Veranstaltung zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung 2012

Zum zehnten Mal bereits fand am 3. Dezember eine Veranstaltung aus Anlass des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung statt. Im Zentrum standen die Bilanz der Kölner Behindertenpolitik der letzten Jahre sowie ein Ausblick auf zukünftige Vorhaben. Den ganzen Nachmittag über gab es in mehreren Räumen des Historischen Rathauses ein vielseitiges Programm.

Viel Beachtung und Beifall fand die Vorführung der Qui Gong-Gruppe des BSV Gut Frohnhof.

Mitmachaktionen

Der Rollstuhlclub RSC Köln hatte gemeinsam mit der Sporthochschule einen Rollstuhl-Parcours aufgebaut, auf dem jeder die Möglichkeit hatte, die eigene Geschicklichkeit auszuprobieren. Für alle gab es wichtige Hinweise, wie man kleine Hindernisse im Straßenland sicher bewältigen kann. Horst Strohkendl vom RSC Köln:

Am Anfang hat man Angst, sich mit dem Rollstuhl zu bewegen. Wenn man aber gut fahren kann, ersetzen die Räder die Beine.

Vor dem Zugang zum Blinden-Parcours hatte sich bereits nach kurzer Zeit eine Warteschlange gebildet. Mit Augenbinde und dem Langstock als Hilfsmittel galt es, unterschiedliche Bodenbeläge und kleinere Hindernisse auf der zwölf Meter langen Versuchsstrecke zu ertasten. So konnte jeder selbst erfahren, wie wichtig Leitsysteme und taktile Strukturen im Straßenraum sind.

Eine weitere Möglichkeit des Mitmachens und Ausprobierens gab es am Midi-Tisch, den Holger Nikelis zur Verfügung gestellt hatte. Nicht nur die Sozialdezernentin Henriette Reker trat gegen den Kölner Paralympics-Sieger 2012 im Rollstuhl-Tischtennis an, sondern auch weitere Besucherinnen und Besucher wagten einige Ballwechsel mit dem Champion.

Informationsstände

© Professor Innenmoser

Insgesamt 40 Organisationen und Institutionen sowie Ämter der Stadtverwaltung zeigten an zahlreichen Informationsständen neue Entwicklungen, die die Barrierefreiheit und die Teilhabe behinderter Menschen in Köln verbessern. Die Besucherinnen und Besucher erhielten nicht nur vielfältige Informationen, sondern konnten sich spielerisch betätigen, Anregungen und Meinungen weitergeben oder auch technische Einrichtungen wie die unterschiedlichen Taster an Ampelanlagen praktisch kennenlernen.

Informations- und Diskussionsforen

Großen Zuspruch fand das Informationsangebot über das Mobilitätstraining der KVB. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich zunächst einen Überblick über die barrierefreien Haltestellen anhand des Linien-Netzplanes "Touren ohne Treppen" verschaffen. Mobilitätstrainer Markus Schönbein zeigte auf vielen Fotos anschauliche Beispiele von typischen Einstiegssituationen und gab nützliche Tipps im Umgang mit Straßenbahntüren, die auch an barrierefrei ausgebauten Haltstellen für Menschen mit Behinderungen eine große Hürde sein können.

Weitere Themen waren Sicherheitseinrichtungen sowie die Kommunikation mit Fahrgästen und Personal. Die Teilnehmenden beteiligten sich mit Fragen und lebhaften Erfahrungsberichten. Im zweiten Teil des Mobilitätstrainings gab es viele praktische Hinweise, die mit kleinen Übungen im Rollstuhl-Parcours begleitet werden konnten.

Im zweiten Forum "Die Rosenmaar-Schule: Eine inklusive Schule - wie geht das?" berichtete eine Lehrerin über die Schulorganisation und den Schulalltag an der Höhenhauser Grundschule. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren viele Menschen mit unterschiedlichen Handicaps. Sie würdigten das vorgestellte Konzept und begrüßten die aktuelle Entwicklung in Köln. Andererseits beklagten sie aber auch, wie wenig selbstverständlich die Teilhabe von Kindern mit Behinderung in den meisten allgemeinen Schulen immer noch ist.

Beim Schnupperangebot zur Gebärdensprache lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schnell, wie wichtig die Mimik zusätzlich zur Bewegung der Hände ist. Beides auch richtig nachzuahmen war keineswegs so leicht.

Oft unterscheiden sich verschiedene Begriffe nur durch Kleinigkeiten in der Handhaltung oder Mimik. Doch am Ende konnte sich jeder vorstellen und auch die Wünsche "Frohe Weihnachten" und "Guten Rutsch ins Neue Jahr" klappten in Gebärdensprache.

Begrüßung und Diskussionsrunde

Um 16 Uhr machte Maracatu Colonia den Auftakt zur Diskussionsrunde und brachte mit afro-brasilianischer Percussion Stimmung in die Piazzetta. Mancher Fuß wippte bei diesen Rhythmen automatisch mit und auch die gehörlosen Besucherinnen und Besucher konnten die Musik spüren. Bürgermeisterin, Elfi Scho-Antwerpes, begrüßte die Besucherinnen und Besucher.

Sie betonte in ihrer Rede:

Wenn wir uns nicht daran machen, uneingeschränkte Teilhabe und Barrierefreiheit in jedem Lebensbereich und für jeden Lebensabschnitt zu verwirklichen, können wir das Recht auf Inklusion für alle Menschen nicht verwirklichen.

Diese große gesellschaftspolitische Aufgabe ist uns durch die UN-Behindertenrechts-Konvention nochmals deutlich aufgegeben worden. Realistisch gesehen, wird sie sich nicht von heute auf morgen lösen lassen. Klar ist aber auch: Diese Aufgabe wird ungelöst bleiben, wenn wir nicht heute alle Anstrengungen in diese Richtung unternehmen. Das ist Herausforderung und Verpflichtung zugleich.

© Stadt Köln/Natascha Scheer
Podiumsdiskussion mit der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik

Dass es tatsächlich in den letzten Jahren viele positive Entwicklungen gegeben hat, das zeigte das anschließende Gespräch mit der Behindertenbeauftragten Marita Reinecke und Vertreterinnen und Vertretern der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik. So wurde die Barrierefreiheit in den Kultureinrichtungen und den Bürgerzentren mit knapp sechs Millionen Euro verbessert. Besonders hervorgehoben wurde der Inklusionsplan für Kölner Schulen, der beispielhaft für ganz Nordrhein-Westfalen ist.

In den Bereichen Bauen und Mobilität gab es deutliche Fortschritte. So wurden in den vergangenen Jahren zunehmend Standards zur Barrierefreiheit mit der KVB und den technischen Ämtern vereinbart. Auch die Zahl von barrierefreien Wohnungen und Wohnprojekten wurde deutlich erhöht.

Allerdings ist das Angebot an bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum nach wie vor viel zu gering.

Auch an anderen Stellen bleibt nach wie vor viel zu tun, das machte das Gespräch deutlich. Zu oft behindern noch die Barrieren in den Köpfen den Abbau von Barrieren in der Umwelt. Barbara Röttger-Schulz warb daher um weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter:

Wir machen die Erfahrung, dass wir ernst genommen werden und wirklich etwas bewegen können. Das ist für uns ein wichtiger Ansporn. Menschen, die uns auf diesem Weg unterstützen wollen, sind jederzeit und gerne willkommen.

Sichtbares Zeichen der Wertschätzung der ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertreter der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik war die Würdigung durch die Sozialdezernentin Henriette Reker. Sie übergab Annelie Appelmann, Adelheid Langes, Uta Grimbach-Schmalfuß und Horst Ladenberger jeweils eine Urkunde und den Köln-Pfennig als Anerkennung und Auszeichnung für ihr bereits 10-jähriges Engagement.

Mit Ihren Erfahrungen, Ihrer Fachkompetenz und Ihrem großen Engagement haben Sie unserer Arbeit viele wichtige Anregungen gegeben und manche Fehlentwicklung verhindert. Sie haben von Beginn an die Arbeit der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik mit gestaltet und waren und sind für uns ein wichtiger Motor. Ich hoffe, dass ich in einigen Jahren weitere Mitglieder dieses Gremiums für 10-jährige Tätigkeit auszeichnen kann.

Zum Abbau von Barrieren in den Köpfen will auch der Plakat-Wettbewerb "Alle inklusive" beitragen, der abschließend von Birgitta Neumann von der Gold-Kraemer-Stiftung vorgestellt wurde. Die Aufgabe: es soll ein Plakat zu einem selbst gewählten Thema aus der UN-Konvention gestaltet werden. Neben einer Ausstellung im Mai des kommenden Jahres werden einzelne Sieger-Plakate auf den Werbeanlagen in der ganzen Stadt die Vielfalt von Inklusion zeigen.

Mitmachen können alle: Jung und Alt, Einzelpersonen und Gruppen. Der Wettbewerb unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Jürgen Roters wird in Kooperation mit der Stadt Köln und der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik durchgeführt. Informationen dazu können bei der Gold-Kraemer Stiftung angefragt werden: Telefon 02234 / 933030, oder bei der Behindertenbeauftragten, Telefon 0221 / 221-29098.

E-Mail an die Gold-Krämer-Stiftung

Weiterführende Links

Informationen zum KVB-Linien-Netzplanes "Touren ohne Treppen"
Informationen zur Rosenmaarschule in Köln-Höhenhaus
Informationen zur Gold-Krämer-Stiftung
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Büro der Behindertenbeauftragten