Residenzstipendien für Mehmet Akif Büyükatalay und Farah Wind

Die Stadt Köln stärkt erneut den internationalen Kulturaustausch mit ihrer Partnerstadt Istanbul: Für das zweite Halbjahr 2026 wurden die Residenzstipendien im "Atelier Galata" im Bereich Bildende Kunst von der Jury ausgewählt. Sie gehen an Mehmet Akif Büyükatalay und Farah Wind. Ein internationaler Austausch ist für Köln als Kunst- und Kulturstandort weiterhin von zentraler Bedeutung. Die Residenz in Istanbul trägt dazu bei, die langjährige Städtepartnerschaft zu vertiefen und die lokale Szene durch künstlerische Vernetzung nachhaltig zu stärken.

Als Stipendiat für die Monate August und September wurde Mehmet Akif Büyükatalay ausgewählt. Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:

In dem Essayfilm ,Kairo, Hagen, Istanbul‘ nimmt Mehmet Akif Büyükatalay den Film ,Minyeli Abdullah‘ (Abdullah aus Minya) aus der Bewegung des 'Weißen Kinos' zum Ausgangspunkt einer filmischen Recherche. Dabei wird ein Kreislauf von Übersetzungs- und Transformationsprozessen von Kairo, über Istanbul nach Hagen verfolgt: Von einem originär türkischen Narrativ, über dessen Übersetzung in die Form einer Märtyrergeschichte des kolonialen Ägyptens, zu seiner Rezeption und ideologischen Sinnstiftung innerhalb der türkischen Diaspora in Deutschland. Istanbul fungiert dabei als zentraler Raum der Übersetzung und steht im Mittelpunkt der Recherche. Die Jury hat die komplexe Verschränkung von historischen, theologischen und ideologischen sowie medientheoretischen Narrativen in einer persönlichen Reflexion über Erfahrungen von Ohnmacht und den Sehnsüchten der türkischen Diaspora beeindruckt.

Biografische Angaben
Mehmet Akif Büyükatalay ist ein in Köln lebender Autor, Produzent und Regisseur. Er wuchs in Hagen auf und studierte Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM). Bereits sein Abschlussfilm "Oray" feierte internationale Erfolge und wurde auf der Berlinale als Best First Feature ausgezeichnet. Auch sein zweiter Spielfilm "Hysteria" feierte Premiere auf der Berlinale und wurde mit dem Preis für den besten europäischen Film gewürdigt. Beide Werke fanden weltweit ihren Weg in die Kinos und wurden mehrfach ausgezeichnet. Büyükatalay war zudem Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Er ist Gründer der Produktionsfirma "filmfaust". In seiner Funktion als Produzent und Autor verantwortete er preisgekrönte Filme wie "Liebe", "D-Mark" und "Tod von Cem Kaya" (Berlinale Panorama Publikumspreis), "Berzah" von Deren Ercenk (NRW-Hauptpreis bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen), "Immaculata" von Kim Lêa Sakkal (Weltpremiere in der Quinzaine des Cinéastes in Cannes) sowie "Sirens Call" von Miriam Gossing und Lina Sieckmann (Weltpremiere im Berlinale Forum). Derzeit arbeitet Mehmet Akif Büyükatalay an seinem ersten Roman sowie an der Fertigstellung des Films "Sommer Blues" von Anna Ansone, an dem er als Ko-Autor und Produzent beteiligt ist.   

