Junge Frauen in Köln sind beim Feiern und auf dem nächtlichen Nachhauseweg immer wieder von Übergriffen und Belästigungen bis hin zur Vergewaltigung betroffen. Um das Partyleben für Mädchen und Frauen sicherer zu machen und sie für diesen Themenkomplex zu sensibilisieren, wurde das Aktionsbündnis "Mach Party - Safe!" vom Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln und dem ZONTA Club Köln 2008 ins Leben gerufen.

An der Auftaktveranstaltung im November 2014 nahmen fast 50 Mädchen und junge Frauen teil, seitdem findet jedes Jahr eine Informationsveranstaltung zur Partysicherheit statt.

Mach Party - safe

Mach Party - Safe: So gehen junge Frauen auf Nummer sicher. Beim Feiern und unterwegs

In Clubs, Discos und Bars willst du deinen Spaß. Und keinen Blackout, der dich hilflos und wehrlos macht. Genauso gefährlich kann eine miese Anmache auf dem Nachhauseweg werden. Leider passiert genau das jungen Frauen immer wieder - auch hier in Köln. Deshalb: Pass gut auf dich und deine Freundinnen auf. Und informier dich, wie du dich schützen kannst.

Gib K.o.-Tropfen und zu viel Alkohol keine Chance

  • Lass deine Getränke nie unbeaufsichtigt.
  • Vereinbare mit deinen Freundinnen und Freunden, dass ihr gegenseitig auf euch und eure Getränke aufpasst.
  • Nimm keine offenen Getränke von fremden Personen an.
  • Kontrolliere unbedingt, wie viel Alkohol du trinkst. Zu viel Alkohol kann ähnlich wirken wie K.o.-Tropfen.
  • Vertraue deinem Instinkt: Wird dir plötzlich schwindelig oder übel? Fühlst du dich komisch oder enthemmt? Dann sprich sofort eine Vertrauensperson an und bitte sie, bei dir zu bleiben.
  • Reagiere direkt, wenn sich eine Freundin seltsam fühlt oder benimmt. Lass sie auf keinen Fall allein oder mit anderen Personen weggehen.
  • Wähle im Zweifelsfall den Polizei-Notruf 110 oder ruf ärztliche Hilfe unter 112, wenn der Verdacht auf K.o.-Tropfen besteht.

Blackout durch K.o. Tropfen oder Alkohol: Noch Fragen? Hier sind Antworten

Was sind eigentlich K.o.-Tropfen?
Unter K.o.-Tropfen versteht man Substanzen, die unbemerkt verabreicht werden, um einen anderen Menschen in einen willen- und hilflosen Zustand zu versetzen. Unter der Wirkung von K.o.-Tropfen kommt es immer wieder zu Sexualdelikten und Raub. Bei den verwendeten Wirkstoffen handelt es sich häufig um die Partydrogen GHB oder GBL, auch Liquid Ecstasy genannt.

Wie wirken K.o.-Tropfen?
GHB und GBL wirken entspannend und enthemmend. Je nach Dosierung stimulieren sie sexuell, machen benommen oder führen zu Tiefschlaf oder Koma. Betroffene berichten immer wieder von einem "Filmriss" mit schlagartigem Erinnerungsverlust. Bei GHB und GBL setzt die Wirkung nach circa 15 Minuten ein und hält bis zu vier Stunden an.

Merke ich, ob ich K.o.-Tropfen im Glas habe?
In der Regel nicht. K.o.-Tropfen sind meist farblos, ihr leichter Geruch und Geschmack werden fast immer durch das Getränk selbst überdeckt.

Welche Nebenwirkungen haben K.o.-Tropfen?
Als Nebenwirkungen werden Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerz, Krampfanfälle, Muskelkrämpfe und Verwirrtheit beobachtet. In Verbindung mit Alkohol kann GHB oder GBL zu einer Atemnot führen und tödlich sein.

Kann man nachweisen, dass K.o.-Tropfen verabreicht wurden?
Ja, aber nur eine kurze Zeit. Im Blut sind die Substanzen nur circa 6 Stunden nach der Einnahme nachweisbar, im Urin etwa 8 bis 12 Stunden.

