Herausragende Leistungen werden mit insgesamt 60.000 Euro unterstützt
Die Stadt Köln vergibt jährlich fünf Förderstipendien in Höhe von je 12.000 Euro in den Sparten Bildende Kunst (Friedrich-Vordemberge-Stipendium), Medienkunst (Chargesheimer-Stipendium), Literatur (Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium) und Musik (Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium für zeitgenössische Musik) sowie das (Horst und Gretl Will-Stipendium für Jazz und improvisierte Musik), um herausragende Nachwuchskünstler*innen zu fördern. Das Stipendium für Jazz/Improvisierte Musik wird von der Horst & Gretl Will-Stiftung finanziert.
Eine Jury, bestehend aus Sachverständigen, Vertreter*innen der Politik und dem Kölner Kulturdezernenten Stefan Charles, hat in den vergangenen Tagen aus 154 Bewerbungen drei Preisträgerinnen und zwei Preisträger für das Jahr 2026 ausgewählt: Kento Ishikawa, Roger Kintopf, Emma Lydssan, Aduni Ogunsan und Nora Schramm.
In der Sparte Bildende Kunst wurde die in Mönchengladbach lebende Aduni Ogunsan (Jahrgang 1997) für das Friedrich-Vordemberge-Stipendium ausgewählt. Ogunsans Arbeiten überzeugten die Jury auf vielen Ebenen, insbesondere durch die malerische Materialität, mit der Fragen von Identität, Migration und Repräsentation verhandelt werden – Themen, die für gegenwärtige Gesellschaften von zentraler Bedeutung sind. Die Fachjury würdigt Ogunsans kraftvolle visuelle Sprache:
Ihre Werke sind selbstbewusst und ihre Themen zugleich persönlich wie auch universell lesbar.
Diese Verbindung überzeugte die Fachjury. Sie erläutert:
(…) Der Übergang von kleinen, privaten Fotografien zu monumentalen, taktilen Arbeiten schafft eine besondere Form der Begegnung für die Betrachtenden – langsam, körperlich erfahrbar und intensiv. Durch die Überführung persönlicher Archivmaterialien in den öffentlichen Ausstellungsraum entsteht ein Dialog über Erinnerungskultur, familiäre Narrative und die politische Dimension von Sichtbarkeit.
Preisträger des Horst und Gretl Will-Stipendiums für Jazz/Improvisierte Musik ist der in Köln lebende Roger Kintopf (Jahrgang 1998). In seiner Begründung sagt Hans-Jürgen Linke im Namen der Jury unter anderem:
Roger Kintopfs Hauptinstrument ist der Kontrabass. Ein nicht unwesentlicher Teil seines Profils besteht in der Arbeit als sideman in verschiedenen Formationen, in denen er nicht der Bandleader ist, gleichwohl Wichtiges zum Konzept und den Konturen der Musik beiträgt. Er hat sich zu einem gefragten und sehr markanten Musiker entwickelt, der in den Formationen, in denen er arbeitet, die eigenen Ausdrucksweisen mit denen der Mitmusiker*innen aufmerksam zu koordinieren versteht. Zusätzlich hat Kintopf sich in den letzten Jahren zunehmend nachdrücklich und umfänglich als Komponist profiliert, der Zusammenhänge entwirft und eine wache Aufmerksamkeit für das Miteinander individueller Stimmen aufbringt. Er arbeitet kundig mit Kompositionstechniken der sogenannten Neuen Musik, hat konventionelle Formverläufe hinter sich gelassen und bezieht geräuschhafte Komponenten ein, ohne auf vorbereitete Pfade etwa einer musique concrète einzubiegen. Seine Konzepte bleiben auf die Spielsituation der konzertanten Arbeit auf der Bühne bezogen. Die instrumentale und kompositorische Entwicklung seiner Musik betreibt er wie ein Forschungsprojekt. Seine durchgearbeiteten multi-instrumentalistischen Solo-Einspielungen und seine solistischen Auftritte sind dafür lebendige Zeugnisse.
Preisträgerin des Chargesheimer-Stipendiums für Medienkunst ist Emma Lydssan (Jahrgang 1998) aus Dortmund. Sie überzeugte die Jury
durch ihre sensiblen und eindeutigen Entscheidungen mit Blick auf ihre Inhalte und deren Umsetzung in das fotografische Medium. Mit großer Klarheit thematisiert sie Themen aus ihrem persönlichen Umfeld und öffnet damit emotionale Räume, mit denen sich vielfältige Betrachter*innen identifizieren können. An der Schnittstelle zwischen Inszenierung und Authentizität zeichnet sie in ihrem Werk ein sensibles Porträt ihrer Generation. Sie zeigt junge Menschen als Wandernde auf dem schmalen Grat zwischen Sinnsuche und individueller Selbstverwirklichung auf der einen und Gefühlen von Einsamkeit, Zweifeln und Ängsten auf der anderen Seite. Dabei hinterfragt sie soziale Normen und stellt die Frage, was Anpassung für jede*n Einzelne*n in unserer Gesellschaft bedeutet. Klischees werden angedeutet, aber nie bedient, vielmehr durch die Gegenüberstellung der Bilder immer wieder unterwandert. Ihre Bildwelten bleiben fluide, verbinden filmisch-fiktive Techniken und Inszenierungen mit dokumentarischen Momenten und entwickeln dabei eine große erzählerische Kraft. Sowohl im Ausstellungskontext als auch in der Übersetzung ins Medium Fotobuch beweist sie einen sehr eigenständigen, klaren und bewussten Umgang mit ihren künstlerischen Medien.
In der Sparte Literatur wurde Nora Schramm (Jahrgang 1993) aus Köln für das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium ausgewählt. Ulrike Schulte-Richtering gibt das Ergebnis der Jury so wieder:
Das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium wird in diesem Jahr an Nora Schramm verliehen. In ihrem Romanprojekt Frederik bei Nacht erzählt sie in rhythmisch präziser Prosa von einem jungen Liebespaar, das so schnell wie möglich zusammenziehen will. Der Plot um Wohnraumkampf und verunsicherte Geschlechterrollen steckt voller Überraschungen und schrägem Witz. Nora Schramm überzeugte die Jury sowohl mit ihrem Geschick, nuanciert die Charaktere der Protagonist*innen festzuhalten, als auch mit ihrer eigenen unverkennbaren Erzählstimme. Mit sprachlicher Präzision und großer erzählerischer Sogwirkung entfaltet Frederik bei Nacht ein ebenso komisches wie berührendes Panorama prekärer Gegenwartserfahrungen.
Das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium für Zeitgenössische Musik geht in diesem Jahr an den in Köln lebenden Kento Ishikawa (Jahrgang 1997). Die Fachjury erläutert:
Im Werk des jungen Komponisten Kento Ishikawa ist eine Leichtigkeit spürbar, die in der Musik nicht oft zu finden ist. Er versteht es, ein feines Gewebe aus Instrumentalgeräuschen, Tönen und auch zugespielten Geräuschfetzen zu schaffen, das energetisch gerichtet ist. (…) Kento Ishikawa besitzt ein gutes Gespür für Dramaturgie, die Spannung wird gehalten, nicht zuletzt auch durch unerwartete Klangüberraschungen. Der Wechsel zwischen lebendigen und humorvollen Klangwelten und fragilen Strukturen unterstützt diese besondere Leichtigkeit in Ishikawas Musik.
Oberbürgermeister Torsten Burmester wird die mit jeweils 12.000 Euro dotierten Stipendien am 10. Juli 2026 im Rathaus an die Stipendiat*innen übergeben.