Köln bekennt Farbe: Kein Platz für Gewalt gegen Frauen* und Mädchen*

In Kooperation mit dem Handwerkerinnenhaus Köln e. V. setzen wir ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen*: Im Rahmen eines Mädchenprojekts wurden dort orangefarbene Bänke gestaltet und gebaut, die heute an verschiedenen Orten in Köln zu finden sind.  

Die Farbe ist dabei kein Zufall: Orange ist die weltweite Symbolfarbe der UN-Kampagne "Orange the World", die zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* aufruft. Mit diesen Bänken unterstreichen wir als Stadt unsere Entschlossenheit, uns aktiv für die Rechte von Frauen* und Mädchen* einzusetzen und verschiedene Formen von Gewalt sichtbar zu machen. Die Bänke sind weit mehr als eine Sitzgelegenheit – sie laden dazu ein, einen Moment zu verweilen, nachzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen.  

Die orangenen Bänke: Unsere Botschafterinnen im Stadtbild

Die orangenen Bänke übernehmen die Rolle von Botschafterinnen, die an ganz unterschiedlichen Orten in Köln ein Zeichen setzen. Sie begegnen Ihnen dort, wo das Kölner Leben stattfindet. Jede Bank trägt eine individuelle Gestaltung und eine klare Message: Sie markieren Orte, an denen Gewalt keinen Platz hat.

Kein Platz für Gewalt gegen Frauen* und Mädchen*

© Stadt Köln

Ein Leben frei von Gewalt ist ein Menschenrecht – überall.

Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* ist kein Einzelfall, sondern bittere Realität in unserer Gesellschaft. Sie beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen. Gewalt zeigt sich auch in verbalen Angriffen, Kontrolle, Einschüchterung und alltäglicher Benachteiligung.

Jede Form von Gewalt ist ein Angriff auf Würde, Freiheit und Selbstbestimmung. Frauen* und Mädchen* haben das Recht, sicher zu leben – im öffentlichen Raum sowie im eigenen Zuhause.

Eine Gesellschaft ohne Gewalt beginnt dort, wo wir hinsehen, Haltung zeigen und Betroffene unterstützen.

  • Botschaft: Gewalt ist niemals Privatsache und niemals entschuldbar.
  • Ziel: Ein gewaltfreies Leben in Würde und Selbstbestimmung für alle
  • Hinschauen: Wo fängt Gewalt im Alltag an und wie können wir gemeinsam Zivilcourage zeigen? 

Kein Platz für häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt ist keine Privatsache.

Gewalt im eigenen Zuhause findet oft im Verborgenen statt – an einem Ort, der eigentlich Sicherheit geben sollte. Häusliche Gewalt umfasst Gewalt durch Partner*innen sowie durch Familienmitglieder. Häusliche Gewalt hat viele Gesichter: Sie kann körperlich, psychisch, sexualisiert, emotional oder wirtschaftlich sein.

Häusliche Gewalt betrifft Menschen jeden Geschlechts, jedoch unterscheidet sich die Art der Gewalt. Laut der BKA-Dunkelfeldstudie LeSuBiA berichten Frauen* deutlich häufiger von schweren Verletzungen, Todesangst und systematischer Kontrolle. Auch Männer* erleben in hohem Maße körperliche Übergriffe. Dabei ist jedoch aufgrund gesellschaftlicher Rollenbilder und daraus resultierender Tabuisierung eine hohe Dunkelziffer anzunehmen.

Das Schamgefühl ist oft groß, doch das Zuhause darf kein Ort der Angst sein. Isolation und Druck sind Werkzeuge, um Macht auszuüben. Doch Schweigen schützt nur die Täter*innen. Häusliche Gewalt ist niemals die Schuld der Betroffenen und durch nichts zu rechtfertigen.

Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben ohne Angst. Indem wir als Gesellschaft füreinander einstehen und das Tabu brechen, machen wir deutlich: Gewalt in der Familie ist nicht hinnehmbar.

  • Botschaft: Gewalt zu Hause ist kein privates Problem. Hilfe und Schutz müssen für alle Betroffenen zugänglich sein.
  • Ziel: Schneller Schutz und ein gewaltfreies Leben für alle – unabhängig vom Geschlecht
  • Hinschauen: Erkennen wir Warnsignale in unserem Umfeld und ermutigen wir Betroffene, sich Hilfe zu suchen?

Kein Platz für sexuelle Belästigung

© Deutsche Sporthochschule Köln
Die orangene Bank in 5 Metern Höhe auf dem Sprungturm der Deutschen Sporthochschule Köln.

Selbstbestimmung ist unantastbar.

Sexuelle Belästigung ist kein Einzelfall und erst recht kein harmloser Flirt, sondern Teil des Alltags vieler Frauen* und Mädchen*. Ob in der Bahn, am Arbeitsplatz oder auf der Straße: Unerwünschte Blicke, anzügliche Sprüche und aufdringliches Verhalten sind Verletzungen der persönlichen Grenzen. 

Aktuelle Erkenntnisse der LeSuBiA-Studie zeigen: In Städten ist das Risiko für Belästigung besonders hoch. Vor allem junge Menschen sind im Alltag massiv betroffen – oft auch durch digitale Gewalt. Obwohl diese Taten die Freiheit und Sicherheit stark einschränken, ist die Anzeigequote noch immer niedrig. Doch niemand sollte den Weg oder das Verhalten ändern müssen, um sich sicher zu fühlen.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Respekt und körperliche Selbstbestimmung – überall und jederzeit. Eine Gesellschaft, die das ernst nimmt, schaut nicht weg, sondern setzt klare Grenzen gegen Belästigung. 

  • Botschaft: Mein Körper, meine Grenzen. Respekt ist nicht verhandelbar.
  • Ziel: Ein Miteinander, in dem alle Beteiligten einverstanden sind und in dem Grenzüberschreitungen benannt statt ignoriert werden
  • Hinschauen: Nehmen wir Belästigung wahr, auch wenn sie versteckt oder "nur" mit Worten geschieht, und zeigen wir uns solidarisch mit den Betroffenen?

Kein Platz für geschlechtsspezifische Gewalt

Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein strukturelles Thema.

Geschlechtsspezifische Gewalt bezeichnet Gewalt, die Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer geschlechtlichen Identität erfahren. Sie umfasst körperliche, sexualisierte, psychische oder wirtschaftliche Gewalt – bereits deren Androhung ist eine Form von Gewalt.

Davon betroffen sind überwiegend Frauen* und Mädchen* sowie alle weiteren FLINTA*-Personen. Diese Gewalt ist kein privates Schicksal, sondern tief in ungleichen Machtverhältnissen verwurzelt. 

Die jüngsten Daten der LeSuBiA-Studie verdeutlichen das Ausmaß: Ein Großteil der Gewalt findet im Verborgenen statt. Weniger als 10 Prozent der Betroffenen erstatten Anzeige. Das bedeutet: Hinter jeder statistisch erfassten Tat steht eine enorme Anzahl an Menschen, deren Leid unsichtbar bleibt. Besonders erschreckend: Fast jede zweite Frau* in Deutschland hat bereits psychische Gewalt in einer Partnerschaft erlebt, jede sechste sogar körperliche Übergriffe.

Diese Gewalt hat viele Formen – sie reicht von digitaler Belästigung und Catcalling über häusliche Gewalt bis hin zu schwersten Straftaten. Geschlechtsspezifische Gewalt, auch gegen Männer*, geht statistisch gesehen in den meisten Fällen von Männern aus.

Eine gerechte Gesellschaft erkennt diese Muster an, benennt sie klar und bricht das Schweigen.

  • Botschaft: Geschlechtsspezifische Gewalt ist eine Verletzung der Menschenrechte und niemals akzeptabel.
  • Ziel: Eine Gesellschaft, in der alle Menschen frei von Angst, Unterdrückung und Gewalt leben
  • Hinschauen: Erkennen wir die gesellschaftlichen Strukturen, die Gewalt begünstigen? Nur wenn wir das Dunkelfeld beleuchten, können wir Betroffene wirksam schützen.
Zum Bericht "Häusliche Gewalt 2024"

Kein Platz für Femizide – in Köln und überall

© Stadt Köln

Femizid ist kein "Beziehungskonflikt".

Fast jeden zweiten Tag wird in Deutschland eine Frau* durch ihren (Ex-)Partner getötet oder ein Tötungsversuch verübt. Diese Morde sind häufig das tödliche Ende einer Kette aus Kontrolle, Besitzdenken und Gewalt. Es sind Taten, die geschehen, weil Männer* glauben, Macht über das Leben von Frauen* zu haben. Es sind Taten, die das Leben eines Menschen gewaltsam beenden.

Oft gehen den Morden eindeutige Warnsignale wie Stalking, Drohungen oder massive Eifersucht voraus. Besonders gefährlich ist die Phase in einer Trennung. Statistiken zeigen zudem: Frauen* mit Migrationsgeschichte sowie Personen aus der LSBTIQ*-Gemeinschaft tragen oft ein erhöhtes Risiko für schwere Gewalt, da der Zugang zu Schutzräumen für sie zusätzlich erschwert sein kann.

Ein Femizid ist die extremste Verletzung der Menschenrechte. Eine Gesellschaft, die Frauen* schützt, darf nicht wegsehen. Sie muss Gewalt benennen und handeln, bevor die Spirale aus Unterdrückung tödlich endet.

  • Botschaft: Frauenmorde sind vermeidbar. Warnsignale müssen ernst genommen werden.
  • Ziel: Konsequenter Schutz für jedes Leben und ein Ende von Gewalt durch Machtansprüche
  • Hinschauen: Erkennen wir, wenn Kontrolle und Eifersucht gefährlich werden? Helfen wir Betroffenen, sicher aus Gewaltbeziehungen auszusteigen?

360 Femizide 2023

Hinter jeder Zahl steht ein Gesicht.

360 Frauen* wurden im Jahr 2023 in Deutschland getötet oder überlebten einen versuchten Mord, weil sie Frauen* sind. Das bedeutet: Fast jeden Tag wurde in unserem Land ein Femizid verübt oder versucht. Diese Zahl steht für 360 Leben, 360 Geschichten – und für eine Realität, die nicht ignoriert werden darf.

Femizide sind keine Einzelfälle, sondern der schlimmste Ausdruck von Gewalt, Kontrolle und tief verankerten Ungleichheiten in unserer Gesellschaft.

Jede Zahl ist ein Mensch. Und jeder einzelne Fall ist einer zu viel. Wir dürfen Gewalt niemals als Normalität akzeptieren. Wahrer Schutz beginnt dort, wo wir Warnsignale ernst nehmen und handeln, bevor das Schlimmste passiert.

  • Botschaft: 360 Schicksale sind 360 zu viel. Jedes Leben zählt.
  • Ziel: Ein lückenloses Hilfenetz und das konsequente Stoppen von Gewalt, bevor sie tödlich endet.
  • Hinschauen: Schaffen wir Räume, in denen Betroffene ohne Scham Hilfe finden, bevor die Gewalt eskaliert?

Kein Platz für Benachteiligungen von Mädchen*

© Stadt Köln

Chancengleichheit ist ein Grundrecht, keine Ansichtssache.

Ob in der Schule, beim Berufseinstieg oder im Alltag: Mädchen* werden noch immer oft durch feste Vorstellungen ausgebremst. Häufig gibt es feste Regeln im Kopf darüber, was Mädchen* angeblich können müssen oder wie sie zu sein haben.

Solches Denken führt dazu, dass Mädchen* etwa im Handwerk oder in der Technik seltener ermutigt werden. Oft stoßen sie auf unsichtbare Hindernisse, die nichts mit ihrem Können zu tun haben. Dabei sollten allein die eigenen Träume und Fähigkeiten den Weg bestimmen, nicht das Geschlecht. Unsere Stadt braucht die Ideen und Energie aller jungen Menschen.

Eine gerechte Gesellschaft beginnt dort, wo Talente wichtiger sind als alte Vorurteile und Benachteiligung keinen Platz mehr hat.

  • Botschaft: Mädchen* stärken und ihre Stimmen ernst nehmen. 
  • Ziel: Gleiche Wege und die Freiheit, das eigene Leben selbst zu gestalten.
  • Hinschauen: Wo setzen wir Mädchen* noch Grenzen, statt ihnen Türen zu öffnen?

Kein Platz für Gender Gaps

Gerechte Chancen sind keine Frage des Geschlechts.

Gender Gaps bezeichnen tiefsitzende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern – etwa bei Einkommen, Vermögen, Karrierechancen oder unbezahlter Arbeit. Diese Lücken entstehen nicht durch Zufall. Sie sind das Ergebnis veralteter Rollenbilder und Strukturen, die Frauen noch immer benachteiligen. 

