"Open Air Museum" auf der Straße

Nach dreieinhalb Jahren erfolgreichem Probelauf, in Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien (KHM) und dem Medienhaus Ströer, sowie erfolgreichen Vertragsverhandlungen, die wir mit den Stadtwerken und der Firma Ströer führten, setzen wir seit Ende März 2019 die Aktion "Kunst an Kölner Litfaßsäulen" fort.

Verschiedenste Akteur*innen, Ämter, Gremien und nicht zuletzt die Freie Szene sowie Bürger*innen hatten sich auch im Zuge einer Petition für die Fortsetzung der Kunst im öffentlichen Raum eingesetzt. Von den 200 Werbesäulen, die abgerissen werden sollten, bleiben 25 "Kunstsäulen der Stadt Köln" bestehen. In diesem Umfang können wir die Förderung für die Kosten der Plakate, Plakatierung und Künstler*innen-Honorare langfristig leisten.

Wir sind damit die erste Stadt, die ihre alten Werbesäulen als Kunstsäulen nutzt und damit ein innovatives Präsentationsmedium geschaffen hat.

"Kunst an Kölner Litfaßsäulen" bietet für die Kölner*innen die wohl unmittelbarste Form kultureller Teilhabe, indem künstlerische Werke im ganzen Stadtgebiet verteilt jeden Tag sichtbar gemacht werden. Es kommt hiermit zu unerwarteten Begegnungen mit Kunst. Damit hoffentlich zu vielen Gesprächen darüber, was Kunst ist und was der öffentliche Raum für seine Bürger*innen ist. Die Kunstsäulen-Aktion kann auch als Vorbote der Kulturentwicklungsplanung für Köln verstanden werden, denn diese wird der Kunst und Kultur im öffentlichen Raum eine größere Bedeutung beimessen.

Ausschreibung zu den Kölner Kunstsäulen

Ausschreibung Kunst im öffentlichen Raum 

Zur Gestaltung der Kölner Kunstsäulen war ein künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben. Dieser richtet sich ausschließlich an Künstler*innen aus den Bereichen Bildende Kunst, künstlerische Fotografie und Urban Art. Wir suchen Kunstentwürfe zur Gestaltung einer Rundumplakatierung der "25 Kölner Kunstsäulen" mit jeweils einem Motiv für eine Laufzeit von zwei bis drei Monaten pro Künstler*in. Die Kunstsäulen befinden sich in den verschiedensten Stadtbezirken von Köln an gut einsehbaren und viel frequentierten Orten. Die Künstler*innen müssen sich mit einem konkreten Motivvorschlag bewerben. Künstler*innen können auch vorgeschlagen werden. Die Vorlage eines konkreten künstlerischen Gestaltungskonzeptes sowie einer Visualisierung ist immer erforderlich.

Die Ausschreibung ist beendet.

 

Die Kosten für Plakatdruck, Plakatierung und Pflege in Höhe von jeweils 3.500 Euro übernehmen wir ebenso, wie ein Honorar in Höhe von jeweils 500 Euro für die ausgewählten vier bis sechs Künstler*innen.

Wer kann sich bewerben?

  • Professionelle Künstler*innen aus Köln sowie dem In- und Ausland.

Wer kann Künstler*innen mit konkreten Motiventwürfen vorschlagen?

  • Kurator*innen aus Köln
  • Freie Kunsträume und -initiativen sowie Kunstfestivals aus Köln
  • Museen und Kunstinstitutionen in Trägerschaft der Stadt Köln

Was ist bei den Entwürfen zu beachten?

  • Es gilt, innovative künstlerische Motive zu entwickeln, die sich für eine Ganzsäulenbeklebung und speziell für die Rundumgestaltung im Sinne einer 360-Grad-Betrachtung einer Litfaßsäule eignen und auch bei unterschiedlichen Säulenumfängen realisiert werden können. Das heißt, es ist bei der Bewerbung klar darzustellen, wie mit dem stets variierenden Säulenumfang umzugehen ist.
  • Die eingereichten Motiventwürfe sollen eine Fernsicht und nahe Betrachtung in ihrer Konzeption und Gestaltung berücksichtigen.
  • Mit einem Kurztext von maximal drei Zeilen, der am unteren Ende jeder Kunstsäule in das Motiv integriert wird, soll das Konzept für Passanten auf Deutsch und Englisch in möglichst einfacher Sprache vermittelbar sein.
  • Bei dem Motiventwurf sind Motive oder Teilmotive, die frauenfeindliche, sexuelle, rassistische, gewalt- oder kriegsverherrlichende Inhalte haben, ausgeschlossen. Ebenso solche, die gegen Gesetze oder behördliche Bestimmungen verstoßen oder den Interessen der Personen/Unternehmen, auf dessen Grundbesitz sich der Werbeträger befindet, zuwiderläuft.
  • Die eingereichten Entwürfe können unter anderem grafische, malerische oder fotografische Motive und Gestaltungsmethoden nutzen, müssen sich aber als vierfarbiger Digitaldruck (4/0 C Euroskala) auf 115 g/m² Affichenpapier realisieren lassen. Die gestaltbare Fläche hat eine Größe von 4,76 mal 3,36 Meter, wobei die leicht unterschiedlichen Dicken der Säulen mit Makulaturpapier ausgeglichen werden. Alternativ können drei Plakate im Format 8-eintel erzeugt werden. (Maße 119 cm x 336 cm), "Gassen" werden auch hier mit Makulaturpapier gefüllt)
  • Die konkreten Themen, auf die sich gestalterisch bezogen werden kann, sind vielfältig und werden ausdrücklich nicht vorgegeben. Angeregt wird aber, sich mit der Geschichte des Mediums Litfaßsäule und den bisherigen Motiven aus der Zeit zwischen 2015 und 2021 (siehe Rückblick 2015 bis 2021) zu beschäftigen, ebenso wie mit der urbanen Bedeutung und Präsenz der Litfaßsäulen in den diversen Wohnvierteln.
  • Jede Künstler*in beziehungsweise jede Initiative kann maximal zwei Entwürfe einreichen.

Einzureichende Unterlagen

  1. Das vollständig ausgefüllte Bewerbungsformular. Pro eingereichtem Motiv ist ein Bewerbungsformular auszufüllen, maximal also zwei Bewerbungsformulare.
  2. Weiterführende textliche und bildliche Darstellung der künstlerischen Gestaltung; Textteil: maximal zwei DIN-A4-Seiten
  3. Kurztext, der am unteren Ende der Kunstsäule auf Deutsch und Englisch integriert werden soll.
  4. Illustrationen des eingereichten Motivs
  5. Künstlervita mit Angaben zu Ausbildung, jüngsten Ausstellungen, Projekten, Preisen, Stipendien et cetera. Maximal eine DIN-A4-Seite und Referenzprojekte mit dem Schwerpunkt Kunst und Installationen im öffentlichen Raum.
Download Bewerbungsformular

Die Bewerbungsunterlagen sind ausschließlich digital einzureichen.

 

Weitere Hinweise

  • Ausgewählte Künstler*innen, die ihren Wohnsitz nicht in Köln haben, können - sofern es der Belegungsplan zulässt und es zur Vorbereitung oder Umsetzung des Entwurfes sinnvoll ist - die Gastateliers im Neuen Kunstforum am Alteburger Wall 1 nutzen. Die Kosten hierfür betragen 10 Euro pro Tag und einmalig 50 Euro Reinigungskosten. Reisekosten werden von uns nicht übernommen.
  • Der Vertrag zur Realisierung des Projektes wird vom Kulturamt direkt mit der Künstler*in abgeschlossen, auch wenn der Entwurf von einer Kurator*in , einer freien Initiative oder einem städtischen Museum eingereicht wurde.
  • Die Künstler*in verpflichtet sich mit der Bewerbung und bei Projektzusage, zu den vorgegebenen Terminen die Druckvorlagen und eventuell benötigte Materialien und Informationen zu liefern. Hierbei handelt es sich um das Finalisieren der Druckdatei, das Erstellen von Erläuterungstext und Ergänzung des Pressetextes und die fotografische Dokumentation des plakatierten Motives anhand von mindestens drei professionellen Fotos.
  • Das Urheberrecht der Künstler*innen beinhaltet keinen Anspruch auf den Erhalt der plakatierten Motive. Mit der Bewerbung erklären sich die Künstler*innen  bereit, dass ihr Motiv auf den 25 Kölner Kunstsäulen nach zwei bis drei Monaten überklebt wird.

Bitte beachten Sie, dass die Bewerbungsunterlagen inklusive Illustration(en) des eingereichten Motivs per E-Mail an das Kulturamt gesendet werden müssen. Bitte halten Sie sich bei der Benennung der Dateien an die oben genannte Nummerierung und an die maximale Gesamtgröße aller Dateien von 10 Megabyte.

Wettbewerbsanträge per E-Mail an Katrin Koerdt

Kontakt bei inhaltlichen Fragen:

Kulturamt der Stadt Köln
Referat Bildende Kunst, Literatur und Neue Medien
Nadine Müseler
Telefon 0221 / 221-23643

E-Mail an Nadine Müseler

Kontakt bei Fragen zu den Bewerbungsunterlagen und zur Jurysitzung:

Kulturamt der Stadt Köln 
Verwaltung
Katrin Koerdt
Telefon 0221 / 221-23354

E-Mail an Katrin Koerdt
Art in Public Spaces Tender - English version

Viola Yeşiltaç: „Schau’s dir an! Kendin görmen lazım! See it for yourself!“

Das aktuelle Kunstsäulenmotiv stammt von der Künstlerin Viola Yeşiltaç. Zu sehen ist das Bild einer raumgreifenden Wendeltreppe, die skulptural anmutet und dennoch die praktische Verbindung zweier Etagen bildet. Die schwarz-weiß gehaltene Fotografie wirkt wie eine optische Täuschung, bei dem sich die die Säule in ein völlig anderes dreidimensionales Objekt "verwandelt", eine Treppe.

Oder aber, so intendiert es die Künstlerin, es wird das Innenleben der Litfaßsäule gezeigt.

"Schau’s dir an! Kendin görmen lazım! See it for yourself!" so der Titel des Motivs, das zu einem gedanklichen Ortswechsel einlädt.

Ganz konkret führt uns die Künstlerin nach Istanbul in das Archäologische Museum, in die zweite Etage mit Artefakten aus Zypern, Syrien und Palästina. Die abgebildete Wendeltreppe gilt in kulturellen Kreisen Istanbuls als Referenz und Erinnerung an die freischwebende Wendeltreppe im Eingangsbereich des ehemaligen im Stadtteil Taksim gelegenen Atatürk-Kulturzentrums (AKM).

Das AKM war ein Symbol für die Modernisierungsversuche der Türkei, die auf politischer und kultureller Ebene einer Verwestlichung gleichkamen. Im Jahr 2018 wurde das Atatürk- Kulturzentrum von der noch heute an der Macht befindlichen Regierung abgerissen. Ein wichtiger Ort für die Istanbuler und die kulturelle Szene, der nun nicht mehr existiert,

erläutert Viola Yeşiltaç

Die zugrundeliegende Inspiration für ihr Werk stammt aus der Kindheit der Künstlerin – aus dem Kinderfilm "Moritz in der Litfaßsäule".

Die Litfaßsäule ist eine architektonische Form, welche mich seit meiner Kindheit fasziniert. Sie erinnert mich an die Geschichte des kleinen Jungen, der fortläuft und sich in einer Litfaßsäule versteckt, mitten auf dem Marktplatz. Diese Kapsel, der enge, begrenzte Raum, wird ihm zum weiten, grenzenlosen Land der Phantasie. Die Litfaßsäule wurde ein Projektionsraum für mich und jedes Mal, wenn ich eine Litfaßsäule sah, suchte ich nach einer Tür oder klopfte die Säule ab, um zu horchen, ob sie tatsächlich hohl war, ob es eine Möglichkeit gab, in den Raum einzutreten.

Damals war die Litfaßsäule für die Künstlerin eine Tür, die Zugang zu Geschichten und Imaginationen ermöglichte. Später wurden dies die Galerien und Museen der Welt. Sie klopfte an und durfte eintreten, neue Geschichten erkunden und andere Welten erleben.  

Ihr Appell lautet:

Wir brauchen Räume, die uns einen Zugang zu anderen Kulturen ermöglichen!

Viola Yeşiltaç, geboren 1975 in Hannover,  lebt und arbeitet in Köln. Ihre Ausbildung führte sie von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig über die Kunstakademie in Düsseldorf bis zum Royal College of Art in London. Unterschiedliche Stipendien wie zum Beispiel in China, der Türkei und New York sowie zahlreiche Ausstellungen und Preise zeigen und würdigen ihr künstlerisches Werk.

Viola Yeşiltaç war von April bis Juni 2018 Atelier-Galata-Stipendiatin der Stadt Köln und hat in Istanbul gelebt und gearbeitet. Ihr Kunstsäulen-Motiv ist noch bis Mitte Juni 2022 an 25 Orten in der Stadt zu sehen.

Weitere Informationen zu Viola Yeşiltaç und ihrer Arbeit

Standorte der Kölner Kunstsäulen

Die Säulen stehen in den verschiedensten Stadtvierteln in Köln, an gut einsehbaren Standorten. Diese sind zum Beispiel in:

  • Chorweiler
  • Holweide
  • Humboldt-Gremberg
  • Kalk
  • Longerich
  • Neu-Brück
  • Raderberg
  • Rodenkirchen
  • Seeberg
  • Südstadt
Standorte der Kölner Kunstsäulen
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Die Jury für die Motive der Kunstsäulen

Die Auswahl der Motive für die Kunstsäulen erfolgt durch eine Jury, die vor allem aus Personen besteht, die zwischen 2015 und 2018 bereits Erfahrung mit dem Projekt gesammelt haben.

Der Fachjury gehören derzeit folgende Personen an:

  • Heike Ander, Kunsthistorikerin, KHM
  • Rozbeh Asmani, Künstler
  • Arno Hambloch, Firma Ströer
  • Nadine Müseler, Kulturamt der Stadt Köln
  • Christian Sievers, Künstler
  • Damian Zimmermann, Kunstkritiker, Internationale Photoszene Köln

Das Votum der Jury ist unanfechtbar und der Rechtsweg ausgeschlossen.

Rückblick zu den bisherigen Kölner Kunstsäulen

Katharina Kohl Charlotte Pohle Pia Hertel Andreas Maus Stefanie Pluta Bärbel Möllmann Tamara Lorenz Dawid Liftinger Weitere Informationen zum Projekt von Hans Diernberger und Will Saunders Martin Wisniowski Johannes Post Maurits Boettger Doris Frohnapfel Christian Sievers Johanna Reich Vera Drehbusch Rozbeh Asmani Philipp Hamann
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an das Referat für Bildende Kunst Art on former Cologne Advertising Columns in English