Gutachten zur Neuaufteilung der Verkehrsfläche notwendig
Bleibt es bei zwei Spuren für den Kfz-Verkehr je Richtung? Oder räumt die Stadt Köln dem Kfz-Verkehr eine Spur je Richtung ein und schafft Platz für den Rad- und Fußverkehr? Die Stadt Köln möchte durch Untersuchungen klären, wie sich die Neuaufteilung der Verkehrsfläche auf der Mülheimer Brücke zugunsten des Fuß- und Radverkehrs auf den Kfz-Verkehr auswirkt. Weil die Fachleute im Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung dies nur in Teilen prüfen können, möchte die Verwaltung ein externes Ingenieurbüro beauftragen. Um den Finanzierungsbedarf festzustellen, gibt sie eine Beschlussvorlage in den politischen Gremienlauf.
Sanierung bleibt förderfähig
Im Vorfeld hat die Verwaltung Gespräche mit der Bezirksregierung Köln als Fördergeberin der Generalsanierung Mülheimer Brücke geführt. Das Ergebnis: Ergibt das Verkehrsgutachten eine Verbesserung für alle Verkehrsarten, dann wäre die Neuaufteilung der Verkehrsfläche nach der geförderten Brückensanierung zugunsten des Fuß- und Radverkehrs förderverträglich. Sollte sich diese Neuaufteilung entgegen der Prognosen nicht auszahlen, wäre eine Rückkehr zur vorherigen Flächenaufteilung mit geringem Aufwand möglich.
Was die Verwaltung untersucht
Fachleute im Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung ermitteln den zu erwartenden Verkehr mithilfe des Verkehrsmodells der Stadt Köln. Das Modell berücksichtigt die voraussichtliche Entwicklung der Stadt Köln und der Region bis zum Jahr 2035. Verlagert sich der Kfz-Verkehr großräumig auf andere Strecken des Verkehrsnetzes oder wechseln Menschen das Verkehrsmittel, kann das Modell diese Effekte abbilden. Dabei betrachten die Fachleute zwei Szenarien: zum einen zwei Fahrspuren je Fahrtrichtung und zum anderen eine Fahrspur je Fahrtrichtung, die zweite Fahrspur wird jeweils in einen Radfahrstreifen umgewandelt. Im Ergebnis wird dargestellt, auf welchen Streckenabschnitten und Knotenpunkten es im Umfeld der Brücke zu Mehrbelastungen im Kraftfahrzeugverkehr kommt – sowohl für die Stoßzeiten morgens als auch nachmittags.
Was das externe Ingenieurbüro prüfen soll
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen soll ein externes Ingenieurbüro ein Gutachten mithilfe einer Software, einem Verkehrsinformations- und Simulationssystem, erstellen. Weil der Verwaltung diese Technik fehlt, braucht es einen externen Partner. Das Büro soll untersuchen, welche Auswirkungen unterschiedliche Gestaltungen der Verkehrssituation auf das Grundnetz für den motorisierten Individualverkehr (MIV-Grundnetz) im näheren Umfeld der Mülheimer Brücke haben. Der Anschluss zum Clevischen und zum Bergischen Ring spielt dabei eine Schlüsselrolle. Daher soll das Ingenieurbüro verschiedene Varianten betrachten, wie dieser Knotenpunkt mit der Mülheimer Brücke verbunden werden kann und Handlungsempfehlungen abgeben.
Wie es weitergeht
Stimmt der Mobilitätsausschuss dem Vorschlag zu, beginnt das Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung mit den oben beschriebenen Arbeitsschritten. Zudem startet die Verwaltung ein Vergabeverfahren und beauftragt in diesem Zuge ein externes Ingenieurbüro mit dem zusätzlich notwendigen Verkehrsgutachten. Das Ergebnis des Gutachtens wird zum Ende des ersten Halbjahres 2027 erwartet.
Zum Hintergrund
Im Jahr 2016 hat die Stadt Köln die Sanierung der Mülheimer Brücke beschlossen. Ob die Brücke in diesem Zuge breiter gemacht werden kann, wurde im Vorfeld geprüft und verworfen. Im Wesentlichen bleibt die Verkehrsfläche gleich groß. Daher kann den steigenden Ansprüchen aller Verkehrsträger*innen künftig nicht mehr in vollem Umfang Rechnung getragen werden. Die Stadt Köln möchte die vorhandene Verkehrsfläche neu unter allen Verkehrsarten aufteilen. Weil immer mehr Menschen auf das Rad steigen, ist eine Änderung der Verkehrsführung zugunsten des Fuß- und Radverkehrs auch auf der Mülheimer Brücke erforderlich. Die Stadt Köln hat bereits 2016 beschlossen, den Radverkehr künftig mit einfachen Mitteln sicher auf dem jeweils rechten Fahrstreifen der Mülheimer Brücke zu führen (AN/1253/2016). In den Folgejahren gab es wiederholt Überlegungen und Anträge, eine gegenüber dem Vorher-Zustand geänderte Verkehrsführung bereits mit Abschluss der Sanierungsarbeiten umzusetzen (AN/1208/2019). Außerdem hat die Stadt Köln 2018 und 2021 entschieden, eine Radverkehrsachse von Nippes bis zur Mülheimer Brücke herzustellen (Vorlage 2871/2017). Mit dieser Radverbindung "Niehler Gürtel" schafft die Stadt ein zusätzliches Element im Verkehrsnetz, das der Mülheimer Brücke mehr Radverkehr zuführen wird.
2024 hat die Verwaltung die Politik sowie Initiativen und Verbände in Fachgesprächen über den aktuellen Stand der Planungen zur künftigen Verkehrsführung auf der Brücke informiert (Vorlagen 1214/2024, 2347/2024). Im Zentrum stand dabei die Verträglichkeit einer geänderten Radverkehrsführung durch Spurumwandlung auf der Mülheimer Brücke, etwa in Bezug auf das MIV-Grundnetz. Die Bezirksvertretung Nippes hat sich bereits festgelegt und sich für eine Spurumwandlung ausgesprochen (Vorlage 2049/2024). Der Beschwerdeausschuss der Stadt Köln hat auf Grundlage einer Bürgereingabe ergänzende Prüfaufträge formuliert, die bei der Vergabe des Gutachtens berücksichtigt werden (Vorlage 3719/2024).
Die Beschlussvorlage ist im Ratsinformationssystem einsehbar unter: SessionNet | Bedarfsfeststellungsbeschluss