Das Gedächtnis der Stadt

Die knappe Darstellung des Historischen Archivs basiert auf dem Stand vor dem Unglück. Sie beschreibt Umfang und Bedeutung der Archivalien.


Das Historische Archiv von Köln ist eines der größten kommunalen Archive Deutschlands. Hier werden Originaldokumente aus über tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte verwahrt. Es ist das historische Gedächtnis der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger. Durch zahlreiche bedeutende Sammlungs- und Nachlassbestände hat das Archiv schon lange überregionale Bedeutung. Auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland ist es regelmäßige Anlaufstelle.

1322 fand der Bestand des Historischen Archivs noch in einer einzigen Kiste Platz, bis heute ist er zum größten kommunalen in ganz Deutschland und nördlich der Alpen angewachsen. Rund 30 Kilometer Regale sind es mittlerweile, pro Jahr kommen etwa 300 Meter dazu. Alles in allem rund 65.000 Urkunden, über 100.000 Karten und Pläne, etwa 50.000 Plakate und etwa eine halbe Million Fotos zu Kölner Ereignissen.

Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 922. Die Urkunde aus Sankt Ursula erwähnt auch viele Dörfer, Flecken und Gehöfte im Kölner Umland, die nur aufgrund dieses Papiers 1922 alle ihr "Tausendjähriges" feiern konnten.

Ein "bedeutendstes" Stück gibt es in dem Sinne nicht, weil dies stets eine Frage der persönlichen Perspektive ist, aber einige Archivalien sind schon herausragend. Wie etwa der Verbundbrief von 1396, mit dem sich Köln eine Verfassung gab, die 400 Jahre gültig blieb. Ursprünglich wurden sie für alle Gaffeln (sinngemäß: Zünfte) ausgestellt, heute befinden sich noch sechs davon im Bestand des Historischen Archivs.

Die überwiegende Menge des Archivgutes ist unscheinbar, weil in erster Linie das laufende Schriftgut der Verwaltung aufgehoben wird. Aber genau hier verbergen sich die Quellen des Stadtrechts und alle wesentlichen Verträge für Köln. Der Umstand, dass die Kölner Bürgerschaft sich seit Jahrhunderten selbst um ihre Belange kümmert, macht die Dokumente, die rechtliche Fragen der Gemeinschaft klären, zum eigentlichen, zum größten Schatz, den es zu bewahren gilt. Das Historische Archiv sichert Rechte!

Außer den Archivalien, die städtisches Handeln für die Nachwelt sichtbar bleiben lassen, befinden sich im Bestand über 800 Nachlässe von Personen oder Institutionen aus Köln oder dem Umland, so etwa von Heinrich Böll, dessen Nobelpreisurkunde ebenfalls dazu zählt, von Jacques Offenbach, Gottfried Böhm, Ferdinand Franz Wallraf, Jan von Werth oder Hermann von Weinsberg. Der Kunstsammler und -gelehrte Sulpiz Boisserée überzeugte per Brief seinen Freund Johann Wolfgang von Goethe und den preußischen Kronprinzen davon, wie wichtig es ist, den Dom weiterzubauen. Briefe Hegels, Handschriften von Karl Marx und Friedrich Engels, Verfügungen von Napoleon Bonaparte oder Edikte des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. Diese und unzählige andere Dokumente machen das Archiv so wertvoll.

Was lagert in den Archiven? - Ein Überblick

  • Urkunden, Ratsprotokolle, Verfassung und Verwaltung, Stadtrechnungen, Hanse, Handel, Zunft, Schreinsbücher, Gerichte, Testamente, Armenverwaltung, Universität vom 12. Jahrhundert bis Ende der reichsstädtischen Zeit
  • Urkunden und Akten der Kölner Stifte und Klöster vom 10. Jahrhundert bis 1802
  • Akten der Stadt Köln aus französischer Zeit von 1794 bis 1814, preußischer Zeit von 1815 bis 1945 und von 1945 bis heute, wie zum Beispiel Schulzeugnisse, Abiturarbeiten und ähnliches
  • Urkunden und Akten eingemeindeter Orte vom 14. bis zum 20. Jahrhundert
  • Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Architektur und Wissenschaft, Archive von Vereinen, Verbänden, Parteien, Verlagen
  • Sammlungen, wie zum Beispiel Handschriften vom 6. bis zum 19. Jahrhundert, Siegel, Pläne, Plakate, Fotos, Zeitungen, zeitgeschichtliche Sammlung

Die Aufgaben des Archivs

Der für die Bürgerinnen und Bürger plakativste Nutzen ist das Stöbern in alten Schätzchen und das Suchen in Unterlagen, die für höchst unterschiedliche Zwecke gebraucht werden. Viele Autorinnen und Autoren bedienen sich hier authentischen Materials und harter Fakten, die sie für ihre Werke benötigen. Im Lesesaal, den im vergangenen Jahr über 3.000 Menschen besuchten, unterstützen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs bei der Recherche und beim Suchen. Dr. Bettina Schmidt-Czaia, die heutige Leiterin, schätzt, dass in den Regalen noch Stoff für rund 10.000 Doktorarbeiten lagert.

Ohne die drei anderen großen Aufgaben wäre die Nutzung der Dokumente aber gar nicht denkbar: Sichten, Erschließen und Erhalten sind die entscheidenden Stichworte.

Die Kölner Stadtverwaltung produziert pro Jahr Akten und Schriftstücke von rund drei Kilometern Länge. Zwischen drei und fünf Prozent davon werden archiviert. Kein Dokument tritt den Weg in die Aktenvernichtung an, ohne von wachsamen Augen begutachtet und dafür freigegeben worden zu sein. Was aufbewahrt werden soll, muss anschließend geordnet und verzeichnet werden. Nicht zu vergessen sind die Leistungen, die ein Dokument so haltbar machen oder erst wiederherstellen, dass es über Jahrhunderte betrachtet werden kann. Hier treten Restauratorinnen, Restauratoren, Konservatorinnen und Konservatoren auf den Plan.

150-jähriges Jubiläum 2007

Auch wenn im Archiv schon deutlich länger gesammelt, gesichtet, verzeichnet, sortiert und restauriert wird, feierte das Gedächtnis der Stadt 2007 sein 150-jähriges Jubiläum. Denn als Leonard Ennen 1857 die Leitung des Hauses übernahm, da war er der erste hauptamtliche Archivar. Ein Wendepunkt in der Geschichte des Stadtarchivs.


Den Wandel von damals bis heute ins heutige Zeitalter machte eine Ausstellung deutlich, die im Jubiläumsjahr gezeigt wurde. Sie trug den Titel "Hüter der Schätze und digitaler Dienstleister".

Links und Downloads

Die Handreichung zur Jubiläumsausstellung können Sie als PDF herunterladen:

Hüter der Schätze und digitaler Dienstleister - 150 Jahre Historisches Archiv [PDF, 5210 KB]

Weitere Infos gibt es auch auf unserer Seite bei archive.nrw:

Historisches Archiv der Stadt Köln auf archive.nrw.de 

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