Um dringend erforderliche Lehrräume schneller bereitzustellen, errichten wir immer häufiger Modulbauten. Hier kommt ein System ähnlich dem bei Fertighäusern zum Einsatz, bei dem die Bauteile industriell vorgefertigt angeliefert und vor Ort montiert werden. Dies ermöglicht es uns, nach gründlicher Planung einen Neubau in knapp 16 Monaten Bauzeit zu errichten. Dazu haben wir einen Pool mit mehreren Unternehmen gegründet, was einerseits Standardisierung zulässt, andererseits aber auch Variation und Flexibilität. Zudem bündeln wir immer mehrere Standorte zu einem Paket, was erstens die Teilnahme an der Ausschreibung für potenzielle Auftragnehmende attraktiver macht und zweitens die Vergabezeiten deutlich reduziert. 

Grundschule in modernen Stahlmodulbauten ausgelagert

Die Bestandsgebäude der Grundschule Porz in der Hauptstraße 432, ein dreigeschossiger Bau mit Flachdach sowie einem stillgelegten Lehrschwimmbecken, stammen aus den 1950er-Jahren und befinden sich in einem baulich schlechten Zustand. Der Rat hatte uns im Sommer 2019 mit der Auslagerung der Klassen und der Mensa während des Neubaus des Schulgebäudes und der Zweifach-Turnhalle sowie mit der Errichtung der Stahlmodulbauten beauftragt. Seit dem Start des Schuljahres 2021/2022 werden die Schüler*innen der Grundschule in modernen Stahlmodulbauten unterrichtet. Die neue Mensa in Stahlmodulbauweise wurde bereits im Januar 2021 in Betrieb genommen. 

© Timm Bourry

Da die Auslagerung der Schule auf einem Teil des großzügigen Schulhofbereiches realisiert werden konnte, war es möglich, den Schulbetrieb am Standort in der Hauptstraße 432 aufrechtzuerhalten. Die beiden zweigeschossigen Modulbauten mit einer Grundfläche von mehr als 3.100 Quadratmetern sind parallel zueinander angeordnet und von der Josefstraße aus zu erreichen. Die Hauptzugänge der Erdgeschosse erfolgen über eine rampenähnliche Zuwegung und über Treppenanlagen. Gemeinsam bieten beide Gebäude Platz für insgesamt 14 Klassen- und mehrere Nebenräume für die Schulverwaltung, Lehrkräfte, den Differenzierungsunterricht und Mehrzweckbedarf sowie zur Betreuung.

Zusätzlich sind ein Forum für Schulveranstaltungen und eine Bibliothek untergebracht. Alle Klassenzimmer verfügen über ein Waschbecken mit Kaltwasseranschluss, PC-Anschlüsse und Internetzugang. Die Obergeschosse werden über innenliegende Treppenhäuser und die Sanitäranlagen über die Flure erschlossen. Insgesamt bestehen die Häuser aus 184 Moduleinheiten mit nahezu identisch ausgestatteten Raummodulen, die zum größten Teil aus den Klassenräumen bestehen. Die rund 350 Quadratmeter große, eingeschossige Mensa mit Warte- und Ausgabebereich sowie Küche und Nebenräumen wurde aus Platzgründen nicht direkt neben den Klassenbauten errichtet. Sie wurde an der Straßenseite zur Hauptstraße hin realisiert und ist über eine direkte Zuwegung auf dem Schulgelände erreichbar. Die Anlieferung erfolgt von der Hauptstraße aus.

Die Modulbauten sollen mindestens bis zur Fertigstellung des Neubaus, bei Bedarf auch darüber hinaus genutzt werden. Die Gesamtbruttokosten belaufen sich auf rund 11,4 Millionen Euro. Davon gehen rund drei Millionen Euro auf die Mensa und rund 8,4 Millionen Euro auf die Schulbauten. Die Finanzierung der Baumaßnahme erfolgte im Rahmen des Wirtschaftsplans der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln.  

