Die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele, dem größten Sportereignis der Welt, kann bei einer verantwortungsvollen Planung und Umsetzung nachhaltig positive Wirkungen für Gesellschaft, Sport und die Gastgeberregion entfalten. In diesem Sinne ist ein nachhaltiges, transparentes und verantwortungsbewusstes Handeln erforderlich, um negative soziale, ökonomische und infrastrukturelle Auswirkungen zu vermeiden. In der Vergangenheit hat Köln bei der Ausrichtung von Sportgroßevents, wie zum Beispiel der Fußball-Europameisterschaft 2024, der Handball-Europameisterschaft 2024 und der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, eine nachhaltige und zukunftsorientierte Veranstaltungsorganisation betrieben, von der die Stadt und die Region in verschiedenen Bereichen profitiert haben.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele kann als Katalysator für eine nachhaltige Stadtentwicklung fungieren: Sie beschleunigt Investitionen in Infrastruktur, Modernisierung und Innovation, sodass bereits geplante Vorhaben mit klarem Fokus auf Nachhaltigkeit schneller umgesetzt werden. Ein ideales Beispiel dafür ist der Kölner Norden. Das Konzept von KölnRheinRuhr sieht für Köln als Leading City vor, dass im geplanten Stadtteil Kreuzfeld ein temporäres Leichtathletikstadion sowie ein Olympisches und Paralympisches Dorf entstehen, das nach den Spielen in ein nachhaltiges Stadtquartier mit Wohnraum für rund 10.000 Menschen überführt wird. Durch die Bewerbung gelingt es, den für Köln wichtigen Wohnungsbau zu intensivieren und die Verkehrsanbindung (S-Bahn und Autobahnanbindung) des Kölner Nordens signifikant zu verbessern. Insgesamt tragen diese Maßnahmen dazu bei, den Kölner Norden nachhaltig zu stärken und die Lebensqualität der dort lebenden Menschen zu erhöhen.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt und gemeinsame Werte

Olympische und Paralympische Spiele sind das größte Sportereignis der Welt und stehen für Frieden, Vielfalt und internationale Völkerverständigung. Diese Grundidee passt zur kölschen Lebensart und Weltoffenheit der Kölner*innen. In diesem Sinne bieten diese beiden Events eine Bühne für Vielfalt und globale Begegnungen über Grenzen hinweg und stärken eine weltoffene Stadtgesellschaft. Zuletzt war Köln während der UEFA EURO 2024 Austragungsort für fünf Spiele, in dessen Rahmen die Kölner*innen friedlich mit Fans aus unter anderem England, Schottland und Spanien ein unvergessliches und verbindendes Fest gefeiert haben.

Darüber hinaus können diese beiden sportlichen Großereignisse folgende positive Effekte für unsere Gesellschaft auslösen.

  • Förderung von Gemeinschaftsgefühl und Identifikation:
    Eine gemeinsame Großveranstaltung fördert lokalen Zusammenhalt, das Zugehörigkeits- und das Wir-Gefühl innerhalb Kölns und über Stadtgrenzen hinweg.
  • Inspiration für junge Menschen:
    Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit, die besten Sportler*innen der Welt live und hautnah zu erleben. Die Leistungen von Spitzensportler*innen sind häufig Motivation und Inspiration für Kinder und Jugendliche, selbst sportlich aktiv zu werden und einmal an Olympischen und Paralympischen Spielen teilzunehmen.

