Wegweisende Themenfelder für mehr Barrierefreiheit
© Constantin Ehrchen
Am 13. April 2026 fand in der Jugendherberge Köln-Riehl die Auftaktveranstaltung zum Handlungskonzept Behindertenpolitik 2026 statt. Rund 150 Menschen aus Verwaltung, Verbänden, Selbsthilfe, Politik und Stadtgesellschaft kamen zusammen, um zentrale Barrieren und Handlungsbedarfe in unterschiedlichen behindertenrelevanten Themenfeldern zu sammeln und zu benennen. Im Fokus stand die Beteiligung von Menschen mit Behinderung als Expert*innen in eigener Sache.
Bettina Baum, Amtsleiterin für Integration und Vielfalt, betonte in ihrer Rede zu Beginn die langjährige Zusammenarbeit mit Selbsthilfeorganisationen und Wohlfahrtsverbänden:
Seit über 20 Jahren beraten Menschen aus diesen Organisationen die Stadtverwaltung in der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik. Als Expert*innen in eigener Sache fließen ihre Bedürfnisse und ihr Wissen direkt in Projekte und Vorhaben ein.
Das Handlungskonzept Behindertenpolitik setzt eine klare Leitlinie für eine inklusive Zukunft der Stadt. Ziel ist eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Grundlage der Erarbeitung sind zehn Themenfelder, unter anderem Mobilität und Verkehr, Gesundheit, Digitalisierung, Arbeit und Bildung, Wohnen, Stadtentwicklung, Gleichstellung sowie politische und kulturelle Teilhabe und Vielfalt.
Nach der Eröffnung und Begrüßung wurden die Teilnehmenden in Tischgruppen aufgeteilt. Im Rahmen eines moderierten Wordcafés hatten sie die Möglichkeit, sich zu den jeweiligen Themen auszutauschen. Die Themen wechselten im 15-Minuten-Takt, sodass alle Teilnehmenden zu den verschiedenen Themenbereichen diskutieren und Problemfelder benennen konnten. Beispiele hierfür waren fehlende Barrierefreiheit im Öffentlichen Raum und in Gebäuden, Bedarf an barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum, unzureichend verständliche Informationen im Gesundheitssektor sowie zu wenig Unterstützung für Frauen und Mädchen mit Behinderung.
Auch in den Bereichen Kultur, Freizeit und Digitalisierung wurden Maßnahmen gefordert, zum Beispiel Freizeitangebote für Menschen mit Sehbehinderung, mehr Sichtbarkeit für Künstler*innen mit Behinderung und besser zugängliche Informationen der Stadtverwaltung.
Die Veranstaltung war zugleich Auftakt für weitere Workshops und die gemeinsame und fortlaufende Entwicklung konkreter Maßnahmen. Ziel war es, die Themenfelder aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und Rückmeldungen aus vielfältigen Lebensrealitäten sowie spezifischen Erfahrungen einzubeziehen. Dies verhindert die isolierte Betrachtungen einzelner Gruppen und reduziert Benachteiligungen. Gleichzeitig können diskriminierende Muster früh erkannt und korrigiert werden.
Das Büro der Behindertenbeauftrage ist mit der Erarbeitung des Konzeptes betraut und wird von Squirrel & Nuts Dialog konzeptionelle unterstützt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Mirjam Tomše, Behindertenbeauftragte der Stadt Köln, und Torben Krauß von Squirrel & Nuts Dialog. Gebärdensprachdolmetscher*innen, Schriftdolmetschung und eine Übersetzung in Leichte Sprache ermöglichten eine barrierefreie Teilnahme.
Die Veranstaltung fand erstmalig in einem interaktiven Format statt: Alle Teilnehmenden trugen Kopfhörer mit Lautstärkeregulierung und sprachen über Mikrofone. So konnte gewährleistet werden, dass die rund 150 Personen zeitgleich an zehn Gruppentischen interaktiv in Austausch kommen konnten. Die Vielfalt, der Zusammenhalt und die gemeinsame Verantwortung aller Akteur*innen prägten die Atmosphäre dieses Tages.