Planungshinweiskarte Klima – Hitze

Die Planungshinweiskarte Klima – Hitze ist eine synthetische Klimaanalysekarte, welche die zu erwartenden stadtklimatischen Gegebenheiten in Köln als flächenhafte Übersicht darstellt. Sie ist Grundlage für eine klimagerechte Stadtplanung.

Die Planungshinweiskarte Klima – Hitze stellt die zukünftige Hitzebelastung für die nahe Zukunft in fünf Klassen dar. Die blauen schraffierten Flächen zeigen potentielle Kaltluftentstehungsgebiete und mit den Pfeilen wird der nächtliche Kaltluftabfluss symbolisiert. Die Windrose zeigt die Häufigkeitsverteilung der Windrichtung und -stärke an der DWD-Station Flughafen Köln-Bonn (2017-2023). Sie ist nur in der PDF nicht in der interaktiven Karte dargestellt. Die Länge der einzelnen Farbstufen entspricht der prozentualen Häufigkeit, mit der die jeweilige Windgeschwindigkeit aus der jeweiligen Richtung auftritt. Der Wind weht zu circa 25 Prozent der Jahresstunden am häufigsten aus dem Richtungssektor Ostsüdost. Damit wird die Prägung durch das Rheintal und seine flankierenden Höhen an der Station Flughafen Köln-Bonn deutlich.

Die Planungshinweiskarte Klima – Hitze zeigt eine Normierung der stadtklimatischen Gegebenheiten auf fünf Klassen von sehr hohen Belastungen ("sanieren") bis zu geringen Belastungen ("schützen"), die im Folgenden detailliert beschrieben werden.

Die Karte funktioniert auf dem Smartphone am besten im Vollbild.

Karte im Vollbild

Planungshinweiskarte
PDF, 19544 kb

Klasseneinteilung der Planungshinweiskarte

Klasse 1 (rot): Sanierungsgebiet I, wichtiger klimatischer Sanierungsraum

Die Flächen der Klasse 1 stellen ein stadtklimatisches Sanierungsgebiet höchster Ausprägung dar, das gekennzeichnet ist durch einen maximal ausgeprägten Wärmeinseleffekt und einer hohen Aufheizung der Gebiete am Tag.

Der Siedlungsraum hat einen Versiegelungsanteil von größer als 75 Prozent und kann in den Kerngebieten eine Versiegelung bis zu 100 Prozent aufweisen. Der Grünflächenanteil ist mit einem Anteil von kleiner als 25 Prozent gering ausgeprägt.

Die künstlichen Oberflächen heizen sich tagsüber sehr stark auf. Sie wirken als Wärmeinseln bei einer gleichzeitig stark verminderten nächtlichen Abkühlung. In diesen Gebieten besteht ein sehr hohes Risiko für eine gesundheitliche Belastung der Einwohnenden.

Weniger als 50 Prozent der Verdunstungsleistung dieses Siedlungsraumes wird durch die Verdunstung von Vegetation und Gewässer zur Verfügung gestellt. Lokale Flurwindsysteme können in die dicht bebauten Siedlungsräume nur unzureichend eindringen.

Klasse 2 (orange): Sanierungsgebiet II, klimatischer Sanierungsraum

Die Flächen der Klasse 2 stellen ein stadtklimatisches Sanierungsgebiet dar, das gekennzeichnet ist durch eine starke Veränderung aller Klimaelemente gegenüber dem Freiland.

Der Siedlungsraum zeichnet sich durch einen Versiegelungsanteil von mehr als 60 bis 75 Prozent aus und ist geprägt von einer dichten Bebauung mit mehrgeschossigen Gebäuden.

Die Klasse 2 weist einen Grünflächenanteil von 25 bis 35 Prozent auf. Durch den vergleichsweise geringen Grünflächenanteil und den hohen Anteil versiegelter Fläche ist ein städtischer Wärmeinseleffekt vorhanden, der jedoch gegenüber der Klasse 1 aufgrund des geringeren Versiegelungsgrades und der in Teilen vorhandenen Grünbereiche etwas niedriger ausfällt.

Die Grünflächen tragen lokal zur Abkühlung bei. Dennoch bilden sich in der Nacht Erwärmungsgebiete, die ein erhöhtes Risiko für eine gesundheitliche Belastung der Bevölkerung mit sich bringen. Etwa 40 bis 50 Prozent der Verdunstungsleistung dieses Siedlungsraumes wird durch die Verdunstung von Vegetation und Gewässeroberflächen zur Verfügung gestellt. Lokale Flurwindsysteme können in diesen dichtbebauten Siedlungsraum nur unzureichend eindringen.

Klasse 3 (gelb): Pufferraum

Flächen der Klasse 3 stellen eine stadtklimatische Übergangszone dar.

Der Pufferraum der Klasse 3 grenzt den Siedlungsraum vom Freiraum ab. Der Versiegelungsanteil liegt bei 50 Prozent, kann aber 75 Prozent erreichen. Der Grünflächenanteil der Klasse 3 liegt bei 50 Prozent, oder darunter. Die künstlichen Oberflächen in diesem Übergangsraum heizen sich tagsüber auf und bilden mäßige Erwärmungsgebiete. Zwischen 50 bis 60 Prozent der Verdunstungsleistung dieses Übergangsraumes wird durch die Verdunstung von Vegetation und Gewässeroberflächen zur Verfügung gestellt. Auf größeren zusammenhängenden unversiegelten Freiflächen bildet sich insbesondere in Strahlungsnächten Kaltluft, die eine hohe klimatische Bedeutung für angrenzende Siedlungsräume hat. Durch die starke Kammerung dieses Übergangsraumes bilden sich in der ersten Nachthälfte bodennah untergeordnete schwache lokale Flurwinde aus. Die Kaltluftproduktion auf den Freiflächen ist vergleichsweise gering und die lokalen Windsysteme werden durch bauliche Hindernisse ausgebremst. Die Gewässer wirken als mäßige nächtliche Wärmequellen.

