Die Dieter-Wellershoff-Stipendien vom Literaturhaus Köln sind 2018 erstmals ausgeschrieben und mit Mitteln unserer Autorenförderung ausgestattet worden. Die altersunabhängigen Stipendien werden jedes Jahr an zwei professionelle Autorinnen oder Autoren aus Köln vergeben. Sie sind Teil jener Maßnahmen, mit denen wir die positive Entwicklung der Kölner Literaturszene stärken möchten.

Projektbeschreibung

Der bedeutende Autor Dieter Wellershoff ist am 15. Juni 2018 in seiner Wahlheimat Köln gestorben. Er schrieb Romane, Novellen, Erzählungen, Lyrik, Essays, Drehbücher und autobiografische Bücher. Dieter Wellershoff hat die Literatur der Bundesrepublik maßgeblich beeinflusst, dies nicht nur als Schriftsteller, sondern auch über viele Jahre als Lektor des Verlags Kiepenheuer und Witsch.

Er prägte den Begriff "Kölner Schule des Neuen Realismus" und inspirierte eine ganze Generation von Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Zu seinem ehrenden Gedenken benennen wir zusammen mit dem Literaturhaus Köln die Literaturstipendien nach ihm.

Die Dieter-Wellershoff-Stipendien sind als altersunabhängige Arbeitsstipendien für die künstlerische Ausbildung und Fortbildung bestimmt. In der Zeit der Förderung soll die Möglichkeit bestehen, Entwürfe zu realisieren, begonnene Arbeiten fortzusetzen und Texte zu vollenden. Bei der Textform kann es sich um Erzählungen, Romane oder Lyrik handeln.

Modalitäten

Die Stipendien sind Teil der Maßnahmen, mit denen wir mit Unterstützung des Kölner Literaturhauses die positive Entwicklung der Kölner Literaturszene bestärken möchten.

Es werden zwei Arbeitsstipendien für einen Zeitraum von acht Monaten vergeben. Die Stipendien sind mit jeweils 12.000 Euro dotiert und werden in acht monatlichen Teilbeträgen von 1.500 Euro ausgezahlt. Über die Vergabe der Stipendien entscheidet eine unabhängige dreiköpfige Fachjury.

Bewerben können sich Autorinnen und Autoren mit Hauptwohnsitz in Köln mit einer bereits begonnenen deutschsprachigen literarischen Arbeit, die mit Hilfe der Stipendien fertiggestellt werden kann. Bei der Textform kann es sich um Erzählungen, Romane oder Lyrik handeln. Voraussetzung für die Bewerbung ist mindestens eine eigenständige literarische Publikation, jedoch nicht im Eigenverlag oder Selbstkostenverlag. Die Dieter-Wellershoff-Stipendien können nicht öfter als zwei Mal an eine Person vergeben werden. Pro Jahr wird nur eine Projekteinreichung akzeptiert. Nach Erhalt eines Stipendiums ist eine erneute Bewerbung erst nach drei Jahren möglich. Außerdem müssen zwischen dem Erhalt des Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendiums und eines Dieter-Wellershoff-Stipendiums drei Jahre liegen. Die Zuerkennung der Stipendien erfolgt nach freiem Ermessen und ist unter Ausschluss jedes Rechtsweges unanfechtbar.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten verpflichten sich, in der Publikation darauf hinzuweisen, dass diese Arbeit durch die Gewährung eines Literaturstipendiums des Literaturhauses Köln in Kooperation mit uns gefördert wurde. Dies erfolgt durch den Abdruck des folgenden Hinweises in der Publikation an gut sichtbarer Stelle: "Diese Publikation wurde ermöglicht durch die Dieter-Wellershoff-Stipendien." Außerdem werden die Logos des Literaturhauses Köln und der Stadt Köln abgedruckt.

Es muss eine Work-in-Progress-Präsentation innerhalb von 12 Monaten oder Präsentation der Publikation innerhalb von 24 Monaten nach Abschluss des Arbeitsstipendiums erfolgen.

 

Kontakt und weitere Informationen

Die Stipendiaten 2020

Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Sonja Herrmann, Martin Mittelmeier und Martin Oehlen, wählte in einem zweistufigen Verfahren aus 16 Einsendungen die Kölner Autoren Adrian Kasnitz (Jahrgang 1974) und Tilman Strasser (Jahrgang 1984) aus.  

Adrian Kasnitz

© Dirk Skiba

Adrian Kasnitz hat bereits zwei Romane sowie zahlreiche Lyrik- und Essaybände vorgelegt und ist außerdem Übersetzer, Mitherausgeber der "parasitenpresse" und Gastgeber des Literaturklub Köln.

Sein Romanprojekt "Der Schatten" überzeugte die Jury, die ihre Wahl so begründete:

Als der Vater im Sterben liegt, wird der Erzähler mit einer Zeit und Welt konfrontiert, die er gründlich hinter sich gelassen zu haben wähnte: das mühevolle Aufwachsen auf einem abgelegenen Hof in Masuren, die ersten Schritte in ein anderes, eigenes Leben am Rand einer mittelgroßen Stadt in Nordrhein-Westfalen, die zunehmend konfliktbehaftete Beziehung zu seiner Familie.

Adrian Kasnitz' Text erzählt von der Bedeutung der Herkunft, von Abschied und Aufbruch, Fremdsein und Identität – voll spannungsvoller Ruhe, sinnlicher Intensität und zarter Archaik.   

Tilman Strasser

© Marco Piecuch

Tilman Strassers Debütroman "Hasenmeister" erschien 2015, außerdem publiziert er regelmäßig in Anthologien und Literaturzeitschriften und ist als Journalist, Drehbuchautor und Literaturvermittler tätig. Er bewarb sich mit seinem Romanprojekt "Gespinst", in dem der Erzähler den Tod seiner Tochter, die wenige Wochen nach der Geburt gestorben ist, nicht akzeptiert.  

Die Begründung der Jury lautet:

In seiner Verzweiflung und seinem Wahn, ein Trugbild seiner Tochter am Leben zu halten, verstrickt er sich in alternative Welterklärungen und esoterische Verschwörungstheorien – und versucht, die Existenz freier Energie zu beweisen, was gründlich schiefgeht.

Tilman Strassers Text überzeugt durch seine Verbindung von komischen und tragischen Elementen, von persönlichen und globalen Katastrophen – und durch den formal anspruchsvollen Zugriff auf eine komplexe Themenkonstellation.  

Die Stipendiatin und der Stipendiat 2019

Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Sonja Herrmann, Martin Mittelmeier und Martin Oehlen, wählte in einem zweistufigen Verfahren aus 22 Einsendungen die Kölner Autorin Ulrike Anna Bleier (Jahrgang 1968) und Bastian Schneider (Jahrgang 1981)  aus.

Ulrike Anna Bleier

© Bernadette Jansen

Ulrike Anna Bleier publiziert seit 2000 regelmäßig in Anthologien und Literaturzeitschriften, 2016 erschien ihr Debütroman "Schwimmerbecken", auf den im vergangenen Jahr der zweite Roman "Bushaltestelle" folgte.

Ihr Romanprojekt "Spukhafte Fernwirkung" überzeugte die Jury, die ihre Wahl so begründete:  

Spukhafte Fernwirkung: Albert Einsteins Ausdruck für Phänomene, die autonom zu sein scheinen und doch miteinander verwoben sind, macht Ulrike Anna Bleier zum Konstruktionsprinzip ihres gleichnamigen Romanentwurfs. Scharf beobachtete, lakonisch gezeichnete short cuts fügen sich zu einem gesellschaftlichen Großpanorama, zu einem faszinierenden Kaleidoskop höchst unterschiedlicher Lebenswelten.

Bastian Schneider

© Silviu Guiman

Bastian Schneider hat bereits fünf eigenständige Publikationen vorgelegt, zuletzt erschienen 2018 der Prosaband "Die Schrift, die Mitte, der Trost – Stadtstücke" sowie die Graphic Novel "Eine Naht aus Licht und Schwarz".

Die Entscheidung für sein Romanprojekt "Das Loch in der Innentasche meines Mantels" begründete die Jury folgendermaßen:

Was für ein Pech, was für ein Glück, Bastian Schneider zu heißen. Man ist dann unversehens eine Figur in einem Text des katalanischen Autors Enrique Vila-Matas oder ein Pseudonym des Mitglieds der Reichsschrifttumskammer Hans Karl Breslauer (1888-1965).

Der reale Autor Bastian Schneider nimmt das zum Anlass für ein hinreißend skurriles Vexierspiel. Im "Loch in der Innentasche meines Mantels" verwirbeln sich die brennenden Fragen nach Identität, Wahrheit und Fiktion und den Möglichkeiten des Erzählens.

Die Stipendiatin und der Stipendiat 2018

Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Sonja Herrmann, Martin Mittelmeier und Martin Oehlen, wählte in einem zweistufigen Verfahren aus 33 Einsendungen und entschied sich für Joachim Geil (Jahrgang 1970) und Tina Ilse Maria Gintrowski (Jahrgang 1978).

Tina Ilse Maria Gintrowski

Tina Ilse Maria Gintrowski fiel der literaturinteressierten Öffentlichkeit zunächst beim "Open Mike" 2007 auf. An eigenständigen Publikationen hat sie "Jupiter. Neue Weltansichten und Milchstraßeneis" und "Peng. Lyrikstories und andere Gedichte" vorgelegt, darüber hinaus hat sie in Anthologien und Zeitschriften publiziert.

© Privat

Laut Jury lädt sie nun mit

"Planet Pony" zu einer Pilgerreise durch die Nervenkrise der Hauptfigur ein. Der Text überzeugt durch seine verblüffende Ambivalenz. Befinden wir uns noch auf einer abgebrüht coolen Ranch oder schon im Zwangssystem einer psychiatrischen Heilanstalt? Gintrowski erzeugt dabei einen faszinierenden Sound: Im scheinbar saloppen Ton werden existenzielle Irritationen verhandelt.

Joachim Geil

Joachim Geil, der bislang vor allem mit den drei Romanen "Heimaturlaub" (2010), "Tischlers Auftritt" (2012) und "Ruhe auf der Flucht" (2016) auf sich aufmerksam gemacht hat, bewarb sich mit einem Romanentwurf mit dem Titel "Angespannt" über Goethes Reise von Jena nach Karlsbad.

© Anita Schiffer-Fuchs

Die Jury begründete ihre Wahl folgendermaßen:

Joachim Geil schreibe eine Road Novel aus dem Jahr 1819, die direkt in die Gegenwart führt. Joachim Geils "Angespannt" besticht als Tiefenbohrung ins Unwesen des "Teutschen". Unter dem Firnis der Zivilisation und des schönen Scheins machen sich Chauvinismus, Antisemitismus und politische Repression breit. Geil erzählt rasant, bildkräftig und mit schrägem Witz: ein düsteres literarisches Vergnügen.

Die Förderung von Kölner Künstlerinnen und Künstlern ist eines der wichtigen Themen der Kulturentwicklungsplanung,

unterstreicht Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und führt aus:

Die Stipendien sollen dazu beitragen, dass Schreibende ohne Umsatzzwang künstlerisch arbeiten können. Diese künstlerische Schaffensphase braucht nicht nur der Nachwuchs, sondern ebenso bereits etablierte Autorinnen und Autoren. Ich gratuliere Joachim Geil und Tina Ilse Maria Gintrowski, dass die Wahl der Jury auf sie gefallen ist.