75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und zum 70. Jahrestag der Schumann-Erklärung

© Europäische Kommission

Am 9. Mai begehen die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union den Europatag und feiern die vielen Verdienste, die uns allen die EU gebracht hat:

  • offene Grenzen
  • Freizügigkeit
  • die gemeinsame Währung zur Erleichterung des innereuropäischen Handel
  • last but not least Frieden im Kern-Europa und Solidarität in einer starken Gemeinschaft
© Centre européen Robert Schuman à Scy-Chazelles

Denn der 9. Mai erinnert an die Erklärung des damaligen französischen Außenminister Robert Schumann vor nunmehr 70 Jahren. In dieser Erklärung, inhaltlich maßgeblich vorbereitet von Jean Monnet, schlug Schuman 1950 vor, zunächst eine Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) zu gründen.

Wer nicht mehr frei über Energie und Stahl verfügt, kann keinen Krieg mehr erklären,

lautete Schumanns Motivation fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Nur knapp zwölf Monate später beschlossen die Gründungsmitglieder

  • Frankreich
  • Deutschland
  • Italien
  • Niederlande
  • Belgien
  • Luxemburg

Ihre Kohle- und Stahlproduktion gemeinschaftlich zu organisieren. Die EGKS, auch Montanunion genannt, wurde gegründet. Sie gilt als erste supranationale europäische Institution; der 9. Mai als die Geburtsstunde der Europäischen Union, wie wir sie heute kennen. 

Eindringlich beschwor Schumann in seiner Erklärung die Bedeutung eines geeinten Europas für Frieden und Fortschritt zum Wohle seiner Bürgerinnen und Bürger:

Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann, ist unerläßlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen. Frankreich, das sich seit mehr als zwanzig Jahren zum Vorkämpfer eines Vereinten Europas macht, hat immer als wesentliches Ziel gehabt, dem Frieden zu dienen. Europa ist nicht zustande gekommen, wir haben den Krieg gehabt.

Europa läßt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, daß der Jahrhunderte alte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird. Das begonnene Werk muß in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen.

Zum vollständigen Wortlaut der Schumann-Erklärung

Dementsprechend waren es vor allem Frankreich mit Staatspräsident Charles de Gaulles (1944 bis 1946 Präsident der Provisorischen Regierung der Französischen Republik, 1959 bis 1969 Staatspräsident der Französischen Republik) und Deutschland mit Bundeskanzler Konrad Adenauer (1949 bis 1963), die im Bewusstsein ihrer historischen Verantwortung und durch die "Politik der ausgestreckten Hand" den Weg für ein vereintes Europa ebneten. Eine Politik, die 1962 zunächst zur Versöhnungsmesse in Reims führte.

Reims, jene Stadt in Frankreich, wo 17 Jahre zuvor die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands vor dem Obersten Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte unterzeichnet wurde, die mit Inkrafttreten am 8. Mai 1945 das Ende des Zweiten Weltkrieges markierte.

© Europäische Union

Heute, 75 Jahre nach Kriegsende und 70 Jahre nach Schumanns historischem Appell für ein vereintes Europa müssen wir uns der Herausforderung einer ganz neuen, globalen Krise stellen. Mit der Corona-Pandemie und den nationalen Bestrebungen, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen, geraten längst zur Selbstverständlichkeit gewordene Errungenschaften, die uns die Europäische Union gebracht hat, mehr und mehr ins Wanken. Mehr denn je ist gerade jetzt die Solidarität in Europa zur gemeinsamen Bewältigung der Krise und ihren wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen gefordert! 

So wie Schumann seinerzeit betonte, dass es für die Vereinigung europäischer Nationen konkrete Tatsachen und Solidarität der Tat bedarf, so braucht eine stabile EU gerade jetzt und für die Zukunft Zusammenhalt und solidarische Taten. Dazu sollten auch gemeinsame Strategien zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und gemeinsame Anstrengungen zur Bewältigung ihrer wirtschaftlichen und soziale Folgen gehören. Eine Forderung, der nicht genug Nachdruck verliehen werden kann.

© Frederik Schorn
Bekennende Europäerin: Oberbürgermeisterin Henritte Reker

Zum Europatag 2020 appelliert Oberbürgermeisterin Henriette Reker:

Wollen wir das Projekt der europäischen Einigung fortsetzen, so müssen wir uns zu Zeiten der Corona-Krise gegenseitig helfen.

Ein Appell, mit dem in Köln auch solidarische Taten verbunden sind: Die Universitätsklinik Köln hat zwei schwerkranke italienische COVID-19-Patienten aus den besonders betroffenen Regionen Lombardei und Piemont aufgenommen und sich damit an der Hilfsaktion des Landes NRW beteiligt.