Die Fakten sind eindeutig: Frauen* verdienen im Durchschnitt 16 Prozent weniger als Männer* (Gender Pay Gap). Ein Hauptgrund hierfür ist die ungleiche Verteilung von Carearbeit: Frauen* übernehmen den Großteil der Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen. Im Laufe eines Lebens führt das dazu, dass die Einkommenslücke auf bis zu 49,8 Prozent anwächst (Gender Lifetime Earnings Gap).

Die Benachteiligung betrifft sogar die Gesundheit (Gender Health Gap): Da oft der männliche Körper der Standard in Forschung und Lehre ist, werden Krankheiten wie ein Herzinfarkt bei Frauen* häufig später erkannt. Symptome werden oft nicht ernst genommen, weil sie anders aussehen als bei Männern*.

Gleichberechtigung bedeutet, diese Lücken aktiv zu schließen – für faire Chancen und echte Unabhängigkeit in allen Lebensbereichen.

  • Botschaft: Zeit, Geld und medizinische Sicherheit müssen fair verteilt sein.
  • Ziel: Eine Gesellschaft, in der wirtschaftliche, berufliche und medizinische Sicherheit nicht vom Geschlecht abhängen.
  • Hinschauen: Wo halten wir unbewusst an alten Mustern fest, die Frauen* den Weg in die finanzielle und gesundheitliche Eigenständigkeit erschweren?

Hinschauen, Verstehen, Handeln: Das Ziel der Aktion

Die orangenen Bänke sind weit mehr als eine Sitzgelegenheit – sie sind ein deutliches Statement im Kölner Stadtgebiet. Als sichtbare Intervention im öffentlichen Raum verfolgen sie das Ziel, Bewusstsein zu schaffen und Haltung zu zeigen. Dabei wirken sie auf mehreren Ebenen:

  • Sichtbarkeit schaffen: Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* findet oft im Verborgenen statt. Durch die auffällige Farbe und die klaren Botschaften wird das Thema unübersehbar. Sie signalisieren, dass wir als Stadt hinschauen und Gewalt nicht tolerieren.
  • Impulse geben: Die Bänke regen dazu an, kurz innezuhalten und sich mit den Botschaften auseinanderzusetzen. Sie geben den ersten Anstoß, das Bewusstsein für das Thema zu schärfen – sei es im privaten Umfeld, in der Schule oder am Arbeitsplatz.
  • Informationen zugänglich machen: Die Bänke zeigen Betroffenen, dass sie nicht allein sind. Sie fungieren als direkter Wegweiser zum dichten Netz der Kölner Beratungsstellen und sorgen dafür, dass Informationen zur Unterstützung genau dort zu finden sind, wo Menschen im Alltag unterwegs sind.

Zeichen setzen: Jetzt eine Bank ausleihen

Werden Sie Teil der Bewegung: Die Bank für Ihr Projekt

Unsere Bänke sind mobil und können für zeitlich begrenzte Aktionen im Kölner Stadtgebiet ausgeliehen werden. Sie möchten auch ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen* setzen und die Aufmerksamkeit auf Ihr Projekt, Ihre Schule oder Ihr Unternehmen lenken? Wir unterstützen Sie gerne dabei, eine der Botschafterinnen zu sich zu holen.

So funktioniert der Verleih

Die Bänke werden jedes Jahr im Juni vergeben und können bis mindestens April des Folgejahres beziehungsweise spätestens Juni des Folgejahres verliehen werden. Schreiben Sie uns gerne eine Nachricht zu Ihrer Anfrage mit den folgenden Infos:

  • Name der gewünschten Bank
  • Ende des Leihzeitraums (April oder Juni des Folgejahres)
  • Geplanter Einsatzort
  • Motivation / Zweck der Ausleihe

 

Hier können Sie Kontakt mit uns aufnehmen

Gemeinsam stark: Hilfe und Beratung

Ganz gleich, ob Sie selbst betroffen sind, sich um einen nahestehenden Menschen sorgen oder als Angehörige Unterstützung brauchen: Hier finden Sie vertrauliche Anlaufstellen, professionelle Beratung und schnelle Hilfe. Zögern Sie nicht, den ersten Schritt zu machen.

Beratung und Hilfe bei Gewalt