Tradition und Moderne

Die japanische Stadt Kyoto ist seit dem 21. Januar 1963 Partnerstadt Kölns. Der 40. Geburtstag der Städtepartnerschaft wurde, zusammen mit einer Delegation aus Kyoto, im Juni 2003 in Köln unter anderem mit einer Ausstellung Kyotoer Künstlerinnen und Künstler und der Pflanzung einer Linde im Stadtgarten gefeiert.

Schon von Beginn an fand auf verschiedensten Ebenen ein reger Austausch zwischen den beiden Städten statt. So kam es in den Bereichen Sport, Kunst und Kultur im Laufe der Jahre immer wieder zu Begegnungen. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Stadtverwaltungen trafen sich regelmäßig, was sich in allen Bereichen bis heute nicht geändert hat.

Umgeben von bewaldeten Bergketten ruht Kyoto in würdevoller Distanz zum geschäftigen Treiben Osakas. Auf Besucherinnen und Besucher, die den Stress und die Hektik japanischer Großstädte kennengelernt haben, wirkt es ruhig und beschaulich. Im Jahr 794 gegründet, stieg die Stadt schnell zum Machtzentrum der Heian-Zeit auf und wurde zum beherrschenden wirtschaftlichen Magneten, der Kulturschaffende und Kreative unwiderstehlich anzog.

Zahlen und Fakten zur Partnerstadt

In der japanischen Metropole leben fast 1,5 Millionen Menschen. Kyoto ist - genau wie Köln - Universitätsstadt. Rund 125.000 Studentinnen und Studenten besuchen eine der 37 Kyotoer Universitäten oder Hochschulen der Stadt.

Nahezu alle der etwa 2.000 buddhistischen Tempel und shintoistischen Schreine, die im Laufe der Jahrhunderte in Kyoto errichtet wurden, sind gut erhalten, so dass man heute noch die Möglichkeit hat, fünfzehntausend Jahre japanischer Geschichte zu erleben.Während sich die Städte Osaka und Tokyo im wirtschaftlichen Boom entfalteten, wurde Kyoto einem großen Freiluftmuseum immer ähnlicher. Das Vorhaben, wenigstens in Kyoto die japanischen Traditionen aufrecht zu erhalten, bewirkte in den letzten Jahrzehnten einen Stillstand in der Entwicklung der Stadt.

In den 70er Jahren erkannten die Stadtpolitikerinnen und Stadtpolitiker, dass die Gefahr drohte, Kyoto würde zu einer Stadt ohne Zukunft werden. Also versuchte man durch den Bau von Prestigeobjekten, die Fähigkeit zur Moderne zu demonstrieren. Es wurde mit dem Bau einer U-Bahn sowie des Kyoto Towers begonnen. Weiterhin wurden der Hauptbahnhof neu gestaltet und die Hauptgeschäftsstraßen überdacht.

Doch auch nach der Modernisierung der Stadt blieben doch weiterhin die klassischen Wirtschaftszweige, die bis heute das Bild Kyotos prägen: Steingut- und Porzellanmanufaktur, Seidenkimono - Handel, Lackarbeiten, Sake - Produktion, Souvenirhandel und vieles mehr.

Kyoto ist sowohl für Wohnen, Freizeit als auch Bildung attraktiv und gilt daher bei der japanischen Bevölkerung als Wunschwohnort Nummer Eins.

Geschichte

Der chinesischstämmige Hata-Clan besiedelte das Gebiet von Kyoto bereits im sechsten Jahrhundert. Die Nachfahren der Hata gründeten im Jahr 623 den Koryu-Tempel, der heute oft als der eigentliche Beginn der Geschichte Kyotos gilt.

Im achten Jahrhundert wurde dem japanischen Kaiser Kammu der Einfluss der buddhistischen Mönche auf die Staatspolitik zu groß und er verlegte 794 kurzerhand den gesamten Regierungssitz von Nara nach Kyoto. Die buddhistischen Würdenträger mussten unter lautem Protest zurückbleiben. Der machtpolitische Abstieg Naras war die wichtigste Voraussetzung für den Aufstieg Kyotos.