Unmittelbare Hilfe kommt auch den von der Corona-Pandemie besonders betroffenen europäischen Partnerstädten zugute. Beschäftigte der Stadt Köln und stadtbeteiligter Gesellschaften haben ein Signal für Europa gesendet:

Die am stärksten betroffenen Partnerstädte 

  • Turin
  • Barcelona
  • Lille
  • Liverpool

erhalten jeweils eine Spende aus der RestCent-Aktion in Höhe von 10.000 Euro. Im Rahmen dieser Aktion steht es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frei, auf die monatlichen Cent-Beträge ihres Nettogehaltes für wohltätige Zwecke zu verzichten. Dazu gehören vor allem Hilfsprojekte in den Kölner Partnerstädten sowie weltweit bei Katastrophen von besonderem Ausmaß.

Coronavirus – Krisenreaktion: Die EU-Kommission angesichts von COVID-19

© EU-Kommission

Auch die Europäische Union sagt dem Corona-Virus den Kampf an:

Die globale Coronavirus-Pandemie erfordert eine globale Reaktion. Die Weltgemeinschaft muss rasch wirksame Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sowie einen Impfstoff entwickeln und verfügbar machen.

EU-Kommission

Hierzu haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten auf folgende Prioritäten geeinigt:

  • Begrenzung der Ausbreitung des Virus
  • Gewährleistung der Bereitstellung medizinischer Ausrüstung
  • Förderung der Forschung im Hinblick auf Behandlungsmethoden und Impfstoffe
  • Förderung der Beschäftigung, Unterstützung von Unternehmen und Gesamtwirtschaft

Darüber hinaus koordiniert die EU-Kommission die gemeinsame Corona-Krisenreaktion. Sie unterstützt die Mitgliedsstaaten im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie mit entschlossenen Maßnahmen zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens und hilft, die sozialen und ökonomischen Folgen der Pandemie abzufedern.

Im Zusammenschluss mit Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Norwegen und Saudi-Arabien - hat derzeit die G20-Präsidentschaft inne - startete die Europäische Union am 4. Mai 2020 einen Gebermarathon zur weltweiten Bekämpfung der Corona-Pandemie, der bis Ende Mai geht. EU-Präsidentin Ursula von der Leyen ruft im Rahmen dieser Kampagne die Staats- und Regierungschefs sowie Partner aus der ganzen Welt auf, sich mit ihrer Spende an der Anschubfinanzierung für die Entwicklung lebensrettender Behandlungsmethoden sowie eines Impfstoffes zu beteiligen.  

Niemand, kein Land und keine Region darf zurückgelassen werden,

Ursula von der Leyen
Präsidentin der EU-Kommission

Coronavirus - Krisenreaktion

Kölnerinnen und Kölner für Europa

© Alex Volk

Auch die europaaktive Kölner Zivilgesellschaft setzt sich gerade jetzt, wo die Solidarität innerhalb der Europäischen Union auf eine harte Probe gestellt wird, engagiert für ein geeintes, demokratisches sowie auf auf Frieden und Freiheit basierendes Europa ein. Unter #zesamme für Europa machen sich 

  • die Europa-Union Köln
  • Cologne Alliance
  • die Jungen Europäischen Föderalisten Köln
  • "Diesmal wählt Köln"
  • Pulse of Europe

in ihrer Botschaft für ein solidarisches Europa stark. 

#zesamme für Europa - Die Botschaft engagierter Kölnerinnen und Kölner zum Europatag 2020

Europatag und Europawoche 2020 - Was läuft trotz Corona-Pandemie

© EU-Kommission

Seitdem der Rat der Europäischen Union 1985 den 9. Mai offiziell zum Europatag erklärt hat, würdigen Politik und Zivilgesellschaft jedes Jahr auf allen Ebenen die Verdienste der Europäischen Union. Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Veranstaltungsverboten können in diesem Jahr nicht wie in gewohntem Maße Aktionen und Veranstaltungen zum Europatag und in der Europawoche stattfinden. 

Gleichwohl lädt die EU-Kommission gemeinsam mit dem Europäischen Parlament unter dem Motto

Europa lebt Solidarität 

dazu ein, den Europatag am 9. Mai 2020 digital zu feiern.

Hier geht es zu "Wir feiern den Europatag 2020 am 9. Mai digital!"
© Europa-Union Deutschland e.V.

Unter dem Motto

Wir bringen die Europawoche zu Ihnen ins Wohnzimmer! Ob Online-Bürgerdialog, digitaler Stammtisch oder Europaquiz: Europa-Union und JEF bieten spannende Alternativen zu den Veranstaltungsklassikern, die wegen Corona dieses Jahr nicht stattfinden können.

bieten die Europa-Union Deutschland und die Jungen Europäischen Föderalisten ein attraktives und informatives Programm an Online-Veranstaltungen zum Europatag und zur Europawoche an.

Europawoche 2020 - Online-Angebote von Europa-Union und JEF