Die Kölner Friedhöfe haben neben ihrer Funktion als Orte der Trauer auch weitere wichtige und schützenswerte Aufgaben. Mit einer Gesamtfläche von 480 Hektar stellen sie einen beachtlichen Erholungswert für die Bevölkerung dar. Gerade im innerstädtischen Bereich übernehmen sie zugleich oftmals die wichtigen Funktionen von Grün- und Parkanlagen. Friedhöfe sind ein bedeutender Bestandteil der Stadt- und Raumplanung, da sie für die Umwelt einen ökologischen und klimatischen Beitrag leisten. Sie sind Stadtoasen und wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna.

Die Anlage von Lavendelbeeten, artenreiche Wiesen und die Umsiedlung von Kleintieren auf die Friedhöfe sind nur einige der Maßnahmen, die langfristig die Biodiversität auf den Friedhöfen unterstützen werden und den Erholungswert für die Menschen steigern. Die Blütenpracht ist nicht nur schön anzusehen, sie dient auch vielen Insekten als wichtige Nahrungsquelle.

Als grüne Oasen inmitten der Stadt stellen die Kölner Friedhöfe auch echte Vogelparadiese mit gut 40 verschiedenen Arten dar.

Ein Platz zum Verweilen: Das Lavendelbeet auf dem Melaten-Friedhof

© Stadt Köln

Im Juni 2020 wurde an einem erhaltenswerten Grabdenkmal in zentraler Lage ein Lavendelbeet angelegt. Die Blütenpracht ist nicht nur schön anzusehen, sie dient auch vielen Insekten als wichtige Nahrungsquelle.

Das Beet wurde auf einer Rasenfläche zwischen bestehenden Gräbern angelegt. Die sonnige Lage bot sich an, um die Lücke zwischen den Grabstätten mit einem Beet blühender Stauden zu schließen und dort zusätzliche Sitzgelegenheiten zu schaffen.

Nachdem die Grasnarbe abgetragen wurde, erfolgten die Aufbereitung des Bodens und die Verlegung der Kantensteine. Mit zusätzlich eingebrachten Findlingen wurden Gestaltungsakzente gesetzt, ehe das Beet dann bepflanzt wurde.

Der Wildobsthain auf dem Friedhof Kalk

Bei dem Wildobsthain handelt es sich um ein großflächiges Projekt, das sich in den kommenden Jahren nachhaltig entwickeln wird. Im Vordergrund steht der Artenreichtum auf der mit Obstbäumen angelegten Wiese als besonderer Naturraum auf dem Friedhof.

Auf einer ursprünglichen Freifläche des Friedhofs wurden 15 verschiedene Obstbäume gepflanzt. In das Gestaltungskonzept wurden Rasenwege, eine Totholzhecke, Vogelnährgehölze sowie ein Begegnungsraum am Rand der Fläche integriert. Der Naturschutzbund übernimmt zudem die Gestaltung und Unterhaltung einer Teilfläche.

 

© Stadt Köln

Pflanzliste Obstbäume:

Holzapfel, Wildbirne, Elsbeere, Speierling, Mährische Eberesche, Steinweichsel, Mispel, Weißdorn, Felsenbirne, Kornelkirsche, Traubenkirsche, Bitterorange, Baumhasel, Schwarze Maulbeere, Weidenblättrige Birne.

Lebensraum Friedhof - Umsiedlung des Gartenschläfers auf den Westfriedhof

Der Gartenschläfer ist ein kleines, scheues Säugetier, das ausschließlich in Europa vorkommt und in Deutschland einen seiner Verbreitungsschwerpunkte hat. Als Lebensraum dienen ihm Heckenstrukturen sowie Wälder mit hohem Totholzanteil. Im Siedlungsbereich kommt der Gartenschläfer häufig auf Friedhöfen, Streuobstwiesen sowie in Kleingärten oder naturnahen Gärten vor. Die Bestände der nachtaktiven und zurückgezogen lebenden Tiere sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Die Umsiedelung des Gartenschläfers auf den Westfriedhof zählt zu einem der vielen Projekte, die von uns in Kooperation mit den Naturschutzverbänden erfolgreich umgesetzt werden. Die 55 Kölner Friedhöfe stellen für viele Tiere besonders geschützte Rückzugsorte und Lebensräume mitten in der Großstadt dar.