Die zu dieser Klasse gehörenden Flächen liegen am Rand der Klassen 1 und 2 und sind heterogen gestaltet. Die Flächen sind geprägt durch dichte Bebauung, weniger dichte Bebauung und angrenzende Freiflächen. Diese Randlagen können auch aus Grünflächen und Verkehrsflächen bestehen. Je nach Vegetationsbestand kann lokal eine Abkühlung stattfinden. Die nächtliche Abkühlung ist etwas stärker ausgeprägt als in den Klassen 1 und 2, aber immer noch eingeschränkt. Durch zusätzliche Versiegelung kann es hier zu einer Verstärkung der klimatischen Belastung kommen.

Klasse 4 (hellgrün): Schutz I, klimatischer Ausgleichsraum

Flächen der Klasse 4 stellen stadtklimatische Ausgleichsräume mit ausgeprägtem Tagesgang von Temperatur und Feuchte dar. Sie sind windoffen, weisen eine starke Kaltluftentstehung auf und sind von hoher Sensibilität gegenüber Nutzungsänderungen zum Beispiel Bebauung. Das Gebiet weist große Freiflächenanteile auf. Durch seinen windoffenen Charakter und die nächtliche Kaltluftproduktion wirkt es als klimatische Ausgleichsfläche für angrenzende Bereiche der Klasse 3.

Der Freiraum hat einen Versiegelungsanteil von 10 bis 50 Prozent. Der Anteil der Grünflächen reicht von 50 bis 90 Prozent. Auf Flächen der Klasse 4 entstehen 60 bis 70 Prozent der Verdunstungsleistung durch die Verdunstung von Vegetation und Gewässeroberflächen. Größere zusammenhängende Freiflächen (Ackerflächen, Grünland und Wald) stellen Kaltluftentstehungsgebiete dar. Insbesondere in der ersten Nachthälfte entstehen lokale Flurwinde, die eine positive klimatische Wirkung auf angrenzende Siedlungsbereiche haben können. Die Gewässer wirken als mäßige nächtliche Wärmequellen.

Klasse 5 (dunkelgrün): Schutz II, wichtiger klimatischer Ausgleichsraum

Flächen der Klasse 5 sind die wichtigsten klimatischen Ausgleichräume.

Sie sind charakterisiert durch einen nahezu ungestörten, stark ausgeprägten Tagesgang von Temperatur und Feuchte. Zusätzlich sind sie sehr windoffen, haben eine sehr ausgeprägte Kaltluftentstehung bei sehr hoher Sensibilität für Nutzungsänderungen beispielsweise durch Bebauung.

Die Flächen der Klasse 5 zeichnen sich durch einen Versiegelungsanteil von weniger als 10 Prozent aus. Hier dominiert der Grünflächenanteil von mehr als 90 Prozent. Große zusammenhängende Freiflächen (Acker-, Grünland und Wald) mit einer Größe von mindestens 2 Hektar stellen Kaltluftentstehungsgebiete dar. Insbesondere in der ersten Nachthälfte entstehen lokale Flurwinde, die eine positive Wirkung auf angrenzende Siedlungsbereiche haben. Auf den unversiegelten Acker- und Grünlandflächen findet während Strahlungswetterlagen im Bereich des Offenlandes eine hohe nächtliche Kaltluftproduktion statt.

Mehr als 70 Prozent der Verdunstungsleistung dieses Freiraumes wird durch die Verdunstung von Vegetation und Gewässeroberflächen zur Verfügung gestellt. In den Gehölz dominierten Bereichen findet tagsüber durch die Verschattung eine geringere Aufheizung statt und die Verdunstung über die Blätter trägt zu einer lokalen Kühlwirkung bei. Die Gewässer wirken als mäßige nächtliche Wärmequellen.

Planungsleitfäden

Leitfaden Fassadenbegrünung in Planverfahren

Der Leitfaden Fassadenbegrünung zeigt auf wie die Realisierung von Begrünungsmaßnahmen in Planverfahren und bei Neubaumaßnahmen gelingen kann. Auf diese Weise wird eine effiziente Maßnahme zur Klimawandelanpassung geschaffen.

Der Wohnungs-, Büro- und Gewerbeneubau, insbesondere auf großen zusammenhängenden Freiflächen, führt zu einer Reduzierung der Kaltluftentstehung und damit zu einer Ausbreitung des Wärmeinseleffektes. Gleichzeitig ist die dicht versiegelte Kernstadt schon jetzt ein stadtklimatisches Sanierungsgebiet. Gerade im Bestand, wo flächige Lösungen zur Reduzierung von Auswirkungen des Klimawandels oft nicht umsetzbar sind, sind Fassaden- und (Dach)begrünungen ein wichtiges Instrument zur Klimaresilienz. Neben zahlreichen anderen Maßnahmen stellt die Fassadenbegrünung von Wohn- und Nichtwohngebäuden eine bislang wenig berücksichtigte Maßnahme dar, um einigen der vorgenannten Herausforderungen zu begegnen. Das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, das Umwelt- und Verbraucherschutzamt und das Stadtplanungsamt haben daher eine Initiative gestartet, um einen Leitfaden zur stärkeren Berücksichtigung von Fassadenbegrünungen in Bebauungsplan- und Baugenehmigungsverfahren zu erstellen.

Leitfaden Fassadenbegrünung
PDF, 2983 kb

Leitfaden Freiraumgestaltung

Leitfaden Mehr Grün

Leitfaden Wassersensibel Planen und Bauen