Inklusion und Barrierefreiheit

Die Paralympischen Spiele, die circa zwei Wochen nach den Olympischen Spielen stattfinden, bieten den Leistungen von Sportler*innen mit Behinderung eine verdiente Bühne und rücken damit die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen in den Mittelpunkt. An den Paralympics in Paris, die vom 28. August bis 8. September 2024 ausgetragen wurden, nahmen über 4.400 Athlet*innen aus über 180 Nationen teil. Millionen von Zuschauer*innen haben die Wettbewerbe vor dem Fernseher verfolgt, rund 2,5 Millionen Zuschauer*innen besuchten die Wettkämpfe live vor Ort. Eine Studie der "Aktion Mensch" und der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen zeigt, dass die Paralympics einen signifikanten Einfluss auf die gesellschaftliche Wahrnehmung und Inklusion von Menschen mit Behinderung haben:

  • Über 60 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Paralympischen Spiele die Inklusion in der Gesellschaft fördern.
  • Mehr als 70 Prozent der Befragten sehen die Spiele als wichtigen Beitrag gegen Diskriminierung von Menschen mit Beeinträchtigung. Dabei trägt die erhöhte Sichtbarkeit von Para-Sportler*innen laut den Befragten dazu bei, Diskriminierung und stereotype Gesellschaftsbilder abzubauen.

Darüber hinaus sind mit der Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele Investitionen in Infrastruktur, Sportstätten und den ÖPNV verbunden, um die Barrierefreiheit für Menschen mit Beeinträchtigung zu erhöhen. Dies erhöht die Teilhabe am Alltag und trägt damit maßgeblich zur Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen bei.

Paris hat beispielsweise im Vorfeld der Paralympics 2024 mit Investitionen in Höhe von rund 125 Millionen Euro unter anderem Schulen barrierefrei angepasst, Hindernisse in den Stadtteilen abgebaut und den ÖPNV, Sportstätten sowie öffentliche Gebäude barrierefreier gestaltet und damit die Stadt für die Menschen nachhaltig inklusiver gemacht.

Kosten und Finanzierung

Im Rahmen der Ausrichtung von Sportgroßereignissen besteht aufgrund von Erfahrungen früherer Gastgeber*innen die Sorge, dass die Kosten deutlich höher ausfallen, als zunächst geplant und diese die Einnahmen damit übersteigen. Einer Studie der Universität Lausanne zufolge übersteigen die Kosten für Olympische Sommerspiele die Einnahmen im Durchschnitt um 29 Prozent.

Bei der Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele differenziert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zwischen drei Formen von Kosten. Das sind die Bewerbungskosten, die Durchführungskosten für die Spiele und zuletzt die Kosten für notwendige Investitionen in die Infrastruktur, die für die Durchführung der Spiele getätigt werden müssen (Investitionskosten).

Die Bewerbung KölnRheinRuhr setzt bewusst auf bestehende Infrastruktur: 100 Prozent der benötigten Sportstätten sind bereits vorhanden oder temporär. Das reduziert die Kosten erheblich. Zudem wird auf Nachhaltigkeit und Nachnutzung gesetzt, sodass Investitionen in Infrastruktur langfristig den Menschen im Land zugutekommen.

Die Kosten für die Durchführung der Spiele (das Durchführungsbudget) werden vollständig über Einnahmen durch TV-Rechte, Werbung und IOC-Zuschüsse abgedeckt, ein Einsatz kommunaler Mittel ist dafür nicht vorgesehen. Öffentliches Geld würde nur für Sicherheit und medizinische Versorgung eingesetzt. Für die Städte liegen die Hauptfragen daher bei investiven Begleitmaßnahmen wie Infrastruktur und Quartiersentwicklung, die überwiegend durch Bund, Land und Förderprogramme mitfinanziert werden sollen.

Die prognostizierten Durchführungskosten für Olympische und Paralympische Spiele in KölnRheinRuhr wurden vom Deutschen Olympischen Sportbund gemeinsam mit externen Partner*innen ermittelt. Nach aktuellem Stand liegen die Durchführungskosten (das sogenannte Games Organising Budget) deutlich unter 5 Milliarden Euro. Für die Deckung der Durchführungskosten werden keine öffentlichen Mittel benötigt. Lediglich für die Paralympischen Spiele ist voraussichtlich ein begrenzter Zuschuss aus der öffentlichen Hand einzuplanen. Den Ausgaben stehen nach derzeitigen Berechnungen Einnahmen von etwa 5,2 Milliarden Euro gegenüber, insbesondere aus Sponsoring, Ticketverkäufen, Vermarktungsrechten sowie Beiträgen des Internationalen Olympischen Komitees. Olympische und Paralympische Spiele in KölnRheinRuhr würden demnach mit einem positiven Finanzüberschuss von mehreren hundert Millionen Euro abgeschlossen werden.

