Archäologische Pfahlwand gefunden – Bauzeit der Erweiterung verzögert sich
Bei Aushubarbeiten für die Baugrube für den Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud wurde in den vergangenen Wochen ein Uferschutzbauwerk des römischen Hafens freigelegt. Es handelt sich um eine Pfahlwand aus dicht an dicht in den Boden gerammten angespitzten Eichenbalken. Die Pfähle sind meist vierkantig zugesägt, haben Querschnitte von 25 mal 30 Zentimetern und bilden eine geschlossene Wand, die als bauvorbreitende Maßnahme für den Bau der rheinseitigen römischen Stadtmauer zur Befestigung des Bauplatzes und als Uferschutz an der römischen Hafenrinne diente. Die Lage dieses Uferschutzbauwerks wurde weiter westlich hin zur römischen Stadtmauer erwartet. Die Entdeckung des stadtgeschichtlich bedeutenden römischen Bauwerks an dieser Stelle ist daher unerwartet. Unter anderem die archäologischen Funde sind Grund dafür, dass sich der Start der Hochbauarbeiten für den Erweiterungsbau verzögert.
Da das Baugrundstück im Bereich eines Bodendenkmals über dem ehemaligen Hafen des römischen Köln mit der Stadtmauer und dem zentralen Tor zum Rhein liegt, und umfangreiche Baureste aus Römerzeit, Mittelalter und Neuzeit zu erwarten waren, führt das Römisch Germanische Museum der Stadt Köln (RGM) im Rahmen der Aushubarbeiten bauvorgreifende Ausgrabungen durch. Diese wurden im Vorfeld abgestimmt und erfolgen auf der Grundlage des Denkmalschutzgesetzes NRW. Trotz umfangreicher Vorerkundungen und Planungen sind, wie im vorliegenden Fall, unerwartete Funde nicht auszuschließen.
So kam es bereits beim Abbruch des Kellerbestands des ehemaligen Kaufhauses Kutz zu weiteren unvorhersehbaren archäologischen Funden, als im Frühjahr 2025 ein Keller des Hochmittelalters freigelegt und dokumentiert wurde. Die gut erhaltenen mittelalterlichen Bruchsteinmauern wurden erst nach dem Abbruch der modernen Überbauungsreste im Untergrund sichtbar. Darüber hinaus ist man im Rahmen des Abbruchs zwischen den Kellern auf inselartig erhaltene Erdpolster mit intakter archäologischer Schichtenfolge gestoßen. Vor dem Abtrag dieser Erdpolster, mussten die darin eingeschlossenen archäologischen Befunde wie Latrinengruben, Brunnen und Ähnlichem, archäologisch untersucht werden.
Seitens des Römisch Germanischen Museums (RGM) legen zahlreiche Mitarbeitende die historischen Funde frei und dokumentieren sie. Trotzdem haben sich diese Arbeiten ebenso wie andere, durch den komplexen historischen Baugrund bedingte Faktoren, unter anderem Quecksilberfunde, auf den Bauablauf ausgewirkt. Die verschiedenen Beeinträchtigungen der vergangenen Monate haben sich zu einer Bauzeitverlängerung von vier Monaten aufsummiert. Derzeit wird von einer baulichen Fertigstellung im vierten Quartal 2027 ausgegangen. Die Eröffnung soll nach erfolgter Inbetriebnahme und Einrichtung durch die Nutzer*innen im vierten Quartal 2028 erfolgen.
Die aus dem Baugrundrisiko resultierenden zusätzlichen Aufwände sowie die zeitabhängigen Kosten sind von dem extra hierfür gebildeten Risikobudget abgedeckt. Das Gesamtkostenbudget für den Erweiterungsbau sowie zusätzliche Verwaltungsflächen in Höhe von 129,7 Millionen Euro (brutto) ist weiterhin ausreichend.
Wir wussten, dass der Untergrund in der Kölner Innenstadt, vor allem in diesem geschichtsträchtigen Bereich des Erweiterungsbaus, sehr risikobehaftet ist. Daher haben wir im Rahmen des Risikomanagements ein Risikobudget gebildet, welches für genau solche Sachverhalte herangezogen wird,
führt Markus Greitemann, Beigeordneter für Planen und Bauen der Stadt Köln, aus.
Auch im weiteren Bauablauf kann es noch zu weiteren archäologischen Funden kommen. Prof. Jürgen M. Volm, externer Projektmanager:
Im Rahmen der Herstellung des Kellerkastens sind weitere Erdbewegungen erforderlich, bei denen weitere Funde entdeckt werden können. Erst wenn wir mit dem Bau auf dem Niveau der umgebenen Straßen angekommen sind, gibt es dieses Risiko nicht mehr. Wie immer arbeiten wir eng verzahnt mit dem Römisch-Germanischen Museum, um die Freilegung und Dokumentation der Funde so schnell wie möglich voranzubringen.
Der Sachstandsbericht zum Projekt ist im Ratsinformationssystem abrufbar unter: Sachstandsbericht zum Neubau Erweiterung Wallraf-Richartz-Museum und Fondation Corboud mit Neubau Blockrandbebauung für städtische Nutzflächen, Stand: 31. Dezember 2025