Stadt Köln zieht Bilanz zum Straßenkarneval 2026

Selbst Regen und Temperaturen nur wenig über null Grad konnte ihnen den Spaß nicht verderben: Sechs Tage feierten tausende Jeck*innen ausgelassen, fröhlich und überwiegend friedlich Karneval. Ob im Kwartier Latäng, in der Altstadt, der Südstadt, in Nippes, Ehrenfeld, Deutz, Mülheim oder in den vielen anderen Veedeln – überall waren bunt kostümierte Menschen auf den Straßen und in den Kneipen unterwegs. Im Kwartier Latäng mit der Zülpicher Straße im Mittelpunkt war es an keinem Tag so voll, dass es geschlossen werden musste, so dass auch die Uniwiese als Transitfläche nicht benötigt wurde.

Mehr als 200 Mitarbeiter*innen des Ordnungsamtes waren in den Hotspots unterwegs, um von früh bis spät in die Nacht für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Unterstützt wurden sie dabei täglich von hunderten Sicherheitskräften privater Dienstleister. Um Verletzungen zu verhindern, galt im Zülpicher Viertel, im Inneren Grüngürtel und der Altstadt ein Glasverbot, in der Südstadt ein freiwilliger Glasverzicht. Gut angenommen wurden die zusätzlichen Mülltonnen und Toiletten im Bereich des Chlodwigplatzes. Insgesamt stellte das Ordnungsamt 174 Verstöße im Zusammenhang mit Glas fest.

Vor allem dem Jugendschutz galt das besondere Augenmerk des Ordnungsamtes. Insgesamt führten die Mitarbeiter*innen 5.030 Präventivgespräche, machten auf die Gefahren von Alkohol und Tabak aufmerksam. Im Rahmen des Jugendschutzes mussten 2.564 Jugendliche alkoholische Getränke und 2.453 Jugendliche Tabak beziehungsweise E-Zigaretten abgeben.

Bereits im Vorfeld hatten Mitarbeiter*innen des Ordnungsamtes Kioskbetreiber*innen darauf hingewiesen, keinen Alkohol oder Tabak an unberechtigte Jugendliche zu verkaufen. Auch in diesem Jahr wurden während der Karnevalstage Testkäufe mit minderjährigen Jugendlichen durchgeführt. Mit erschreckenden Ergebnissen: bei 78 Kontrollen wurden 65 Verstöße festgestellt. In den Kiosken wurden Alkohol und/oder Tabak an die Testkäufer*innen verkauft, obwohl diese dafür zu jung waren. Die Betreiber*innen müssen nun mit erheblichen Bußgeldern rechnen. Einem Kioskbetreiber wurde für den Fall eines weiteren Verstoßes die Schließung angedroht.

Nicht alle Feiernden nutzten die mehr als 1.000 mobilen Toiletten, die die Stadt bereitgestellt hatte. Wildpinkeln ahndete der Ordnungsdienst konsequent, wann immer er einen solchen Verstoß feststellte. Ein Verstoß zieht ein Bußgeld von bis zu 200 Euro zuzüglich Gebühren nach sich. Insgesamt wurden 114 Wildpinkler erwischt.

159 hilflose Personen wurden von Mitarbeiter*innen des Ordnungsamtes versorgt und, falls nötig, den Kolleg*innen der Rettungsdienste übergeben. Die meisten hatten zu tief ins Glas geschaut.

Mitten in der Nacht begann für die Mitarbeiter*innen des Ordnungsamtes der Dienst an den jecken Tagen. Mit Autos, Motorrädern und zu Fuß waren sie unterwegs, um für Pkw-freie Zugwege zu sorgen. Nicht jede*r Autofahrer*in hatte die zahlreichen Hinweisschilder beachtet, die im Vorfeld entlang der Zugwege aufgehängt worden waren. Um ein Abschleppen zu verhindern, versuchten die Mitarbeiter*innen die Halter*innen zu ermitteln, damit die ihre Wagen wegsetzen konnten, bevor der Abschlepper sie an den Haken nahm. Dies glückte nicht immer: Von Mittwoch bis Dienstag mussten 778 (Vorjahr 745) Fahrzeuge in der Innenstadt und in den Veedeln abgeschleppt werden. 3.033 (Vorjahr 2.214) Halter*innen kamen mit Verwarnungen davon.

Fast 50 Fahrräder wurden zur Sicherheit der Feiernden am Zugweg aus dem Verkehr gezogen. Auskunft über den Verbleib erteilen die Mitarbeiter*innen des Bürgertelefons montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr unter den Telefonnummern 115 oder 0221/221-0.

Um Anwohner*innen vor nächtlichem Lärm aus Kneipen und Gaststätten zu schützen, waren Mitarbeiter*innen des Ordnungsamtes an allen Tagen in den Hotspots unterwegs und forderten Gastronom*innen auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. In 17 Fällen wurden die Rettungswege überprüft. Einige waren zu schmal, in anderen Fällen wurden sie von Gegenständen verstellt. In einem Fall musste ein Gastronom brennbares Deko-Material entfernen.

