Am ersten Treffen nahmen rund 60 Künstlerinnen und Künstler aus Köln sowie Vertreterinnen und Vertreter von Künstler-Netzwerken und Träger von Atelierhäusern teil. Zum ersten Treffen waren diese gebeten worden, ihre Veränderungsvorschläge im Hinblick auf die aktuelle Förderpraxis und Vergabe von Atelierräumen und -verträgen einzubringen (Teil 1) und ihre Ideen und aktuellen Projekte vorzustellen, die den Aufbau von neuen Räumen zum Thema haben (Teil 2).

Einladungsschreiben zum Kick-off
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Die Themen des zweiten Programmteils wurden, dem Ideenaufruf des Kulturamtes folgend, im Vorfeld per E-Mail eingesendet und in Rücksprache mit dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Köln e. V. als Einzelpräsentation in das Programm aufgenommen. Wohingegen die Ideen zu Verbesserungsvorschlägen (Teil 1) der aktuellen Förderpraxis vom Kulturamt und dem BBK Köln thematisch gebündelt und die Grundlage für die vertiefende Kleingruppenarbeit des ersten Veranstaltungsteils wurden.

Programmablauf
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Nadine Müseler als Fachreferentin für Bildende Kunst und Beate Riebesam als Mitarbeiterin in der Atelierverwaltung des Kulturamtes stellten vorab die Atelierförderpraxis anhand der aktuell gültigen Förderinstrumente und Vergabepraktiken noch einmal vor.

Präsentation Atelierfördermöglichkeiten
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Atelierverwaltung
Kriterienkatalog
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Kick-Off - Teil 1

In gemischten Kleingruppen von etwa fünf Personen wurden folgende Fragestellungen aus verschiedenen Sichtweisen bearbeitet:

1a) Welche Varianten der Förderhöhe sind sinnvoll?

Nennen Sie auch die Konsequenzen der Varianten

1b) Welche Varianten der Vertragslänge sind sinnvoll?

Nennen Sie auch die Konsequenzen der Varianten

2a) Sollen die Ausbauzuschüsse für private Atelierräume bestehen bleiben oder welche Veränderungen sind sinnvoll?

Nennen Sie auch die Konsequenzen.  

2b) Welche Vergabekriterien für städtische Atelierräume/Mietzuschüsse sind sinnvoll?

Nennen Sie auch die Konsequenzen.

3) Welche zusätzliche Unterstützung bei der Ateliervermittlung ist wichtig?

Was können Sie/die Künstlerinnen und Künstler nicht selbst leisten?  

Die Kleingruppen konnten auch auf die im Vorfeld eingesendeten Ideen Bezug nehmen.

Eingereichte Ideen
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In drei Plenumsrunden wurden die Vorschläge der Kleingruppen von jeweils einem Vertreter oder einer Vertreterin erläutert und in Abstimmung geclustert. Ideen, die nicht unmittelbar auf eine der gestellten Fragen zu beziehen waren, wurden an einer zusätzlichen Wand – dem "Themenspeicher"– gesammelt.

Impressionen vom Kick-Off in der Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst  

Kick-Off - Teil 2

Fortgesetzt wurde das Kick-Off-Programm mit Einzelpräsentationen.  

Die Zukunft der Atelierförderung in Berlin. Fokus: Stand und Erkenntnisse zur Entwicklung neuer Atelierräume

Den Impuls-Vortrag übernahm der Atelierbeauftragte der Stadt Berlin, Dr. Martin Schwegmann, der seit 2017 in seiner aktuellen Funktion tätig ist und mit einem dreiköpfigen Team unter dem Dach des BBK Berlin arbeitet. Er stellte wichtige Informationen und statistische Zahlen zur Ateliersituation und -förderung in Berlin vor, ebenso wie den Stand und Erkenntnisse zur Entwicklung neuer Atelierräume. Ein Thema, an dem die Berliner Szene bereits seit einigen Jahren verstärkt arbeitet. Neue Ansätze und Arbeitsergebnisse wurden auch in den Publikationen "Art City Lab" und "Art City Lab 2" (erschienen 2019) veröffentlicht. 

Präsentation von Dr. Martin Schwegmann
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Es folgten eine ganze Reihe von Kurzpräsentationen von Kölner Szene-Vertreterinnen und Vertretern, die Ideen und konkrete Pläne für neue Atelierräume und -häuser zur Sprache brachten.  

Ateliers als Teil des "Kulturhof Kalk", Atelierhaus-Konzept "X-SÜD"   

Fatma Erkus machte mit dem "Kulturhof Kalk" und dessen anteiliger Nutzung als Produktions- und Atelierfläche den Anfang, gefolgt von Jutta Pöstges vom Kunsthaus KAT18 mit dem inklusiven Atelierhausprojekt "X-SÜD". Beide Projektvorschläge beziehen sich auf das Entwicklungsgebiet Hallen Kalk. Beide Konzepte sehen die Vergabe zweier Gebäudekomplexe in Zwischennutzung auf dem Gelände der Hallen Kalk vor, um mittels einer temporären baulichen Ertüchtigung Ateliernutzung im Hinblick auf die langfristige Flächenentwicklung und vorgelegte Raumkonzepte praktisch zu testen. Beide Kunstprojekte sind exemplarisch dafür, dass Kunst eine Quartiersfunktion (unter anderem mit Community Art) haben und zur sozialen Anbindung neuer Stadtviertel dienen kann. Es haben sich projektbezogen seit 2018 neue Allianzen gebildet. So findet, im Fall von X-SÜD, eine enge Kooperation zwischen den Kreativen und Managerinnen und Manager von Kunsthaus KAT 18, KUBIST e. V. und beteiligten professionellen Architektinnen und Architekten, vor allem von raumlaborberlin statt, aber auch ein fachlicher Austausch mit der Kulturverwaltung, die inklusive Projekte vorantreiben möchte. Der "Kulturhof Kalk" arbeitet seinerseits mit verschiedenen Kulturvereinen (zum Beispiel Baustelle Kalk, Genau e. V., Kran 51 e. V.) sowie lokalen Gewerbetreibenden und Künstlerinnen und Künstlern zusammen; organisatorisch wird er begleitet von dem Management "startklar" sowie dem Architekten Bodo Marciniak und steht in Kontakt mit Stiftungen wie der Stiftung trias.

Ateliers als Teil des Kulturhof Kalk
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X-Süd _ein Inklusives Atelierhauskonzept
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X-Süd Raumprogramm
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Atelierräume in der Deutzer Brücke – eine Idee  

Meryem Erkus nahm den Verweis auf die ehemals bestehenden Atelierräume im Brückenkörper der Deutzer Brücke (vor Sanierung) zum Anlass, die Verwaltung zu bitten, Leerstände auf die Eignung als Atelierraum zu prüfen. Gleichzeit motivierte das Kulturamt die Anwesenden, konkrete Objekte zu benennen und als "Scout" aktiv zu sein.
Im Nachgang der Kick-Off Veranstaltung sind bereits konkrete Hinweise und Nachfragen zu leerstehenden Gebäuden von den Szene beim Kulturamt eingegangen.  

Erhalt der Kölner Künstlerschaft
Trutz Bieck/Kunstetage, Agnes Mrowiec/Opekta e.V., Esther Kusche/Kolbhalle 

Als Ergebnis von Treffen mehrerer Künstlerinnen und Künstler, zu denen der BBK Köln im Vorfeld des Kick-Offs eingeladen hatte, haben Trutz Bieck, Agnes Mrowiec und Esther Kusche zunächst den dringenden Handlungsbedarf formuliert, um den Verlust bezahlbarer Atelierräume durch Kündigungen oder drastische Mieterhöhungen zu stoppen, wie zum Beispiel der eigenen, zurzeit bedrohten, in der "Kunstetage" (Mülheim), den "Opekta Ateliers" (Nippes) und der Kolbhalle (Ehrenfeld).

  • Um der Eigendynamik des Immobilienmarktes zu entkommen, wurden drei Modellvorschläge und Vorgehensweisen abgeleitet, die neue Wege aufzeigen könnten:
    Atelierhausbau (aus Bestand oder Neubau), getragen von "Künstlerinnen und Künstler-Genossenschaft in Kooperation mit der Stadt Köln"
    Künstlerinnen und Künstler als Atelierhauseigentümer nach Vorbild des Stuttgarter Modells "Reitzensteiner"
    Atelierraumgewinnung durch Integration von Atelierräumen in städtische Bauvorhaben wie beispielsweise beim Bau von Kindergärten, Kitas, Schulen, Bibliotheken et cetera.  
Einleitung - Erhalt der Kölner Künstlerschaft
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Modellvorschläge Im Detail
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Das "Haus am Maarweg" (Ausstellungs- und Projektarbeitsräume) auf dem ehemaligen Güterbahnhof Ehrenfeld 
Martin Schmittseifer, Jack in the Box e. V.  

Martin Schmittseifer erläuterte, dass es mit Unterstützung durch Politik und Verwaltung gelungen sei, die letzten beiden verbliebenen Gebäude auf dem ehemaligen Güterbahnhof Ehrenfeld für die Kunst-, Kultur, Sozial- und Kreativwirtschaft zu sichern. Die Stadt wird die Liegenschaft ankaufen und für 99 Jahre der stattInsel GmbH (in Gründung) – als Projektentwicklungs- und Finanzierungspartner von JACK IN THE BOX – nach Erbbaurecht überlassen. Die vorhandenen Räumlichkeiten sollen in Zukunft für Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, temporäre künstlerische Projekte, Gastronomie, für Kurse, Workshops und die soziale Arbeit hergerichtet werden. Darüber hinaus existiert eine Freifläche, auf der perspektivisch auch eine Halle für Veranstaltungen, Ateliers, Produktions- und Proberäume sowie Co-Working errichtet werden soll, so Martin Schmittseifer.

© Martin Schmittseifer
© Martin Schmittseifer

Erfahrungen mit dem Thema Erbpacht im Atelierhaus "KunstWerk", Mülheim
Fabian Hochscheid  

Stellvertretend für die Künstlerinnen und Künstler des KunstWerks, die das Gebäude mit einem Erbpachtvertrag über 30 Jahre in Eigenregie managen, stellte Fabian Hochscheid das Atelierhaus und seine rechtlichen Grundlagen vor. Nach dem Einzug der Künstlerinnen und Künstler 1995 als Zwischennutzer bildete sich bald eine GmbH mit dem Ziel, das Haus oder besser noch den ganzen Kunsthof zu kaufen. Die Verhandlungen mit den Eigentümern erschienen erfolgreich, scheiterten aber letztendlich doch. Auf diese Gespräche aufbauend erreichte der Vereinsvorstand dann schließlich nach mehrjährigen Verhandlungen 2003 den Abschluss eines Erbpachtvertrags über 30 Jahre. Dieser Vertrag brachte zwar die ersehnte Sicherheit, war jedoch mit hohen Bau- und Renovierungsauflagen verbunden, deren Ausmaß bei Vertragsabschluss noch nicht absehbar war. Das notwendige Kapital wurde durch einen zweckgebundenen Kredit beschafft - ein auch damals eher seltener Vorgang, dass ein vermögensloser Verein ein hohes Darlehen bekam. Die Rückzahlung wurde so berechnet, dass die Mieteinnahmen abzüglich der Verwaltungskosten vollständig in den Kredit flossen, so dass dieser noch innerhalb der Vertragslaufzeit getilgt sein wird. Die unzähligen Bau-, Rechts- und Genehmigungsprobleme - insbesondere durch sich ändernde Brandschutzvorschriften - wurden von den Mitgliedern mit hohem persönlichem Einsatz gelöst.
Fazit: Wenn alle aufgetretenen Katastrophen von vorne herein bekannt gewesen wären, hätten die Künstlerinnen und Künstler sich sicher nicht in das Abenteuer gestürzt. So aber wuchs der Verein mit seinen Aufgaben und war letztendlich erfolgreich. "Nur Mut! Man kann ein solches Projekt stemmen. Und dabei dann auf die Erfahrungen des KunstWerks zurückgreifen", so Fabian Hochscheid. Doch jetzt sei auch schon die Zeit gekommen, an das Vertragsende zu denken und die Weichen für die Zeit danach zu stellen. Denn auch nach 2033 soll das KunstWerk Atelierhaus bleiben. Der jetzige Investor und Verwaltung und Politik haben zwar Bestandsschutz in Aussicht gestellt, doch die konkreten Verhandlungen haben noch nicht begonnen.  