Was tun, wenn mir (möglicherweise) K.o.-Tropfen verabreicht wurden?
Ganz wichtig ist, sofort die Polizei unter 110 oder ärztliche Hilfe unter 112 zu rufen. Es müssen schnellstmöglich Blut- und Urinproben genommen werden. Und in der Regel ist auch eine körperliche Untersuchung notwendig, um eventuelle Verletzungen zu dokumentieren und gegebenenfalls DNA-Spuren zu sichern.

Gibt es den typischen Täter oder Tatort?
Nein. K.o.-Tropfen werden grundsätzlich sowohl in Clubs als auch bei privaten Festen verabreicht, von Fremden und Bekannten. In einigen Fällen weiß man sogar, dass Barkeeper zu den Tätern zählen.

Kann Alkohol mich genauso hilflos machen wie K.o.-Tropfen?
Ja. Bei einem hohen Alkoholkonsum ist die Wirkung oft ähnlich. Dieses Risiko solltest du nicht unterschätzen!

Weitere Informationen über K.o.-Tropfen

Komm sicher nach Hause

  • Dein Bauchgefühl sagt dir, eine Situation könnte bedrohlich werden? Dann hol frühzeitig Hilfe und sorge für Öffentlichkeit. Sprich andere Menschen konkret an, benenne sie und sage ihnen, welche Hilfe du erwartest. Zum Beispiel: "Sie mit dem roten T-Shirt, rufen Sie die Polizei!"
  • Hilfe bekommst du auch in einem Geschäft, an einer Tankstelle, in einer Gaststätte. Oder klingele an einer Haustür.
  • Tu so, als würdest du im Gehen mit dem Handy telefonieren oder telefoniere tatsächlich.
  • Nimm deinen Schlüsselbund oder ähnliches zur Hand, damit du dich bei einem Angriff sofort wehren kannst.
  • Du wirst mit Worten belästigt oder körperlich bedrängt? Setz deine Stimme ein, werde laut und grenze dich ab. Sag deinem Gegenüber klar: "Lassen Sie mich in Ruhe!" Benutze immer die "Sie"-Form, damit Außenstehende merken, dass du den anderen nicht kennst.
  • Zögere nicht eine Notrufsäule zu benutzen, wähle den Polizei-Notruf 110 oder ruf ärztliche Hilfe unter 112.

Tipps zur Sicherheit auf dem Nachhauseweg

Was kann ich selbst für meine Sicherheit tun?
Plane schon vorher, wie du nach Club oder Party sicher nach Hause kommst - am besten in Begleitung von Freundinnen oder Freunden. Informiere dich über die Strecke und nimm notfalls einen Umweg in Kauf, um dunkle, abgelegene und unübersichtliche Straßen und Plätze zu meiden. Ruf dir gegebenenfalls unter 2882 oder 170000 ein Taxi.

Wichtig: Du solltest immer dein Handy griffbereit haben – und vorher ans Aufladen denken!

Wie verhalte ich mich richtig an Haltestellen und in Verkehrsmitteln?
An Haltestellen und Bahnhöfen solltest du dich in gut beleuchteten Bereichen und gegebenenfalls in der Nähe anderer Menschen oder Gruppen aufhalten. Setz dich in Bus oder Bahn ganz nach vorne in die Nähe der Fahrerin oder des Fahrers. Schau nach den roten Notrufknöpfen in Fahrzeugen und an Haltestellen. Denke außerdem daran, dich rechtzeitig über die Fahrpläne von Bus und Bahn zu informieren. So lässt sich unnötiges Warten vermeiden.

Wichtig: Benutze keine Ohrstöpsel oder Kopfhörer, damit du eventuelle Gefahrensituationen rechtzeitig wahrnimmst.

Sind die Täter immer Fremde?
Nein. Oftmals sind Täter (flüchtige) Bekannte oder Freunde. Sei deshalb wachsam und achte darauf, von wem du dich begleiten oder nach Hause fahren lässt.

Stimmt es, dass Angriff die beste Verteidigung ist?
Nein. Versuche einer körperlichen Konfrontation immer auszuweichen. Wenn du den ersten Schritt machst, kann das beim anderen zu gewalttätigen Reaktionen führen. Besser, du holst frühzeitig Hilfe, um die Gefahr abzuwenden.

