© Gernot Schulz Architektur

Materialverluste als Folge der Flutkatastrophe

Die ersten Gebäude in der Bildungslandschaft Altstadt-Nord (BAN) wurden im Jahr 2020 im Baufeld B am Gereonswall 57 sowie in der Vogteistraße 9 fertiggestellt. Dabei handelt es sich um eine Kindertagesstätte, eine Grundschule, eine Realschule und ein Studienhaus. Das Mensa- und Ateliergebäude als Gemeinschaftseinrichtung für alle im Verbund wird erst im 2. Quartal 2022 bezugsfertig sein. Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 waren Lagerhallen zweier beauftragter Firmen so sehr beschädigt worden, dass Materialien nicht wie geplant verfügbar waren.

"Sorgenkind" Hansaring

Größtes Sorgenkind innerhalb der BAN war jedoch von Anfang an das Baufeld A mit der Sanierung und Erweiterung des Hansa-Gymnasiums am Hansaring 56. Im Altbau aus dem Jahr 1898 waren erhebliche Herausforderungen mit dem konstruktiven Brandschutz zu lösen. Bei mehreren Ausschreibungen waren keine Angebote eingegangen.

Inzwischen sind zwar alle Rohbauarbeiten sowohl im Altbau als auch für den Erweiterungs-Neubau zwischen Ritterstraße und Vogteistraße abgeschlossen. Doch das Baugerüst steht immer noch. Die bereits beauftragte Dachdeckerfirma hat Insolvenz angemeldet, weshalb die Arbeiten neu ausgeschrieben werden müssen. Das Gerüst bleibt für die neue Firma stehen, damit sie das Dach bearbeiten kann.

Für die Sanierung des Abendgymnasiums Gereonsmühlengasse im Baufeld C kann noch keine Zeitaussage getroffen werden. Der Betrieb des Hansa-Gymnasiums ist dorthin ausgelagert, so dass Baubeginn hier erst sein kann, wenn der Gründerzeitbau am Hansaring fertiggestellt ist. 

 

Ein Blick hinter die Bauplane am Hansaring

1898 bis 1901 als erste selbstständige Handelshochschule Deutschlands nach Plänen des Stadtbaumeisters Friedrich Carl Heimann errichtet und von einer neugotischen Fassade am Altbau geschmückt, die ihresgleichen sucht und bewusst an den Kölner Dom erinnert, machen das Hansa-Gymnasium zu einer ganz besonderen Schule. Ein Blick hinter die Plane an der Fassade mit dem Diplom-Restaurator Thomas Lehmkuhl und hinter die Kulissen der Baustelle frei nach dem Motto: "Was alles zu einer Schulsanierung gehört und viel Zeit beansprucht, aber im Klassenzimmer nachher nicht mehr sichtbar ist."

© Martina Goyert
Blick von einer der Terrassen der Kindertagesstätte auf die Gebäude am Klingelpützpark

In den Verbundeinrichtungen der Bildungslandschaft Altstadt-Nord haben rund 2.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von der Kindertagesstätte bis zur Erwachsenenbildung Platz. Für sie wurde eine Art Dorf rund um den Klingelpützpark geplant und angelegt. Für den Bildungsverbund von insgesamt acht Einrichtungen in städtischer und freier Trägerschaft entstehen im baulichen wie im pädagogischen Sinne ganz neue Räume, die lebensnahes, verantwortungsvolles und inklusiv angelegtes Lehren und Lernen ermöglichen. Für Köln ist die Bildungslandschaft ein Pilotprojekt, auf dessen Basis wir einen allgemeinen Rahmen für den Kölner Schulbau verabschiedet haben. Der Grundgedanke: Schule verabschiedet sich von dem Bild der "Lernanstalt" und wird zur "Lernlandschaft", in der auch Freizeitanteile nicht zu kurz kommen. Baulich bestand der Wunsch, einen Wechsel zwischen verschiedenen Gruppen- und Lernformen, und damit auch zwischen selbst- und fremdbestimmter Zeit, umzusetzen. 

So lernen die Kinder der Grundschule nicht mehr in Klassenräumen, sondern in so genannten Clustern. Cluster sind Raumgruppen, in denen der Lern- und Unterrichtsraum sowie der Aufenthalts- und Erholungsbereich, wie etwa die Küche, direkt vor der Klasse liegen. Diese können auch während des Unterrichtes mit genutzt werden. Sie werden mit dem jeweiligen Klassenraum als Einheit verstanden und wurden dementsprechend entworfen und gebaut. Sie bilden architektonisch und später auch pädagogisch eine "Familie", die sich auch in einer eigenen Farbe nach einem Farbwelten-Konzept ausdrückt. Zudem haben wir sie mit Sichtachsen versehen. Energetisch wurde vielfältig und trotzdem einheitlich gedacht: Grundschulgebäude, Studienhaus, Realschulgebäude und Kita erhalten einen gemeinsamen, klimaschonenden Fernwärmeanschluss. 

Das Baufeld A - Hansaring 56

Das Baufeld A umfasst den 1898 errichteten gründerzeitlichen Altbau des Hansa-Gymnasiums. Das Hauptgebäude und ein Teil des Seitenflügels stehen unter Denkmalschutz. Der rückwärtig liegende Schulhof wurde durch einen dreigeschossigen Anbau an den Seitenflügel in den 1950er Jahren geschlossen. Im südöstlich gelegen Teil des Grundstücks wird ein Erweiterungsbau errichtet. Der Anbau an den Seitenflügel wurde dazu zurückgebaut. Von 2015 bis 2018 erfolgten unter anderem eine Schadstoffsanierung, Entkernung, Abbrucharbeiten sowie Erd- und Verbauarbeiten. Die gesamte Planung war durch den zunächst beauftragen Planer unzureichend ausgearbeitet und kalkuliert worden. Als Konsequenz mussten wir im Sinne des Fortschritts des Projekts den externen Objektplaner wechseln. Der bereits durch die Schlechtleistung eingetretene Baustillstand brachte den Zeitplan der Folgegewerke durcheinander. Der Rohbauunternehmer machte aufgrund dessen gar von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch. Ein neues Rohbauunternehmen ist seit 2018 tätig.  

© IAA Architecten
Hansa-Gymnasium
© IAA Architecten
Haupteingang
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Lernzone

Das Baufeld B - Gereonswall 57 und Vogteistraße 9

Das Baufeld B besteht aus einem Ensemble mehrerer Baukörper. Am Gereonswall 57 liegen die denkmalgeschützte Freinet-Grundschule und der neu errichtete Erweiterungsbau, das neu errichtete Studienhaus, eine Kindertagesstätte sowie Realschule. In der Vogteistraße 19 entsteht ein Mensa- und Ateliergebäude. Auf dem Grundstück des Gereonswalls befanden sich zuvor das Hauptschulgebäude mit drei weiteren temporären Ersatzklassenbauten sowie das ehemalige Gebäude für die offene Ganztagsschule. Diese wurden abgebrochen. Der Baufortschritt wurde durch mehrere unumgängliche Kündigungen behindert. Im Gewerk Lüftungstechnik mussten wir uns im März 2020 vom nunmehr vierten Auftraggeber nur in diesem einen von drei Baufeldern trennen. Mehrere Schlichtungsversuche waren zuvor gescheitert. Zudem hatten wir im Jahr 2019 mehrere Fälle von Vandalismus und Diebstahl auf der Baustelle. Dies alles führte zu einer weiteren Bauzeitverzögerung. Zuvor mussten wir bereits dem Tiefbauer, dem Estrichbauer sowie dem Bodenleger kündigen. Begründet war dies entweder durch Insolvenz oder Schlechtleistung. Trotzdem sind inzwischen alle Bauten im Baufeld B bis auf das Mensa- und Ateliergebäude fertig.  

© gernot schulz : architektur GmbH
Klassenraum der Freinet-Grundschule
© gernot schulz : architektur GmbH
Mensa- und Ateliergebäude
© gernot schulz : architektur GmbH
Studienhaus

Das Baufeld C - Gereonsmühlengasse 4

Das Baufeld C umfasst die Generalinstandsetzung des Abendgymnasiums Gereonsmühlengasse. Für das Abendgymnasium wurde die Planung Ende 2015 aufgenommen. Die bauliche Umsetzung kann jedoch erst erfolgen, wenn die Baumaßnahmen im Baufeld A und B abgeschlossen sind. Erst ab diesem Zeitpunkt kann das ins Abendgymnasium ausgelagerte Hansa-Gymnasium in sein Gebäude zurückziehen. Danach wird das Abendgymnasium in die Gebäude des Hansa-Gymnasiums und der neuen Realschule ausgelagert. 

Übersichtskarte Baufelder
PDF, 198 kb

Weiterführende Links

Dem Bildungsverbund gehören aktuell acht Einrichtungen an. Alle Kölner Schulen im Stadtplan