Die künstlerische Intervention von Moritz Riesenbeck "Mapping Waidmarkt" ist die zweite im Teilprojekt "Kunst und Gedenken am Waidmarkt". Sie folgt auf die künstlerische Intervention "Panorama Waidmarkt" der Gruppe Observatorium aus Rotterdam im Jahr 2025.
Riesenbeck konnte den Wettbewerb mit dem Titel "Magischer Realismus – Verwandlungspotenziale und ungeahnte Perspektiven für ein außergewöhnliches Stück Stadt" mit seinem Konzept gewinnen.
Im Zentrum des Projekts steht die Installation einer beweglichen, multifunktionalen Kapsel. Sie ist ein architektonisch-skulpturales Objekt im Stadtraum und dient als Identifikationszeichen. Die Kapsel soll unterschiedliche Assoziationen schaffen – als Zeit-, Archiv- oder auch Wohnkapsel – und so den Bezug zur urbanen Umgebung herstellen. Im Verlauf der künstlerischen Intervention erfüllt die Kapsel unterschiedliche Aufgaben. Sie agiert stets als Ankerpunkt mit Wiedererkennungswert, bleibt aber in ihrer Funktionalität vielfältig und mobil.
Phase 1
In Phase 1, der Phase des Dialogs, dient die Kapsel als Archiv. Sie ist zentraler Speicher der Klänge und der akustischen Wahrnehmungen. Diese werden in geführten Soundwalks gesammelt. Die Soundwalker*innen nehmen den Waidmarkt und seine urbane Umgebung akustisch wahr. Die Klänge, die akustischen Eindrücke, Stimmen der Erinnerung, die klangliche Atmosphäre, das alles wird aufgezeichnet und in der Kapsel gesichert. Während dieser Phase wird es mehrere Soundwalks geben, die alle klanglich festgehalten werden. Sie ermöglichen es, Orte auditiv wahrzunehmen, soziale Dynamiken zu spüren sowie Architektur, Materialien und Atmosphären akustisch zu erfassen. Dieser rein akustische Zugang fördert die Reflexion und den Austausch während der ersten Phase. Er schafft niederschwellige Momente des Zuhörens, der Teilhabe und der gemeinsamen Wahrnehmung. So entsteht ein sehr umfangreiches und differenziertes klangliches Archiv des Waidmarkts, festgehaltene Momente des Dialogs.
Phase 2
In Phase 2 steht die Aktivierung des öffentlichen Raums im Mittelpunkt. Aufbauend aus den Erfahrungen der Dialogphase wird die Kapsel ein Ort der Resonanz und der Transformation. Die gesammelten klanglichen Eindrücke und akustischen Wahrnehmungen werden künstlerisch verarbeitet und übersetzt.
Die Kapsel wandelt sich zur Arbeitsplattform für Performances, Klangarbeiten und audiovisuelle Inszenierungen. Die akustischen Ergebnisse der Phase 1 werden – für alle erlebbar – auf unterschiedliche Arten dargestellt. So entstehen neue Formen gemeinschaftlicher Wahrnehmung und Teilhabe. Die Mobilität der Kapsel ermöglicht es, auf die spezifischen Atmosphären des Waidmarkts mit seinen unterschiedlichen Orten zu reagieren. Sie kann versetzt werden, um in einem immer wieder neuen urbanen Kontext zu erscheinen und zu wirken.
Dokumentation
Für die Dokumentation der künstlerischen Intervention und ihrer Ergebnisse, die in den späteren städtebaulichen Planungsprozess mit einfließen sollen, ist die Kapsel ebenfalls zentral. Die Bearbeitung und Archivierung der gesammelten Klänge, die parallel zu den Performances im öffentlichen Raum stattfindet, hat ihren Platz in der Kapsel. Sie wird damit zu einem offenen Studio und lebendigem Archiv, in dem die gesammelten Klang- und Bildmaterialien bearbeitet und dokumentiert werden. Die Dokumentationsarbeit in der Kapsel ist dabei nicht nur als Ergebnis zu verstehen, sondern als Fortsetzung eines Prozesses. Eine neue, flüchtige – weil temporäre – Form des Archivs, das die gegenwärtigen Atmosphären des Waidmarkts erfahrbar macht. Durch die öffentliche Sichtbarkeit des Arbeitsprozesses wird das Archivieren selbst zum künstlerischen Prozess – das entstehende Archiv bekommt eine zugängliche Form, ist lebendig und auf die Zukunft, die weitere Entwicklung des Waidmarkts ausgerichtet.
Termine
Neben den oben erläuterten Soundwalks finden auch sogenannte "Ortsanalysen" statt. Dabei handelt es sich um geführte, kollektive Begehungen des Waidmarkts, bei denen räumliche, soziale und historische Aspekte des Ortes untersucht und mit aktuellen Fragestellungen aus Architektur und Stadt verknüpft werden. Durch Beobachtung, Gespräch und Dokumentation entsteht eine vielschichtige Lesart, in der sichtbar wird, wie sich der Ort in zeitliche Zusammenhänge einschreibt.
Folgende Termine stehen bereits fest (alle live am Waidmarkt, Treffpunkt an der Kapsel):
| Datum | Uhrzeit | Art der Veranstaltung |
|---|---|---|
| 9. Mai 2026 | 16 Uhr | Vernissage und Soundwalk |
| 16. Mai 2026 | 16 Uhr | Ortsanalyse |
| 30. Mai 2026 | 16 Uhr | Ortsanalyse |
| 6. Juni 2026 | 16 Uhr | Soundwalk |
| 13. Juni 2026 | 16 Uhr | Soundwalk |
| 27. Juni 2026 | 16 Uhr | Ortsanalyse |
Für die Vernissage am 9. Mai 2026 ist keine Anmeldung erforderlich. Melden Sie sich zur Teilnahme für die übrigen Veranstaltungen bitte über die Projektseite an. Dort ist ein entsprechendes Formular hinterlegt. Alle Veranstaltungen sind barrierefrei. Sollten Sie durch eine Hörbehinderung beeinträchtigt sein, so geben Sie im Anmeldeformular bitte einen Hinweis. Wir werden dann eine*n Gebärdensprachdolmetscher*in hinzuziehen.