Pallenbergstraße, 50737 Köln

Mit dem Nordfriedhof beschloss 1895 die Stadtverordnetenversammlung einen "Entlastungsfriedhof" für Melaten. Grünplanerisch wurde er von A. Kowallek übernommen und konnte bereits am 18. Mai 1896 in Dienst gestellt werden.

Es handelt es sich um einen landschaftlich angelegten "Parkfriedhof", mit einer deutlichen Mittelachse vom Haupteingang ausgehend (Flure A und B, 1 bis 28). Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Erweiterungen zur Pallenbergstraße hin vorgenommen (Flure 32 bis 83).

Kölner Friedhöfe: Der Nordfriedhof, WDR Lokalzeit Köln, 7. Juli 2020

Rondell mit einem ruhenden Pilger

Der Friedhof öffnet sich mit den alten Teilen von der Merheimer Straße aus und führt auf ein erstes Rondell mit einem aus Bronze gestalteten, ruhenden Pilger zu, der in antikisierenden Gewändern gekleidet ist. Das Bildnis ist signiert mit "W.S. anno domini 1978": "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen" (Ps. 37, 5).

In Flur D fällt die zeitgenössische Grabstätte Emil Beckmann (1876 bis 1962) auf. Ein Wandgrab trägt einen Kalvarienberg, der den am Kreuz sterbenden Christus inmitten der Schächergruppe darstellt (signiert mit Heuter Marmor).

Im Zugangsbereich zur Flur A liegt die Grabstätte Simons (circa 1918, Sandstein). Christus ist mit weit geöffneten Armen in der Mitte des Wandgrabes wiedergegeben. In Marmor gefügt ist nahe bei dieser die Grabstätte Ostmann (circa 1921). Hier hält ein ruhender Engel Rosen im Schoss. Die Seitenteile tragen rosengeschmückte Konsolen.

Christus am Ölberg - Wandgrab der Familie Dahlen

Die gleiche Flur birgt in einem großräumlich angelegten Wandgrab die sterblichen Hüllen der Familie von Leo Dahlen (ab 1943). Christus am Ölberg mit seinem sich dem Willen des Vaters beugenden Wort, bestimmt die Botschaft.

In Muschelkalk und Marmor (Figur) wurde die Grabstätte Bönsch und Lieffertz circa 1920 modelliert. Christus hält den Verstorbenen weit die Leben verheissenden Hände entgegen. Er wird von zwei anbetenden Engeln flankiert. In der Grabstätte Thelen wird der Gekreuzigte in zeittypischer Weise (circa 1920) als der Verklärte, den Tod durchschreitende wiedergegeben.

Das wiederverwendete Grab für die Familie Heikaus (circa 1920) schildert eine säulenartig aufgefasste Frau, die in annehmender Weise den Menschen entgegentritt und ihnen mit der Inschrift zuspricht: "Gottes Segen über euch". Ebenso in Flur A befindet sich die Grabstätte Arens (circa 1920). Das der Reformkunst verpflichtete Wandgrab zeigt in expressionistischer Manier Christus, der die Verstorbenen dereinst erweckt.

In Flur B wendet sich bei der Grabstätte Jean Harzheim (circa 1930) eine in weißem Marmor gehaltene, sitzende Figur auf ein Buch mit Gefäß hin. Der Mensch (Gefäß) sinniert über sein Leben (Buch).

Darstellung der Schicksalsgöttinnen

In der Nähe hiervon erinnert ein in Travertin gehaltenes Wandgrab an die Familie Dr. Robert Gerling (1878 bis 1935). Nach oben hin schließen drei Reliefs ab: links ein schreitender Mann mit Schwert, der von einem Mann und einer Frau in den Kampf entlassen wird (dazu passend der Titulus "sein Kampf"); in der Mitte zentral angeordnet ein Mann, der von einer Familie begleitet wird (Titulus "volksverbundenes Wirken"), was durch die Zusammenkunft der Menschen sichtbar gemacht wird; zur Rechten die Darstellung der Moiren (Schicksalsgöttinen), eine den Faden spinnend, eine ihn abmessend und schneidend, eine dritte ihn weiterreichend. Der Titulus "das Schicksal" erläutert dies.

Die Wandgrabstätte für Dr. Heinz Konzen schildert den auferstandenen Christus, zu dessen Füssen anbetende Engel wiedergegeben sind (cira 1925, Granit und Bronze). Expressiv wird der sterbende Christus bei der Grabstätte Barnickel (circa 1929, Muschelkalk) geschildert.

Hierneben die Grabstätte Familie Dr. Franz Rolshoven (1915 bis 1942). Das in Travertin modellierte Mittelrelief gibt Christus wieder, der sich im Redegestus dem Arzt zuwendet, der ein Kind versorgt. Dies wird im Wirkungsbereich der Kirche Sankt Bonifatius in Nippes sichtbar.

Grablegung Christi wird in Grabstätte Konzen sichtbar

Die in feiner Manier der 1920er Jahre gestaltete Grabstätte Fischer (signiert mit Grüter) zeigt über Eck gestellte Pfeiler, die nach oben hin mit gestuften Kapitellen schließen (Flur A). Etwas weiter wird in der Grabstätte Familie W. Konzen die Grablegung Christi sichtbar (circa 1920, Granit).

Daneben liegt auffällig das Grabhaus (ohne Namen), das im Mittelrelief das Motiv der Grablege Christi zeigt (circa 1920, Flur A). Das spät-klassizistisch geprägte Wandgrab von Peter Lang (1916) führt auf einem Sockel den Auferstehungsengel.

In Flur 8a (hinter Flur A) ist die jüngst verstorbene Uschi Werner Fluss (November 2002) bestattet. Sie war eine bedeutende Interpretin kölscher Texte und liebte die leisen Töne, stets begleitet von Henner Berzau. In dieser Flur sind eine Reihe von Grabstätten der 1920er Jahre auffindbar. In Flur 9 liegt eine Erinnerungsstätte der Verstorbenen der Nippeser Bürgerwehr. Treue im Abschied wird fassbar.

An der Ecke der Friedhofsmauer, die zur Schmiedegasse führt, lässt sich in Flur 27 (Eckbereich) die Grabstätte von Trude Herr (1927 bis 1991) entdecken. Trude Herr war eine bedeutende Schauspielerin und ist mit ihrem Lied, "Niemals geht man so ganz" unsterblich geworden.

Links vom Hochkreuz weist ein großes Feld auf die Gefallenen des 1. Weltkrieges (Richtung Nibelungenstraße, Flur 13). Die Grabstele der Familien Nikolaus Müller (circa 1904) zählt zu den ältesten auf dem Nordfriedhof. Das Wandgrab ist mit einer Kreuzstele aufgebaut, das im Sockelbereich einen Tondo hervortreten lässt.