Diese Berechnungen basieren auch auf den Erfahrungen der Spiele in Paris 2024. Paris war einer der wenigen Gastgeber*innen, der in den vergangenen Jahren einen Gewinn (76 Millionen Euro) im Rahmen der Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele erzielen konnte. Somit verdeutlichen die Spiele aus Paris, dass Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland eine Investition in die Zukunft mit klaren Finanzierungsmodellen und langfristigem Nutzen für Gesellschaft und Sport sein können.

Wirtschaftliche Impulse

Die Ausrichtung des größten Sportereignisses der Welt in 2036, 2040 oder 2044 würde Investitionen in verschiedenen Bereichen anziehen und damit positive Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft und Wertschöpfung haben. Bau- und Infrastrukturprojekte, Erweiterungen des Verkehrsnetzes, die Modernisierung von Sportstätten und öffentlicher Infrastruktur sind nur einige Beispiele für Bereiche, in denen neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen. Diese positiven Effekte wirken sich bereits einige Jahre im Vorfeld des eigentlichen Events aus und bleiben bis einige Jahre danach bestehen. Rund um die Spiele 2024 in Paris entstanden 181.000 neue Jobs in den Bereichen Bau, Organisation und Tourismus.

Darüber hinaus würden mehrere Millionen Fans aus der ganzen Welt über den Zeitraum der Spiele im Rahmen ihres Aufenthalts Ausgaben in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel tätigen.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Olympische und Paralympische Spiele einen positiven Einfluss auf die Gastgeberregion haben. Effekte auf die Wirtschaft eines ganzen Landes über einen längeren Zeitraum sind jedoch mittels Studien nur schwer nachzuweisen. Für Paris 2024 schätzte der französische Rechnungshof nach Einbeziehung aller möglichen Effekte einen zusätzlichen Impuls für das Wirtschaftswachstum auf 0,07 Prozentpunkte, was einem Finanzvolumen von 1,9 Milliarden Euro entspricht.

Infrastruktur und Mobilität

Die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele kann Beschleuniger für Investitionen und den Ausbau des Verkehrsnetzes sein, von dem die Menschen in Köln und im Rheinland direkt und nachhaltig profitieren.

Während der Olympischen und Paralympischen Spiele reisen rund 14 Millionen Menschen zwischen den Wettkampfstätten und nutzen dafür größtenteils den ÖPNV. Sowohl das innerstädtische Verkehrsnetz Kölns als auch der gesamte Verbund der 17 Kommunen würde von einem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie einem zentral gesteuerten Mobilitätskonzept langfristig profitieren. Der Rhein-Ruhr-Express (RRX) verbindet die Olympia-Region von Aachen über Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet bis nach Dortmund. Der RRX könnte die publikumsintensiven olympischen Standorte im 15 Minutentakt verbinden.

In Paris wurden mit Blick auf die Spiele 180 Kilometer neue Radwege geschaffen, von denen die Anwohner*innen langfristig profitieren. In Köln wurde im Kontext der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 die S-Bahn-Station Köln-Weiden mit dem dazugehörigen Park & Ride-Parkplatz geschaffen, was sich heute positiv vor allem auf die Mobilität im Kölner Westen auswirkt.

Sportstätten

In der Vergangenheit gibt es ausreichend Beispiele von Austragungsorten sportlicher Großereignisse, in denen im Nachhinein Sportstätten leer und ungenutzt bleiben. Um dies zu vermeiden, setzt das Konzept von KölnRheinRuhr auf 100 Prozent bestehende oder temporär zu errichtende Sportstätten. Auf diese Weise wird nur auf Sportstätten zurückgegriffen, die ohnehin von den hier lebenden Menschen genutzt werden. Das temporäre Leichtathletikstadion in Köln-Kreuzfeld wird im Anschluss in ein Wohnquartier umgewandelt, sodass es zu einer langfristigen und nachhaltigen Stadtentwicklung beiträgt. Für die notwendige Sanierung bestehender Sportstätten würde die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele als Katalysator wirken.

Entwicklung des Breitensports

In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 17.450 Sportvereine mit 5,3 Millionen Mitgliedern. Somit ist jede*r dritte Einwohner*in in NRW Mitglied eines Sportvereines. 500.000 Menschen engagieren sich zudem ehrenamtlich in diesen Organisationen. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll den Stellenwert des Sports für die Gesellschaft.

Die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele würde Investitionen in Vereine, Schulen und Talentförderprogramme bewirken, die nachhaltige Strukturen für Breitensport und Leistungssport schaffen. Bereits für das Jahr 2026 sind allein durch die Bewerbung von KölnRheinRuhr durch das Land NRW folgende Programme initiiert worden:

  • Ein neues Förderprogramm des Landes für die Sanierung von Sportstätten für den Breitensport im Umfang von 600 Millionen Euro,
  • Verbesserung der Förderung von Trainer*innen im Nachwuchsleistungssport,
  • Kostenlose Aus- und Fortbildungen für Übungsleitungen in Sportvereinen.

Bildung und Jugendarbeit

Kultur- und Bildungsprojekte rund um den Sport und seiner Geschichte tragen zu einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen bei. In Kombination mit Sport- und Bewegungsangeboten in Schulen werden die Gesundheit, die Bewegungskompetenzen und Talente bereits im jungen Alter gefördert. In Paris wurden beispielsweise täglich 30 Minuten Bewegung in 36.500 Grundschulen durchgeführt, 36.000 Kinder erhielten kostenlosen Schwimmunterricht und fünf Millionen Kinder und Jugendliche haben an landesweiten Olympischen und Paralympischen Wochen teilgenommen.

Vereinbarkeit mit Klimazielen

Durch die Ausrichtung dieses Sportgroßevents besteht die Sorge, dass die Maßnahmen zur Umsetzung von Olympia und Paralympics sich negativ auf das Klima und die Umwelt auswirken. Aus diesem Grund orientiert sich das Konzept von KölnRheinRuhr an den Nachhaltigkeitskriterien der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees und setzt auf kompakte Spiele, kurze Wege und eine grüne Ausrichtung. Zudem gibt es klare Pläne zur Nachnutzung mit dem die Region ein neues Modell für nachhaltige Spiele etablieren möchte. Ein zentrales Beispiel ist das Olympische und Paralympische Dorf, das nach den Spielen Lebensraum für rund 10.000 Menschen bieten würde. 

Belastung von Infrastruktur und Bürger*innen

Im Zeitraum der Spiele kann es für die Anwohner*innen zu vorübergehenden Belastungen kommen, zum Beispiel durch Verkehrseinschränkungen, einem erhöhten Fanaufkommen und Sicherheitsmaßnahmen. Der Zeitraum beschränkt sich im Fall der Olympischen Spiele auf knapp drei Wochen, der Zeitraum der Paralympics auf etwa zwei Wochen.

Internationale und lokale Erwartungshaltung

Bei einem Zuschlag für die Ausrichtung von Olympia und Paralympics muss der*die Gastgeber*in die Anforderungen und Bedarfe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und die der vor Ort lebenden Menschen in Einklang bringen. Dies erfordert während des gesamten Prozesses der Bewerbung bis hin zur Ausrichtung eine transparente Kommunikation, Bürgerbeteiligungen und eine klare Informationspolitik, um Vertrauen zu schaffen.

Quellen