© MARS Interieurarchitecten ROTTERDAM und PELL Architekten KÖLN

In diesem Jahr beginnen wir mit der Generalsanierung der Zentralbibliothek am Neumarkt. Dabei werden wir die technische Gebäudeausstattung runderneuern und das Haus energetisch fit machen. Wir haben zusätzlich diese Gelegenheit genutzt, ein neues innenarchitektonisches Konzept für unser 1979 eröffnetes Haus zu erarbeiten. 

Wir freuen uns sehr darüber, Ihnen in der Sanierungszeit ein attraktives Interimsquartier in der nur zehn Minuten entfernten Hohe Straße 68-82/Ecke Schildergasse anbieten zu können, das voraussichtlich 2023 zur Verfügung stehen wird. Über das genaue Umzugsdatum werden wir Sie rechtzeitig informieren. Unsere nun fast abgeschlossenen Planungen für die neue Zentralbibliothek wollen wir aber nicht länger für uns behalten. Daher möchten wir Ihnen an dieser Stelle schon einmal zeigen, was Sie nach der Wiedereröffnung am Josef-Haubrich-Hof 1 erwartet.

Die Zukunft

Bibliotheken sind Interaktionsräume. Dies gilt heute mehr denn je. Sie sind Orte der Vernetzung, der Ermächtigung, der Aktivität. Unsere Stadtbibliothek am Josef-Haubrich-Hof ist bereits ein solcher "dritter Ort". Das Gebäude ist von einem für seine Bauzeit vorausschauenden und flexibel nutzbaren Konzept gekennzeichnet. Es entspricht aber nicht mehr den heutigen baulichen Anforderungen. Darum bedarf es einer zukunftsweisenden Anpassung – insbesondere auch der Innenarchitektur.

Ziel ist es, Ästhetik und Atmosphäre der Bibliothek in Einklang mit ihrer modernen Arbeitsweise als Gemeinschaftslabor zu bringen. Die neue Innenarchitektur wird die Vielfalt der Nutzer*innen und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen und ihre Rolle als nichtkommerzieller dritter Ort für die Bürger*innen Kölns stärken. Mit der Umgestaltung der Bibliothek wurden die niederländischen Architekturbüros includi und MARS Interieurarchitecten ROTTERDAM in Zusammenarbeit mit dem deutschen Büro PELL Architekten KÖLN beauftragt.

Ein wichtiger Schritt ist die Neugruppierung und Neupositionierung der fünf Regalkilometer Medien. Jeder Raum entspricht den Anforderungen in Bezug auf Größe und Gestaltung, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Barrierefreiheit des Gebäudes gelegt wurde. Auch die Anzahl der Sitz- und Verweilmöglichkeiten wird sich mehr als verdoppeln. Diese gestalterischen Entscheidungen machen die Bibliothek zu einem offenen, übersichtlichen und für alle zugänglichen Ort – mit atemberaubenden neuen Ausblicken auf die Umgebung, nicht zuletzt durch eine neu geschaffene Dachterrasse.

Mit animierten Video-Rundflügen über die einzelnen Etagen und Zeichnungen nach dem Atmosphärenkonzept möchten wir Ihnen hier einen Eindruck vermitteln, wie es in der neuen Bibliothek aussehen wird.

So wird es einmal aussehen: YouTube-Playlist mit animierten Rundflügen über Bibliotheksetagen Artikel aus der Fachzeitschrift BuB - Forum Bibliothek und Information vom 3. Mai 2022
Pressespiegel Generalsanierung Zentralbibliothek - Stand 14. Februar 2022
PDF, 294 kb
Projektseite der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln
includi by Aat Vos MARS Interieurarchitecten ROTTERDAM PELL Architekten KÖLN

Die Gegenwart

Inspiration, Information, Interaktion und Integration – dafür steht die Stadtbibliothek Köln heute. Mit rund 2,4 Millionen Besucher*innen im Jahr ist sie die publikumsstärkste Kultureinrichtung der Stadt und dient der Bildung, Information, Kommunikation und Freizeitgestaltung aller Bürger*innen.

