Briefwählereinfluss auf das Wahlergebnis
Insgesamt stellten bei der gestrigen OB-Wahl circa 117.800 Wahlberechtigte einen Briefwahlantrag - das sind deutlich mehr also noch bei der Wahl 2004 (circa 97.000). Die Zahl der Briefwähler liegt üblicherweise unter der der vorab ausgegebenen Wahlscheine: Ein Teil der Wähler gibt den Stimmzettel entweder nicht ab oder entscheidet sich dann doch noch dafür, im Wahllokal wählen zu gehen. Letztendlich haben insgesamt knapp 104.100 Wählerinnen und Wähler ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Damit hat die Zahl der Briefwähler - dem Trend der letzten Jahre folgend - weiter zugenommen (1999: 84.000, 2004: 89.000).
Die Briefwähleranteile der verschiedenen Parteien folgen den bekannten Mustern der Vorwahl. So ist auch bei der gestrigen Wahl das CDU-Ergebnis durch einen überdurchschnittlich hohen Briefwähleranteil geprägt (32,7 Prozent). Der Anteil der FDP-Briefwähler liegt mit 30,9 Prozent ebenfalls deutlich über dem gesamten Briefwähleranteil dieser Wahl. Die SPD-Wähler machten - im Verhältnis zu CDU- und FDP-Wählern - seltener von der Briefwahl Gebrauch: So wählten diesmal 26,2 Prozent aller SPD-Wähler per Brief (2004: 21,8 Prozent). Gleiches gilt für die Wähler der LINKEN - hier wählten 22,5 Prozent per Brief. Die GRÜNEN-Wähler entschieden sich ebenfalls unterdurchschnittlich für die Briefwahl und gaben ihre Stimme vermehrt erst am Sonntag in der Wahlkabine ab: Nur 23,6 Prozent ihrer Stimmen bekamen die GRÜNEN "per Brief".
Briefwähler werden überwiegend zu den Stammwählern gerechnet, da sie sich bereits früh für eine Partei entscheiden (können). Bei der CDU mit dem traditionell höchsten Stammwähleranteil kam es - wie bereits bei der Vorwahl - jedoch erneut zu einem (allerdings) leichten Rückgang, denn nur 33.800 (feste) CDU-Anhänger gaben frühzeitig zu Gunsten ihrer Partei eine Briefstimme ab (2004: circa 34.600; - 800). Dieser Tatbestand stützt die bereits geäußerte Vermutung, dass die CDU bei ihren "bürgerlichen" Stammwählern zunehmend "Mobilisierungsschwächen" hat.
Der SPD gelang bei dieser Wahl eine höhere Stammwählermobilisierung (allerdings nur bei der Briefwahl): Sie erreichte circa 27.300 Briefwahlstimmen und legte damit etwa 3.600 Briefwahlstimmen gegenüber der Vorwahl 2004 zu (circa 23.700).
Ähnliches trifft für die GRÜNEN zu, die 2004 circa 13.000 Briefwähler verzeichneten und gestern von dem allgemein erhöhten Briefwahlaufkommen am stärksten partizipieren konnten. Sie gewannen circa 6.000 Briefwahlstimmen hinzu und kommen nun auf circa 19.000 "Vorab-Stimmen".
Die FDP erhielt mit knapp 10.800 Briefwahlstimmen etwa 3.900 Stimmen mehr, als sie bei der Kommunalwahl 2004 erreicht hatte (6.900).
Die allgemeine Briefwahlentwicklung wirkt sich auch auf die Anteilswerte der Parteien aus. So hätte die CDU nach dem Urnenergebnis einen Stimmenanteil von nur 26,0 Prozent erzielt. Durch ihren immer noch überdurchschnittlichen Briefwahlanteil (32,7 Prozent) kommt sie stadtweit auf 27,9 Prozent der gültigen Stimmen insgesamt. Die Prozentpunktdifferenz zwischen Urnen- und "Brief"-Ergebnis liegt bei 6,7 Punkten.
Spiegelverkehrtes gilt für die SPD: Ihr "besseres" Urnenergebnis von 28,6 Prozent wird - wegen des in Relation geringeren Briefwähleraufkommens (26,4 Prozent) - auf 28,0 Prozent insgesamt abgesenkt. Der Abstand zwischen Brief- und Urnenergebnis der Sozialdemokraten ist mit 2,2 Punkten Unterschied allerdings weitaus geringer als noch 2004 (5,9 Punkte).
Briefwählerinnen und Briefwähler in Wahllokalen: Stimmenanteile der Parteien in Prozenten
| Partei | Wahllokal 2009 | Briefwahl 2009 | Differenz Prozent-Punkte 2009 | Wahllokal 2004 | Briefwahl 2004 | Differenz Prozent-Punkte 2004 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| CDU | 26,0 | 32,7 | -6,7 | 30,6 | 38,9 | -8,3 |
| SPD | 28,6 | 26,4 | 2,2 | 32,5 | 26,6 | 5,9 |
| GRÜNE | 22,9 | 18,4 | 4,6 | 17,2 | 14,6 | 2,6 |
| FDP | 9,0 | 10,4 | -1,4 | 7,3 | 7,8 | -0,5 |
| pro Köln | 5,4 | 5,2 | 0,2 | 4,6 | 4,9 | -0,3 |
| DIE LINKE | 5,2 | 3,9 | 1,3 | 3,1 | 2,5 | 0,6 |
| Sonstige | 2,8 | 3,0 | -0,2 | 4,7 | 4,7 | 0,0 |
Ähnliches gilt für die GRÜNEN, bei denen sich das bessere Urnenergebnis (22,9 Prozent) durch das Briefwahlergebnis (18,4 Prozent) verschlechtert hat. Das allgemein erhöhte Briefwahlaufkommen wirkt sich also eher zu Ungunsten der GRÜNEN aus.
Die FDP profitiert nur geringfügig vom zunehmenden Briefwahlaufkommen: Waren 2004 Urnen- und Briefwahlergebnis für die FDP annähernd identisch (7,3 beziehungsweise 7,8 Prozent), stieg die Differenz bei der aktuellen Wahl geringfügig auf 1,4 Punkte an (Urne: 9,0 Prozent, Brief: 10,4 Prozent). Bei den LINKEN (Differenz 1,3 Prozent) sowie den sonstigen Parteien (0,2 Prozent) gibt es ebenfalls kaum Effekte durch das Briefwahlaufkommen.

