„Die Gute Form, es gibt sie nicht“ – Ausstellung in der artothek
Eröffnung Mittwoch, 29. April 2026, 20 Uhr
Finissage Samstag, 20. Juni 2026, 20 Uhr
Arne Schmitts Arbeiten sind subtile Bestandsaufnahmen des Alltäglichen, die von der Fotografie ausgehen. Dem Visuellen stellt Schmitt Texte zur Seite, die er selbst verfasst hat oder aus historischen Quellen zitiert und neu editiert. In der artothek zeigt Arne Schmitt unter dem Titel "Die Gute Form, es gibt sie nicht" eine Auswahl von Fotografien aus dem Stadtbild von Zürich und Köln, sein aktuelles Buch "Things" – eine ungewöhnliche Mischung aus Künstlertagebuch und Reiseführer – eine Videoarbeit zur Guten Form des modernen Wohnens sowie eine Arbeit, in der er unsere Beziehungen zu Städten vergleicht mit unseren menschlichen Beziehungen.
Die "Gute Form" als gestalterische Zielsetzung wurde im frühen 20. Jahrhundert entwickelt zur ästhetischen Erziehung der breiten Bevölkerung, verbunden mit der Hoffnung, sie zu besseren Menschen zu formen. Sie diente als Grundlage für architektonische Konzepte und Formentwicklungen im Gebrauchsdesign. Bis heute schwingt der Wunsch nach Funktionalität, Klarheit und Schönheit bei "Gutem Design" mit. Allerdings wird darin nicht mehr die Geschmackserziehung einer breit gedachten Gesellschaft angestrebt, sondern es findet eine Abgrenzung vom Gewöhnlichen durch individuell vorhandenes ökonomisches und kulturelles Kapital statt.
Auf der Suche nach Erscheinungen der "Guten Form" im Alltag unserer heutigen Städte hat Arne Schmitt in seinen ästhetisch präzisen Fotografien Situationen entdeckt, in denen gestalterischer Anspruch auf gescheiterte Realität trifft, in der ausgefeilte Werbeästhetik auf belanglose Alltagsumgebung stößt und in denen sich trotzdem ein Erleben von Schönheit nachspüren lässt, eine Schönheit, die eher in der Authentizität des Erlebten als im abstrakten Ideal verortet ist. Den Arbeiten der Ausstellung ist die Beschäftigung mit der Beziehung von städtischen Innen- wie Außenräumen gemeinsam, wofür die räumliche Situation der artothek ein besonderes prägnantes Beispiel darstellt.
Arne Schmitt, 1984 in Mayen geboren, studierte Fotografie in Leipzig und Brüssel. Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Förderungen und Stipendien ausgezeichnet, darunter sind das Karl Schmitt-Rottluff Stipendium (2016 bis 2018), der Kunstpreis der Böttcherstraße (2018) und ein Residenzstipendium des Goethe-Instituts in Bordeaux (2019). Arne Schmitt lebte und arbeitete lange Zeit in Köln und fühlt sich der Stadt seitdem sehr verbunden. Aktuell hat er seinen Lebensmittelpunkt in Zürich, Schweiz.
Einzelausstellungen (Auswahl):
- 2025 Fragebogen (Zürich), Jacky Strenz, Frankfurt am Main
- 2025 viel oder wenig Bild oder Text, K′ Bremen
- 2023 Ein Verhältnis, das wir ersehnen, Jacky Strenz, Frankfurt am Main 2022 Das allgemeine Gut, K′ Bremen
- 2021 Wohnbedarf. Zum Verhältnis von kulturellem und ökonomischem Kapital, Experimenthaus Werkbundsiedlung Neubühl, Zürich Zum Gedanken der aktiven Minderheit, station urbaner kulturen Berlin
- 2020 Räson, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen
- 2019 die insel (mit Fari Shams), Skulpturenmuseum Glaskasten Marl Zeichen der Zeit. Zur Geschichte eines geschichtslosen Gebiets genannt Parkstadt Schwabing Kunstraum München Stadt-Gegenstadt, Kunstmuseum Gelsenkirchen
- 2018 Ursprung Gebrauch Überhöhung, Bielefelder Kunstverein Persönlichkeit und System, Stadtmuseum München
- 2017 Some Places to Read, Richas Digest, Köln Alleinanspruch (mit Nico Joana Weber), Temporary Gallery Köln
- 2013 Bunker-Erfahrung, kjubh Köln
- 2012 Wenn Gesinnung Form wird / Verflechtungen, Sprengel Museum Hannover
Bei Fragen steht Astrid Bardenheuer, Leiterin der artothek, telefonisch unter 0221/221-22332 zur Verfügung.