtigen historischen Hofkunstwerke, die ihm 1897 geraubt wurden. Ich freue mich sehr, dass nach so vielen Jahren des lokalen, nationalen und internationalen Kampfes für die Rückgabe die Museen und ihre Träger entschieden haben, diese wichtigen identitätsstiftenden Kulturgüter an Nigeria zurück zu geben. Umso mehr freue ich mich, dass sich dem nun auch Köln anschließt. Damit ermöglicht die Stadt Köln eine wirkliche dekoloniale Zusammenarbeit mit Nigeria. Ich hoffe sehr, dass wir mit der afrikanischen Diaspora, mit der Edo-Gemeinschaft hier in Köln und in NRW gemeinsam mit Partner*innen in Nigeria Projekte realisieren können und dass wir eine wirkliche Plattform für die diasporischen Gemeinschaften in Köln werden können,

so die Direktorin des Rautenstrauch-Joest-Museums, Nanette Snoep.

In intensiven und vertrauensvollen Gesprächen zwischen der Stadt Köln und dem RJM mit Vertreter*innen Nigerias sind die Rückführung sowie der Verbleib von Leihgaben, gleichzeitig auch eine langfristige Zusammenarbeit, vereinbart worden. Mit den für den vorläufigen Verbleib als Leihgaben ausgewählten Werken wird in den kommenden zehn Jahren in Zusammenarbeit mit den nigerianischen Partner*innen die Geschichte des Königreichs Benin in der Präsentation der Kölner Museumssammlung gezeigt werden.

Der Ratsbeschluss

Die Sammlung von höfischen Kunstwerken aus dem Königreich Benin (Edo State, Nigeria) des RJM

© Museumsgesellschaft RJM Köln, Uli Grohs
Benin Schlüssel
© Museumsgesellschaft RJM Köln, Uli Grohs
Benin Gedenkkopf
© Museumsgesellschaft RJM Köln, Uli Grohs
Benin Altarhocker
Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit