Die diesjährige Preisträgerin ist Aduni Ogunsan
Aduni Ogunsan, geboren 1997 in Tönisvorst, lebt in Mönchengladbach. Seit 2022 studiert sie in der Klasse von Ellen Gallagher an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihr Studienabschluss steht dieses Jahr bevor. Zuvor absolvierte sie ein Studium an der Kunstakademie Münster und verbrachte 2019 ein Auslandssemester am National College of Art and Design in Dublin.
Ihre Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, darunter im Wewerka Pavillon Münster, in der galerie januar Bochum, im Doxsdoks Off Space Köln, in der Kunsthalle Recklinghausen sowie in verschiedenen Ausstellungsorten in Düsseldorf, Berlin und Essen. Neben ihrer künstlerischen Praxis engagiert sich Aduni Ogunsan in Vermittlungs- und Bildungsformaten und hält Vorträge zu Schwarzer Kunst, Repräsentation und Aktivismus. Darüber hinaus konzipiert und leitet sie Empowerment-Workshops für Schwarze Kinder und Jugendliche.
Für ihre Arbeit erhielt sie unter anderem den Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster (2021), ein Reisestipendium der Kunstakademie Münster (2022) sowie das Deutschlandstipendium (2023). Sie ist Initiatorin des Netzwerks "BlackArtistNRW", das die Sichtbarkeit und Vernetzung Schwarzer Künstler*innen in Nordrhein-Westfalen stärkt.
Die Ausstellungseröffnung findet am Mittwoch, den 4. November 2026, 20 Uhr, in der artothek – Raum für junge Kunst, Am Hof 50, in 50667 Köln statt.
Begründung der Fachjury
Astrid Bardenheuer, Leiterin der artothek spricht stellvertretend für die Jury:
Die Fachjury würdigt die Arbeit von Aduni Ogunsan für ihre kraftvolle visuelle Sprache. Ihre Werke sind selbstbewusst und ihre Themen zugleich persönlich wie auch universell lesbar. Diese Verbindung überzeugte die Fachjury einstimmig, ihr den Friedrich-Vordemberge-Preis 2026 zuzuerkennen.
Ogunsans Arbeiten zeigen vor allem figurative Malerei sowie textilbasierte Werke, die auf persönlichen und familiären Fotografien beruhen. Ihre großformatigen Acrylgemälde zeigen Einzelpersonen und kleine Gruppen in intimen, oft ruhigen Momenten – sitzend, ruhend, rauchend oder einfach schauend. Die Figuren sind mit großer Aufmerksamkeit für Haltung, Gestik und Kleidung gemalt und erzeugen eine vertrauliche Stimmung; zugleich gilt ein besonderes Interesse der Künstlerin den gemusterten Textilien innerhalb der Bilder. Die Skalierung der kleinformatigen Fotografien in großformatige Gemälde ermöglicht eine erweiterte Detailgenauigkeit in der Darstellung. Hierbei werden die sozialen und kulturellen Kontexte, in denen die Arbeiten verortet sind, unmittelbar sichtbar – eine besondere Stärke der Werke. Indem Ogunsan Fotografien in großformatige Malerei überführt und Techniken wie Samtprägung einsetzt, transformiert sie die Bedeutung des ursprünglichen Bildmaterials auf überzeugende Weise in eine allgemeingültige Lesbarkeit. Der Übergang von kleinen, privaten Fotografien zu monumentalen, taktilen Arbeiten schafft eine besondere Form der Begegnung für die Betrachtenden – langsam, körperlich erfahrbar und intensiv. Durch die Überführung persönlicher Archivmaterialien in den öffentlichen Ausstellungsraum entsteht ein Dialog über Erinnerungskultur, familiäre Narrative und die politische Dimension von Sichtbarkeit.
Das für dieses Stipendium von Ogunsan vorgeschlagene Projekt versteht das Familienarchiv als umkämpften Erinnerungsraum und nicht als Abbild einer objektiven Wahrheit. Ausgehend von einem Fotoalbum, das sie von ihrer Mutter erhalten hat und das Bilder aus der Zeit vor der Migration ihres Vaters nach Deutschland enthält, untersucht sie Geschichten, die außerhalb ihrer eigenen Erinnerung liegen – insbesondere im Kontext von Migration sowie ihrer beninischen und yorubaischen Wurzeln. Die Fachjury würdigt diesen Projektansatz als eine konsequente und überzeugende Weiterentwicklung ihrer bisherigen künstlerischen Praxis.
Ogunsans Arbeiten überzeugten die Jury auf vielen Ebenen, insbesondere durch die malerische Materialität, mit der Fragen von Identität, Migration und Repräsentation verhandelt werden – Themen, die für gegenwärtige Gesellschaften von zentraler Bedeutung sind.
Die Jury ist überzeugt, dass Ogunsans Werk auch zukünftige Publikumsschichten erreichen und berühren wird, und empfiehlt sie daher nachdrücklich für den Friedrich-Vordemberge-Preis 2026.
Durch die Überführung persönlicher Archivmaterialien in den öffentlichen Ausstellungsraum entsteht ein Dialog über Erinnerungskultur, familiäre Narrative und die politische Dimension von Sichtbarkeit.
Der Sachverständigen-Jury gehören an:
- Astrid Bardenheuer, Leiterin der artothek Köln
- Prof. Katja Davar, Künstlerin und Professorin an der Hochschule Mainz
- Eboa Itondo, Kuratorin, Leiterin Grafische Sammlung, Museum Ludwig
- Moritz Riesenbeck, Vorjahresstipendiat