Köln soll bis 2035 Klimaneutral werden. Dies wurde vom Rat am 24. Juni 2021 beschlossen. Nun wurde auch das Gutachten zur Klimaneutralität 2035 als Handlungsrahmen für die Umsetzung des Klimaneutralitätsziels in der Ratssitzung vom 08. Dezember 2022 anerkannt. Das Gutachten gibt die Linie vor und bildet die Grundlage für Umsetzungsaktivitäten in der gesamten Stadtgesellschaft. Der Rat hat die Stadtverwaltung beauftragt, einen konkreten Aktionsplan zum Ende des ersten Halbjahres 2023 vorzulegen. Darüber hinaus soll ein Klimaschutz-Monitoring eingerichtet werden. Das gesamtstädtische Klimaschutzgutachten "Klimaneutrales Köln 2035" ist in drei Bänden unterteilt, in denen unter anderem Handlungsempfehlungen für die Gesamtstadt und die Stadtverwaltung gegeben werden

Auftragnehmer für die Erstellung des Gutachtens war ein fachlich-wissenschaftliches Konsortium bestehend aus der Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft und der Jung Stadtkonzepte, Stadtplaner und Ingenieure Partnerschaftsgesellschaft mit den Unterauftragnehmern Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH und ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH.

Ergebnisse des Gutachtens im Überblick

Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Klimaneutralität bis 2035 möglich ist. Hierzu bedarf es jedoch erheblicher Anstrengungen aller beteiligten Akteure in den verschiedenen Sektoren.

Klimaneutralität bedeutet Treibhausgasneutralität. In 2019 betrugen die Treibhausgas-Emissionen in Köln 9,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Zur Erreichung der Klimaneutralität muss ein Emissionsniveau von unter einer Million Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr erreicht werden.

Das im Rahmen der Strategieentwicklung für ein klimaneutrales Köln entwickelte Zielszenario 2035 zeigt einen möglichen Weg auf, wie die Erreichung der Klimaneutralität unter Beachtung des CO2-Restbudgets gemäß Pariser Klimaschutzabkommen in einem Korridor zwischen dem 1,5 Grad und 1,75 Grad-Ziel bis 2035 in Köln grundsätzlich möglich ist. Das Szenario wurde entlang der vier Hauptstrategien Effizienz, Konsistenz, Suffizienz und Kompensation entwickelt. Dabei lassen sich für die einzelnen Handlungsfelder spezifische Einsparziele definieren.

Zentrale Voraussetzungen für die Klimaneutralität sind eine erhebliche Reduktion des Endenergiebedarfs (zwischen 26 Prozent und 47 Prozent je nach Verbrauchssektor) sowie die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung (100 Prozent Substitution fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien mit Wärmepumpen, einer dekarbonisierten Fernwärme, Solarthermie, Biomasse und gegebenfalls grünem Wasserstoff beziehungsweise Power-to-Gas). Die Sektorenkopplung (zum Beispiel Strom im Wärmesektor durch Wärmepumpen; Strom im Mobilitätssektor durch Ausbau der Elektromobilität) wird in Köln – trotz Effizienzgewinnen – für einen steigenden Strombedarf um den Faktor 2,5 sorgen. Deshalb wird ein erheblicher Ausbau von Photovoltaik und Windenergie auch auf dem Stadtgebiet Kölns erforderlich sein bei gleichzeitigem Import erneuerbaren Stroms.

Die Veröffentlichung des Gutachtens erfolgt in drei Bänden. Band 1 beschreibt Strategieempfehlungen auf der Ebene der Gesamtstadt im Sinne eines roten Fadens der gesamtstädtischen Transformation, Band 2 besteht aus dem Portfolio der Handlungsempfehlungen für die Stadtverwaltung, Band 3 beinhaltet die zur Vollständigkeit eines Gutachtens üblichen Erläuterungen zur Methodik.

Die gesamtstädtischen gutachterlichen Strategieempfehlungen (Band 1) gliedern sich in sechs Handlungsfelder auf, deren anteiliges Treibhausgasreduktionspotential Abbildung 1 aufzeigt.

Handlungsfeld 1: "Gebäude und Quartiere werden klimaneutral" mit 11 Prozent THG-Minderungspotential gliedert sich in die Handlungsschwerpunkte "Öffentliche Gebäude und Anlagen", "Integrierte nachhaltige Stadtentwicklung und Stadtplanung", "Klimafreundliche Bestandssanierung" und "Klimaneutraler Neubau".

Im Handlungsfeld 2: "Klimaneutrale Energieversorgung erreichen" liegt mit 38 Prozent das größte Reduktionspotential, aufgeteilt in die Handlungsschwerpunkte "Energieversorgung im kommunalen Einflussbereich", "Steigerung des lokal und erneuerbar erzeugten Stroms", "Steigerung der lokal und erneuerbar erzeugten Wärme" und "Ausbau der Energiespeicherung".

Dem Handlungsfeld 3: "Arbeiten und Wirtschaften erfolgen klimaneutral" werden 13 Prozent Einsparpotential beigemessen und erstreckt sich auf die Handlungsschwerpunkte "Arbeiten und Wirtschaften erfolgen klimaneutral durch und im Konzern Stadt Köln", "Klimaschutz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft", "Klimaschutz in gewerblich geprägten Gebieten", "Kreislaufwirtschaft" sowie "Kooperation und Förderung von Klimaschutz in der Wirtschaft".

Handlungsfeld 4: "Mobilität und Logistik werden klimaneutral" zeigt mit den Handlungsschwerpunkten "Mobilität im kommunalen Einflussbereich", "Personenverkehr", "Wirtschafts- und Güterverkehr" und "Übergreifenden Maßnahmen" ein Minderungspotential von 23 Prozent der gesamtstädtischen THG-Emissionen auf.

Mit 5 Prozent THG-Minderungspotential beschreibt Handlungsfeld 5: "Klimaneutralen Lebensstil und Bildung fördern" die Handlungsschwerpunkte "Klimaschutz im Alltag – Zielgruppe privater Haushalte", "Klimaschutz in Bildungseinrichtungen – Zielgruppe Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Lehrende" sowie "Klimaschutz in Kultur und Freizeit - Zielgruppe Kulturschaffende und Anbieter von Freizeiteinrichtungen als Multiplikatoren".

Das Handlungsfeld 6: "Kommunale und zivilgesellschaftliche Transformation zur Klimaneutralität erreichen" beschreibt grundlegende strukturelle Rahmenbedingungen, die für die Umsetzung der Maßnahmen in den Handlungsfeldern 1-5 notwendig sind und erstreckt sich auf die Handlungsschwerpunkte "Transformation als kommunale Managementaufgabe" und "Klimaschutz, Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung integriert betrachten".

© Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft und Jung Stadtkonzepte

Ausgehend vom derzeitigen Emissionsniveau ist laut aktueller Berechnungen von einem weiteren Anstieg der Emissionen in Höhe von etwa 1 Prozent aufgrund von Neubautätigkeit sowie von rund 3 Prozent bedingt durch Bevölkerungswachstum zu rechnen. Dieser Anstieg ist in den Reduktionspfaden mit eingepreist.

Klimaneutralität bedeutet eine umfassende Transformation der Stadtgesellschaft, die als eine systemische Aufgabe sowie als ein agiler Prozess begriffen werden muss, in der Stadt, Bürger*innen und Unternehmen gleichermaßen eingebunden sind. Diesen Transformationsprozess aktiv zu begleiten und zu fördern, wird als eine zentrale Aufgabe von uns mit unseren Beteiligungen definiert.

Die für die Gesamtstadt Köln entwickelte Klimaneutralitätsstrategie beschreibt, mit welchen Maßnahmen und unter welchen Rahmenbedingungen auf dem Stadtgebiet Köln eine bilanzielle Klimaneutralität erreicht werden kann. Sie beschreibt einen lebendigen Prozess aus praxis- und umsetzungsorientierten Maßnahmen und Aktivitäten. Unabdingbar notwendig wird es daher sein, das als Einstieg in den Umsetzungsprozess entwickelte Maßnahmenportfolio in einen dynamischen Prozess zu überführen. Dieser lebendige Prozess erfordert einen laufenden Soll-Ist-Wertabgleich der Zielerreichung sowie ein ständiges Nachjustieren, Korrigieren, Stoppen und Neustarten. Im Sinne eines Rahmenkonzepts, das sich auf dem Weg zum Klimaneutralitätsziel 2035 wiederholend weiterentwickelt, soll es durch die Akteure leben, die mit ihren Vorhaben und Projekten auf die Klimaneutralität einzahlen.

Beteiligungsprozess

Die Erstellung des Gutachtens wurde durch einen über zweijährigen Beteiligungsprozesses der 90 Mitglieder des Kölner Klimarats mit seinen Projektgruppen sowie zahlreicher Ämter und Dienststellen der Stadtverwaltung unter wissenschaftlicher Begleitung des Fachkonsortium begleitet.

Vorlage und Gutachten zur Klimaneutralität 2035
Klimarat