Vom Industriehafen zum lebendigen Quartier
Direkt am Rhein und in Sichtweite des Doms entsteht auf dem Gelände des Deutzer Hafens eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte Kölns: Ein gemischtes, klimaresilientes Quartier mit Wohnraum für tausende Menschen, Kitas, Kultur und einem neuen Stadtteilzentrum.
Der ehemalige Baudezernent Markus Greitemann hat das Projekt von Anfang seiner Amtszeit an begleitet. Nun spricht er über die Themen, die ein Projekt dieser Größe aufwirft: über die Transformation eines ehemaligen Hafengeländes, den städtebaulichen Anspruch und darüber, was ihn in acht Jahren Projektbegleitung am meisten bewegt hat.
Der Deutzer Hafen ist kein Vorhaben, das am Reißbrett entsteht und dann fertig geliefert wird. Der Deutzer Hafen soll im Dialog mit der Stadtöffentlichkeit entstehen. Für einen Baudezernenten bedeutet das: den Rahmenplan im Blick halten, städtebauliche und architektonische Qualität einfordern und gleichzeitig natürlich die komplexen und diversen Bedürfnisse der Menschen so weit es nur möglich ist in die Planung einbinden. Ein Spagat, der sich durch alle acht Jahre seiner Amtszeit zieht.
38 Hektar, eine Vision und acht Jahre Arbeit
Besonders in Erinnerung geblieben ist Greitemann dabei ein Moment bei einem der Hafentage. Dieses jährliche Zusammenkommen von Stadtgesellschaft und Projektbeteiligten dient genau dem offenen Dialog, der im Rahmen des Deutzer Hafens gewünscht ist. Dementsprechend finden sich neben Gesprächsrunden, Vorträgen und Ausstellungen auch interaktive Mitmachprogramme, bei denen Bürger*innen den Hafen erkunden und ihre Impulse einbringen können. Darunter auch Kinder, die ihren Traumhafen gebaut haben, in ihrer Wunschvorstellung mit einer Rutsche direkt aus der Schule ins Hafenbecken. Solche Impulse, sagt er, sind es, die die Planung erden.
Die Herausforderungen des Projekts sind so vielfältig wie das Gelände selbst: 38 Hektar ehemaliges Industrie- und Hafengelände mitten in der Stadt, mit dem Anspruch, dicht und urban zu bauen – und dennoch einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich wirklich wohlfühlen. Klimaresilienz steht dabei ganz oben auf der Agenda: begrünte Innenhöfe, hochwasserangepasste Erdgeschosse, Retentionsflächen in Tiefgaragen, Parks, Plätze und Promenaden sowie ein durchdachtes Bepflanzungskonzept. Hinzu kommt der Anspruch, das Erbe der Hafen- und Industriekultur sichtbar zu erhalten, etwa die historischen Kräne und Mühlen aber auch die Essigfabrik als zukünftiges Kultur- und Quartierszentrum.
In den letzten zwei Jahren hat das Projekt sichtbar an Fahrt aufgenommen: Die Rückbaumaßnahmen im Süden des Geländes sind weitgehend abgeschlossen, nach der Sommerpause starten die Arbeiten an Parks und Brückenbauwerken. Der erste größere Teilbebauungsplan steht kurz vor der Verabschiedung. Er schafft das Planungsrecht für den ersten Entwicklungsbereich mit rund 650 neuen Wohnungen, davon mindestens 30 Prozent öffentlich gefördert, drei Kitas und einer neuen Markthalle als Herzstück des Stadtteilzentrums.
Was Greitemann sich für das fertige Quartier wünscht, bringt er selbst direkt auf den Punkt. Sein persönliches Ziel ist es, dass die Menschen, die hier einmal leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, sagen können: "Das ist mein Zuhause. Ein richtig gutes Stück Köln."