Mehrheitsverhältnisse in den Stadtteilen
Von besonderem Interesse - insbesondere für eine Betrachtung der Mobilisierungserfolge der Kandidaten - ist eine Analyse der Mehrheitsverhältnisse der Kandidaten in den Kölner Stadtteilen. Wer liegt wo vorn, wo befinden sich die Mehrheiten-Stadtteile der OB-Kandidaten?
Für eine eingehendere Betrachtung werden in der folgenden Tabelle die Rangplatze ausgewiesen, die die Kandidaten - gemäß der auf sie entfallenden Stimmenanteile - in den 86 Kölner Stadtteilen belegen konnten.
| Kandidat | Rang 1 | Rang 2 | Rang 3 | Rang 4 | Stadtteile insgesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Peter Kurth, CDU | 8 | 78 | 0 | 0 | 86 |
| Jürgen Roters, SPD/GRÜNE | 79 | 7 | 0 | 0 | 86 |
| Ralph Sterck, FDP | 0 | 0 | 39 | 47 | 86 |
| Markus Kurt Beisicht, pro Köln | 0 | 0 | 47 | 35 | 82 |
| Dr. Martin Müser, FW-KBB | 0 | 0 | 0 | 4 | 4 |
Im Stadtteil Fühlingen Stimmengleichheit bei den Kandidaten
Danach liegt Jürgen Roters in 79 Stadtteilen an der Spitze (1. Rang). In acht Stadtteilen musste er den Spitzenplatz seinem Gegenkandidat der CDU - Peter Kurth - überlassen. Ralph Sterck liegt in 39 Stadtteilen auf Rang 3 - in 47 Stadtteilen musste der FDP-Kandidat den dritten Rang an Markus Kurt Beisicht abtreten. Das im Vergleich zum FDP-Kandidaten in Teilen deutlich bessere Ergebnis des Kandidaten von pro Köln kann als Protestsignal der Wähler gewertet werden, was in seiner Deutlichkeit jedoch nicht seine Entsprechung im Ratsergebnis von pro Köln wiederfindet. Dr. Martin Müser von den Freien Wählern - Kölner Bürger Bündnis konnte in vier Stadtteilen ein besseres Ergebnis als Markus Kurt Beisicht erzielen.
Eine pointiertere Darstellung der Mehrheitsverhältnisse bietet die folgenden Karte 3, in der die Mehrheitsverhältnisse von Jürgen Roters und Peter Kurth in den 86 Kölner Stadtteilen danach unterschieden werden, ob sie auf relativer oder sogar absoluter Stimmenmehrheit basieren.
Danach dominiert Jürgen Roters insgesamt in 79 von 86 Stadtteilen: In 49 Stadtteilen liegt er mit einer absoluten Mehrheit von über 50 Prozent der Wählerstimmen vorn und in 29 Stadtteilen mit immerhin relativer Mehrheit. Das beste Ergebnis erzielt Jürgen Roters in Nippes (68,4 Prozent) und Ehrenfeld (67,8 Prozent), wo sein Ergebnis fast an die 70 Prozent-Marke heranreicht.
Peter Kurth liegt in insgesamt sieben Stadtteilen vor Jürgen Roters. Die absolute Stimmenmehrheit konnte er in Hahnwald (71,3 Prozent), Marienburg (58,2 Prozent) und Junkersdorf (50,1 Prozent) erreichen, in Libur, Müngersdorf, Widdersdorf und Rodenkirchen hat er die einfache Mehrheit der Stimmen.
Über bereits geleistete Mobilisierungserfolge der beiden Kandidaten, aber auch über noch bestehende Defizite, gibt der stadtteilbezogene Vergleich der Kandidaten-Ergebnisse mit den entsprechenden Parteiergebnissen bei der Ratswahl Auskunft. Danach liegt der CDU-Kandidat Peter Kurth in den CDU-Mehrheitsstadtteilen zwischen 18,9 (Hahnwald) und -4,7 Punkten (Libur) über beziehungsweise unter dem vergleichbaren Ratsergebnis. Diese im Vergleich zur letzten OB-Wahl geringere Nähe der OB-Ergebnisse zum CDU-Ratsergebnis muss kein Beleg für eine weniger starke Kohärenz zwischen Partei- und Oberbürgermeister-Anhängerschaft bei den Kölner Unionswählern gewertet werden, sondern dürfte eher mit der kurzen Kandidatur des CDU-Kandidaten zusammenhängen.
Bei Jürgen Roters ist eine ähnliche kleinräumige Mehrheitsbetrachtung ("Hochburgen") schwieriger. Da Jürgen Roters der gemeinsame Kandidat von SPD und GRÜNEN ist und hohe Stimmenanteile von SPD und GRÜNEN in den Stadtteilen in der Regel gemeinsam auftreten, kann kaum unterschieden werden, von welchen Parteianhängern die Stimmen für Jürgen Roters genau kommen. Um dennoch eine Analyse der Mobilisierungserfolge des Rot-/Grün-Kandidaten durchzuführen, werden in einem ersten Schritt die Ratsergebnisse von SPD und GRÜNE rechnerisch zusammengefasst und mit Ergebnis des gemeinsamen Kandidaten Jürgen Roters verglichen.
Jürgen Roters erhielt in 70 Stadtteilen mehr Wählerstimmen als das zusammengefasste Parteienergebnis von Rot/Grün. In Buchforst, Grengel, Mauenheim, Elsdorf, Flittard und Holweide liegen zwischen seinem Ergebnis und dem Ratsergebnis von Rot/Grün mehr als 10 Punkte Differenz. Sürth ist der einzige Stadtteil, in dem Jürgen Roters weniger Stimmen als das Rot/Grün-Ratsergebnis bekam - hier waren seine Mobilisierungsbemühungen weniger erfolgreich.
Ein Vergleich der Ergebnisse, die Jürgen Roters in den 21 Stadtteilen, in denen die SPD die meisten Stimmen geholt hat, mit den Ergebnissen in den entsprechenden Mehrheitsgebieten der GRÜNEN deutet darauf hin, dass Jürgen Roters in GRÜNEN-Mehrheitsgebieten minimal besser abschneidet: Sein durchschnittlicher Stimmenanteil von 59 Prozent in den 21 GRÜNEN-Mehrheitsgebieten liegt drei Prozentpunkte über seinem Anteilswert in seinen Mehrheitsgebieten (56 Prozent). Dies spricht für eine annähernd gleich starke "Popularität" des SPD-Kandidaten in beiden Wählerlagern.