Die Stadt entwickelte sich sehr schnell zum herausragenden Zentrum von Kunst und Kultur in Japan, wobei sich auch das gesellschaftliche Leben der Heian-Periode am großen Ideal China orientierte. Die Heian-Periode dauerte von 794 bis 1192.

Dramatische Entwicklungen brachen im 13. Jahrhundert über Kyoto herein: Mit dem Stärkerwerden des Shogunats um 1221 wurde der Einfluss des japanischen Kaiser erheblich eingedämmt. Mit Hilfe der Samurai-Truppen kämpften regionale Machthaber blutig um mehr Einfluss. Das endete in schlimmen Bürgerkriegen, die noch bis ins 16. Jahrhundert andauerten. Kyoto wurde in dieser Zeit durch mehrere schwere Brände großflächig in Schutt und Asche gelegt, viele Tempel und Paläste wurden ein Opfer der Flammen.

Unter dem Soldatenführer Oda Nobunaga sowie seinem Nachfolger Hideyoshi Toyotomi wurde Japan im 16. Jahrhundert befriedet. Kyotos Wiederaufstieg begann. Der Kaiserpalast wurde wiederaufgebaut, die alten Tempel neu errichtet oder restauriert und die ganze Stadt wurde einer Modernisierung unterzogen. Die traditionellen Stadtstrukturen kamen wieder zum Vorschein.

Von 1941 bis 1945 im Großen Pazifischen Krieg hatte die amerikanische Regierung Kyoto als primäres Ziel für die erste amerikanische Atombombe ausgesucht. Die Vereinigten Staaten hatten gehofft, durch diesen Angriff die japanische Kampfmoral zu brechen und eine schnelle Kapitulation zu erzwingen. Westlichen Japan-Fachleuten gelang es jedoch, die USA von diesem Vorhaben abzubringen und sie von der kulturellen Bedeutung Kyotos zu überzeugen, so dass der Angriff nicht stattfand.

Auch in der heutigen Zeit ist der Symbolgehalt der "1.000-jährigen Kaiserstadt" nicht zu unterschätzen. Noch heute finden hier die Thronbesteigungszeremonien statt. Kyoto ist die am meisten besuchte Stadt in Japan und hat - wie Köln - etwas Museales an sich. Dieses Image wird von Präfektur und Staat systematisch gepflegt und so wird Industrie nur im Süden der Stadt angesiedelt.

Kultur und Sehenswertes

Im 131 Meter hohen Kyoto Tower befindet sich das Tourist Information Center (TIC), wo man sich mit Broschüren und Informationsmaterial über Kyoto eindecken kann. Von hier aus empfiehlt sich ein Besuch im Sanjusangendo. Der von der buddhistischen Tendai-Sekte 1164 gegründete Tempel beherbergt die wohl beeindruckendste Sammlung japanischer Kannon-Figuren. Tausend bunt lackierte und vergoldete Kannon-Statuen, von 72 verschiedenen Meistern geschaffen, stehen auf 120 Meter in zehn ansteigenden Reihen hintereinander. Jede Figur hat ihr eigenes typisches Gesicht, so dass man bei längerer Betrachtung immer wieder neue interessante Eindrücke gewinnt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das Kyoto Nationalmuseum von 1897, in dem sich eine wertvolle Sammlung religiöser Gebrauchskunst aus buddhistischen Tempeln und Shinto-Schreinen befindet. Die Sammlung wird in chronologischer Reihenfolge präsentiert und könnte als "Kalender der Japanischen Geschichte" betitelt werden. Wechselnde Sonderausstellungen widmen sich spezielleren Aspekten der Kunstgeschichte.

Auf dem romantischen Philosophenweg wandelt man vom Nanzenji-Tempel hin zum Ginkanuji-Tempel. Im April während der Kirschblüte und im Herbst, wenn der Momiji-Ahorn seine feuerroten Blätter über Weg und Wasser streut, ist der 30-minütige Spaziergang besonders schön. Der Philosophenweg endet in unmittelbarer Nähe des Ginkakuji-Tempel, dem Silberpavillon. 1482 wurde nach dem Tod des Shoguns Ashikaga Yoshima dessen Landsitz in einen Zen-Tempel umgewandelt. Der Tempel und seine Umgebung sind bei den Kyoterinnen und Kyotoern ein sehr beliebtes Ausflugsziel, besonders das kleine Teehaus auf dem Gelände, von dem nicht ohne Stolz behauptet wird, es sei das älteste in ganz Japan.

