Es ist eine der derzeit spannendsten Baustelle bundesweit und das Interesse an ihr im Jubiläumsjahr "1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland" könnte kaum größer sein: Die Verwirklichung des MiQua in und über der Archäologischen Zone vor dem Historischen Rathaus. Auf der Baustelle war seit Rosenmontag 2021 vor allem nachts Aktivität zu verzeichnen, da die riesigen Fachwerkträger für das in jeder Hinsicht einzigarte Gebäude in Sondertransporten von besonderem Ausmaß dann leichter anzuliefern und zu montieren sind. Das längste Element ist 19 Meter lang und 4,20 Meter hoch bei einem Gewicht von 17 Tonnen. Das schwerste Element wiegt 18 Tonnen bei einer Länge von 15 Metern und einer Höhe von 5,10 Metern. So wächst der Stahlbau an der Ecke Unter Goldschmied/Portalsgasse in vier Bauabschnitten weiter in die Höhe. 

© Thomas Banneyer

Der Stahlbau besteht aus Rautentragwerken im Erdgeschoss, zusammengesetzten Fachwerkträgern im ersten und zweiten Obergeschoss, Stahlbeton-Fertigteildecken im ersten und zweiten Obergeschoss sowie der Dachkonstruktion, die schließlich von 15 Dachpyramiden gekrönt sein werden. In den folgenden Wochen werden die Beton-Fertigteildecken angeliefert und mit dem Kran von oben zwischen den Dachpyramiden eingehoben und eingebaut. Im Anschluss werden die verbleibenden Lücken in der Dachkonstruktion geschlossen. Parallel dazu werden bereits für das Erdgeschoss der Bauabschnitte 2 bis 4 weitere Rauten angeliefert und montiert. Die gesamte Stahlkonstruktion wird später mit transparenten Glaspaneelen, Natursteinplatten und Bruchsteinen aus der archäologischen Grabung verschlossen.

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Unter den derzeit nur bedingt belüfteten Deckenfeldern in der Ausgrabung wird aktuell mit Hochdruck im wahrsten Wortsinn am Durchbruch gearbeitet. Die ersten Schnitte für die erste von später zwei Verbindungen zwischen Praetorium und Archäologischer Zone sind schon vollbracht, was statisch wie ingenieurtechnisch besonders herausfordernd ist. Dazu muss zuerst eine Betonwand von 54 Zentimetern Dicke mit den Maßen 5 mal 2,76 Meter in Blöcke zerschnitten werden, die dann herauszulösen sind. Dann folgt eine zweite entsprechende Wand im späteren Rundgang. Der Ausstellungsrundgang im Praetorium ist heute nur 180 Meter lang. Er wird mit dem MiQua zusammen 600 Meter lang sein. 

Aktuell wird parallel zu den Durchbrucharbeiten im Praetorium der Estrich für die Parcoursfläche gegossen und die neuen Geländer montiert. Mit der Verbindung beider Ausstellungen können Besucher*innen künftig in einem Rundgang die Römerzeit, das Mittelalter, die Neuzeit und die Moderne durchlaufen und somit vier Epochen erkennen sowie erleben. Und das kulturell ebenso wie baulich. Dazu gehören neben Synagoge und Mikwe auch Keller des Goldschmiedeviertels und des mittelalterlichen jüdischen Viertels mit wertvollen Befunden aus mehreren Jahrhunderten, wie ein Ofen "Königswinterer Bauart2 aus dem 19. Jahrhundert, Latrinen und ein römischer Abwasserkanal.

© Christian Knieps
Rückführung des Toraschreinfundaments im November 2020

Mit der Rückführung des Toraschreinfundaments im November 2020 hatte die Instandsetzung der historischen Mauern des mittelalterlichen jüdischen Viertels begonnen. Der Schrein beinhaltete die Torarollen mit den fünf Büchern Mose. Das Grabungsteam fand den umgestürzten Fundamentblock des Toraschreines im Jahr 2014 und konnte ihn bergen, was ein Glücksfall für Archäologie wie Stadtgeschichte gleichermaßen war. Das Steingefüge wurde mit einem Schutzgehäuse ummantelt und verdichtetem Sand fixiert. Der mehr als drei Tonnen schwere Block musste mit schwerem Gerät um 180 Grad gedreht werden, um einen passgenauen Formsockel mit Eisen-Armierung und Führungsbolzen auf der Unterseite gießen zu können. Ein eigens angefertigter, schmaler Standfuß aus Beton diente als Unterbau für den Sockel und brachte vor seiner Rückführung das Toraschreinfundament auf die benötigte Höhe.  

