Köln ist eine Stadt der Literatur und der Verlage, der Buchhandlungen, der Bibliotheken und Archive. Das jährliche Festival lit.COLOGNE, das Literaturhaus Köln, in dem internationale Autor*innen und junge Nachwuchsliterat*innen von Weltrang zu Gast sind, sowie eine Vielzahl weiterer täglicher Literaturveranstaltungen engagierter Buchhandlungen und Initiativen prägen das Literaturleben Kölns.

Im Gedenken an einen der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit und Literaturnobelpreisträger des Jahres 1972, den Kölner Autoren Heinrich Böll (geboren 1917, gestorben 1985), vergeben wir den seit 1985 nach ihm benannten Literaturpreis. Er ist mit 30.000 Euro dotiert und zeichnet herausragende literarische Leistungen aus dem deutschsprachigen Raum aus.

Bis 1992 wurde der Preis jährlich vergeben, danach alle zwei Jahre. Seit 2017 ist die Ehrung in der heutigen Preisgeldhöhe dotiert. Neben der Preisträgerveranstaltung im Historischen Rathaus, zu der die Oberbürgermeisterin einlädt, findet traditionell am Vorabend eine Lesung mit dem*der Preisträger*in in der Stadtbibliothek statt. Seit 2015 werden alle Reden und Auszüge aus der Lesung im Nachgang der Feierlichkeiten in einem Sonderband der Schriftenreihe des Literatur-in-Köln-Archivs (LiK) der Stadtbibliothek mit Unterstützung des Kulturamtes im Bittner Verlag publiziert.

Zu den bisherigen Böll-Preisträger*innen gehören:

  • Hans-Magnus Enzensberger (1985)
  • Elfriede Jelinek (1986)
  • Dieter Wellershoff (1988)
  • Alexander Kluge (1993)
  • Marcel Beyer (2001)
  • Anne Duden (2003)
  • Uwe Timm (2009)
  • Eva Menasse (2013)
  • Herta Müller (2015)
  • Ilija Trojanow (2017)
  • Juli Zeh (2019)
Die bisherigen Preisträger*innen

Der Preisträger 2021

© Privatarchiv Oliver
José F. A. Oliver - Heinrich-Böll-Preisträger der Stadt Köln 2021

José F. A. Oliver wird am 26. November 2021 mit dem Heinrich-Böll-Preis 2021 ausgezeichnet. Die Jury entschied sich in ihrer Sitzung am 21. Mai 2021 für den in Hausach im Schwarzwald geborenen Schriftsteller andalusischer Herkunft.

Begründung der Jury:

José FAOliver gehört zu den herausragenden Lyrikern und Essayisten unserer Zeit. Die Sprachmagie seiner Verse sowie seiner Prosa, die ein Alphabet aus Aufbruch und Ankunft deklinieren, sind von analytischer Prägnanz, fein durchdacht und dabei von haptischer Lebenslust durchzogen. 1961 im Schwarzwald geboren, thematisiert José FAOliver in seinen Büchern immer wieder das Nomadische der Heimat, indem er auf seine andalusische Herkunft rekurriert und so fremde Kulturräume begehbar macht. Die sprachliche Nachbarschaft des Deutschen und Spanischen, des Andalusischen und Alemannischen, die in seinem Werk zu finden ist, vollzieht bei aller lokaler Verortung im Schwarzwald oder in Andalusien den Schritt ins Universale. Das aufklärerische Moment, das so zutage tritt, die Auseinandersetzung mit Migration, mit Fragen der Integration, mit der Sprache als trennendem und verbindendem Element, steht unverkennbar in der Tradition des Denkens Heinrich Bölls. José FAOliver begreift Lyrik als Seinsform und damit Literatur als grundlegend für die Existenz, weil sie es bei aller erzählerischer Stringenz ermöglicht, die poetische Vieldeutigkeit aufrecht zu erhalten und so das Nebeneinander von Sichtweisen bejaht. Von seinen Gedichtbänden "nachtrandspuren", "unterschlupf" oder auch "wundgewähr" über die Essaybände "Mein andalusisches Schwarzwalddorf" und "Fremdenzimmer" bis hin zu seinen didaktischen Anleitungen für das lyrische Schreiben im Unterricht geht ein musikalisches Plädoyer für Toleranz aus jenseits nationaler Identität. Diese Dichtung und Essayistik offenbaren Witz und Schönheit, den verschmitzten Ernst einer spielerischen Neugestaltung von Welt und damit von Zukunft. Selten war Literatur systemrelevanter.

Die Entscheidung der Jury, José FAOliver den Heinrich-Böll-Preis 2021 zu verleihen, ehrt auf ihre Weise den Namensschöpfer des Preises, die Stadt Köln – und besonders José F. A. Oliver. Köln beglückwünscht José FAOliver zu dieser Ehrung. 

An der Jurysitzung am 21. Mai 2021 nahmen neben der Kölner Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach, die in Stellvertretung für Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker den Vorsitz übernahm, Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung sowie folgende Fachjuror*innen teil:  

  • Professor Dr. Christof Hamann
  • Guy Helminger
  • Andreas Platthaus
  • Jackie Thomae
  • Ilija Trojanow

Die Preisträgerin 2019

Am 8. November 2019 fand die Böll-Preisverleihung 2019 im Historischen Rathaus statt.
Das Grußwort von Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Laudatio auf die Preisträgerin von Burkhard Spinnen sowie die von Juli Zeh gehaltene eindrucksvolle und aufrüttelnde Dankesrede finden Sie hier:  

Rede von Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur Preisverleihung
PDF, 116 kb
Laudatio Burkhard Spinnen auf die Preisträgerin Juli Zeh
PDF, 227 kb
Dankesrede der Preisträgerin Juli Zeh
PDF, 175 kb

Die Schriftstellerin Juli Zeh wurde mit dem Heinrich-Böll-Preis 2019 ausgezeichnet. Eine Jury unter dem Vorsitz von Oberbürgermeisterin Henriette Reker entschied sich am 31. Mai 2019 für die gebürtige Bonnerin. Die Begründung lautet:  

Juli Zeh gehört zu den Schriftstellerinnen, die einen der ersten Plätze in der deutschen Gegenwartsliteratur für sich in Anspruch nehmen dürfen. Wohl keine deutschsprachige Autorin hat in der vergangenen Zeit so viel von sich reden gemacht wie Juli Zeh. Sie bewegt sich in ihren Schriften im Grenzbereich von Literatur und Politik, im Grenzbereich von Dichtung und Wahrheit, Dichtung und Realität. Die nie dominierende Politik durchdringt die Prosa selbst dort, wo kein politisches Wort fällt. Keines ihrer Bücher kennt den pädagogisierenden Zeigefinger. Ihre Veröffentlichungen sind voller Botschaften wie dem Antagonismus von Chaos und Ordnung, der Frage nach einer neuen Moral angesichts bedeutungslos gewordener Werte und einer starken Tendenz einer überzogenen Individualisierung in der säkularisierten Gesellschaft – zu Lasten des Gemeinwohls.   
Zu einigen ihrer Bücher: Ihr Buch "Adler und Engel", übersetzt in 35 Sprachen, thematisiert das Völkerrecht und seine zunehmende Wirkungslosigkeit. Ihr Buch "Spieltrieb" versucht eine Antwort auf die alte Frage von Recht und Gerechtigkeit. "Die Stille ist ein Geräusch": eine eindrucksvolle Klage der ausgewiesenen Juristin und seit einem Jahr obersten Richterin am Verfassungsgericht Brandenburg – auch gegen das Wegsehen Europas in den vergangenen Jugoslawienkriegen. Ihr Buch "Corpus Delicti" ist die schriftstellerische und ethische Auseinandersetzung mit staatlicher Bevormundung. Beeindruckend auch ihr Werk "Unterleuten", ein großer Gesellschaftsroman, der als Schauplatz nicht mehr benutzt als das gleichnamige Dörfchen im Brandenburgischen. Ein besonders starkes Buch ist ihr letzter Roman "Neujahr", für viele gar ihr bester Roman: Die individuelle Überforderung im Kontext von Gleichberechtigung.   
Die Entscheidung der Jury, Juli Zeh den Heinrich-Böll-Preis zu verleihen, ehrt auf ihre Weise den Namensschöpfer des Preises, die Stadt Köln – und besonders Juli Zeh. Köln beglückwünscht Juli Zeh zu dieser großen Ehrung.

Der Jury gehörten neben Oberbürgermeisterin Henriette Reker Vertreter*innen aus Rat und Verwaltung an. Die Fachjuror*innen waren:

  • Professor Dr. Christof Hamann
  • Guy Helminger
  • Eva Menasse
  • Andreas Platthaus
  • Ilija Trojanow

Der Preisträger 2017

Die Jury des Heinrich-Böll-Preises hat sich für den in Bulgarien geborenen Schriftsteller Ilija Trojanow als Träger des Heinrich-Böll-Preises 2017 der Stadt Köln entschieden. Die Begründung der Jury lautet:

© Dörthe Boxberg

Kaum ein anderer hiesiger Schriftsteller setzt das politische Engagement von Heinrich Böll so konsequent und literarisch ambitioniert fort wie Ilija Trojanow: in seinen Büchern, aber wie der Kölner Literaturnobelpreisträger auch mit seinem gesellschaftlichen Wirken. Beide Autoren haben leidvoll erfahren müssen, was Totalitarismus bedeutet: Böll, geboren 1917, während der Zeit des Nationalsozialismus, Trojanow, geboren 1965, als Sohn einer bulgarischen Familie, die 1971 nach Deutschland floh. Konsequenterweise hat sich Trojanow nicht nur als kompromissloser Kritiker des Überwachungsstaats profiliert, sondern auch als rastloser Helfer für verfolgte und exilierte Schriftsteller.

In der von ihm herausgegebenen Reihe "Weltlese" erscheinen Bücher aus der ganzen Welt in Erstübersetzungen, und Trojanow selbst, der in Kenia aufgewachsen ist, hat als Publizist unter anderem in Bombay und Kapstadt gelebt, ehe er 2007 nach Wien zog, wo er bis heute lebt.

Seit dem 2006 erschienenen Roman "Der Weltensammler" zählt er zu den international bekanntesten deutschen Schriftstellern, und 2015 krönte Trojanow sein bisheriges Prosawerk mit dem Roman "Macht und Widerstand", eine beeindruckende "Ästhetik des Widerstands", die von zwei ineinander verwobenen Schicksalen im kommunistischen Bulgarien erzählt: dem eines Systemgegners und dem eines Stasioffiziers.

Die Summe seines Nachdenkens über das die eigene Biographie prägende Grunderlebnis des Exils hat er gerade erst mit dem aphoristischen Essayband "Nach der Flucht" gezogen. Im Jahr des 100. Geburtstags von Heinrich Böll bestätigt Ilija Trojanow mit diesem Buch einmal mehr, wie sehr er in der Lage ist, Politik und Ästhetik auf höchst kunstvolle Weise miteinander zu verbinden.

Die Verleihung fand am 24. November 2017 im Historischen Rathaus statt.

Rede von Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur Preisverleihung
PDF, 84 kb
Laudatio von Dževad Karahasan
PDF, 212 kb
Dankesrede von Ilija Trojanow
PDF, 115 kb

Die Preisträgerin 2015

Den Heinrich-Böll-Preis 2015 erhielt Herta Müller mit folgender Begründung der Jury:

© Stadt Köln, Fotograf: Ikhlas Abbis

Die Stadt Köln verleiht ihren Heinrich-Böll-Preis 2015 an Herta Müller. Man könnte meinen, dass es nach dem Literaturnobelpreis von 2009 keinen Grund mehr gäbe, das Werk der 1953 im Banat geborenen, deutschsprachig aufgewachsenen und seit 1987 in der Bundesrepublik lebenden Schriftstellerin abermals zu würdigen, doch das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur, dass Herta Müller in den vergangenen sechs Jahren weitere wichtige Bücher publiziert hat, so zuletzt den Essayband "Hunger und Seide", keine andere Autorin ist in ihrem Schaffen dem künstlerischen und kritischen Geist Heinrich Bölls so verwandt.

Der Grundtrieb des Böllschen Schreibens findet sich darin wieder: das Aufwachsen in einem repressiven Heimatland und dann das Erlebnis der Befreiung in einer neuen Gesellschaft; im Falle Bölls im selben Land nach 1945, im Falle Müllers durch die Ausreise nach Deutschland.

Mit dem noch in Rumänien geschriebenen, aber dort nur in zensierter Form 1982 veröffentlichten Band "Niederungen", dessen Erzählungen erst zwei Jahre danach in der Bundesrepublik in ihrer ursprünglichen Form publiziert werden konnten, hat Herta Müller ihre rumänische Heimat als literarischen Ort neu für die deutsche Sprache gewonnen, sich mit ihren schonungslosen Schilderungen aber auch die Kritik der Banater Schwaben zugezogen - eine Parallele zur Rezeption des Böllschen Werks in der Bundesrepublik. Mit ihren Romanen wie "Reisende auf einem Bein", "Der Fuchs war damals schon der Jäger", "Herztier" und vor allem dem bislang letzten, "Atemschaukel" von 2009, entwickelte sie eine Poetik, in der sprachliche Originalität und zeitgeschichtliche Durchdringung der Stoffe eine höchst individuelle Stimme schufen, deren Aussagekraft weit über die Banater Wurzeln und auch weit über den deutschen Sprachraum hinausgehen.

Heinrich Böll wie Herta Müller haben durch ihre Erfahrungen im Totalitarismus einen besonders scharfen Blick für die Risiken auch in der freien Gesellschaft gewonnen, was ihre Romane ebenso prägt wie die jeweiligen essayistischen Einlassungen. Sie sind beide große literarische Chronisten der Abgründe des zwanzigsten Jahrhunderts – und beide große Hoffnungsmacher nicht nur der Literatur, sondern der Menschlichkeit als ganzer.  

Andreas Platthaus

Rede von Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur Preisverleihung
Laudatio von Friedmar Apel
PDF, 28 kb
Dankesrede von Herta Müller
PDF, 106 kb
Alle bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger
PDF, 18 kb

Weitere Literaturpreise

Der Heimito von Doderer-Literaturpreis wurde von 1996 bis 2010 elf Mal verliehen. Der in Köln lebende deutsche Autor, Übersetzer und Mäzen Dr. Henner Löffler stiftete anlässlich des 100. Geburtstags Heimito von Doderers den gleichnamigen Preis. 

Weiterhin jährlich vergibt die Stadt Köln das Rolf-Dieter-Brinkmann Stipendium für Literatur, das sich an junge Autorinnen und Autoren bis 35 Jahre richtet, die in NRW leben und arbeiten. Jedes Jahr findet im Anschluss an die Preisverleihung des Rolf-Dieter-Brinkmann Stipendiums eine Veranstaltung mit der Autorin oder dem Autor im Literaturhaus Köln statt.  

Weitere Informationen zum Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium

Seit 2018 werden außerdem zwei altersunabhängige Dieter-Wellershoff-Arbeitsstipendien mit städtischen Geldern in Höhe von 12.000 Euro vom Literaturhaus Köln ausgeschrieben.

2019 sind zwei Arbeitsstipendien für professionelle Autorinnen und Autoren im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur in selber Höhe dazugekommen, zu deren Bestehen die Imhoff Stiftung einen erheblichen Beitrag leistet.

Kölner Stipendien für Kinder- und Jugendliteratur
Dieter-Wellershoff-Stipendien