Rolle der Gesundheitsämter im Nationalsozialismus

Die Ausstellung "Volk– Gesundheit – Staat" ist vom 2. Mai bis 27. Juni 2024 im Kölner Gesundheitsamt am Neumarkt zu sehen. Während der Zeit des Nationalsozialismus gewann der öffentliche Gesundheitsdienst zunehmend an Macht. Im Zuge seiner Neustrukturierung übernahmen die Gesundheitsämter eine zentrale Rolle auch in den menschenverachtenden Aspekten der Gesundheitspolitik. Sie wurden zu Schaltzentralen in der "Erb- und Rassenpflege" ausgebaut, die die biologistischen Vorstellungen und Zielsetzungen des Staates umsetzen sollten. Dazu gehören die Krankenmorde, die Zwangssterilisationen und die Verbreitung "rassischer" Konzepte. Die Gesundheitsämter kooperierten dabei an zentralen Stellen mit den unterschiedlichen Institutionen und Organisationen des NS-Systems. Amtsärzt*innen sorgten für die Umsetzung der "Erb- und Rassenhygiene", entschieden über die Zugehörigkeit zum "rassisch" definierten "Volkskörper" und hatten als Gutachter Einblick in die gesundheitliche und soziale Lage großer Teile der Bevölkerung. Eine bislang wenig beachtete Rolle spielten sie auch im System der Zwangsarbeit.

Die am Institut für Geschichte der Medizin der Berliner Charité entwickelte Wanderausstellung "Volk – Gesundheit – Staat" dokumentiert diese Funktion der Gesundheitsämter im NS-Regime und ist vom 2. Mai bis 27. Juni im Ernst-Wendt-Raum (Erdgeschoss) und im Wartebereich im ersten Stock des Kölner Gesundheitsamtes zu sehen. Präsentiert werden Fotos, Dokumente und Texte zu den Tätigkeitsbereichen der Gesundheitsämter während des Nationalsozialismus unter anderem am Beispiel des damaligen Landes Württemberg.

Die Medizinhistorikerin Prof. Sabine Schleiermacher von der Berliner Charité hält am 6. Mai 2024, 16 Uhr, einen Eröffnungsvortrag (Raum 33 im Erdgeschoss).

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 12 Uhr (letzter Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Schließung).

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit