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Wir haben im städtischen Wald Naturwaldentwicklungsflächen ausgewiesen. Naturwaldentwicklungsflächen sind nach Definition des FSC® (Forest Stewardship Council)-Standard "von direkten menschlichen Eingriffen ungestörte Flächen, die unter besonderer Berücksichtigung der Biotopwertigkeit und des Entwicklungspotenzials der Flächen für den Natur- und Artenschutz ausgewählt werden. In den Flächen unterbleiben Nutzungseingriffe außer den erforderlichen jagdlichen Maßnahmen sowie Verkehrssicherungsmaßnahmen und die Ernte von Saatgut, sofern vergleichbare lokale Herkünfte anderweitig nicht verfügbar sind. Entwicklungs- und Pflegemaßnahmen sind möglich, wenn der Arten- und Biotopschutz dies erforderlich macht".

Das Ziel der Ausweisung von Naturwaldentwicklungsflächen kann mit dem Motto "Natur Natur sein lassen" beschrieben werden, das auch für die Entwicklung von Nationalparken und Wildnisgebieten gilt. Der Mensch soll nicht in natürliche Prozesse eingreifen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Waldflächen nicht mehr bewirtschaftet werden. Holz wird nicht mehr genutzt. Die natürliche Dynamik der Waldentwicklung soll möglichst ungestört ablaufen. Beispielsweise wird nach Sturmwürfen Schadholz nicht aufgearbeitet und auch nicht wieder aufgeforstet. Ebenso erfolgt kein Management im Hinblick auf die Baumartenzusammensetzung, Stabilität oder die Erholungsnutzung des Waldes. Die Flächen können im Rahmen des allgemeinen Waldbetretungsrechtes, wenn durch eine Naturschutzgebietsausweisung oder andere Betretungsverbote keine Einschränkungen des Betretungsrechtes bestehen, auf eigene Gefahr begangen werden. Trampelpfade, die durch umgestürzte Bäume versperrt werden, werden nicht freigeräumt. Grundsätzlich bleibt alles Holz im Wald liegen.  

Insgesamt wurden 520 Hektar Wald ausgewählt, das entspricht 16 Prozent der städtischen Waldfläche. Der Wald ist auf 20 Gebiete verteilt, die in nachfolgender Tabelle nach der Größe geordnet aufgelistet sind:

 NummerLageSchutzstatusGröße -Hektar- 
 1Worringer BruchFFH, NSG152,89
 2Dünnwalder Wald: Isborns HeideLSG, NSG, GLB 71,80
 3Gremberger Wäldchen
LSG
 51,84
 4Rheinvorland:MerkenichNSG 36,81
 5Rheinvorland: Worringen- LangelNSG 30,27
 6Thielenbruch: NSG ThielenbruchFFH, NSG 21,95
 7Rheinvorland: Retentionsraum ehem. Kasernengelände BrasseurGLB, LSG, Betretungsverbot 20,50
 8Worringer Bruch: Alte ZiegeleiNSG 18,17
 9Äußerer Grüngürtel: Brühler Landstraße ehemals SchiffhofLSG 14,65
10Dünnwalder Wald: Altwald Dünnwalder MühlenwegLSG 14,20
11Brücker Heide: Im langen BruchLSG 12,62
12Brücker Hardt: FlehbachGLB, LSG 12,38
13Nüssenberger BuschGLB 11,69
14Rheinvorland: NSG FlittardNSG 10,93
15Dünnwalder Wald: NSG Mutzbach NSG 9,95
16Dünnwalder Wald: NSG HornpottNSG 9,27
17Brücker Heide am FrankenforstbachLSG, GLB 6,42
18Grüner Kuhweg: Wald im NSGNSG 5,57
19Gut Leidenhausen: Altwald Rennbahn LSG 5,19
20Waldlabor "Wildniswald"LSG 2,90
   Gesamtfläche: 520,00

 

Die ausgewählten Wälder repräsentieren das gesamte Spektrum der natürlichen Waldgesellschaften im Stadtgebiet. Sie lassen sich folgenden Waldentwicklungstypen zuordnen:

  • Worringer Bruch, Alte Ziegelei (Nummer 1, 8:insgesamt 171,06 Hektar): natürliche Waldentwicklung von Erlen-Eschenwald auf Bruchwaldstandorten ehemaliger Altrheinarme.
  • Rheinvorland (Nummer 4, 5, 7, 14: insgesamt 98,51Hektar): natürliche Auenwaldentwicklung im Überflutungsgebiet des Rheins
  • Dünnwald, Brück, Leidenhausen (Nummer 2, 6, 10, 11, 12, 15, 16, 17, 19: insgesamt 163,78 Hektar): natürliche Waldentwicklung von Buchen-Eichenwäldern und Wäldern auf Sonderstandorten (Bruchwald, Bachauenwald) der Mittelterrasse.
  • Gremberger Wäldchen, Äußerer Grüngürtel linksrheinisch (Nummer 3, 9, 13, 18, 20: insgesamt 86,65 Hektar) natürliche Waldentwicklung von Buchen-Edellaubholzwäldern auf alten Waldstandorten der Niederterrasse und auf ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Flächen.

 

Baumartenzusammensetzung und Altersstruktur der Naturwaldentwicklungsflächen

In den Naturwaldentwicklungsflächen wachsen zu 90 Prozent Laubbäume. Diese Wälder bestehen zu rund 60 Prozent aus Eichen, Buchen und Edellaubhölzern, wie:

  • Ahorn,
  • Esche,
  • Linde,
  • Vogelkirsche und
  • Hainbuche.

Bestände aus Pappeln und Weiden haben einen relativ hohen Anteil von 22 Prozent, da diese Baumarten im Worringer Bruch und im Rheinvorland einen Verbreitungsschwerpunkt haben. Der Nadelholzanteil ist mit 10 Prozent gering und besteht überwiegend aus Kiefern, die auf den Mittelterrassenstandorten in Dünnwald und Brück in Mischung mit Laubhölzern wachsen.

Aufgrund der Baumartenzusammensetzung ist langfristig eine Entwicklung in Richtung der natürlichen Vegetation möglich. In den von der Pappel dominierten Wäldern wird abzuwarten sein wie schnell sich dort die Baumarten der natürlichen Vegetation durch natürliche Verjüngung aus Waldbeständen der Umgebung einfinden.

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Die Altersstruktur reicht von jungen Aufforstungsbeständen bis zu reifen Altwäldern mit alten Methusalem-Bäumen, die über 200 Jahre alt sind (Gremberger Wäldchen). Etwa 30 Prozent (166 Hektar) des Waldes ist über 80 Jahre alt. Die ältesten, über 100 jährigen Waldflächen bestehen überwiegend aus Eichen, Buchen und Kiefern. Von den über 140 jährigen Altwäldern, wurden 48 Hektar als Naturentwicklungswald ausgewiesen, damit werden 50 Prozent der ältesten Eichen- und Buchenwälder im städtischen Wald zukünftig der natürlichen Walddynamik überlassen.

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Naturwaldentwicklungsflächen, Teilkarte Nord
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Naturwaldentwicklungsflächen, Teilkarte Süd
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