© Gernot Schulz Architektur

Die ersten Gebäude sind fertiggestellt. Die Bildungslandschaft Altstadt-Nord wird langsam groß. Wenngleich auch langsamer als beabsichtigt war. Wie bei zahlreichen Bauprojekten bundesweit, machen sich auch bei diesem Großprojekt die sehr angespannte Marktlage sowie der Fachkräftemangel der Baubranche, der auch bei den ausführenden externen Baufirmen herrscht, bemerkbar.

Im Bereich Baufeld A, Hansaring 56, sind die Rohbauarbeiten für den Erweiterungs-Neubau zwischen Ritterstraße und Vogteistraße abgeschlossen und die Fenster montiert. Bereits jetzt ist zu erkennen, dass das Gebäude städtebaulich den Straßenzug zu einem gelungenen Abschluss bringt. Doch hier hat uns kürzlich ein schwerer Fall von Vandalismus übel geschadet. Zudem gibt es in dem Altbau aus dem Jahr 1898 Probleme mit dem konstruktiven Brandschutz, die noch zu klären sind. Und bei mehreren Ausschreibungen sind keine Angebote eingegangen. All dies wird uns neue Verzögerungen bescheren, die wir aber natürlich versuchen werden aufzuholen. Doch wir können momentan keine belastbaren Aussage zum Fertigstellungstermin machen.

Im Baufeld B, Gereonswall 57 und Vogteistraße 9, sind mit der Sanierung und Erweiterung der Gebäude für die Freinet-Grundschule sowie der Kindertagesstätte die ersten Häuser fertiggestellt. Das neue Realschulgebäude soll nach den Herbstferien 2020 in Betrieb genommen werden. Das Mensa- und Ateliergebäude sowie das Studienhaus als Gemeinschaftseinrichtung für alle im Verbund werden wie geplant bis zum 1. Quartal 2021 bezugsfertig sein. Bedingt durch die engen logistischen Abhängigkeiten zwischen allen drei Baufeldern, kann für die Sanierung des Abendgymnasiums Gereonsmühlengasse im Baufeld C noch keine Zeitaussage getroffen werden. Der Betrieb des Hansa-Gymnasiums ist dorthin ausgelagert, so dass Baubeginn hier erst sein kann, wenn der Gründerzeitbau am Hansaring fertiggestellt ist.  

© Martina Goyert
Dieses Foto wurde von der einen Terrasse der Kindertagesstätte in Richtung der zweiten Terrasse aufgenommen

Die Bildungslandschaft Altstadt-Nord haben wir wie ein Dorf rund um den Klingelpützpark geplant und angelegt. Für einen Bildungsverbund von insgesamt acht Einrichtungen in städtischer und freier Trägerschaft entstehen im baulichen wie im pädagogischen Sinne ganz neue Räume, die lebensnahes, verantwortungsvolles und inklusiv angelegtes Lehren und Lernen ermöglichen. Für Köln ist die Bildungslandschaft ein Pilotprojekt, auf dessen Basis wir einen allgemeinen Rahmen für den Kölner Schulbau verabschiedet haben. Der Grundgedanke: Schule verabschiedet sich von dem Bild der "Lernanstalt" und wird zur "Lernlandschaft", in der auch Freizeitanteile nicht zu kurz kommen. Baulich bestand der Wunsch, einen Wechsel zwischen verschiedenen Gruppen- und Lernformen, und damit auch zwischen selbst- und fremdbestimmter Zeit, umzusetzen. 

So lernen die Kinder der Grundschule nicht mehr in Klassenräumen, sondern in so genannten Clustern. Cluster sind Raumgruppen, in denen der Lern- und Unterrichtsraum sowie der Aufenthalts- und Erholungsbereich, wie etwa die Küche, direkt vor der Klasse liegen. Diese können auch während des Unterrichtes mit genutzt werden. Sie werden mit dem jeweiligen Klassenraum als Einheit verstanden und wurden dementsprechend entworfen und gebaut. Sie bilden architektonisch und später auch pädagogisch eine "Familie", die sich auch in einer eigenen Farbe nach einem Farbwelten-Konzept ausdrückt. Zudem haben wir sie mit Sichtachsen versehen. Energetisch wurde vielfältig und trotzdem einheitlich gedacht: Grundschulgebäude, Studienhaus, Realschulgebäude und Kita erhalten einen gemeinsamen, klimaschonenden Fernwärmeanschluss. 

