Im Gespräch mit den Menschen

Wer genau sind die Menschen, die in Köln leben und deren Vorfahren oder die selber aus einem Land der Europäischen Union kommen? Was sind ihre Geschichten? Woher kommen sie, wie blicken Sie auf Köln und die EU? Wo schließen sich die Menschen eines EU-Landes in Köln zusammen, um ein Stück Heimat zu erleben?

Über diese Fragen wollten wir gemeinsam am Europatag, den 9. Mai, im Forum VHS mit Ihnen diskutieren. Leider mussten wir die Veranstaltung, die das Büro für Europa und Internationales der Stadt Köln und die Volkshochschule Köln gemeinsam ausrichten, wegen der hohen Infektionszahlen und der damit einhergehenden Infektionsschutzregeln verschieben.

Stattdessen haben wir das Datum umgedreht und feiern den 5. September als alternativen Europatag. Dann soll es heißen "So lebt Europa in Köln". Frau Andrea Oster (WDR 5) wird das Gespräch mit vier Kölner*innen moderieren, die ihre Wurzeln in Bulgarien, Griechenland, Italien und Polen haben und in verschiedenen Kulturvereinen aktiv sind. 

Vorab haben wir unsere Podiumsgäste gebeten, ihre persönliche Geschichte zu erzählen.

Rossitza Bairaktarski, Schulleiterin der Bulgarischen Schule Az Buki Vedi in Kalk

© Rossitza Bairaktarski

Ich komme ursprünglich aus der sechstgrößten Stadt Bulgariens, Stara Zagora, die in der Mitte des Landes zwischen Rosen, Gemüseanbau und thrakischer Geschichte liegt. 2013 sind wir als Familie von Dortmund nach Köln gezogen aus Sehnsucht nach dem Leben in einer großen bunten Stadt mit vielen Farben, Lichtern und Gesichtern und auf der Suche nach dem Lebensgefühl unserer Hauptstadt Sofia. Wir wollten eine Bulgarische Schule für unsere Kinder und wussten, dass es eine in Köln gab. Die bulgarische Sprachgemeinschaft fehlte uns in Dortmund sehr.

"Bulgarien in Köln" findet für mich samstags im Caritas-Zentrum in Köln-Kalk statt, wo die Bulgarische Schule Az Buki Vedi seit ihrer Gründung im Jahr 2009 ihren Sitz hat. Der Samstag, den wir gemeinsam als Familie verbringen, gehört diesem Ort der Begegnung, der bulgarischen Sprache und Kultur.

Zusätzlich spüre ich "Bulgarien in Köln" intensiv, wenn ich die Stadtbibliothek am Neumarkt besuche. Die dortige Kinderabteilung bietet eine Bühne, auf der wir seit 2016 zusammen zweisprachige Lesungen und bulgarische Autor*innen-Treffen veranstalten. Der Autor*innen-Treff präsentiert das für die meisten Kölner*innen wenig bekannte Land Bulgarien und setzt es auf die kulturelle Karte der Rheinmetropole.

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Anastasia Sakavara, POP - Vorsitzende der Initiativgruppe Griechische Kultur in der BRD e.V.

© Xenia Höchsten

„Meine Wurzeln liegen in Nordgriechenland, ich wuchs auf 1600 Höhenmetern mit Blick auf den Olymp auf. Wenn ich das sage, riecht der Raum nach frischgekochtem Bergtee und erweckt die "saudade" teetrinkend aufs Meer zu schauen.

Mein Wunsch nach einem künstlerischen Studium verschlug mich nach dem Abitur nach Köln. Ich blieb ein Vierteljahrhundert. Mittlerweile habe ich mehr Lebenszeit in Köln verbracht als irgendwo anders. Diese Stadt fühlte sich von Anfang an sehr vertraut an.