Im KunstWerk arbeiten über 150 Bildende Künstlerinnen und Künstler, Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker sowie Musikerinnen und Musiker in ca. 80 Ateliers, Werkstätten und 11 Musikstudios. Mit wechselnden Ausstellungen und Events ist das KunstWerk eine echte Größe in der Kölner Kultur. Im 300 Quadratmeter großen Ausstellungsraum und dem gleichgroßen Veranstaltungskeller ist viel Platz für Kunst und Musik.

MAP Cologne - 1. Internationales Modul Atelier Projekt COLOGNE
Hans-Christian Duvivier  

Herr Duvivier, Vorstand im Flitt.art e. V., der in 2008 ein ehemaliges Schulgebäude im Kölner Norden mit Mitteln der Stadt Köln zu einem Atelierhaus umbauen ließ und bis heute verwaltet, stellte sein Konzept des "MAP Cologne" vor. In seiner Idee gründet eine Künstlergemeinschaft Eigentum mit einer neu errichteten Gewerbehalle auf einem Grundstück der Stadt Köln auf Erbpachtbasis. In der Halle könnten, so Herr Duvivier, die Ateliers flexibel und den jeweiligen Anforderungen der beteiligten Künstler entsprechend aufgeteilt werden. An diese Ateliers könnte dann jeder Künstler oder jede Künstlerin noch modulhaft und nach seinen eigenen finanziellen Möglichkeiten und Vorstellungen Wohncontainer andocken lassen. Die kalkulierten Konditionen in seinem Beispiel waren denkbar günstig und gilt es zu verifizieren. Er kam auf eine Atelier-Kaltmiete von unter 2 Euro pro Quadratmeter. Die Kaltmiete für ein Wohnatelier betrüge nicht viel mehr als 3 Euro pro Quadratmeter. Und es könne keine Mietsteigerungen geben, da die Halle den Künstlerinnen und Künstlern selbst gehören würde, so die Argumentation von Herr Duvivier.

Expose Map Cologne Blau
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Resümee und Ausblick auf das 2. Treffen
Moderiert von Ursula Hähner  

Es wurde deutlich, dass die Interessen durchaus sehr unterschiedlich sind und angemessene Instrumente zur Verteilung und Subventionierung der grundsätzlich zu geringen Raumressourcen entwickelt werden müssen. Aber es ist unrealistisch zu erwarten, dass für jede Interessenslage eine passende Lösung gefunden werden kann. Und schließlich müssen die beispielhaft vorgestellten Modelle für die Eroberung und Nutzung neuer Flächen und Räume in gemeinsamen Anstrengungen der Künstlerinitiativen mit der Stadt Köln auf ihre realistischen Umsetzungsmöglichkeiten geprüft und weiter verfolgt werden. In einem zweiten Treffen im März 2020 wird die Verwaltung auf den "Input aus der Szene" reagieren und auch eigene Konzepte und Arbeiten, die in Planung sind, der interessierten Künstlerschaft und kulturpolitischen Vertretern präsentieren.  

Mit einem großen Dank für die engagierte und konstruktive Mitarbeit der Anwesenden wird der Kick-Off beendet.  

 

Kontakt    

Bei Fragen und Anregungen wenden Sie sich bitte per E-Mail unter Verwendung des Betreffs "Fortschreibung Atelierförderkonzept" an:

Atelierverwaltung