Son Lewandowski und Selim Özdogan erhalten Dieter-Wellershoff-Stipendien
Son Lewandowski und Selim Özdogan erhalten die Dieter-Wellershoff-Stipendien für das Jahr 2026. Die Dieter-Wellershoff-Stipendien wurden vom Literaturhaus Köln als Arbeitsstipendien ausgeschrieben und im Zuge der Autorenförderung mit Mitteln der Stadt Köln ausgestattet. Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Nada Assaad (freie Journalistin, Moderatorin, Autorin), Uwe Kalkowski (Produktmanager Eichborn Verlag und Literaturblogger: kaffeehaussitzer.de) und Christa Morgenrath (Literaturvermittlerin, Lektorin, Kuratorin) sichtete 28 Einsendungen. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury waren die eingereichten Exposés und Textproben. Wie schon in den letzten beiden Jahren wurde ein anonymisiertes Auswahlverfahren angewendet.
Son Lewandowski (Jahrgang 1988) ist Autorin und Kuratorin. Sie ist Mitbegründerin der Kölner "unruly readings" und der Initiative "Insert Female Artist". Literarische Texte schrieb sie unter anderen für Edit, Lampe Verlag, BELLA triste und 54books. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor*innenwerkstatt des "LCB" eingeladen. Im Januar 2026 erschien ihr Debütroman "Die Routinen". Ihr im Entstehen begriffener Roman "Die Fische wässern" überzeugte die Jury, die ihre Wahl so begründet:
Die Fische wässern' schickt uns mitten hinein in die Welt der Geheimdienste, hinein in die drei Jahrzehnte der 1990er, 2000er und 2010er-Jahre. Doch es ist kein klassischer Spionage-Roman; vielmehr nähert er sich dem Thema auf eine ungewöhnliche Art an. Im Mittelpunkt steht die Perspektive der Frauen, die in dieser maskulin geprägten Welt als Sekretärinnen arbeiteten und deren Leben von einem ungebremsten Autoritarismus, Machismus und Sexismus geprägt wurde. Der Text erzählt von einem Arbeitsumfeld, in dem Übergriffigkeit, subtile strukturelle Gewalt und Alkoholmissbrauch an der Tagesordnung waren. Die Ich-Erzählerin Jasna ist die Enkelin einer der Sekretärinnen. Aus ihrer kindlichen Perspektive werden das gesellschaftliche Klima der Zeit ebenso wie die erschreckende Geheimniskrämerei der Erwachsenen – im beruflichen wie im privaten Umfeld – tabubrechend, präzise und entwaffnend eingefangen. Diese Erzählperspektive macht die Raffinesse des Textes aus, der auf einer weiteren Ebene von vergessenen widerständigen Frauen berichtet. Und angesichts der neueren politischen Entwicklungen ist der Roman von einer ebenso drängenden wie mahnenden Aktualität.
Selim Özdogan (Jahrgang 1971) lebt als Autor in Köln. Zuletzt erschienen unter anderen der Roman "Wo noch Licht brennt" (2017), der Kriminalroman "Der die Träume hört" (2019) sowie der Erzählungsband "Die Musik auf den Dächern" (2021). Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderen mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis (1999) und dem Hohenemser Literaturpreis (2017). Die Entscheidung für sein Romanprojekt "Trainingstag – Nie mein echtes Leben" begründet die Jury folgendermaßen:
Trainingstag – Nie mein echtes Leben' nutzt die Mittel eines Kriminalromans, um tief in unsere Gesellschaft einzutauchen: Klassismus, migrantisch geprägte Schicksale, Ausgrenzungserfahrungen, Selbstinszenierung und die Scheinwelt des Influencerdaseins, die trügerische Verheißung eines sozialen Aufstiegs und das Thema organisierte Kriminalität verbinden sich zu einer spannenden Mischung. Die sozialen Dynamiken werden so präzise wie sensibel erfasst und treiben mit pointierten Dialogen die Handlung schnell und gekonnt voran. Entgegen der postulierten Freiheit, das Leben nach individuellen Vorstellungen gestalten zu können, bleibt der Protagonist der Geschichte ›... immer bereit, die Welt als feindselig zu erleben.‹ Ein Pageturner mit Tiefgang, in dem es nicht nur um die Aufklärung eines Falles geht, sondern der wie nebenbei die Missstände unserer Gesellschaft aufdeckt.
Der Autor Dieter Wellershoff hat in seiner Wahlheimat Köln noch immer große Bedeutung und hat die Literatur der Bundesrepublik maßgeblich beeinflusst, als Schriftsteller und auch als Lektor im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Er schrieb Romane, Novellen, Erzählungen, Lyrik, Essays, Drehbücher und autobiographische Bücher und ist im Jahr 2018 gestorben. Zu seinem ehrenden Gedenken haben das Literaturhaus Köln und die Stadt Köln die Literaturstipendien nach ihm benannt. Seit dem Jahr 2018 werden jährlich zwei altersunabhängige Arbeitsstipendien an professionelle Schreibende vergeben, die in Köln leben. Sie dienen dazu, dass diese sich für die Zeit der Förderung ohne wirtschaftlich-materiellen Zwang auf die Fertigstellung eines bereits begonnenen literarischen Publikationsvorhabens konzentrieren können. Die Stipendien sind mit jeweils 12.000 Euro dotiert.
Die Stipendiat*innen der vergangenen Jahre sind:
Joachim Geil und Tina Ilse Maria Gintrowski (2018)
Ulrike Anna Bleier und Bastian Schneider (2019)
Adrian Kasnitz und Tilman Strasser (2020)
Gundula Schiffer und Angela Steidele (2021)
Gunther Geltinger und Leonard Prandini (2022) Traudl Bünger und Thomas Empl (2023)
Laura Cwiertnia und Tina Ilse Maria Gintrowski (2024)
Ada Badey und Stefan Cordes (2025)
Weitere Informationen zu den Stipendiat*innen und zum Bewerbungsverfahren können abgerufen werden unter: https://literaturhaus-koeln.de/ueber-uns/stipendien-und-ausschreibungen/.
Information und Kontakt im Literaturhaus:
Sonja Herrmann
Literaturhaus Köln
Tel.: 0221/99555812
E-Mail: herrmann@literaturhaus-koeln.de www.literaturhaus-koeln.de
Information und Kontakt im Kulturamt:
Nadine Müseler
Referat für Bildende Kunst, Medienkunst, Literatur
kulturamt@stadt-koeln.de
www.stadt-koeln.de/kulturamt