Die Zentralbibliothek am Neumarkt als ihr Flaggschiff bietet eine hochwertige und aktuelle Medienvielfalt, eine moderne Technikausstattung und ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Außerdem beherbergt sie das Literatur-in-Köln- und das Heinrich-Böll-Archiv samt originalgetreuem Arbeitszimmer des Literaturnobelpreisträgers, die Germania Judaica – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums und die Blindenhörbibliothek.

Zusammen mit einem äußerst umfassenden Digitalangebot, das mit ausleihbaren Laptops und Tablets auch vor Ort genutzt werden kann, schafft die Stadtbibliothek damit für alle Altersgruppen und Lebenslagen ein hervorragendes Entwicklungs- und Bildungsangebot zur Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben.

Schwerpunkte der Stadtbibliothek Köln sind die Bereiche Sprach- und Leseförderung, interkulturelle Bibliotheksarbeit, Alphabetisierung, die Förderung von Medien- und Informationskompetenz sowie die Vermittlung von Kenntnissen in den MINT-Fächern mit Workshops und ausleihbaren Experimentier- und Coding-Sets in der Bibliothek der Dinge. Der seit 2013 bestehende erste Makerspace in einer öffentlichen Bibliothek steht beispielhaft für die innovative Philosophie der Stadtbibliothek Köln. Hier lassen sich nicht nur Vinyl-Schallplatten, Filmstreifen, Musik- und Videokassetten digitalisieren, sondern auch Overlock-Nähmaschinen, VR-Stationen, 3D-Drucker oder das 2021 eingeweihte Social-Media-Studio kennenlernen und nutzen.

Die Vergangenheit

Die Zentralbibliothek füllte eine Leerstelle. Köln hatte jahrzehntelang ein weit verzweigtes und leistungsfähiges System von Stadtteilbibliotheken, jedoch fehlte eine Bibliothek in der Mitte der Stadt. Als die Zentralbibliothek schließlich 1979 durch Heinrich Böll, dem Oberbürgermeister John van Nes Ziegler und dem Kulturdezernenten Peter Nestler eröffnet wurde, war der Neubau Stadtgespräch. Anlässlich der Eröffnung schrieb Bibliotheksdirektor Dr. Horst-Johs Tümmers:

Die Architektur soll weder als Büchersilo noch als Behördenbau in Erscheinung treten, erst recht nicht als Kulturtempel und möglichst auch nicht als Architekturdenkmal. Das Haus soll Nützlichkeit und Praxisnähe betonen, Feierlichkeit und Repräsentation dagegen vermeiden. Es soll auf den Bürger einladend wirken und zum Eintreten ermuntern. Sein Inhalt und seine Funktion sollen von außen sichtbar und verständlich sein. Dieser Absicht kommt am besten ein transparentes Haus entgegen, in das man hineinsehen kann und dessen Lebendigkeit und Vielfalt nach außen wirken. Wie eine Vitrine, ein Schaufenster soll die Zentralbibliothek Neugier wecken und den Wunsch einzutreten. Der Bürger soll keine Schwellenangst verspüren, keine umständlichen Formalitäten befürchten müssen. Im Hause soll er sich möglichst ungeniert bewegen können, zugleich aber eine Atmosphäre antreffen, die dem Buch, der kritischen Lektüre, der Eigenaktivität und Kreativität förderlich ist. An ruhigen Arbeitsplätzen soll konzentrierte geistige Arbeit möglich sein. Laute und lebhafte Raumzonen müssen also von ruhigen getrennt sein. Zugleich soll die Zentralbibliothek das Miteinander verschiedener Altersgruppen, sozialer Schichten und aller Bildungsstufen ermöglichen.
(DFW Dokumentation Information, 28.1980, S.85)

Benutzerfreundlichkeit stand bei der Planung des Hauses an vorderster Stelle. Die Bestände umfassten schon damals nicht nur Bücher sondern auch Schallplatten, Kassetten und alles andere, was der Medienmarkt hergab. Von Beginn an war die Zentralbibliothek eine Mitmach-Bibliothek, wie für die heutige Makergeneration und DIY-Bewegung gemacht: Es gab ein Aufnahmestudio und eine Schallplattenbar und darüber hinaus einen Flügel, der allen zum Üben zur Verfügung stand. Die neue Bibliothek wurde begeistert angenommen und zählte schon bald über 4.000 Besucher*innen pro Tag.