Im jüdischen Synagogenbau des Hochmittelalters hatte sich der Toraschrein als feste Einrichtung an der Ostwand der Synagoge etabliert. Genauso war die Ausführung in der ehemalige Kölner Synagoge, die im mittelalterlichen jüdischen Viertel am Ort des heutigen Rathausplatzes stand. Im Rahmen des Wiederaufbaues und der Neugestaltung des Rathausplatzes in den 1950er Jahren konnten mit den archäologischen Ausgrabungen des Jahres 1956 die alten Grundmauern der Synagoge wieder freigelegt werden. 50 Jahre nach der ersten Ausgrabung wurde das Projekt "Archäologische Zone/Jüdisches Museum" initiiert und im Jahr 2007 damit begonnen, die Synagoge erneut ans Tageslicht zu bringen.

Ankunft und Montage der ersten beiden Rautentragwerke

Mit der Ankunft und Montage der ersten beiden Rautentragwerke im September 2019 wurde das MiQua vor dem Historischen Rathaus erstmals auch in der Höhe sichtbar. Die den Stahlbau umgebenden Deckenfelder wurden betoniert und parallel dazu unterirdisch 11.000 Tonnen Sand abgesaugt, mit denen die Befundebene der Archäologischen Zone im Untergrund vor den Schwerlasten der Baustelle über ihr geschützt worden war. 

© Matthias Meurer
Bauleiter Matthias Zoppelt bei der Qualitätskontrolle im Beschichtungswerk in Siegen

Von dort wurden die Rauten nach Siegen gebracht, wo die Stahlkonstruktionen speziell beschichtet wurden, um optimalen Brandschutz zu gewährleisten. Die Stahlelemente sind bei Anlieferung offen. Sie werden später mit transparenten und transluzenten Glaspaneelen und mit Bruchsteinen aus der archäologischen Ausgrabung verschlossen. Insgesamt verbauen wir 21 Rautenelemente. Sieben im Gebäudeinneren, 14 außen. Auf ihnen baut der Rest des Stahlbaus auf. Die Konstruktion des MiQua wird als Stahl-Stahlbeton-Verbund-Tragwerk geplant. Das spätere Gebäude wird aus vier Ebenen mit einer pyramidenförmigen Dachkonstruktion bestehen: einer unterirdischen Ausstellungsebene durch die Archäologische Zone, einer ebenerdigen Eingangsebene, einer Ebene für Wechselausstellungen sowie einer für die Technik.

Das MiQua wird über einigen der bedeutendsten Funde der Kölner Stadtgeschichte errichtet, die Teil der Ausstellung werden. Nach einem Entwurf des Büros Wandel Lorch Architekten aus Saarbrücken entsteht der oberirdische Bau als hallenartiger Schutzbau über dem Grabungsfeld der städtischen Archäologen, um dieses so weit wie möglich zu schonen. Das Rauten-Tragwerk aus Stahl ist eine besondere Konstruktion, die es ermöglicht, dass das Gebäude auf wenigen Stützen an den Gebäudeaußenkanten sowie einem vertikalen Erschließungskern lagern kann. Die Statik haben wir mit 393 Bohrpfählen gesichert, die in das Erdreich getrieben wurden. Sie dienen als Stützen für das Museum, die Deckenplatte der Ausstellung und das betonierte Haupttragwerk. 

Nach seiner Eröffnung wird das MiQua mit dem Praetorium und dem mittelalterlichen jüdischen Viertel sowie dem Goldschmiedeviertel in einem 600 Meter langen Parcours mehr als 2.000 Jahre Kölner Geschichte barrierefrei erlebbar machen. Bauherrin Museums ist die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln, betreiben wird das Museum der Landschaftsverband Rheinland. 

Ein neues Museum entsteht - Sehen Sie selbst im Video

Ende 2018 wurde mit der Absaugung von rund 11.000 Tonnen Sand auf einer horizontalen Fläche von 25 Metern und bis zu sechs Meter tief in einzelnen Arbeitsabschnitten begonnen. Damit werden die Bodendenkmäler wieder freigelegt, die zum Schutz während der Arbeiten für die Bodenplatte verfüllt worden waren.

Das "Museum im Quartier", MiQua, wird in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Museum. Auf zwei Ebenen wird das "LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln" 2.000 Jahre Kölner Stadtgeschichte sichtbar machen und miteinander verbinden.

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