Ein Mitarbeiter des Ordnungsdienstes verletzte sich im Rahmen einer Auseinandersetzung während einer Gaststättenkontrolle so schwer, dass er krankgeschrieben werden musste.

Streetwork
Auch im diesjährigen Straßenkarneval waren die Streetworker*innen des Jugendamtes im Einsatz – als niederschwelliges Angebot für Jugendliche, die Rat und Hilfe suchen. Sowohl in der Altstadt als auch im Zülpicher Viertel ging es zunächst gemäßigt zu. Vor allem im gesamten Zülpicher Viertel war deutlich weniger Andrang. Dennoch gab es genug feiernde Jugendliche und junge Erwachsene, die das Angebot von Streetwork dankend in Anspruch nahmen. Die Auslastung des Zülpicher Viertels hat sich im Tagesverlauf erhöht, sodass vier Streetworker*innen aus der Altstadt ins Zülpicher Viertel abgezogen wurden. Die Streetworker*innen sprachen die Zielgruppe der 14- bis 27-Jährigen an und verteilten kostenlos Wasser, Taschentücher und kleine Snacks an Feiernde, um "Abstürze" zu vermeiden.

Die Feiernden zeigten sich äußerst dankbar. In der Altstadt hatten die Streetworker*innen Kontakt zu 899 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, im Kwartier Latäng mit 4.954 deutlich mehr. Sie waren somit Ansprechpartner*innen für Kinder/Jugendliche/junge Erwachsene, die offensichtlich zu viel Alkohol oder sonstige Substanzen konsumiert hatten. Stark alkoholisierte oder verletzte Jugendliche wurden zu den jeweiligen Unfallhilfestellen der Rettungsdienste begleitet oder Sanitäter*innen direkt an den Standort gerufen. Bei Bedarf wurden in einigen Fällen Folgetermine für eine weitere Beratung mit den Jugendlichen vereinbart. Weitere Hilfebedarfe, die vom Team Streetwork bearbeitet wurden, waren beispielsweise karnevalsbedingte Partnerschaftsprobleme oder Orientierungshilfe für ortsfremde Jugendliche.

Nachgehender Jugendschutz
Insgesamt hat das Jugendamt 25 Minderjährige im Alter zwischen 14 und 17 Jahren in Obhut genommen. Sie wurden – je nach Zustand – im Notfallversorgungszentrum (NVZ) oder in der Grundschule Lochnerstraße betreut. Alle betroffenen Jugendlichen konnten im Laufe des Einsatzes wohlbehalten an ihre Eltern oder Personensorgeberechtigten übergeben werden.

Das Ziel der eingerichteten Anlaufstellen war es, den Jugendlichen in einer körperlichen oder psychischen Ausnahmesituation einen geschützten Raum zu bieten und die notwendige Erstversorgung zu gewährleisten. Jugendamt, Feuerwehr Köln, Ordnungs- und Rettungskräfte arbeiteten eng zusammen und sorgten für eine schnelle Einbindung der Erziehungsberechtigten.

Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst
Während der tollen Tage waren die Einsatzkräfte der Feuerwehr- und des Rettungsdienstes im Dauereinsatz, um den Jecken jederzeit zu helfen. Hierbei wurden 3.169 Rettungsdiensteinsätze absolviert. Die Unfallhilfsstellen an den Zugwegen oder in den Partyzonen leisteten hierbei 535-mal eine medizinische Erstversorgung – hauptsächlich wegen überhöhten Alkoholkonsums und der damit verbundenen Begleiterscheinungen, wozu manchmal auch Schlägereien gehörten. Das an Weiberfastnacht und Rosenmontag in Betrieb genommene Notfallversorgungszentrum (NVZ) am Perlengraben konnte mit seinen 108 Behandlungen zu einer enormen Entlastung der angrenzenden Krankenhäuser beitragen. Leider wurden während der Karnevalszeit mehr als 80 Jugendliche behandelt, die aufgrund ihres Alkoholkonsums sehr stark eingeschränkt waren.

Insgesamt 2.760 haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte (Freiwillige Feuerwehr und Hilfsdienste wie Malteser, Johanniter, DRK, ASB, DLRG und andere) waren stadtweit im Einsatz und leisteten ihren Dienst zur Sicherstellung der Gefahrenabwehr im Feuerwehr und Rettungsdienst- und Sanitätsdienstbereich. Zur Unterstützung, gerade im Sanitätsdienst, waren Einsatzkräfte aus ganz Deutschland in Köln vor Ort. Die Einsatzkräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr wurden zu insgesamt 81 Feuerwehreinsätzen und 137 Technischen Hilfeleistungen gerufen. Bei keinem Einsatz kam es zu einem größeren Personenschaden.

Auch in diesem Jahr wurden Übergriffe auf das Einsatzpersonal gemeldet. Insgesamt fünf Übergriffe mit körperlichen und beleidigenden Tätlichkeiten registrierte die Einsatzleitung. Eine Einsatzkraft musste aufgrund der Verletzung ihren aktiven Dienst beenden.

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit