Der Herkunft von Kunst und Kultur in den Museen auf der Spur
Die Museen der Stadt Köln begeben sich am Mittwoch, 8. April 2026, auf die Suche nach Spuren der Herkunft von Kunst- und Kulturwerken: Woher kommen sie? Was haben sie erlebt? Was können sie uns erzählen? Im Rahmen des internationalen "Tag der Provenienzforschung" beantworten die Museen diese und weitere Fragen zur Geschichte ausgewählter Kunstwerke und ihrer Besitzer*innen in Kurzführungen und Vorträgen. Sie bieten dabei Einblicke in die Arbeitsweise musealer Forschung, insbesondere als Grundlage für die Rückgabe von NS-Raubkunst und von Artefakten aus kolonialen Unrechtskontexten.
Das Programm am Mittwoch, 8. April 2026, in der Übersicht:
11 Uhr, Museum Schnütgen
Vortrag: Dr. Karen Straub und Dr. Adam Stead
Gebete und humorvolle Buchmalerei – eine neu erworbene Handschrift: ihre Herkunft und ihr Weg von Nordfrankreich nach Köln
Das Museum Schnütgen zeigt aktuell eine kostbare Neuerwerbung im Rahmen der Kabinettausstellung "Glaube mit Humor". Es handelt sich um ein Gebetbuch für Geistliche mit humorvollen Buchmalereien aus der Zeit um 1300. Dabei liefert das von Hand gefertigte Buch wichtige Hinweise auf ihren ursprünglichen Bestimmungsort und Gebrauch in einer Abtei im nordfranzösischen Laon. In der Führung wird die Herkunftsgeschichte der bislang kaum bekannten Handschrift beleuchtet und wie sie ihren Weg von Nordfrankreich über unterschiedlichen Privatbesitz schließlich nach Köln gefunden hat. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist im Museumsfoyer.
13 Uhr, Rautenstrauch-Joest-Museum (in Zusammenarbeit mit dem Historischen Archiv mit Rheinischen Bildarchiv)
Vortrag: Objektgeschichten teilen. Einblick in digitale Tools und Online-Plattformen Im Jahr 2025 wurden die Akten des Rautenstrauch-Joest-Museums (RJM) vollständig digitalisiert.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Historischen Archiv mit Rheinischem Bildarchiv. Die Akten reichen bis in die Anfänge des Museums zurück und enthalten unter anderem Briefwechsel, Auktionskataloge, Rechnungen sowie Notizen von Vorbesitzer*innen. Diese Dokumente sind wichtige Bausteine für die Erforschung der Herkunft der Museumsobjekte. Sie helfen dabei, zentrale Fragen zu klären: Woher stammen die Objekte und wie sind sie in die Sammlung des Museums gelangt?
Jan Klein (Archivar) und Susanne Kube (Wissenschaftliche Dokumentarin) stellen das Digitalisierungsprojekt vor. Sie zeigen, wie die Teilnehmenden die Akten im Digitalen Lesesaal des Historischen Archivs mit Rheinischem Bildarchiv finden können. Außerdem präsentieren sie weitere Online-Portale (Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, Heidelberg Accession Index), die einen digitalen Zugang zur Sammlung des RJM bieten und die Provenienzforschung voranbringen. Nach einem kurzen Einstieg in der Dauerausstellung wird die Veranstaltung in der RJM-Bibliothek stattfinden. Treffpunkt ist um 13 Uhr an der Kasse. Die Teilnahme ist kostenlos.
14 Uhr, Museum für Ostasiatische Kunst
Führung durch Dr. Daniel Suebsman und Caroline Stegmann-Rennert: Reisende
Viele Kunstobjekte im Museum für Ostasiatische Kunst haben eine abenteuerliche Reise durch verschiedene Kontinente, Epochen und Sammlerhände hinter sich, bevor sie dauerhaft ihren Platz in der Sammlung einnahmen. Die "Biografien" der Objekte sind eng mit bestimmten weltpolitischen Ereignissen, der globalen Handelsgeschichte, dem Zeitgeist des Kunstmarktes sowie der Passion einzelner Sammlerpersönlichkeiten verbunden. Für ihre Rekonstruktion trägt die Provenienzforschung am Museum Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen, die zum besseren Verständnis der kulturhistorischen Bedeutung und Herkunft der Objekte beitragen. Zu ausgewählten Glanzstücken aus den aktuellen Ausstellungen des Museums erfahren Besucher*innen der Führung spannende Hintergrundgeschichten, in denen beispielsweise der chinesische Kaiser, der türkische Sultan, ein Kölner Domherr oder portugiesische Augustinermissionare vorkommen. Thematisiert wird dabei auch die aktuelle Diskussion rund um den Umgang mit Kulturgut aus kolonialen Kontexten. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist im Museumsfoyer.
15 Uhr, Museum Ludwig
Führung durch Rita Kersting: Die dramatische Geschichte eines Bildes als Comic-Bestseller: Otto Mueller und der französische Zeichner Luz (Charlie Hebdo)
Die Graphic Novel erzählt die Geschichte von Otto Muellers "Zwei weibliche Halbakte". Das Bild sieht, was vor sich geht: Muellers Frau Maschka, die kritisch beäugt, ob sie gut getroffen ist, das Atelier des Künstlers, wo bald der Sammler Ismar Littmann auftaucht und es kauft. Das Gemälde gerät an viele Orte, wo es bewundert, bewertet und verachtet wird. Es überlebt und hängt heute, nachdem es an die Tochter des Sammlers restituiert wurde, im Museum Ludwig. Der französische Zeichner Luz hat auch überlebt, er war Redakteur der Zeitschrift Charlie Hebdo‚ auf die 2015 ein islamistisches Attentat verübt wurde. 2025 hat er "Zwei weibliche Halbakte" veröffentlicht – ein 200 Seiten-Comic über die dramatische Reise eines Bildes von Otto Mueller. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist an der Information im Foyer des Museums.
16 Uhr, Museum für Angewandte Kunst Köln
Vortrag und Ausstellung: Woher kommst Du? Museale Detektivarbeit am Beispiel der Sammlung Lindgens
Welche Herkunft ein Objekt hat, ist oft unklar. Etiketten und Beschriftungen belegen in Kombination mit Inventarbüchern und Fotoalben deren Sammlungsgeschichte. Doch diese gehen im Laufe der Jahrhunderte oftmals verloren. Daher ist museale Detektivarbeit gefragt, um relevante Informationen zu Sammlungsobjekten zu recherchieren. Eine kleine Präsentation mit Objekten aus Holz, Metall und Keramik der ehemaligen Sammlung Lindgens bietet Einblicke in die Provenienzforschung angewandter Kunst im MAKK.
8. April 2026, 16 Uhr
Dr. Britta Olényi von Husen (Overstolzensaal im MAKK)
Das Sammlerbuch Juliane & Werner Lindgens im Museum für Angewandte Kunst Köln. Ein besonderer Quellenbestand zu einer Kölner Privatsammlung 8. April bis 3. Mai 2026, dienstags bis sonntags und an Ostermontag, 10 bis 18 Uhr Präsentation (Treppenabsatz 2. Obergeschoss im MAKK) Einblicke in die Provenienzforschung am Beispiel der ehemaligen Sammlung Lindgens Die Teilnahme und der Eintritt in die Ausstellung sind kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Eine Übersicht der am Tag der Provenienzforschung teilnehmenden Kulturinstitutionen ist auf der Internetseite des Arbeitskreises Provenienzforschung abrufbar: https://www.stadt-koeln.de/provenienzforschung/index.html