Stilistische Einordnung

Die Skulpturen vereinbaren das von der antiken Kunst abgeleitete klassizistische Ideal mit dem Realismus, der für die Darstellung einer historischen Person für notwendig gehalten wurde. Die Standfiguren haben porträthafte Züge. Graphiken oder Fotos der Personen dienten als Vorlagen für ihre Bekleidung und Haltung. Die klassische Ponderation mit Stand- und Spielbein, die geglätteten Gesichtszüge sowie die zu üppigen Falten gerafften Mäntel und Umhänge gaben ihnen die gewünschte Würde. Die zur Entstehungszeit des Denkmals übliche und durch Rauch vorbildlich vertretene Auffassung wurden von seinen Schülern fortgesetzt. Blaeser stellte die Persönlichkeiten in bedeutungssteigernder Absicht dar, wie er selbst sagte. [1] Die Größe verrät also etwas über die Wertschätzung einer Person im Verhältnis zu den benachbarten. Wenn ein Wissenschaftler kleiner dargestellt ist als der benachbarte General, wird den Betrachterinnen und Betrachtern deutlich, worauf der preußische Staat nach Meinung des Künstlers und seiner Zeitgenossen sein Hauptaugenmerk legte.

Calandrellis Reliefs vertreten den gleichen Stil, wirken jedoch realistischer und lebensnäher. Klassizistisch sind sie, weil die Figuren wie bei den antiken Vorbildern sich auf einem schmalen Bereich im Vordergrund bewegen. Sie sind möglichst gleichgroß dargestellt, so dass die Sitzenden viel größer wären, wenn sie sich aufrichteten als die neben ihnen Stehenden. Staffage erweckt die Illusion von Tiefenräumlichkeit. Die vorne Stehenden sind dabei plastischer, als diejenigen, die eine Raumtiefe andeuten. Die Relieffiguren wirken realistischer als die Großplastiken, weil sie sich in angedeuteten Räumen bewegen und ohne drapierte Mäntel auskommen, mit denen sie der griechisch-römischen Götter- und Heroenwelt angeglichen gewesen wären. Calandrelli bemühte sich, die Personen zu Gruppen zusammenzufassen. Abgesehen von den Pfeilern als kompositorisches Hilfsmittel, bildete er Kleingruppen disputierender, obwohl die Dargestellten in ihrem Leben möglicherweise einander nie begegnet sind.

Das im Wesentlichen von Gustav Blaeser konzipierte und von Alexander Calandrelli mit den Reliefs abgeschlossene Werk wurde zwar als

höchst vollendet,

aber im Stil eben

ganz dem altbegründeten Rufe der Berliner Schule entsprechend

charakterisiert.

Deren wechselnde Wertschätzung entschieden zugleich Beurteilung und Schicksal des "Heumarkt-Denkmals", das seit der Rehabilitierung der Skulptur des 19. Jahrhunderts in den späten 1960er Jahren zu den Werken gehört, ohne die eine Geschichte der deutschen Monumentalplastik unvollständig wäre. [2]

Weitere Reiterstandbilder zu Ehren von Friedrich Wilhelm III.

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Früheres Reiterstandbild Friedrich Wilhelm III. (1861, nach 1945 zerstört) in Breslau

Im Rheinland blieb das 1711 aufgestellte Düsseldorfer Reiterstandbild Johann Wilhelm II. Herzog von Jülich und Berg des Hofbildhauers Gabriel Grupello für rund 100 Jahre das einzige Herrscherdenkmal. Nach 1815 bestimmte im Rheinland die Hauptstadt Berlin die offizielle öffentliche Kunst. Im Gefolge von Herrscherdenkmälern für Hohenzollern wurden solche auch von dort nach Köln importiert. Im Rheinland entstanden jedoch zunächst Denkmäler für verdiente Bürger auf Veranlassung der Bürgerschaft, deren bekanntestes für Beethoven auf dem Bonner Münsterplatz des Dresdeners Ernst Julius Hähnel (1845) steht.

Die Barmer (seit 1929: Wuppertal-Barmen) waren 1842 die ersten, die Friedrich Wilhelm III. ein Denkmal allerdings in Form einer gotischen Fiale vor der protestantischen Pfarrkirche setzten. [3] Königsberg, Breslau und Berlin dürften den Ehrgeiz der Kölner Administration angespornt haben, jeweils den 1840 verstorbenen Herrscher mit einem Reiterdenkmal zu ehren. Im Todesjahr des Königs sowie 1847 und 1854 wurden sie projektiert. Die zuerst genannten wurden von der jeweilige Provinz und Friedrich Wilhelm IV. initiiert. In Königsberg beteiligte sich explizit auch die Stadt. Das Berliner Monument wurde vom Sohn Friedrich Wilhelms III. Wilhelm I. initiiert und finanziert.

Die von August Kiss entworfenen Monumente für Königsberg und Breslau wurden 1851 beziehungsweise 1861 eingeweiht, das von Albert Wolff für Berlin entworfene 1876. Alle drei Denkmäler sind zerstört. Das Denkmal in Königsberg zeigte am Sockel Reliefs allegorisch-historischen Inhalts und weibliche allegorische Standfiguren. Anstelle historischer Persönlichkeiten war in Breslau der Text der Ansprache "An mein Volk" am Sockel zu lesen. In Berlin umstanden ihn allegorische Figuren. Des Weiteren verwies jeweils eine Inschrift auf "Die dankbaren Preußen", "Die treuen Schlesier" beziehungsweise "König Wilhelm" als Stifter. Der für Köln tätige Blaeser hatte sich an allen drei Wettbewerben erfolglos beteiligt. [4]

Erläuterungen

  1. Michael Puls, Zur Genese des Reiterdenkmals für Friedrich Wilhelm III. in Köln von 1855 bis 1878. In: Stadtspuren Band 31, Seite 146.
  2. Michael Puls, Zur Genese des Reiterdenkmals für Friedrich Wilhelm III. in Köln von 1855 bis 1878. In: Stadtspuren Band 31, Seiten 149, 150.
  3. Wolfgang Vomm, Herrscherdenkmäler in der Rheinprovinz. In: Stadtspuren Band 31, Seiten 53-56.
  4. Wolfgang Vomm, Reiterstandbilder des 19. und 20. Jahrhunderts in Deutschland, 2 Teile, Bergisch Gladbach 1979, ortsalphabetischer Katalog.