Wie der Tod von Andreas Stampe die Feuerwehren in Deutschland veränderte und die Erkenntnisse aus dem Fall Stampe drei Feuerwehr-Leben retteten.
Am 6. März 1996 wird Andreas Stampe mit dem Löschzug 2 zu einem Kellerbrand in das Hochhaus Kierberger Straße 15 in Köln-Zollstock alarmiert. Nach dem Eintreffen rückt ein dreiköpfiger Angriffstrupp in den Keller vor. Schon kurz nach dem Betreten des Kellers verschlechtern sich die Bedingungen: starke Rauchentwicklung, kaum Sicht, hohe körperliche Belastung. Unbemerkt löst sich die Fangleine von Andreas Stampe. Als das Rückzugsignal seines Atemschutzgerätes ertönt, kann er sich nicht mehr eigenständig befreien. Auch seine Kollegen können ihn nicht befreien – ein Messer oder anderes Schneidwerkzeug steht in diesem Moment nicht zur Verfügung.
Gleichzeitig herrscht an der Einsatzstelle hektischer Funkverkehr: In dem Hochhaus läuft parallel die Menschenrettung. Axel Strang, Mitglied im Angriffstrupp, setzt einen Hilferuf per Funk ab. Eine Bestätigung des Hilferufs bleibt zunächst aus. Die Situation spitzt sich weiter zu: Ein weiteres Atemschutzgerät meldet nur noch wenig Luft. Der betroffene Feuerwehrmann verlässt den Keller und meldet die Notsituation. Ein weiterer Feuerwehrmann wird gezielt mit Schneidwerkzeug in den Keller geschickt. Als er Andreas Stampe erreicht, ist dieser bereits bewusstlos. Die Fangleine wird durchtrennt. Allein kann der Feuerwehrmann seinen Kollegen nicht aus dem Keller ziehen, erst später eintreffende weitere Einsatzkräfte bringen ihn ins Freie. Unverzüglich beginnt die Reanimation, anschließend wird Andreas Stampe in die Universitätsklinik transportiert.
Andreas Stampe erlangt das Bewusstsein nicht mehr wieder. Drei Tage nach dem Unfall, im Beisein seiner Familie, stirbt er im Krankenhaus. Die Beerdigung findet am 15. März 1996 in Iserlohn statt. Rund 1.200 Feuerwehrleute aus ganz Deutschland begleiten Andreas Stampe auf seinem letzten Weg.
Nach dem Tod von Andreas Stampe blieb nicht nur Trauer zurück. Es blieb auch die Frage nach dem Warum und nach dem, was aus diesem Einsatz gelernt werden musste. Um den Atemschutzunfall umfassend aufzuarbeiten, setzte die Feuerwehr Köln eine Unfallkommission ein. Ihr Auftrag: den Einsatz an der Kierberger Straße detailliert zu rekonstruieren und die Abläufe unabhängig zu analysieren. Die Arbeit der Kommission war geprägt von Genauigkeit und Verantwortung.
Funkprotokolle, Einsatzberichte und Zeugenaussagen wurden ausgewertet, technische Gegebenheiten geprüft und Entscheidungen im Einsatzverlauf nachvollzogen. Dabei ging es nicht um Schuldzuweisungen. Im Mittelpunkt stand das Verständnis für eine Extremsituation, in der Sekunden entscheiden und Routinen plötzlich versagen können. Die Ergebnisse der Unfallkommission machten deutlich, wie komplex der Atemschutzeinsatz war und wo Strukturen, Ausrüstung und Ausbildung an ihre Grenzen stießen. Gleichzeitig legten sie den Grundstein für Veränderungen, die weit über diesen einzelnen Einsatz hinauswirkten.
Die Aufarbeitung des Einsatzes in der Kierberger Straße wurde zu einem Wendepunkt bei den deutschen Feuerwehren. Sie zeigte, dass das Lernen aus tragischen Ereignissen ein fester Bestandteil der Feuerwehrarbeit sein muss – aus Respekt vor den Verstorbenen und aus Verantwortung gegenüber den Einsatzkräften von heute und morgen.