Ich würde nicht mehr auf den Blick über den Rhein verzichten wollen, das ist mein Meer. Am liebsten fahre ich über die Zoobrücke in den Rheinpark, diese Kulisse ist einfach herzerwärmend, der Tee darf nicht fehlen. Köln wurde als nördlichste Stadt des Mittelmeers zu meiner Heimat und wohin ich verreise et Hätz bliev he in Kölle.

Frau Sakavara ist auch Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Köln-Thessaloniki.  

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Margaux Kier - Sängerin, Schauspielern, Kuratorin, Ärztin - aktiv für den deutsch-polnischen Dialog

© Hanna Witte

Ich bin in Bydgoszcz geboren, das liegt in Pommern, früher Bromberg, es liegt circa 170 Kilometer südlich von Danzig. Ich lebe seit meinem 13. Lebensjahr in Köln.

Mein Großvater väterlicherseits war deutsch, meine Großmutter polnisch, und weite Teile der Familie waren gemischt. Da mein Vater während des 2. Weltkriegs von seinem Vater getrennt wurde, träumte er ein Leben lang davon, eines Tages nach Deutschland zu gehen, er träumte von einem Leben ohne Benachteiligung, die er als Kind besonders stark erfahren hatte. Der Eiserne Vorhang hinderte auch ihn daran in den Westen zu reisen, erst im Alter von 33 Jahren ist es ihm gelungen, seinen Vater und die Großtanten wiederzusehen. Er konnte mit meiner Mutter in die Bundesrepublik fliehen, wo sie zunächst den Status von Aussiedlern erhielten. Mein Bruder und ich durften erst anderthalb Jahre später nachkommen, geholfen hat damals der Außenminister Hans Dietrich Genscher, dem meine Mama geschrieben hatte.

An Köln mag ich die Kölner*innen besonders! Sie lassen die Menschen, die hierhin kommen, nicht allein.

Wenn ich an "Polen in Köln" denke, dann fällt mir das Osteuropäische Kulturzentrum "IGNIS“ in der Elsa Brändström Straße ein, wo man sich regelmäßig zu Kulturveranstaltungen und zum Plaudern treffen konnte. Inzwischen gibt es das IGNIS seit 7 Jahren nicht mehr. Wir können zwar polnisch essen gehen im Restaurant MaximA zum Beispiel, oder polnisches Bier im Kajtek in der Südstadt trinken, polnische Kultur jedoch können wir leider kaum erleben. Es gibt aber einige Menschen, die ein neues deutsch-polnisches Kulturzentrum erschaffen wollen – das passiert gerade jetzt, und da bin ich dabei.

Deutsch-Polnische Gesellschaft Köln-Bonn e. V.

Antonella Giurano, Leiterin des interkulturellen Zentrums "Mondoaperto - Offene Welt"

 Ich bin in dem kleinen Dorf Nulvi in der Provinz Sassari in Nord-Sardinien bei meiner Oma und bei meiner Tante aufgewachsen, da meine Eltern als Gastarbeiter*innen Anfang der 1960er Jahre nach Deutschland gegangen waren. Um meine Eltern zu sehen, bin ich viele Jahre lang zu Weihnachten und anderen Festen nach Köln gekommen. Mit 20 Jahren zog ich dann von dem kleinen sardischen Dorf in die große Stadt Köln, wo ich nun seit 42 Jahren lebe.

‚Italien in Köln‘ – das sind für mich meine Landsleute, mittlerweile gibt es in Köln rund 28.000 Menschen mit italienischen Wurzeln. Italien ist in Köln sichtbar und präsent mit vielen italienischen Bars, Restaurants, Eisdielen und Lebensmittelgeschäften. Um italienische Kultur zu erleben, besuche ich oft das italienische Kulturinstitut. Als politisch interessierter Mensch und überzeugte Europäerin war ich drei Legislaturperioden lang als gewähltes Mitglied im Integrationsrat der Stadt Köln. In dieser Zeit habe ich die Lebendigkeit der Multikulturalität und die Offenheit in der Stadt Köln schätzen gelernt.

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