Im Jahr 2019 blicken wir dankbar und mit Freude auf die friedliche Revolution in Deutschland vor 30 Jahren zurück. Der Fall der Mauer machte den Weg frei für die deutsche Wiedervereinigung und hatte Strahlkraft in den gesamten Ostblock: Auch in Rumänien erhob sich das Volk gegen das kommunistische und totalitäre Regime der Regierung von Nicolae Ceaușescu. Im Kampf für mehr Demokratie und Freiheit, gegen staatliche Willkür und Gewalt, Unterdrückung und Missachtung der Menschenrechte trug das Volk zum Jahresende 1989 den Sieg davon. Am 1. Weihnachtstag wurden Ceaușescu und seine Frau vor ein Militärgericht gestellt. Der jeweilige Rückblick auf die jüngste Geschichte verbindet die Bürgerinnen und Bürger Rumäniens und Deutschlands, Kölns und Klausenburgs, wie Cluj-Napoca auf Deutsch heißt, in besonderer Weise.   

Mit dem politischen Wandel haben in Rumänien viele Bräuche zu Weihnachten, auf Rumänisch "Crăciun", wieder an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich zum Teil um sehr regionale Bräuche, die in allen Landesteilen gefeiert werden. So auch in unserer Partnerstadt Cluj-Napoca im Herzen von Transsilvanien oder auch Ardeal, mit seiner religiösen Vielfalt: Hier leben Menschen rumänisch-orthodoxer, rumänischer griechisch-katholischer, römisch-katholischer Kirche sowie Protestanten der calvinistisch-reformierten Kirche, evangelisch-lutherischen Kirche und Unitarier.

Weihnachten in Cluj-Napoca und Transsilvanien

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Die vorweihnachtliche Fastenzeit – eine uralte Tradition

Am Heiligen Abend dem "ajun de Crăciun" wird in ganz Rumänien traditionell bis in die Abendstunden gefastet. In Transsilvanien jedoch beginnt die Fastenzeit für viele schon am 15. November. In dieser Zeit der innerlichen Einkehr wird auf den Genuss von Fleisch verzichtet und bäuerliche Arbeiten in ländlichen Regionen ruhen weitestgehend. Zum Fest selbst werden, wie in vielen anderen Ländern auch, ganz traditionelle Speisen gereicht. Dazu zählen in Transsilvanien vor allem "Sarmale" mit "Mămăligă" (Kohlrouladen mit Maisbrei) und ein Pflaumenschnaps. 

Nikolaus-Küchlein

Ähnlich zur Tradition des Fastens werden in transsilvanischen Dörfern am Nikolausabend ganz spezielle Nikolaus-Küchlein für eine ausgiebige Feier gebacken. 

Eine siebenbürgische Tradition: das Räuchern des Hauses

In der Luziennacht vom 12. auf den 13. Dezember werden frische Zweige auf Glut verbrannt und in einer Schüssel durch Haus und Hof getragen. Der aufsteigende Rauch gilt als Reinigung und zum Schutz aller Räume und Ställe vor Ungemach. Dieser Brauch geht zurück auf die Zeit, in der noch viele Deutschstämmige in Siebenbürgen, so der deutsche Name für Transsilvanien, lebten. Sie stammten ursprünglich vor allem aus der Rhein- und Moselgegend und besiedelten auf Geheiß des ungarischen Königs im 12. Jahrhundert das Gebiet im Nordwesten des heutigen Rumäniens, das zu der Zeit zum mittelalterlichen Königreich Ungarn gehörte.

Das transsilvanische Ansingen

Zu den bekanntesten Weihnachtsbräuchen in Transsilvanien zählt das Ansingen. Schon vor dem Heiligen Abend formieren sich junge Menschen - ganz traditionell nur "Jünglinge" - und ziehen singend von Haus zu Haus. Belohnt werden die Sänger - und heutzutage auch Sängerinnen - mit Früchten, Nüssen und vor allem dem sehr begehrten rumänischen Nussstrudel "Cozonac". Auch in den Dörfern den Landkreises Cluj finden immer noch viele Dorftreffen statt. Die Kinder gehen in ihren Volkstrachten singend und auch tanzend durch die Straßen und Gassen.

Weihnachtsmärkte - Ein Treffpunkt für Familien und Freunde

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Weihnachtsmärkte haben in Rumänien noch keine lange Tradition: Der erste Markt wurde 2007 in Sibiu (Hermannstadt) ausgerichtet, als man den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" getragen hat. Kurz darauf fanden auch die ersten Märkte in Bukarest, Cluj-Napoca, Timisoara (Temeswar) statt.

Der Weihnachtsmarkt in Cluj-Napoca begeistert mit seiner Bühne aus Lebkuchen, der Elfen-Werkstatt und dem Puppentheater im Schatten der beeindruckenden St. Michael Kirche. In diesem Jahr steht er im Zeichen der Familie und des Spiels. Das gemeinsame Spiel schafft und stärkt Verbundenheit. Aber auch rund um den Weihnachtsmarkt auf dem Unirii-Platz kehrt in Cluj-Napoca festlich winterliche Stimmung ein. Sei es auf der Eisbahn, bei einer Fahrt mit der "Lebkuchenstraßenbahn" oder bei einem der vielen weihnachtlichen Konzerte und dem Sternsingen.