Soll ich sicherheitshalber eine Waffe oder zum Beispiel Tränengas mitnehmen?
Davon ist auf jeden Fall abzuraten. Denn du musst immer damit rechnen, dass Waffen, Tränengas, Pfefferspray oder ähnliches dem Angreifer in die Hände fallen können und dann gegen dich eingesetzt werden. Viel nützlicher ist ein Schrillalarm, der für Öffentlichkeit sorgt.

Wie lerne ich das richtige Verhalten in Gefahrensituationen?
Es gibt Kurse, in denen Frauen die Grundprinzipien der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung erlernen können, in Köln zum Beispiel bei der VHS und in Sportvereinen. Empfehlenswerte Angebote findest du im Flyer "Stark trifft Sicher".

Weiterführende Informationen und Infomaterial

Flyer "Stark trifft Sicher" zum Thema Selbstbehauptungskurse
PDF, 1407 kb

Mach Party - Safe am 04. November 2016

Mach Party - Safe am 14. November 2015

Ja, es gibt sie, die Jungs und Männer, die mit der Absicht in Diskotheken und Clubs gehen und auf die Gelegenheit warten, Frauen willenlos zu machen und dies mit ganz drastischen und skrupellosen Mitteln...

So die eindringlichen Worte von Christine Kronenberg an die rund 30 Workshop-Teilnehmerinnen. Mädchen und junge Frauen von 16 bis 26 Jahren waren zum zweiten kostenlosen Infonachmittag ins studio dumont gekommen.

Die beiden Trainerinnen Heike Afflerbach-Hintzen und Dimitria Bouzikou schulten die Teilnehmerinnen nach dem Motto "mit Hand, Herz und Hirn". Das bedeutete, Trainingsübungen zum Stimmeinsatz und eindeutiger Körperhaltung, aber auch "handfeste" Selbstverteidigungsübungen.

Drei Stunden lang waren die jungen Frauen eifrig und mit viel Spaß bei der Sache. Und nun wissen sie: Zur Vorbereitung auf eine Party gehören nicht nur Haare föhnen, Wimpern tuschen und ein paar Griffe zur Selbstverteidigung zu kennen. Wichtig ist, selbstbewusst aufzutreten und auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Denn so kommt es vielleicht gar nicht soweit, sich selbst verteidigen zu müssen...

Am Ende der Veranstaltung erhielten die Partygängerinnen eine coole Goodie Bag mit dem Flyer "Tipps zur Partysicherheit", einem Schrillalarm, Getränkesicherungen und weiteren nützlichen Utensilien.

 

Mach Party - Safe am 24. November 2014

Rund 50 Mädchen und junge Frauen lernten, begleitet von lauter Technomusik im Hintergrund, bei der Veranstaltung im studio dumont alles rund ums Thema Partysicherheit. Wir konnten die Zuhörerinnen für das Thema sensibilisieren und ihnen zeigen, wie sie sich im Partyleben vorbereiten und schützen können.

Eine der neuen Erkenntnisse für alle Zuhörerinnen lautet: Ich muss mich richtig auf eine Party vorbereiten.

Das heißt zum Beispiel:

  • Wer geht mit?
  • Wer bleibt nüchtern?
  • Wann fährt die KVB?
  • Ist mein Handy aufgeladen?

Schnell erkannten die Mädchen und jungen Frauen, dass zur Partyvorbereitung viel mehr gehört als nur Haare föhnen und Wimpern tuschen. Wer gut vorbereitet ist, kann so wirklich allen, auch den Eltern, ein sicheres Gefühl geben.

Die Besucherinnen konnten mit einem guten Gefühl nach Hause gehen, nachdem sie durch Übungen zu gezielter Abwehr, Augenkontakt und klarer Ansage selbstbewusst und sicher geworden waren. "Nein" zu K.o.-Tropfen und lästiger Anmache war das wichtigste Ziel der Veranstaltung.

Diese wurde von uns in Zusammenarbeit mit den folgenden Vereinen ins Leben gerufen:

  • dem ZONTA Club Köln 2008
  • dem Verein Lobby für Mädchen
  • dem Kölner Arbeitskreis K.o.-Tropfen