Die Montage der Stahlrauten für die Fassade geht weiter. Bis zum Herbst 2020 wächst unser erster Bauabschnitt entlang der Portalsgasse als erster in voller Höhe, einschließlich seines markanten Pyramiden-Daches. Parallel dazu wird im Innenfeld unter dem künftigen Neubau weiter der Sand abgesaugt, um die Arbeiten in der unterirdischen Ausstellungsebene weiter voranzutreiben. Zudem bereiten wir im Untergrund den Durchbruch vom Praetorium in die neu ausgegrabene Fläche unter dem Rathausplatz vor. So bauen wir statisch erforderliche Mauern vor die Wände aus dem Jahr 1956. Für sie brauchen wir fast sieben Meter tiefe Baugruben. Vom Kellerfußboden bis zur Sohle der Baugrube untersuchen Archäologinnen und Archäologen gut drei Meter römische Schichten, zu denen wir jetzt vorgestoßen sind. Dabei sichern sie wertvolle Funde wie Scherben von Keramik- und Metallgefäßen, Wandputz, Schmuck und Münzen, aber auch Schieferplättchen mit Ritzungen. In dem Bereich wurde noch nie zuvor gegraben. 

Teileröffnungen bereits im Jahr 2021

© EYECATCHME. Photography
Sandabsaugung in der Archäologischen Zone in der Kölner Altstadt

Nach mehreren Störungen im Bauablauf war es uns gelungen, mit dem davon betroffenen zentralen Stahlbauunternehmen für das "MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln" verbindliche Fertigstellungstermine für die weitere Zusammenarbeit zu fixieren.

Wie bei einer Wettervorhersage wird auch unsere Prognose der Kosten mit dem Fortschritt des Projekts immer genauer. Sie beträgt nach heutigem Stand 95 Millionen Euro. Mit allen nach dem Stahlbau folgenden Gewerken wie Fassade, Dach, technische Gebäudeausrüstung und Ausbau gehen wir nun von einer Fertigstellung nicht vor März 2024 aus. 

Veranstaltungen zum Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland"

Wir mussten leider bereits zweimal den Fertigstellungstermin verschieben. Ursächlich waren Kampfmittelfunde im Baugrund, zwischenzeitlich erhöhte Anforderungen an die Sicherheit im späteren Museum, die Umplanungen zur Folge hatten, sowie zuletzt Terminverzögerungen bei den Rohbauarbeiten. Auch neue und wertvolle archäologische Befunde in unerwarteter Lage im späteren Ausstellungsbereich haben mehrfach unseren Baufortschritt gehemmt. Wir sind jedoch fest davon überzeugt, dass diese Befunde die spätere Ausstellung bereichern werden. Und es gibt auch gute Nachrichten: Das Praetorium und das Museumspädagogische Zentrum als Teil des MiQua können dem Landschaftsverband Rheinland als Betreiber des Museums vorzeitig zur Nutzung übergeben werden. Hier sowie im unterirdischen Bereich des Museums unter dem Deckenfeld vor dem Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud können schon 2021 Veranstaltungen anlässlich des Festjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" stattfinden.

Ankunft und Montage der ersten beiden Rautentragwerke

© Matthias Meurer
Das zweite und größere Rautentragwerk am Haken des Mobilkrans in der Luft vor dem Historischen Rathaus

Mit der Ankunft und Montage der ersten beiden Rautentragwerke im September 2019 wurde das MiQua vor dem Historischen Rathaus erstmals auch in der Höhe sichtbar. Derzeit werden die den Stahlbau umgebenden Deckenfelder betoniert. Parallel dazu läuft unterirdisch weiter die Absaugung von 11.000 Tonnen Sand, mit denen die Befundebene der Archäologischen Zone im Untergrund geschützt worden ist. Die ersten beiden Stahlkolosse wurden auf zwei Tiefladern angeliefert. Das erste Rautenstück misst 7,20 Meter in der Länge, 2,86 Meter in der Höhe und bringt 10 Tonnen auf die Waage. Das zweite ist 13,45 Meter lang, 2,80 Meter hoch und wiegt 15,4 Tonnen. Jedes Element ist eine Spezialanfertigung einer Stahlbaufirma in Wittenberg. 

Von dort wurden die Rauten nach Siegen gebracht, wo die Stahlkonstruktionen speziell beschichtet wurden, um optimalen Brandschutz zu gewährleisten. Die Stahlelemente sind bei Anlieferung offen. Sie werden später mit transparenten und transluzenten Glaspaneelen und mit Bruchsteinen aus der archäologischen Ausgrabung verschlossen. Insgesamt verbauen wir 21 Rautenelemente. Sieben im Gebäudeinneren, 14 außen. Auf ihnen baut der Rest des Stahlbaus auf. Die Konstruktion des MiQua wird als Stahl-Stahlbeton-Verbund-Tragwerk geplant. Das spätere Gebäude wird aus vier Ebenen mit einer pyramidenförmigen Dachkonstruktion bestehen: einer unterirdischen Ausstellungsebene, die durch die Archäologische Zone führt, einer ebenerdigen Eingangsebene, einer Ebene für Wechselausstellungen sowie einer Ebene für die Technik.

© Matthias Meurer
Vor dem Historischen Rathaus werden die Bolzen unterhalb der Träger in Fundamenten im Boden versenkt

Das MiQua wird über einigen der bedeutendsten Funde der Kölner Stadtgeschichte errichtet, die Teil der Ausstellung werden. Nach einem Entwurf des Büros Wandel Lorch Architekten aus Saarbrücken entsteht der oberirdische Bau als hallenartiger Schutzbau über dem Grabungsfeld der städtischen Archäologen, um dieses so weit wie möglich zu schonen. Das Rauten-Tragwerk aus Stahl ist eine besondere Konstruktion, die es ermöglicht, dass das Gebäude auf wenigen Stützen an den Gebäudeaußenkanten sowie einem vertikalen Erschließungskern lagern kann. Die Statik haben wir mit 393 Bohrpfählen gesichert, die in das Erdreich getrieben wurden. Sie dienen als Stützen für das Museum, die Deckenplatte der Ausstellung und das betonierte Haupttragwerk. 

Nach seiner Eröffnung wird das MiQua mit dem Praetorium und dem mittelalterlichen jüdischen Viertel sowie dem Goldschmiedeviertel in einem 600 Meter langen Parcours mehr als 2.000 Jahre Kölner Geschichte barrierefrei erlebbar machen. Bauherrin Museums ist die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln, betreiben wird das Museum der Landschaftsverband Rheinland. 

Ein neues Museum entsteht

Ende 2018 wurde mit der Absaugung von rund 11.000 Tonnen Sand auf einer horizontalen Fläche von 25 Metern und bis zu sechs Meter tief in einzelnen Arbeitsabschnitten begonnen. Damit werden die Bodendenkmäler wieder freigelegt, die zum Schutz während der Arbeiten für die Bodenplatte verfüllt worden waren.

Das "Museum im Quartier", MiQua, wird in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Museum. Auf zwei Ebenen wird das "LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln" 2.000 Jahre Kölner Stadtgeschichte sichtbar machen und miteinander verbinden.

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