© Farah Wind
Farah Wind

Die zweite Stipendiatin ist Farah Wind. Die Jury schreibt:

Farah Wind arbeitet in vielgestaltiger Weise mit Sound, Klangperformances, Klangsynthesen aus heterogenen Materialien wie Radio, Instrumenten und Live Recordings, aber auch mit Audio- und Video Walks. Dabei erkundet sie oftmals kollaborativ urbane Kontexte. Neben urbanen Leerstellen, akustischen Erkundungen und situativen Hörerfahrungen stehen bei ihr auch abstrakte und weniger sichtbare Aspekte im Fokus, wie das Trauern in 'under_currents' oder strukturelle Gewalt gegen Frauen im Audio-Walk 'gegenlichter'. Für das Atelier Galata nimmt sie sich des Radios als relationalem, politischem, flexiblem Raum an und plant eine mehrteilige Web-Broadcastserie in Zusammenarbeit mit dem Produzenten und Performer Volkan T. Error. Diese soll Radiokünstler*innen, Aktivist*innen in Istanbul mit der Radioszene in Köln (fm.674, Funkt Session, Cashmere Radio, otic.radio) zusammenbringen. An verschiedenen Orten in Istanbul sollen Hörsituationen und kollaborative Produktionen stattfinden. Gerade in einer Zeit immer weniger werdender kultureller Räume erscheint ihr Radioprojekt als subversives und politisches Medium für eine kollaborative Zusammenarbeit Istanbuler und Kölner Akteur*innen als ein dritter Ort für Austausch und Solidarität.

Biografische Angaben
Farah Wind (geboren 1997) ist eine in Köln ansässige Klangkünstlerin. Sie studierte Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften, bevor sie ein Diplomstudium im Fachbereich Sound an der Kunsthochschule für Medien aufnahm. Außerdem studierte sie in den Klassen für digitale und ortsbezogene Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ihre Hörstücke verbinden dokumentarische Recherche mit elektronischen Verfahren. Sie entstehen für Ausstellungen, Radio und Performance und befassen sich mit Möglichkeiten des Radios als akustisches Archiv und kollektiver Praxis. Ihre Arbeiten wurden unter anderem auf der Triennale II – The Sound, WELTKUNSTZIMMER, ACHT BRÜCKEN, Temporary Gallery, Quartier am Hafen oder auf dem Kölner Kongress des Deutschlandfunks gezeigt. Sie arbeitet in den Hörspielstudios des Westdeutschen Rundfunks und aktuell als Klangkunst Kuratorin.

Neue Ausschreibung für Literatur
Im November und Dezember 2026 wird erneut ein*e Stipendiat*in aus dem Bereich der Literaturvermittlung nach Istanbul reisen können, als Teil des wechselseitigen Residenzprogramms "Seyir Quartier", organisiert vom Quartier am Hafen in Kooperation mit IstanbulBerlin, gefördert von der RheinEnergie Stiftung und Kunstsalon Stiftung. Das Kulturamt stellt für diesen wechselseitigen Austausch wieder sein Wohnatelier in Istanbul sowie das Stipendien- und Reisegeld zur Verfügung. Dem Aufenthalt in Istanbul geht ein Residenzaufenthalt des bereits ausgewählten türkischen Autors Mertcan KarakuÅŸ in Köln voran. Er wird ab September seine Residenz im Quartier am Hafen antreten. Durch die Kooperation zwischen dem Residenzstandort Quartier am Hafen und dem Atelier Galata-Residenzprogramm der Stadt Köln wird ein beidseitiger Austausch und eine noch engere Form der Kooperation von Kulturschaffenden beider Länder ermöglicht.

Link zur Ausschreibung Seyir Quartier: https://qah.koeln/open-call-residenz-in-istanbul-fuer-literaturvermittlerinnen-aus-koeln/

Einsendeschluss für die Bewerbungen ist Dienstag, 18. August 2026. Fragen und Bewerbungsunterlagen per E-Mail an: seyirquartier@gmail.com

Über die Vergabe der Stipendien entscheidet eine unabhängige Jury von Quartier am Hafen.

Der Auswahljury des Kulturamtes für die Stipendien im Bereich Bildende Kunst gehörten an: Prof. Dr. Lilian Haberer (Kunsthochschule für Medien Köln), Professor Mischa Kuball (Kunsthochschule für Medien Köln), Nadine Müseler (zuständige Referentin des Kulturamtes) sowie der ehemalige Stipendiat Stefan Ramírez Pérez.

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit