Claudia Konold präsentiert ihre Arbeit "Deutscher Frühling"

© Claudia Konold
Deutscher Frühling

Das private Wohnzimmer ist eigentlich kein Ort der Öffentlichkeit. Schon gar nicht, wenn es um die familiäre Aufarbeitung des Nationalsozialismus geht. Die blinden Flecken in den Familien sind weiterhin vielfältig und großflächig. Claudia Konold lässt auf ihre letzte Einzelausstellung in einem ehemaligen Luftschutzbunker nun ganz bewusst ihre Arbeit "Deutscher Frühling" folgen und diese "draußen", in den öffentlichen Raum, wirken. Ihr Werk "Deutscher Frühling" ist das aktuelle Motiv des städtischen Ausstellungsprojekts "Kunst an Kölner Litfaßsäulen". Das Ausstellungsmotiv von Claudia Konold hängt bis Ende Oktober auf 25 Kunstsäulen über die Stadtviertel Kölns verteilt.

Wir sehen eine Wohnzimmerwand: Eine kleine Kommode, auf der eine Pflanze steht. An der Wand hängen mehrere Bilderrahmen mit Familienbildern. Der private, familiäre Innenraum mit der Ahnengalerie wölbt sich mittels der Säulenform fast plastisch in den öffentlichen Raum. Mit diesem Schritt verlässt das Thema das hermetisch Private. Die Passanten, die an den Litfaßsäulen vorbeigehen, sehen aus der Entfernung Portraits und Familienbilder. Wenn sie sich nähern, erkennen sie, dass diese Bilder aus Texten zusammengesetzt sind. Diese befassen sich mit den anhaltenden Verdrängungsmechanismen deutscher Familien in Bezug auf den Holocaust – und auch mit der Verdrängung von möglicher Täterschaft im Nationalsozialismus in der eigenen Familie. Dabei stellt der Text den Bezug zur Gegenwart her und thematisiert die Gefahr der Wiederholung unserer Geschichte.

Die Familienbilder hat die Künstlerin ihrem privaten Fotoalbum entnommen. Claudia Konold hat diese familiären Bilder allerdings verfremdet und zusätzlich durch den Text abstrahiert. Die Bilder können somit ebenso exemplarisch für viele andere deutsche Familien stehen.

Claudia Konold ist gelernte Bildhauerin. In Dresden studierte sie Bildhauerei und an der Kunsthochschule für Medien in Köln erhielt sie ihr Diplom im Studiengang "Mediale Künste". In ihrem Werk beschäftigt sie sich mit Erinnerung und der Konstruktion von Narrativen im Spannungsverhältnis von Wiederholung und dramaturgischer Entwicklung. Häufig arbeitet sie ortsspezifisch. 2022 konzipierte sie für den ehemaligen Luftschutzbunker "bunker k101" in Ehrenfeld ihre Einzelausstellung "Die Topografie der Worte" – eine kritische Betrachtung unserer familiären Erinnerungskultur.

Claudia Konold lebt und arbeitet in Köln. Weitere Informationen zum Projekt "Kunst an Kölner Litfaßsäulen" der Stadt Köln sind hier abrufbar.

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit