Bereits im vierzehnten Jahr vergeben wir die Stipendien für das Atelier Galata in Istanbul an Autor*innen und Künstler*innen.

Im ersten Halbjahr 2022 werden Justine Bauer und Semih Korhan Güner, die sich als Duo beworben haben, nach Istanbul reisen und im dortigen Atelier Galata leben und arbeiten. Für das Stipendium der zweiten Jahreshälfte wurde der Schriftsteller Guy Helminger ausgewählt.

Die zuständigen Jurymitglieder der Fachbereiche Bildende Kunst/Medienkunst und Literatur entschieden, die Stipendien 2022 schwerpunktmäßig an Bewerber*innen aus dem Bereich Literatur zu vergeben, wobei Justine Bauer und Semih Korhan Güner sich beruflich auch in weiteren künstlerischen Genres ausdrücken.

Semih Korhan Güner und Justine Bauer

Justine Bauer, 1990 in Crailsheim geboren, wohnt in Köln. Zeitweise lebt und arbeitet sie aber auch auf einer Huskyfarm in der Arktis. Sie schreibt in regelmäßigen Abständen ihre "Poesie zum Weltuntergang". Zurzeit arbeitet Justine Bauer an ihrem Debütroman über die autoritären und zunehmend rechten Strukturen auf dem Land, denen eine angehende Landwirtin begegnet. 2021 erhielt sie mit ihrer Kurzgeschichte #dahinschwindens den 2. Platz beim Ruhrpoeten Literaturwettbewerb. Nach ihrem Abschluss an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig folgte ein weitere Studiengang an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Semih Korhan Güner wurde 1984 in Eskişehir/Türkei geboren. Er arbeitet derzeit an seinem Roman "Jungs" über das kleinkriminelle Jugendlichenmilieu in Istanbul. Für seinen 2021 fertiggestellten Kurzspielfilm "Vor der Leinwand" erhielt er den First Steps Award. Nach Jobs in verschiedenen Bereichen machte er an der Marmara Universität Film/Fernsehen seinen Abschluss und studierte danach an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Justine Bauer und Semih Korhan Güner, die an der Schnittstelle von Drehbuch, Prosa, Lyrik, und Regie arbeiten, erhalten das Galata-Stipendium der Stadt Köln 2022,

schreibt einleitend in der Jurybegründung Dr. Lilian Haberer, Professorin für "Kunstwissenschaft mit erweitertem Materialbegriff" an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM).

Während beide Autor*innen sich für Milieus, Mikrogeschichten und Rollenbilder interessieren, stehen bei Justine Bauer weibliche Körper und Arbeit, bei Semih Korhan Güner familiäre Konstellationen und Konflikte im Fokus. Ihr gemeinsames Prosaprojekt "Der Heizstein (Göbek Tasi)" für Istanbul nimmt das türkische Hamam zum Anlass, von diesem intimen, auch familiären Ort des Zusammentreffens aller Generationen zu erzählen, vom Umgang mit Körpern und der jeweils genderspezifischen, aber auch übergreifenden Perspektiven ihrer Hauptfiguren. 

Guy Helminger

© Guy Helminger

Guy Helminger, 1963 in Esch-sur-Alzette/Luxemburg geboren, lebt seit 1985 in Köln und arbeitet als freier Autor. 2006 war er als Stadtschreiber in Hyderabad/Indien, 2008/209 author in residence in Sanaa/Jemen und 2015 in Südafrika. 2004 erhielt er den 3sat-Preis bei den 28. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, 2012 eine Poetikdozentur an der Universität Duisburg-Essen, 2015 den Post-Poetry-Preis, 2016 den Dresdner Lyrikpreis und 2020 den Gustav-Regler-Preis. Seit vielen Jahren moderiert er zusammen mit Navid Kermani den "Literarischen Salon" im Kölner Stadtgarten. Im letzten Jahr erschien sein Roman "Die Lombardi-Affäre". Sein Studium der Germanistik und Philosophie absolvierte er in Luxemburg, Heidelberg und Köln.

Nähere Informationen zu Guy Helminger

Zum Werdegang und der Juryentscheidung für Guy Helminger schreibt Bettina Fischer, Leiterin des Kölner Literaturhauses:

Der im Jahr 1963 in Luxemburg geborene Autor Guy Helminger ist ein Reisender. Nicht nur literarisch hat er sich auf die Reise begeben – zum Beispiel im Roman "Neubrasilien" –; er hat auch persönlich die Ferne und die Nähe zu den Menschen unterwegs gesucht. Seine Reisen (etwa in den Jemen oder nach Brasilien) hat er auch literarisch festgehalten – in Blogs oder Buchform. Seinen Aufenthalt in Istanbul wird Guy Helminger, im vollen Bewusstsein der politisch schwierigen Situation, erneut literarisch festhalten. Auf das Ergebnis, das sowohl beschreibende Beobachtung wie auch gesellschaftliche Tiefenbohrung zu sein verspricht, kann die Kölner Öffentlichkeit sich freuen!

Den Auswahljurys gehörten an:  

  • Dr. Lilian Haberer, Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln, Kunsthochschule für Medien Köln
  • Bettina Fischer, Literaturhaus Köln
  • Professor Mischa Kuball, Kunsthochschule für Medien Köln
  • Dr. Gregor Jansen, Künstlerischer Leiter der Kunsthalle Düsseldorf
  • Nadine Müseler, zuständige Referentin im Kulturamt
  • Die Stipendiat*innen des Vorjahres: Deren Ercenk, Viktor Brim und Sabine Schiffner