Das Baufeld A - Hansaring 56

Das Baufeld A umfasst den 1898 errichteten gründerzeitlichen Altbau des Hansa-Gymnasiums. Das Hauptgebäude und ein Teil des Seitenflügels stehen unter Denkmalschutz. Der rückwärtig liegende Schulhof wurde durch einen dreigeschossigen Anbau an den Seitenflügel in den 1950er Jahren geschlossen. Im südöstlich gelegen Teil des Grundstücks wird ein Erweiterungsbau errichtet. Der Anbau an den Seitenflügel wurde dazu zurückgebaut. Von 2015 bis 2018 erfolgten unter anderem eine Schadstoffsanierung, Entkernung, Abbrucharbeiten sowie Erd- und Verbauarbeiten. Die gesamte Planung war durch den zunächst beauftragen Planer unzureichend ausgearbeitet und kalkuliert worden. Als Konsequenz mussten wir im Sinne des Fortschritts des Projekts den externen Objektplaner wechseln. Der bereits durch die Schlechtleistung eingetretene Baustillstand brachte den Zeitplan der Folgegewerke durcheinander. Der Rohbauunternehmer machte aufgrund dessen gar von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch. Ein neues Rohbauunternehmen ist seit 2018 tätig.  

© IAA Architecten
Hansa-Gymnasium
© IAA Architecten
Haupteingang
© IAA Architecten
Lernzone

Das Baufeld B - Gereonswall 57 und Vogteistraße 9

Das Baufeld B besteht aus einem Ensemble mehrerer Baukörper. Am Gereonswall 57 liegen die denkmalgeschützte Freinet-Grundschule und der neu errichtete Erweiterungsbau, das neu errichtete Studienhaus, eine Kindertagesstätte sowie Realschule. In der Vogteistraße 19 entsteht ein Mensa- und Ateliergebäude. Auf dem Grundstück des Gereonswalls befanden sich zuvor das Hauptschulgebäude mit drei weiteren temporären Ersatzklassenbauten sowie das ehemalige Gebäude für die offene Ganztagsschule. Diese wurden abgebrochen. Allerdings wird der Baufortschritt durch mehrere unumgängliche Kündigungen behindert. Im Gewerk Lüftungstechnik mussten wir uns im März 2020 vom nunmehr vierten Auftraggeber nur in diesem einen von drei Baufeldern trennen. Mehrere Schlichtungsversuche waren zuvor gescheitert. Zudem hatten wir im Jahr 2019 mehrere Fälle von Vandalismus und Diebstahl auf der Baustelle. Dies alles führt nun unausweichlich zu einer weiteren Bauzeitverzögerung für das Projekt. Zuvor mussten wir bereits dem Tiefbauer, dem Estrichbauer sowie dem Bodenleger kündigen. Begründet war dies entweder durch Insolvenz oder Schlechtleistung.   

© gernot schulz : architektur GmbH
Klassenraum der Freinet-Grundschule
© gernot schulz : architektur GmbH
Mensa- und Ateliergebäude
© gernot schulz : architektur GmbH
Studienhaus

Das Baufeld C - Gereonsmühlengasse 4

Das Baufeld C umfasst die Generalinstandsetzung des Abendgymnasiums Gereonsmühlengasse. Für das Abendgymnasium wurde die Planung Ende 2015 aufgenommen. Die bauliche Umsetzung kann jedoch erst erfolgen, wenn die Baumaßnahmen im Baufeld A und B abgeschlossen sind. Erst ab diesem Zeitpunkt kann das ins Abendgymnasium ausgelagerte Hansa-Gymnasium in sein Gebäude zurückziehen. Danach wird das Abendgymnasium in die Gebäude des Hansa-Gymnasiums und der neuen Realschule ausgelagert. 

Übersichtskarte Baufelder
PDF, 198 kb

Weiterführende Links

Dem Bildungsverbund gehören aktuell acht Einrichtungen an. Alle Kölner Schulen im Stadtplan