Auszeichnungen gehen an "Keshavara", "Cio D’Or" und "Grenzkontrolle"
Mit dem Holger Czukay Preis für Popmusik ehrt die Stadt Köln Künstler*innen, die innovativ und eigenständig arbeiten und dabei Haltung beweisen. Der Holger Czukay Preis ist nach dem Bassisten und Klangtüftler der Kölner Krautrock-Band "CAN" benannt. Der Preis ist in seiner Namensgebung sowohl Bekenntnis zur bedeutenden Pop-Tradition Kölns als auch Wertschätzung und Stärkung dieser Sparte mit Blick auf die Zukunft. Er würdigt Pop-Musiker*innen, die mit ihrem Wirken Spuren in Köln hinterlassen haben oder aktuelle Entwicklungen beeinflussen und mitprägen. Die Preisträger*innen werden aus Vorschlägen einer unabhängigen Jury ermittelt.
2026 geht der mit 15.000 Euro dotierte Hauptpreis an das Projekt "Keshavara", das vom Musiker und Songschreiber Keshav Purushotham angeführt wird. Der mit 5.000 Euro dotierte Ehrenpreis für ihr langjähriges Schaffen im Bereich der elektronischen Musik wird der Musikerin, Komponistin und DJ Cio Dorbandt alias Cio D’Or verliehen. Mit dem mit 2.500 Euro dotierten Zukunftspreis wird die Dada-Post-Punk-Gruppe "Grenzkontrolle" ermutigt, ihren ganz eigenen künstlerischen Weg weiter zu verfolgen.
Oberbürgermeister Torsten Burmester:
Der Holger Czukay Preis zeigt, dass Köln eine echte Pop-Metropole ist. Die diesjährigen Preisträger*innen stehen für einen internationalen Sound, für innovatives und genresprengendes Arbeiten und für Widerspenstigkeit und Haltung. Ich gratuliere Keshavara, Cio D’Or und Grenzkontrolle sehr herzlich.
Die Jury begründet ihre Entscheidungen wie folgt:
Holger Czukay Preis Hauptpreisträger 2026 "Keshavara"
"Die Band Keshavara und ihr Leader Keshav Purushotham haben über viele Jahre hinweg etwas sehr Eigenes und Wiedererkennbares in die Kölner Musikszene eingebracht. Keshavara verbindet auf sehr unaufgeregte, aber konsequente Weise unterschiedliche Einflüsse zu einem innovativen und individuellen Sound – irgendwo zwischen Psychedelic Pop, Kraut, Elektronik und globalen Klangideen. Die Musik von Keshavara wirkt nie konstruiert, sondern klingt organisch und handgemacht, mit einem klaren künstlerischen Anspruch. In den Konzertauftritten verbindet Keshavara spielerisch verschiedenste künstlerische Ausdrucksformen miteinander, wie Tanz, Theater, Film und Performance. Ohne sich an Trends anzupassen, hat Keshavara eine eigene Ästhetik entwickelt, die international relevant ist und somit weit über die Stadt hinauswirkt. Für Köln spielt die Band eine wichtige Rolle, weil sie zeigt, wie offen und vielfältig Popmusik hier gedacht werden kann."
Holger Czukay Preis Ehrenpreisträgerin 2026 "Cio D’Or"
"Die DJ, Produzentin, Komponistin und Sounddesignerin Cio Dorbandt alias Cio D’Or erhält den Ehrenpreis für ihr langjähriges, grenzüberschreitendes Wirken in der elektronischen Musikszene. Ihr Schaffen umfasst dramaturgisch strukturierte DJ-Sets, cineastisch-minimale Techno-Produktionen, die Soundentwicklung für Klanginstallationen sowie das Komponieren von Musik für Film, zeitgenössischen Tanz und Theater. Cio D’Or ist eine Soundarchitektin, die eine Brücke zwischen der Clubästhetik des Kölner Undergrounds und der sogenannten Hochkultur schlägt. Das Erforschen von neuen Sounds und Klangstrukturen passt zum kreativen Geist des Studio-Tüftlers Holger Czukay. Seit den 1970er Jahren musikalisch aktiv hat Cio D’Or seit den Nuller Jahren mit der Veröffentlichung zahlreicher EPs den elektronischen Sound Kölns entscheidend mitgeprägt. Mit der Auszeichnung für Cio D’Or möchte die Jury des Holger Czukay Preises explizit auch die Sichtbarkeit weiblicher DJs und Künstlerinnen in der elektronischen Musik stärken."
Holger Czukay Preis Zukunftspreisträger 2026 "Grenzkontrolle"
"Die Band Grenzkontrolle besteht seit 2022 und spielt eine Mischung aus Post-Punk, Dada-Pop und funkigem Indie. Seit dem ersten Konzert im Jahr 2025 im Rahmen der c/o pop ist die Entwicklung der Gruppe förmlich explodiert. Mit der Veröffentlichung mehrerer Singles und dazugehöriger markanter Musikvideos und mit ihren dringlichen Konzerten erspielte sich die Band schnell eine große Fangemeinde. Nach Auffassung der Jury schaffen Grenzkontrolle etwas Neues innerhalb der deutschsprachigen Independent- und Punkszene. Sie klingen direkt, energetisch und experimentell, zugleich aber zugänglich und relevant. Besonders überzeugend ist die starke ästhetische Gesamtvision der Band: Auftreten, visuelle Gestaltung und musikalischer Ausdruck greifen auf außergewöhnlich moderne Weise ineinander. Grenzkontrolle zeigen Haltung, sprechen in Liedern wie "Neumarkt" oder "Edelweiß" Kölner Themen an und verbinden persönliche Perspektiven mit gesellschaftlichen Beobachtungen. Grenzkontrolle erhalten den Holger Czukay Zukunftspreis, weil sie unabhängig agieren und den Mut haben, Veränderungen anzuregen. Ihr schon jetzt kulturell relevantes Schaffen könnte stilprägend wirken und ein Zeichen für neue musikalische Impulse aus Köln setzen."
Der "Holger Czukay Preis für Popmusik der Stadt Köln" wird am 31. Oktober 2026 von Oberbürgermeister Torsten Burmester im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung überreicht. Die Veranstaltung für geladene Gäste findet in der Christuskirche am Stadtgarten statt.
Der Holger Czukay Preis für Popmusik der Stadt Köln besteht seit 2019. Die Preisträger*innen werden aus Vorschlägen einer unabhängigen Jury ermittelt. Neben von den stimmberechtigten Fraktionen im Ausschuss Kunst und Kultur benannten Vertreter*innen gehören ihr an: Maike de Buhr (WDR Cosmo), als Mitglied des aktuellen Beirats für Popkultur; sowie die Personen Savannah Eisert (Mitglied des E.P.I.Q.-Kollektivs), Stephan Glietsch (Autor, Übersetzer und DJ), Viktoria Hytrek (Journalistin und DJ), Ray Lozano (Musikerin und Czukay Zukunftspreisträgerin 2023) und Hermes Villena (Booker und DJ). Als Jury-Gast für 2026 fungiert der Musiker Christoph Clöser (Bohren & der Club of Gore). Den Vorsitz der Jury hat Kölns Kulturdezernent Stefan Charles inne.