1790 wurde der Kaiserpalast an seine heutige Stelle verlegt. Er besteht aus 18 Gebäuden und einem wunderschönen Landschaftsgarten. Das Gebäude wurde nach mehreren Brandkatastrophen im Jahr 1855 nach alten Plänen wieder aufgebaut. Der Palast wird ständig schwer bewacht - gilt er doch als ein wichtiges Symbol Japans. Leider ist das Palastgebäude nur beschränkt zugänglich. Mindestens zwei Stunden vor dem gewünschten Besuchtstermin muss beim Kaiserlichen Haushaltsamt - unter Vorlage des Reisepasses -  eine Besichtigungsgenehmigung beantragt werden.

Aber nicht nur an Sehenswürdigkeiten und geschichtlichen Besichtigungsorten hat Kyoto viel zu bieten, auch das Kyotoer Nachtleben ist nicht ohne. Es spielt sich größtenteils in einigen wenigen Vierteln des Stadtzentrums ab. Die Jugend Kyotos hält sich überwiegend auf der Kawaramachi-dori auf. Diese Straße ist geprägt von sich aneinander reihenden Spielhallen, in denen die jungen Leute die halben Nächte verbringen.

Teure Restaurants und luxuriöse Bars findet man im Viertel Gion. Unter 3.000 Yen, das sind etwa 23 Euro, ist ein alkoholfreies Getränk von 0,3 Liter nicht zu bekommen. Alkoholische Getränke wie Sake sind noch viel teurer. Ein Abendessen kann hier ein halbes Monatsgehalt verschlingen, daher sollte man sich als Tourist besser erst mit Vorsicht in die Bars und Restaurants wagen. Es lohnt sich allerdings allemal, einen nächtlichen Bummel durch das Viertel der Betuchten zu unternehmen. Dies sollte man genauso wenig verpassen wie einen Besuch in einer Karaoke-Bar und vielleicht erhascht man ja auch einen kurzen Blick auf eine Geisha, die mit weiß geschminktem Gesicht und knallroten Lippen in eines der schwarzen Taxis steigt, um zu ihren Kunden zu gelangen.

Von März bis November finden am Gion Corner jeden Abend verschiedene Vorführungen klassischer Japanischer Kunst statt. Dazu gehören zum Beispiel die japanische Blumensteckkunst Ikebana, der Kyonai - Tanz, das Bunraku - Puppenspiel und die historische Hofmusik Gagaku statt. Etwas preisgünstiger kann man das Nachtleben in den engen Gassen zwischen Shijo-dori und Sanjo-dori auf der Westseite des Kamo-Flusses erleben. In einer der kleineren, namenlosen Gassen reihen sich viele kleine Restaurants aneinander. Für diese Gassen gelten allerdings eigene Regeln:

  • Die Restaurants an der Front der Gasse zeigen relativ preiswerte Angebote, laden jedoch stets nur für kurzes Verweilen ein.
  • Je weiter das Restaurant in der Gasse liegt oder sogar erst durch einen engen Weg erreicht werden kann, desto stilvoller ist das Ambiente, was sich allerdings auch auf der Rechnung bemerkbar macht.

Im ganzen Viertel verteilt findet man Nudelsuppen-Kioske, an denen man bis spätabends sehr leckere und preiswerte Gerichte bekommt. Auch findet man hier viele Nacht-Cafès, meist von der Karafunaya-Kette, die rund um die Uhr geöffnet haben. Hier bekommt man sehr preiswerte Drinks in nettem Ambiente.

Partnerschaftsverein

Deutsch-Japanische Gesellschaft e.V.

Karl-Heinz Meid
Rather Mauspfad 77
51107 Köln

Telefon: 0221 / 86 23 79
Fax: 0221 / 86 71 49

E-Mail an den Verein Deutsch-Japanische Gesellschaft

Kontaktadresse der Partnerstadt

Internetseite der Stadt Kyoto