Wo wir sonst noch mit Modulen schneller werden

Für sechs dringend erneuerungsbedürftige Schulen an derzeit fünf Standorten in der Innenstadt schaffen wir zwei neue Interimsorte, Kreutzerstraße 11 und Venloer Wall 13b, als Ausweichquartiere in modularer Bauweise. Diese sollen zunächst von zwei der Innenstadtschulen vorübergehend genutzt werden, damit deren Schulgebäude saniert oder neu gebaut werden können. Anschließend stehen die Interimsbauten für die nächsten beiden Schulen zur Verfügung, um auch dort die notwendigen Schulbauprojekte umzusetzen. Damit werden 700 bestehende Schulplätze gesichert sowie im Rahmen von Sanierungen und Neubauten rund 120 Schulplätze neu geschaffen. 

© Martina Goyert

Einen der ersten Modulbauten der jüngsten Generation übergab unsere Mitarbeiterin Astrid Schüßler im August 2018 an Uta Will, Schulleiterin der Katholischen Grundschule Fußfallstraße in Merheim. In gleicher Bauart haben wir an der Heßhofstraße in Vingst für die dortige Katholische Grundschule sowie die benachbarte Heinzelmännchen-Schule zusätzliche Gebäude realisiert. In der Nußbaumerstraße in Neuehrenfeld wurde eine Mensa mit Küche für die dortige Gemeinschaftsgrundschule in Modulbauweise errichtet. Darüber hinaus wurde 2018 eine Modulbau-Mensa an die Gesamtschule Dellbrücker Mauspfad übergeben.

Wie das Baukastenprinzip funktioniert

Beim Bauen mit Modulen werden die Bauteile industriell im Werk vorgefertigt. Module sind einzelne Elemente aus Holz, Stahl oder Stahlbeton, die in Systembauweise zusammengefügt werden. Zeitgleich können Arbeiten vor Ort erfolgen, wie etwa Erd- und Fundamentarbeiten. Die Bauteile, die je nach Anbieterfirma bereits mit Fenstern, Sanitärinstallationen oder Ähnlichem ausgestattet sind, werden angeliefert und vor Ort nur noch zusammengesetzt. Die Vorfertigung im Werk ist frei von Witterungseinflüssen, kann also ganzjährig sowie im Schichtbetrieb erfolgen. Und wir haben deutlich weniger Schnittstellen im Zusammenhang mit Aufträgen oder Rechnungen, da wir jeweils nur einen oder wenige Vertragspartner*innen haben. 

Es gibt unterschiedliche Vorfertigungsgrade von Modulen, angefangen von einzelnen Bauteilen bis hin zu komplett ausgestatteten Raumzellen. Es können ganze Gebäude in Modulbauweise realisiert werden, wie mehrgeschossige Bürokomplexe oder nur einzelne Bauteile, wie Fassaden und Wandelemente. So wurde etwa der Neubau der Mensa für die Katharina-Henoth-Gesamtschule in Kalk, die im Jahr 2015 die "Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW 2015" der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen erhalten hat, in Teilen modular errichtet. Der eingeschossige Neubau in Massivbauweise wurde mit einer Gebäudehülle aus Sichtbeton-Sandwichelementen konzipiert. 

Worin sich Module von Containern unterscheiden

Anders als Container der Vergangenheit, sind moderne Modulbauten hochwertiger und langlebiger. Module lassen sich nahezu beliebig kombinieren und ermöglichen so immer neue Zuschnitte beziehungsweise Grundrisse. Sie sind zu dämmen und mit unterschiedlichen Fassadenmaterial zu verkleiden wie konventionelle Bauten auch. Sie sind hinsichtlich der Flächenplanung im Rahmen der jeweiligen Produktionsstätte individueller gestaltbar. Modulbauten lassen mehr Geschosse sowie mehr Möglichkeiten der Ausstattung als Container zu. Ihre Qualität kommt der von Neubauten in konventioneller Bauweise am nächsten. Deshalb sind Modulbauten im Gegensatz zu Containerlösungen auch viel langlebiger und helfen vielerorts dringend erforderliche Lehrräume schneller bereitzustellen.