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Krippen und Ikonen

Die Krippe spielt in Rumänien eine weniger starke Rolle als in anderen Ländern. Es sind vor allem Ikonen, mit denen die Geburt Christi bildhaft dargestellt wird. Rumänische Ikonen werden, im Gegensatz zu russischen Arbeiten auf Holz, häufig als Hinterglasmalereien gefertigt.

Eine ganze Reihe dieser farbenprächtigen und detailreichen Weihnachtsikonen sind an verschiedenen Ausstellungsorten des 24. Kölner Krippenwegs zu sehen. Ebenso kann auf diesem Rundgang eine der seltenen Krippen aus Cluj-Napoca bestaunt werden.  

Unsere Partnerstadt Cluj-Napoca zu Gast in Köln

© Rheinstil

Weihnachtstradition auf dem Kölner Krippenweg

Seit 1996 bringt der Kölner Krippenweg Krippenkunst und Weihnachtskultur mitten in das urbane Leben unserer Stadt. In Zusammenarbeit mit Kirchen, Kulturinstituten und vielen teilnehmenden Geschäften zeigt der Krippenweg Weihnachtsdarstellungen aus der ganzen Welt und erinnert damit an die Frohe Botschaft des Evangeliums.

Organisiert wird der Kölner Krippenweg vom Verein der Krippenfreunde Region Köln e. V. Von Beginn an hat er seinen  Schwerpunkt auf internationale Krippenkunst gelegt. Inzwischen fester Bestandteil des Kölner Krippenwegs sind Exponate aus einer der Kölner Partnerstädte. In diesem Jahr ist die rumänische Partnerkommune Cluj-Napoca auf dem Krippenweg vertreten.

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Markt der Engel

In Zusammenarbeit mit dem Kölner Hänneschen-Theater wird auf dem Markt seit vielen Jahren eine "Hänneschen-Krippe" mit Figuren aus der Puppenbühne gestaltet: Auch in Knollendorf, der Heimat der urkölschen Figuren des Hänneschen-Theaters, feiert man Weihnachten und die Stabpuppen der traditionsreichen Kölner Bühne kommen zum Jesuskind. Anlässlich der Städtepartnerschaft zwischen Köln und Cluj-Napoca haben sich die liebenswerten Charaktere aus Knollendorf – allen voran Hänneschen und Bärbelchen – in diesem Jahr Verstärkung mitgebracht: Ein in reichbestickte Trachten gekleidetes Pärchen hat sich mit Gaben aus seiner Heimat Transsilvanien auf den Weg nach Köln gemacht. Die beiden revanchieren sich für den Besuch von Hänneschen und Bärbelchen, den diese Cluj-Napoca im Herbst 2019 zu einem Theaterfestival abgestattet haben!

Im sogenannten "Kleinen Krippenhäuschen", einer Station des Kölner Krippenweges, ist ein ganz besonderes Werk zu sehen: Die Künstlerin Katalin Rita Pozsony aus Cluj-Napoca hat die Figuren in Waldorf-Technik aus Holzkegeln und Filz entworfen. In der von ihr initiierten Manufaktur für Puppen und Figuren finden sozial benachteiligte Frauen sowie einkommensschwache Rentnerinnen eine Beschäftigung.

Darüber hinaus werden Weihnachtsikonen von Adam Curta gezeigt. Curta stammt aus Cluj-Napoca und zählt zu den renommiertesten Ikonenmalern. Zusammen mit seiner Frau Liana malt er in der über 500 Jahre alten Technik der Hinterglasmalerei. Die Ikonen stehen für die christliche Tradition des rumänischen Volkes und repräsentieren über ihren künstlerischen Wert hinaus ein heiliges spirituelles Erbe. Curtas Weihnachtsikonen sind zum Himmel hin offene Bilder und laden bei der Betrachtung dazu ein, einen Blick in das "Fenster zum Himmel" zu werfen. Er arbeitet mit verschiedenen Museen in Rumänien zusammen, unter anderem dem Ethnografischen Museum in unserer Partnerstadt. Seine Werke wurden bereits auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

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Bürgerbüro der Stadt Köln

Im Schaufenster des Bürgerbüros sind im Rahmen des 24. Kölner Krippenwegs eine ganze Reihe von rumänischen Weihnachtsikonen zu sehen. Darunter Arbeiten von Adam Curta, Werke unbekannter Malerinnen und Maler aus der rheinischen Sammlung Sieglinde und Udo Hergesell sowie eine aus Cluj-Napoca stammende Marienikone, wie sie auch in der großen orthodoxen Kathedrale "Catedrala Adormirea Maicii Domnului" ("Maria Aufnahme in den Himmel") verehrt wird.

Bürgerbüro

KölnTourismus

Im Schaufenster von KölnTourismus, An der Burgmauer, werden mehrere Krippendarstellungen aus Rumänien gezeigt. Drunter eine besonders schöne große Weihnachtsikone von Adam Curta.

KölnTourismus - Willkommen in Köln
© Walter Schiestel

Cluj-Napoca auf dem Weihnachtsmarkt am Kölner Dom

Auch in diesem Jahr sind die Kölner Partnerstädte wieder auf dem Weihnachtsmarkt am Kölner Dom vertreten. Im Stand 106 präsentieren sich Cluj-Napoca und die Region Transsilvanien mit kulinarischen Spezialitäten und viel Informationsmaterial.

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