12 Jahre ist es her, dass die Stadt Köln den Einsturz des Historischen Archivs erlebt hat. Die Stadtverwaltung hat das offizielle Gedenken an diesen schicksalshaften Tag übernommen. So wendet sich Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit einer Videobotschaft an alle Kölnerinnen und Kölner, um trotz der Pandemie das Erinnern zu ermöglichen.
Sie sind herzlich dazu eingeladen, Ihr Mitgefühl im digitalen Kondolenzbuch auszudrücken.
Raimond Spekking
Heute um 13:58 vor 12 Jahren stürzte das Historische Archiv der Stadt Köln
ein. 2 Menschen starben direkt, eine Frau nahm sich später das Leben.
Dieses Jahr kann leider keine Gedenkveranstaltung vor Ort abgehalten werden. Letztes Jahr trugen wir schon alle .. nein, die Erinnerung täuscht, gerade die Fotos angeschaut. Keine Masken, kein Abstand. Aber Händeschütteln war da nicht mehr so angesagt. Die ersten Ellbogen-Grüße wurden vorsichtig geübt.
In den 12 Jahren seit dem Einsturz des Archiv haben sich die Beziehungen zu den Mitarbeitenden des Archiv und dem Förderverein "Freunde des Historichen Archivs" sehr intensiviert, sind freundschaftlich geworden. Danke. Und meine Frau und freuen uns sehr, dass der Neubau am Eifelwall in diesem Jahr noch bezogen werden kann.Peter van der Meulen
Wie nach jeder Katastrophe gibt es das ernsthafte Bemühen, ein derartig grausames Ereignis zukünftig zu verhindern. Aber Bemühungen alleine nutzten nichts. Sie müssen von kritischen, mitdenkenden Bürger begleitet und damit forciert werden.
Klaus von Poser
Die ehemalige Bundesministerin Dr. Katharina Focke schrieb am 11.3.09 im Kölner Stadtanzeiger:' ... denke ich an sie (Anm.: die Stadt Köln) nur noch mit abgrundtiefer Trauer und Verzweiflung.' Das denke ich auch heute noch, die Opfer eingeschlossen.
Kölner
Meine Gedanken zu den Opfern des so gerne verniedlichten "kölschen Klüngels" möchte ich lieber nicht veröffentlichen.
Sie sind die - wie man politisch gerne sagt - Kollateralschäden von Menschen, denen die Dicke ihres eigenen Portemonnaies als Ersatz-Heiligenschein dient.
Mögen sie in Frieden ruhen!Eusebius Wirdeier, Initiative ArchivKomplex
Wir gedenken der drei Todesopfer und der Menschen, die vor zwölf Jahren durch den Archiv-Einsturz Ihre Wohnung und ihr Wohnumfeld verlassen mussten und wir gedenken all derjenigen, die ihre Forschungen, Dissertationen und anderen wissenschaftlichen, künstlerischen und sonstigen Veröffentlichungen ohne ein intaktes Stadtgedächtnis in anderen Archiven vollenden mussten. Wir gedenken der Archivarinnen und Archivare, die den Unglücksort bis heute traumatisiert betreten. Und wir schauen in die Zukunft, in der ein Gedenken an diesen Einschnitt in die Stadtgeschichte am Einsturzort ermöglichen und eine unterirdische Halle K3 – "die Halle mit dem Knick" im Gleiswechselbauwerk einen kulturellen Impuls in die Stadtgesellschaft geben werden. 3. März 2021
Oliver
Ich war sehr geschockt. Ich konnte zuerst gar nicht glauben, dass es überhaupt bei Bauarbeiten zu so einem Unglück kommen konnte. Das Chaos war in den ersten Stunden riesig und die Lage auch noch in den ersten Tagen einigermaßen unklar. Leider stellte sich relativ bald heraus, dass direkt bei dem Einsturz zwei Menschen ihr Leben verloren hatten.
Erst einige Monate zuvor hatten wir das Archiv besichtigt und waren fassungslos, dass die ganzen Archivalien in einem riesigen Trümmerhaufen bzw. im Wasser lagen oder am ersten Tag massenhaft einbetonniert wurden, um Stabilität in die Baugrube zu bringen. Ich war dann einer der Freiwilligen, die wochenlang im Lagerhaus Archivmaterialien entstaubt und grob gesichtet haben. Das war irgendwie tröstlich, etwas tun zu können.
Die Verantwortlichen haben sich damals reihenweise verdrückt, niemand hat Verantwortung übernommen, die Staatsanwaltschaft hat wie so oft ins Leere ermittelt und das Verjähren des Verfahrens riskiert. Daher ist es so wichtig, an diese Katastrophe zu erinnern und den Finger in die Wunde zu legen. Et hätt niet immer alles jot jejange - leider!
Felix
Ich war zu dem Zeitpunkt noch Schüler und wurde von meiner Mutter von der Schule mit dem Auto abgeholt und wir schalteten das Radio ein und hörten von dem tragischem Unglück. Das Ausmaß wurde uns erst zum Abend hin klar.
Bis heute fahre ich regelmäßig an der Stelle vorbei.
Ich gedenke hiermit den Hinterbliebenen der Opfer und wünsche, dass so etwas nie wieder passieren muss.
Liebe GrüßeParthena Trellopoulou-Pauli
Immer wieder holen mich die Erinnerungen an diesen 3.3.2009 ein. In Gedanken bin ich jetzt bei den Angehörigen der Toten. In der Hoffnung auf eine baldige würdevolle Gedenkstätte und einen Raum für Kultur und Gemeinschaft finde ich Trost.
Ursula
Als wäre es gestern gewesen, die Fassungslosigkeit beim Anruf meines Mannes, der als Feuerwehrbeamter mit den Kollegen als einer der Ersthelfer vor Ort war, die Tränen beim Anblick der Einsturzstelle, die so eine riesige Wunde in das Herz der Stadt gerissen hat und das Gefühl der Wut gegen die Verursacher und gleichzeitigen Hilflosigkeit, die man als Mitarbeiterin der Stadt fühlt, wenn man sich im sozialen Umfeld für "die Stadt als Arbeitgeber" verteidigen muss. Was nach all den Jahren bleibt und besonders heute wieder hochkommt beim Gedenken an die Verstorbenen, ist der Gedanke "nie wieder" und die Hoffnung darauf!
Herzliches Beileid an die hinterbliebenen Familien und ein riesiges Dankeschön an alle jene Menschen, die jahrelang das "Gedächtnis" der Stadt aus dem Schmutz gerettet, gereinigt und archiviert haben!Stephanie
Auch wenn der Verlust, den wir vor 12 Jahren erlebt haben eine große Lücke und ein Trauma in den Kölnerinnen und Kölnern hinterlassen hat. So ist es im Hier und Jetzt doch auch wichtig zu erkennen, dass jeder Verlust auch mit einer Lehre einhergeht. Wir dürfen der Vergangenheit für Ihre Lektionen danken - denn sie weisen uns den Weg in eine bessere Zukunft.